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Relocator

Relocator

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2010 (Das "richtige" Album war erst 2010 erhältlich; 2009 nur als Download)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Jazzrock / Fusion; Mathrock; Metal
Label: Eigenverlag
Durchschnittswertung: 11.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Stefan Artwin guitar, programming
Michael Pruchnicki bass, fretless bass
Frank Tinge drums
Bartek Strycharski violin

Gastmusiker

Derek Sherinian keyboards

Tracklist

Disc 1
1. Red Vibes 6:14
2. Biosphere 8:01
3. Relocator 5:24
4. Proxima 6:17
5. Aavishkar 10:31
6. 13 Reasons 6:32
7. Urban Blue 6:33
8. The Alchemist 11:33
Gesamtlaufzeit61:05


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß @ (Rezension 1 von 2)


Eigentlich waren Relocator schon Geschichte. Der Versuch eine Liveband aufzubauen scheiterte nämlich und endete eigentlich mit der Auflösung des Ganzen. Aber die Gründungsmitglieder Stefan Artwin und Michael Pruchnicki wollten ihre Musik nicht einfach so im Nirvana verschwinden lassen und bemühten sich in der Folge darum, dass diese wenigstens auf CD das Licht der Welt erblickt bzw. die Ohren der Hörer beschallt. Hartnäckigkeit zahlt sich aus und so liegt Ende 2009 das Debütalbum von Relocator vor.

Artwin und Pruchnicki eint die Begeisterung für furiosen Jazz-Rock, komplexen Metal und außergewöhnliche Musik überhaupt. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass auf „Relocator“ eine Mischung aus veritablem Jazz Rock, komplex-vertracktem Rock und gelegentlichem härterem Riffing zu hören ist. Wer denkt dabei nicht schon mal an Planet X & Co.? Ja, die Richtung stimmt schon. Mit einem Instrumentalalbum in dieser Nische der Nische unserer Nischen-Musik zu starten, dass zeugt von Mut und Überzeugung. Da kann zumindest etwas Prominenz nicht schaden, um Aufmerksamkeit zu erregen. So wurde der nicht unbekannte Derek Sherinian gewonnen, um einige Synthie-Solos beizusteuern. Und sieh da... der Funke sprang über (wobei Sherinian sowieso nur Sessionarbeiten übernimmt, deren Musik ihm zusagt) und so spielte Sherinian gleicht die kompletten Keyboards auf dem Album ein. Das ist allerdings irgendwie Fluch und Segen zugleich. Niemand, ich am allerwenigsten (auch wenn ich ihn vielleicht menschlich nicht mögen würde), wird bestreiten, dass Sherinian ein hervorragender Keyboarder mit durchweg interessanten und sehr modernen Sounds im Gepäck ist, aber ist eben auch sehr erkennbar in seinem Stil. Und so klingt manche Passage sofort nach Planet X, nur weil man die charakeristischen riffenden, wippenden und schwingenden Keyboards im Ohr hat (vor allem im Opener „Red Vibes“ ist dieser Eindruck übermächtig). Glücklicherweise ist das nicht so schlimm, denn Relocator schaffen es bemerkenswert schnell, sich davon zu emanzipieren und einen eigenen Stil zu finden.

Nicht zuletzt ein Verdienst von Geiger Bartek Strycharski, der leider erst spät zur Band gestoßen ist und daher nur auf drei Tracks zu hören ist. Aber wenn die Violine ertönt, dann erhält die Musik gleich nochmal so einen Gänsehautfaktor zusätzlich und so gewinnt auch „Red Vibes“ sofort an eigenem Charakter.

Mit Frank Tinge hat man zu dem einen perfekten Drummer für diese Art von Musik gefunden. Er spielt komplex, vertrackt, präzise, aber auch noch mit dem nötigen Groove, um das Ganze lebendig zu halten. Da hat er seinem großen Vorbild Donati (den ich zugegebenermaßen nicht besonders mag) meiner Meinung nach sogar einiges voraus. Dazu kommen die durchaus ebenso komplexen, aber eben auch melodischen Basslinien von Pruchnicki. Da mag man sicherlich mehr als einmal an Fusion-Rocker wie Michael Manring oder Sean Malone erinnert werden. Zusammen bilden Tinge und Pruchnicki auf jeden Fall ein dichtes, verwobenes Rhythmus-Duo, welches der Musik ordentlich Dampf und Leben einhaucht.

Bleibt Gitarrist Artwin, auf dessen variables Spiel zwischen hartem, metallischem Riffing und eleganten Solo-Parts, die ganze Musik etwas zugeschnitten ist. Gut, der Mann hat das schließlich auch überwiegend komponiert, aber er begeht nicht den Fehler alles mit einer technischen Frickelshow zu überziehen, sondern sein Spiel ist geschmackvoll, aber eben herausfordernd. Die gelegentlichen Duelle zwischen Keyboards und Gitarre sind dabei das Salz in der Suppe.

