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Fond of Music

Mind's Labyrinth

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2009
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog; Krautrock
Label: Eigenproduktion
Durchschnittswertung: 6/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Anke Brose Gesang
Alfred Büssgen Gesang, Gitarre, Keyboard, digi-drums
Dieter Müller Gesang (9)
Dominik Müller Chorgesang, Xylophon (9)
Christopher Wilkens Bass, Keyboard (2; 5; 6; 10)
Norbert Keimer Keyboard (1; 2; 5; 6; 7; 10; 12)
Georg Kaltenbach Schlagzeug

Tracklist

Disc 1
1. The Hug 4:03
2. Mind's Labyrinth 6:48
3. Resources 3:08
4. Between The Days 3:22
5. They're O.K. 6:16
6. Italian Cemetary 10:04
7. What We Are 5:14
8. In Their Now 1:42
9. We Used To Play 5:51
10. Junk Shop 5:16
11. God Loves To Hear You Sing 8:00
12. The Hug (Reprise) 3:17
Gesamtlaufzeit63:01


Rezensionen


Von: Dennis Egbers @ (Rezension 1 von 3)


Kennt ihr den Kobayashi-Maru-Test? Ja, genau, den Test an der Sternenflottenakademie, den man nicht bewältigen kann – es sei denn, man manipuliert wie James T. Kirk das Programm des Simulators. Was diese komische Anleitung soll? Nun, anscheinend meinte der Promogott der Babyblauen Seiten, dass ich anscheinend reif für den rezensionstechnischen Kobayashi-Maru-Test sei, und ließ mir das erste vollwertige Studioalbum – bis jetzt waren ja nur historische Liveaufnahmen und eine EP erschienen – von Fond of Music zukommen. Angesichts der Tatsache, dass die bisherigen Rezensionen auf diesen Seiten wohlwollend ausgefallen sind und – wir kommen zur Ursache der Einleitung – die Band über nur einen kleinen Umweg mit der [progrock-dt] verbunden ist, war ich guter Hoffnung, eine ebenso wohlwollende Besprechung zu „Mind's Labyrinth“ zu verfassen.

Allein, wie heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt. Trotz einer nicht zu geringen Anzahl von Schönhörversuchen muss ich somit direkt das vorgezogene Fazit ziehen: „Mind's Labyrinth“ ist kein gutes Album geworden, nicht mal ein durchschnittliches, und wem das alleine als Information ausreicht, der kann sich direkt das Weiterlesen sparen und seine Aufmerksamkeit Interessanterem zuwenden.

Dabei zeigt bereits die Illustration auf dem Cover an, wohin die Reise geht: Blass und grau winden sich dort rankenartige Gebilde durch die Gegend, während sich der Bandname gleichsam in der unteren rechten Ecke versteckt, als habe er mit der ganzen Angelegenheit überhaupt nichts zu tun. Nun gut, es gibt sehr gute Alben mit mindestens ebenso amateurhaftem Artwork, so dass dies alleine sicher kein hinreichendes Kriterium ist.

Dementsprechend ist es viel fataler, dass das Artwork passt: „Mind's Labyrinth“ ist blass, ist amateurhaft und ist unstrukturiert. Gleich der Opener „The Hug“ weist dabei viele der Merkmale auf, die sich auf der gesamten Albenlänge so sehr aufeinander häufen, dass ein positives Fazit kaum noch möglich ist. Als erstes in Auge fällt sicher die Produktion, die insbesondere beim Schlagzeug alles andere als gelungen ist. Mit seinem Pappkartonsound klingt das Ganze verdächtig nach richtig „authentischem“ Black Metal auf Valium, und es wäre mir neu, dass so etwas im Progbereich als erstrebenswerter Klang gilt. Auch ansonsten ist die Produktion häufig dezent drucklos, auch wenn man in jedem Fall lobend erwähnen muss, dass Fond of Music sich offensichtlich darum bemüht haben, dem allgegenwärtigen „Loudness War“ einen lautstärkemäßig dynamischen statt permanent hochgeregelten Sound entgegenzusetzen.

