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Secret Green

To Wake The King

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2009
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Folk; Moderne Klassik; RetroProg; sonstiges
Label: Holyground Records
Durchschnittswertung: 11/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Francis Lickerish guitar, wind guitar, lute, bass, keyboards, orchestration
Hilary Palmer vocals, flute
Jon Beedle guitar, balalaika
William Gilmour keyboards
Matt Hodge drums, percussion

Gastmusiker

Raul D'Oliveira trumpet
Dave Storey Drums (2)
Jason Ducker guitar (10)
Robert John Godfrey church organ (11)
Mike Hicks lap steel guitar (2,11)
Giles Holybrook contra bassoon

Tracklist

Disc 1
1. Prelude 4:54
2. Ecchoing Green 10:33
3. On Merlin's Ground 7:29
4. Tom O'Bedlam 8:29
5. Pavan - The Track of the Moon on the Water   (Guinevere Suite (Five Courtly Dances), I) 5:12
6. Galliard - On Secret Green   (Guinevere Suite (Five Courtly Dances), II) 5:38
7. Louré - Lady Morgana's Orrery (No Real Cause for Tears)   (Guinevere Suite (Five Courtly Dances), III) 5:05
8. Allemande - My Lord Beedle's Content of Desire   (Guinevere Suite (Five Courtly Dances), IV) 1:30
9. Bransle - Poor Mad Tom (Tom's a-Cold)   (Guinevere Suite (Five Courtly Dances), V) 3:02
10. Camlann 13:44
11. Nimue 9:16
Gesamtlaufzeit74:52


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß @ (Rezension 1 von 2)


Hin und wieder bekommt man ja ein Album mal eher so zufällig auf den Tisch. Nicht oft ist das ein Vergnügen, aber aus einer gewissen Verpflichtung heraus, beschäftigt man sich natürlich damit. Dem Album „To Wake The King“ von Secret Green stand ich sehr skeptisch gegenüber. Das Cover ließ mich gleich an Blackmore's Night denken (was so falsch denn auch gar nicht ist). Der Name „Francis Lickerish“ sagte mir dunkel etwas, ohne das ich ihn wirklich zu ordnen hätte können. Nun gut... aber was für eine Überraschung!

Francis Lickerish ist einer der Mitbegründer von The Enid, einer Band, die eine Art Verbindung von Klassik und Rock spielte, und deren Werke mir vollkommen unbekannt sind. Aber die Stichworte „Klassik“ und „Rock“ sind schon wichtige Fingerzeige für „To Wake The King“. Lickerish hat nach einigen Jahren der Musikabstinenz, in denen er eine Ausbildung zum Therapeuten absolvierte und diese Dienstleistung auch über seine Homepage anbietet, drei Jahre an dem Werk gearbeitet. Mit an Bord ist unter anderem sein ehemaliger Enid-Mitstreiter William Gilmour am Keyboard. Aber auch der eigentliche Kopf von The Enid, Robert John Godfrey, gibt sich auf einem Track die Ehre.

Lickerish hat ein in sich vollkommen stimmiges Werk aus romantisch-sinfonischer klassischer Musik, britisch-keltischem Folk und Elementen aus mittelalterlicher und Renaissance-Musik geschaffen. Mit klassischem Rockinstrumentarium ergänzt um Kirchenorgel, Trompete, Posaune, Flöte, Laute, Balalaika, Pauken und geschickter Orchestrierung wird eine Art Soundtrack für einen Ausflug in lang vergangene Zeiten erschaffen. Da gibt es folkige, akustische Momente, rockige Ausbrüche mit Oldfield-Gitarren und farbige Bombast-Ausflüge voller Wucht, die aber niemals überladen oder kitschig daherkommen. Die Musik ist zuweilen getragen, erhaben, feierlich, aber dann auch wieder zigeunerhaft wild und ungestüm. Man meint Gnome und Kobolde am Hofe des Königs tanzen, ebenso wie einsame Jungfrauen an nebelverhangenen Seen entlang streifen zu sehen.

Und über allem schwebt der Engelsgesang von Hilary Palmer, was dem Ganzen noch das I-Tüpfelchen aufsetzt.

Lickerish erzählt uns eine Geschichte aus dem Artus-Sagen-Umfeld. Voller stilsicherer Sinfonik, voller Inbrunst, mit Wärme und Leidenschaft, ohne Kitsch und falschem Pathos. Die Orchester-Parts wirken geradezu verblüffend echt und plastisch, von Plastik keine Spur. Und mindestens in „Tom O'Bedlam“ zeigt die Band, dass sie auch richtig rocken kann (auch wenn das sicherlich nicht die Hauptintention hier ist).

