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Flavio Mezzodi

Elements

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2009
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; ArtPop; Jazzrock / Fusion; Neoprog; sonstiges
Label: Drums & Works records/Eigenvertrieb
Durchschnittswertung: 10/15 (1 Rezension)

Besetzung

Flavio Mezzodi Concept, Drums, Percussion, Hang, Piano, Backing Vocals, Electronics

Gastmusiker

Adelmo Mezzodi Add. Drums
Fabio Zanco Add. Drums
Ago Totaro Guitar, Vocals
Fernando von Arb Guitar
Patrick Schaad Vocals
Stefan Schroff Guitar
Sarah Zaugg Bass
Marco Mazotti Bass
Philipp Brunner Sopran Saxophone

Tracklist

Disc 1
1. Condition 7:06
2. Water 4:50
3. Air 7:55
4. Earth 4:36
5. Fire Part One 5:08
6. Fire Part Two 3:09
7. Reflection 6:50
8. Union 7:20
Gesamtlaufzeit46:54


Rezensionen


Von: Dennis Egbers @


Kennt ihr Stefanie Heinzmann? Ja, genau die, die den Gesangswettbewerb bei Stefan Raab vor ein paar Jährchen gewonnen hat. Was das mit Prog im allgemeinen und Flavio Mezzodi im speziellen zu tun hat? Ziemlich viel, war der Schweizer aus Solothurn doch auf der 2008er Tour sowie bei mehreren TV-Auftritten seiner Landsfrau am Schlagzeug aktiv. Eine Tatsache, die im Progbereich durchaus Tradition hat, wie die Kollaborationen auch von Größen des Progressive Rock wie Robert Fripp und Phil Collins mit Popstars und -sternchen beweisen – das letzterer auch selber einer wurde, ist ein anderes Thema.

Dass Mezzodis erstes Album unter seinem Namen und nicht unter dem einer Band firmiert, zeigt schon in welche Richtung "Elements" geht. Ganz allein sein Baby ist das fast ausschließlich instrumentale Konzeptalbum, von der Produktion über die Kompositionen, das Konzept und – natürlich – das Drumming (sowie einige weitere Klangerzeuger) hat der Meister einen Großteil der Arbeit selbst übernommen und sich nur zur instrumentalen Unterstützung einige Kollegen zu Hilfe geholt. Dementsprechend ist "Elements" auch und vor allem ein Drummeralbum, das den durchaus beeindruckenden Schlagzeugfähigkeiten von Mezzodi Raum lässt und ihnen Luft gibt. Komplex und abwechslungsreich trommelt sich der die Schlagzeugheroen Peart, Portnoy, Phillips, Bozzio, Colaiuta und Gavin Harrison als Einflüsse nennende Schweizer durch die knappe Dreiviertelstunde und lässt dabei bei genauem Horchen mehrmals die Kinnlade des Hörers gen Fußboden rauschen.

Deutlich beeindruckender als der immer wieder – nun ja, eigentlich durchgängig - vorhandene Schlagwerk-Showoff ist allerdings die Tatsache, dass "Elements" keineswegs reine Instrumentalonanie sondern von vorne bis hinten mit als Gesamtwerk funktionierenden Songs gefüllt ist, bei denen auch Gitarre, Bass, Keyboards und Co. ihre Akzente setzen dürfen. Mezzodi verbindet jazzrockige Strukturen, symphonischen Prog, poppige Eingängigkeit und schwelgerisch-balladeske Momente (namentlich in den beiden einzigen Stücken mit Gesang, dem Opener "Condition" sowie "Fire Part One") zu einem harmonischen Ganzen, das zwar irgendwie stets um Pauken und Kessel kreist, aber nie von ihnen dominiert wird.

"Elements" wurde mir vor dem ersten Hören als Neoprog-Album angekündigt. Und – so skurril das nach dem bisher gesagten auch klingen mag – da ist einiges an Wahrem dran. Klar kann es so etwas wie Neoprog mit im Vordergrund stehendem Komplexdrumming eigentlich nicht geben, ebenso wie Neoprogalben mit jazzigen Einflüssen nicht relevant häufiger als Wolpertinger und eierlegende Wollmilchsäue gesichtet werden. Dennoch möchte ich aufgrund der immer wieder vorhandenen bombastisch-symphonischen Passagen und der insgesamt melodischen Ausrichtung behaupten, dass Neoprogger an "Elements" definitiv ihren Spaß haben werden. Diese lernen dann ganz nebenbei auch, dass Mick Pointer keineswegs absichtlich "genial polyrhythmisch" unterwegs sondern schlicht ein Stümper ist – von Morddrohungen bitte ich abzusehen, ich mag Arena trotzdem.

Flavio Mezzodi legt mit "Elements" ein weit mehr als nur solides, passagenweise gar beeindruckendes Solodebüt vor, dass nur an einigen wenigen Stellen relevant krankt: Zum einen kann die Komplexität der Rhythmusarbeit nicht immer, gerade bei "Fire Part One" zu sehen, verdecken, dass einige der Melodie- und insbesondere der Gesangslinien bisweilen zu süßlich, zu melodisch und zu trivial sind, was den Stücken etwas Biss und dem Album somit die Fahrt nimmt. Zudem ist das abschließende "Union", das allein von Mezzodi und zwei Gastdrummern bestritten wird, zwar in technischer Hinsicht überaus verspielt und gekonnt und erinnert passagenweise an das berühmte Drumduett von Bruford und Collins, trotzdem sind mehr als 7 Minuten Solodrums meiner Meinung nach nicht der richtige und schon gar nicht der krönende Abschluss für ein Album, das sich sonst erfreulich konsistent und wenig effekthascherisch zeigt.

Trotz dieser kleinen Mängel ist "Elements" eine deutliche Empfehlung an alle wert, die sich vorstellen können, dass ihnen die beschriebene Mischung aus symphonischen Progelementen und instrumentaler Exzellenz, versetzt mit poppigen Einsprengseln, gefallen könnte. Ein weiteres, zwar nicht nötiges aber das Konzept sinnvoll abrundendes Schmankerl ist das auf der CD vorhandene Video, das einzelne Passagen der Stücke als mit schönen Landschaftsbildern versehene achtminütige Collage präsentiert.

Anspieltipp(s): Condition, Water
Vergleichbar mit: Jazzrock trifft Drum-Workshop trifft Neoprog. Klingt doof? Isses aber nicht.
Veröffentlicht am: 19.11.2009
Letzte Änderung: 20.11.2009
Wertung: 10/15

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