Deutlich negativer fallen demgegenüber die Defizite im Songwriting und in der Darbietung auf. Ich will ehrlich sein: Spätestens nach drei Stücken bin ich meistens Morpheus' Armen nah, und das liegt nicht etwa an permanenter Überarbeitung. Sicher ist das Ziel hier nicht, eine furchtbar aufregende und nervenzerfetzende Spielart des Progressive Rocks anzubieten, stattdessen wird eher auf sanften Wohlklang und sorgfältig aufgebaute Stimmungen gesetzt. Nichtsdestotrotz kann auch dieser prinzipielle Ansatz nicht das Fazit verhindern, dass an Stelle angenehmer Stimmung schlichte Langeweile aufkommt. Dies liegt vor allem an den größtenteils wenig abwechslungsreichen Kompositionen, die fast durchgängig in etwa soviel Dynamik aufweisen wie ein bei Glatteis vor einem Baum verendeter Kleinwagen.

Es gibt ja bereits eine durchaus nicht zu kleine Anzahl von Proggern, die bereits Camel und Renaissance für vertonte Langeweile halten – „Mind's Labyrinth“ ist in gewisser Weise mit seinem melodisch-ruhigen Ansatz mit beiden Bands vergleichbar, nur: Bei beiden Konkurrenten passiert pro Song geschätzt zehn- bis zwanzigmal so viel (von den Fähigkeiten der Musiker fange ich hier nicht an, das wäre schlicht unfair). Ein gewichtiges Scherflein dazu trägt die Rhythmusarbeit bei, die mit unspektakulär noch freundlich beschrieben wäre, während böse Zungen eher das Wort amateurhaft in den Mund nehmen dürften. Auch Keyboards und Gitarre bewegen sich, obwohl sie ab und an trefflich solieren dürfen, zum allergrößten Teil in gewohntem bis gewöhnlichem Gelände und kommen wenig überzeugend daher.

Instrumental bieten Fond of Music somit bestenfalls hausbackenes Niveau. Dass man trotz gelegentlicher Aufhorcher wie „Italian Cemetary“ - mit so etwas ähnlichem wie einem funktionierenden Songaufbau und kompositorischer Dynamik ganz klar der beste Song des Albums – nicht tatsächlich vollends einschläft, liegt einzig allein an den Gesangsdarbietungen. Während Anke Brose trotz dünner Stimme und immer mal dezent danebenliegenden Tönen noch eine „nur“ unterdurchschnittliche Figur macht, ist Alfred Büssgens Organ schlicht und einfach schlecht und legt eine lockere 8,6 auf der nach oben offenen Latimer-Hackett-Skala hin.

Insgesamt ist „Mind's Labyrinth“ somit ein klarer Beleg dafür, dass nicht jede Band unbedingt ein Album veröffentlichen sollte, und kann selbst Fans des schönklingenden klassischen Progs nicht als Anspieltipp empfohlen werden. Wer weiß, vielleicht ist das hier auch nur Musik für andere Leute, andererseits: Ich mag Camel, ich mag Renaissance und ich mag Genesis. Aber das hier, das ist nix, so leid es mir tut. So ist es am Ende in der Tat wie mit der Kobayashi Maru und es gibt nur Verlierer. Vielleicht hätte ich es wie James T. Kirk machen und einfach ein anderes Album besprechen sollen; Fond of Music hätten eine bessere Rezi und ich mehr Spaß gehabt.

Ach ja, zum Abschluss noch ein Hinweis an eine gewisse Person, die das hier ja lesen können sollte: „God Loves To Hear You Sing“? Vielen Dank auch, o Herr, das passt genau zu Deinem im Alten Testament bewiesenen Geschmack.

Anspieltipp(s): Italian Cemetary
Vergleichbar mit: Genesis, Camel, Renaissance
Veröffentlicht am: 14.12.2009
Letzte Änderung: 15.12.2009
Wertung: 3/15
so leid es mir tut, aber ich finde das genauso gut wie in einem etwas anderen Subgenre Martin Darvill und Freunde...