Ehrlich gesagt ist solche Musik nicht unbedingt mein Ding, aber der Wirkung von „To Wake The King“ kann ich mich nicht entziehen. Die Musik ist kraftvoll und authentisch. Das Problem des Album ist vielleicht das „zwischen den Stühlen sitzen“... Klassikfans werden die Nase rümpfen, anderen ist es vielleicht nicht rockig genug und in seiner musikalischen Sinfonik zu süßlich, aber für mich machen genau diese Gegensätze den Reiz aus.

Passend zur Musik wurde auch das Artwork gestaltet. So kommt das Album im Digipak mit Bildern einer britischen Burgruine, in der die Musiker in altertümlicher Kleidung posieren.

Anspieltipp(s): Eigentlich muss man alles hören, aber auf der MySpace-Seite der Band kann man sich einen ersten Eindruck verschaffen
Vergleichbar mit: so wie Blackmore's Night gerne Musik machen würden, wenn sie es denn könnten...
Veröffentlicht am: 17.11.2009
Letzte Änderung: 17.11.2009
Wertung: 11/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 2 von 2)


Und noch ein Symphoprogalbum aus dem Enid-Umkreis, für das mal kräftig Stimmung gemacht gehört. Francis Lickerish ist einer der Enid-Gründer, konnte sich in der Musik der Band aber irgendwann nicht mehr ganz wiederfinden. Seine Liebe zu Musik aus Epochen vor der Romantik passte nicht so recht zum neoromantischen Stil der Band. Als er dann nach Jahren der Musikabstinenz seine Band Secret Green gründete, oder, wie er sagt, von ihr gegründet wurde, war klar, dass er stärker in diese Richtung gehen wollte.

Was Lickerish dann vorlegte, war im besten Sinne altertümlich, eine zeitlich kaum zuzuordnende Mischung aus Musiken für Leute, die glauben, im falschen Zeitalter zu leben: Er kombiniert Romantik mit Frühbarock, Renaissance und einer kleinen Prise Mittelalter, dazu kommt eine ordentliche Portion traditioneller englischer Volksmusik. Jethro Tull mag ein guter Vergleich sein, nicht was den Sound angeht - der ist ganz Enid, saftige Pseudoklassik -, aber den Eklektizismus haben beide Bands gemeinsam. Mit dem Unterschied, dass Secret Green der pagane Hedonismus Jethro Tulls abgeht und die wiederum wohl auch keinen Sinn für das Pathos hätten, das Lickerish hier mit viel Keyboardprunk, aber auch und nicht zuletzt mit seiner Gitarre verbreitet.

Weil wir gerade dabei sind: Lickerishs Spiel lässt sich ganz gut mit dem Martin Barres vergleichen, nicht weil Barre sein Vorbild wäre, beide entstammen ja der gleichen Epoche, sondern weil Barre mit seiner immensen stilistischen Versiertheit in anderem Umfeld ähnliches leistet. Ein weiterer Referenzpunkt ist selbstverständlich Mike Oldfield, vor allem der Oldfield der folkigeren Alben, mit seinen mehrstimmigen Gitarren und den Gänsehautvibrati.

Mit "To Wake The King" legte also ein weiterer Enid-Ableger ein grandioses Symphoprogalbum vor, das jeder unbedingt gehört haben sollte, der auf diese Spielart des Progressive Rock steht. Und, wichtiger vielleicht, Francis Lickerish ist einer der wenigen Musiker aus der Gründungszeit des Progressive Rock, die den fetten reichen alten Säcken zeigen, dass es eben doch noch geht, wenn man die Flasche beiseite stellt, seinen Arsch hochkriegt und sich nochmal richtig reinhängt. Empfehlung!

Anspieltipp(s): Auf der Bandwebsite ist einiges an Musik zu hören, auch von "To Wake The King", im Ganzen ist das Album aber deutlich besser.
Vergleichbar mit: The Enid, Robert John Godfrey, Nick May, Mike Oldfield, Jethro Tull, Renaissance
Veröffentlicht am: 20.10.2011
Letzte Änderung: 25.10.2011
Wertung: 11/15
Warum macht jemand solche Musik? Thomas hat Recht: Weil er es kann.

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