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Von: Christian Rode @ (Rezension 2 von 3)


Mind's Labyrinth ist ein mit viel Gefühl und Liebe zum Detail gemachtes Album. Das bemerkt man bereits, wenn man das zwar in Eigenproduktion aber mit sehr guter Farbkopie hergestellte Booklet anschaut. Es enthält neben dem mysteriösen Cover und den Lyrics auch einen kleinen Einführungstext, der alle Titel des Albums in einen introspektiven Zusammenhang stellt.

Die Einheit des Albums wird auch dadurch unterstrichen, dass alt und neu gelegentlich ineinander übergehen. So fließt auch der flotte Opener The Hug - eine Mischung aus Jazzigem und Folkigem mit einer Prise Proggigem - nahtlos in den Titelsong über, der ebenso wie das bereits von der EP 2006 bekannte Italian Cemetery noch ein echtes Relikt aus den 70ern ist. Die beiden pastoralen Titel zählten zum damaligen sonst eher quirligeren Live-Programm der Band. Dank dem ausdrucksvollen Gesang der klassisch ausgebildeten Sängerin Anke Brose erfährt die Neuaufnahme eine klare Aufwertung gegenüber dem Live-Original. Geblieben ist die Atmosphäre des melodiestarken Songs, der einen unüberhörbaren Frühe-Crimson-Einschlag (irgendwo zwischen I talk to the Wind und Epitaph) hat.

Das gesamte Album bietet eine facettenreiche, klangtechnisch einwandfreie Mixtur aus warmen akustischen und elektronischen Anteilen, die auch bei dem Instrumentalstück Between the Days eine gelungene Synthese eingehen. Hier gibt Georg Kaltenbach eine kurze Solo-Einlage am Schlagzeug. Die filigranen, dezenten Drumsounds Kaltenbachs sind aber gewiss stärker von Jazz und Folk als von druckvollem Rock beeinflusst, passen aber haargenau zur zurückgenommenen, reflexiven Grundstimmung des Albums.

Neben Anke Brose singt auch gelegentlich Alfred Büsgen, dessen sonore Stimme, die manchmal an Leonard Cohen denken lässt, mit leicht schnodderig-dreckigem Ausdruck einen reizvollen Kontrast zu den weiblichen Gesangsanteilen gerade im Duett bietet. Dies kommt besonders gut bei den Stücken They're O.K. und Junk Shop zur Geltung. Die Gesangsmelodien sind immer von leicht schwermütiger Schönheit gekennzeichnet, während die Instrumentalteile der Songs einen kleinen Kosmos an feingesponnener, z.T. leicht verspielter Differenziertheit entfalten. Und stilistisch wird mit Bedacht und immer stimmig in durchaus unterschiedlichen Gewässern gefischt.

Zur stilistischen Einordnung noch ein Wort: Ich finde, man kann diesem Album wirklich verschiedenste Stile zuordnen, seien es die bereits genannten Klassischer Prog, Folk und Jazz, aber auch Artpop, Chanson und Blues und sogar Sinfonischer Rock passen. Wer aufgrund der Einordnung „Krautrock“ unter „Besonderheiten/Stil“ aber im Sinne des babyblauen Leitfadens „Krautrock“ an Bands wie Amon Düül 2, Can, Guru Guru oder Popol Vuh denkt, geht in die Irre. Eher schon treffen bei den proggigeren Stücken des Albums Vergleiche mit Camel, Renaissance oder auch Novalis zu.

Die Songs von Mind's Labyrinth atmen dank ihrer präzisen Arrangements stets eine Weite und Reife, wie sie nicht oft zu hören ist. Meinem Eindruck nach lässt das Album in der zweiten Hälfte z.T. ein wenig nach, gerade auch was das für BBS-Leser interessante Proggige anbelangt. Aber das trübt den Gesamteindruck eben auch nur ein wenig.

Anspieltipp(s): Mind's Labyrinth, They're O.K.
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 16.12.2009
Letzte Änderung: 16.12.2009
Wertung: 11/15

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Von: Thomas Kohlruß @ (Rezension 3 von 3)


Fond of Music, dass heißt wohl soviel wie Begeistert von / Versessen auf Musik... gut, Überzeugungstäter sind hier bestimmt allemal am Werk. Heutzutage ist es anscheinend doch bedeutend einfacher geworden Alben zu veröffentlichen und zu vermarkten, als in den 70ern. Was vielleicht auch daran liegen mag, dass die ehemaligen Musiker inzwischen auf anderen Wegen zu Geld gekommen sind und sich nun die Produktionskosten eher leisten können. Auf jeden Fall steht mit dem Internet inzwischen ein Marketing-Instrument zur Verfügung, welches früher eben schlichtweg nicht existent war. So fühlt sich manche Combo aus den 70ern bemüßigt nun nochmals einen Neuanfang zu wagen oder wenigstens späte Gerechtigkeit zu erfahren. Aber, auch wenn dieses Anliegen sicherlich verständlich und nachvollziehbar ist, so muss doch nicht alles veröffentlicht werden, was veröffentlicht werden kann.

Fond of Music hätten sich meiner Meinung nach auch einen großen Gefallen getan, wenn sie von einer Veröffentlichung neuen Materials abgesehen hätten. Nach mehrfachem Genuss von „Mind's Labyrinth“ kann ich mich leider dem Kollegen Dennis im Fazit nur anschließen. Dies ist kein Werk, das man wirklich besitzen muss.

Ich will nicht alles nochmals wiederholen, aber insgesamt wirkt das ganze Album sehr amateurhaft auf mich. Und da wirkt keineswegs der Charme des Diletantismus, welcher vielleicht das eine oder andere Krautrockwerk erträglich macht, sondern das klingt schon eher wie eine Schülerband auf der Suche nach der eigenen Linie. Irgendwie wirkt das Album orientierungslos. Soll das nun Chanson, Art-Pop oder Singer-Songwriter-Musik sein? Nur rocken tut hier auf jeden Fall nichts. Die Musik wirkt auf mich noch nicht einmal besonders „proggie“, dazu erscheinen mir die Songstrukturen zu einfach und über dem Ganzen liegt so eine Folk-Attitüde mit quasi akustischer Musik, vor allem viel Akustik-Gitarre. Lagerfeuerromatik, so wie früher im Jugend-Zeltlager der KJG (= Katholische Junge Gemeinde, ein Jugendverand der katholischen Kirche in dem ich mich einige Jahre engagiert habe). So etwas ist schon gar nicht mein Ding, was sicherlich dem Album auch nicht weiterhilft. Und dann plätschert die Musik über weite Teile so vor sich hin. Es passiert nichts, außer vielleicht, dass der Hörer immer mehr 'beruhigt' wird. Das zu diesem Phänomen neben der drucklosen Produktion vor allem der Schlagzeuger beiträgt, hat ebenfalls Kollege Dennis schon ganz richtig erwähnt.

Besonders abschreckend erlebe ich zudem den Gesang. Auch wenn Sängerin Anke Brose wohl eine klassische Ausbildung genossen hat, wirkt sie unsicher und immer ein bisschen, als wüsste sie nicht recht, in welchem Song sie gerade agiert. Schlimmer sind noch die Duette, weil die Stimmen von Brose und Alfred Büssgen sich so gar nicht ergänzen, sondern eher „beißen“. Zumal Büssgen ohnehin nicht gerade ein Gesangsriese ist, sondern eher so eine Art Sprechgesang pflegt.

Nun, vielleicht ist das alles ein Mißverständnis und Fond of Music wollten ein Album ganz im Stil und Feeling der 70er aufnehmen, so dass es quasi ein „verschollenes“ Werk sein könnte. Dann hätten sie ihr Ziel wohl tatsächlich erreicht. Mögen täte ich es trotzdem nicht und empfehlen auch nicht, sorry.

Anmerkung: Die von den Kollegen genannten Vergleichsbands wie Camel, Renaissance oder Novalis zählen auch nicht gerade zu meinen Favoriten. Nur zur Einordnung...

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.2.2010
Letzte Änderung: 8.2.2010
Wertung: 4/15

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