Insgesamt debütieren Relocator mit einem Album, dem man den Debütstatus in keinster Weise anmerkt. Die Musik kennt so viele Wendungen, kleine Gimmicks, Überraschungsmomente, so dass man auch über die Zeit gut unterhalten wird und keine Langeweile aufkommt. Auch die große Gefahr solcher Musik – der Gleichklangfaktor – wird so minimiert. Ich will hier gar keinen einzelnen Track herausheben, aber die beiden längeren Stücke „Aavishkar“ (mit leicht orientalischem Einschlag) und „The Alchemist“ ragen aus den durchweg guten Songs tatsächlich noch etwas heraus. Die Musik sollte Liebhaber komplexer, vertrackter (Instrumental-)Rockmusik mit härterem Touch begeistern. Die Produktion klingt satt und fett, die Instrumente kommen alle gut zur Geltung. Ich verspüre ein gewisses Mitleid mit dem noch zu findenden Tour-Keyboarder, der sich schließlich all die nicht ganz einfachen Sherinian-Parts draufschaffen muss. Insgesamt legt das die Latte für das nächste Album natürlich hoch, aber man wächst ja mit den Herausforderungen. Ich wünsche mir für das zweite Album mehr Einsätze des traumhaften Bartek Strycharski und genieße bis dahin das formidable Debüt.

Anspieltipp(s): "Aavishkar" ...einfach mal auf der MySpace-Seite vorbeischauen
Vergleichbar mit: Planet X, Exivious, Aphelion, Counter-World Experience, Uncle Moe's Space Ranch, Tribal Tech etc....
Veröffentlicht am: 27.12.2009
Letzte Änderung: 31.12.2009
Wertung: 11/15

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Von: Kai Lorenz Kruppa @ (Rezension 2 von 2)


Erst die vielen unbekannten Bands stellen jene bunte Vielfalt in der Musikszene her, ohne die es deutlich langweiliger und farbloser wäre. Was für andere Stilrichtungen gilt, steht auch für den Progressive Rock, Unterabteilung Instrumentalmusik, fest. Verengt man den Blick auf Deutschland, dann fallen einem kraftvolle Bands wie Counter-World Experience oder auch Panzerballett ein. Die tollkühnen Helden um Gitarrist Jan Zehrfeld haben es sogar zu kleinem Ruhm gebracht. Der Spiegel, das Feuilleton der F.A.Z. und andere Presseinstanzen haben recht begeistert über die verkrassten Stücke berichtet. Panzerballett kommen übrigens aus dem oberbayerischen München. Jedoch besteht Bayern nicht nur aus der Landeshauptstadt. Blickt man auf der Landkarte etwas weiter nördlich, stößt man schnell auf fränkisches Hoheitsgebiet. Prog-Fans sollten sich diese Gegend zukünftig etwas genauer anschauen.

Dort hat nämlich der engere Kern von Relocator seine Heimat. Die gesamte Band ist aber deutlich internationaler. Der Schlagzeuger ist ein Niederländer, der Keyboarder nennt einen US-amerikanischen Pass sein Eigen. Zwei Musiker besitzen polnische Wurzeln. Wäre der Name »Transatlantic« nicht schon vergeben, so hätte auch die Gruppe um Stefan Artwin und Michael Pruchnicki darauf zugreifen dürfen. Der stilistische Ansatz ist freilich ein ganz anderer als bei Transatlantic. Während das berühmte Quartett sich auf die traditionelle, sicherlich auch leichtlebige Spielweise des Prog mit Überlängengarantie konzentriert, bieten uns Relocator kurzweilige und handfeste instrumentale Klangwelten mit einem technischeren, man könnte auch sagen: ernsteren Einschlag. Darüber hinaus wurden die musikalischen Quellen Jazzrock/Fusion (Relocator, das dritte Stück) und Worldmusic (Aavishkar, das fünfte Stück) reichlich angezapft.

Obwohl der »europäische «Teil von Relocator rein personell dominiert, besteht in weiten Teilen ein Gleichgewicht zwischen den beiden Kontinenten. Das ehemalige Mitglied von Dream Theater spielt natürlich eine schwergewichtige Rolle beim Erstlingswerk. Seine unverwechselbaren Klangkreationen, die seit vielen Jahren (nicht nur) die Veröffentlichungen von Planet X prägen, finden sich auch bei Relocator an den passenden Stellen wieder. Wie kam es überhaupt zur Zusammenarbeit mit dem international bekannten Musiker? Dazu Bassist Michael Pruchnicki: »Wir hatten irgendwann ein relativ weit fortgeschrittenes Album, bei dem noch einige – vom ausgestiegenen Keyboarder hinterlassene – Lücken geschlossen werden mussten. Nachdem dies anderweitig nicht zufrieden stellend gelöst werden konnte, habe ich den ehemaligen Dream-Theater-Keyboarder vorschlagen. Derek Sherinian hatte kurz zuvor begonnen, seine Dienste als Sessionmusiker ganz offiziell über seine Homepage anzubieten. Da ihm unsere Musik gefallen hat, sind wir uns relativ schnell einig geworden. Letztlich hat Derek von sich aus angeboten, sämtliche Keyboards einzuspielen, anstatt es bloß bei einigen wenigen Solos zu belassen.« Glücklicherweise, darf ergänzt werden.

Die Band sieht in Planet X allerdings nur einen Einflussfaktor unter mehreren. Nochmal Pruchnicki: »Nein, Planet X würde ich nicht als den stilistischen Paten von Relocator sehen. Zum einen ist bei denen der kompositorische Ansatz oft ein anderer, zumal das meiste Material vom Schlagzeuger Virgil Donati (mit-)komponiert wird. Bei uns steht der technische Aspekt der Musik nicht so im Vordergrund. Es basiert bei uns nichts auf fast unmöglichen Drum-Parts oder 21/16-Takten.« Das stimmt. Insofern dürften Relocator auch bei denjenigen Musikfans punkten, die mit dem berüchtigten Sherinian’schen Bombastfaktor nur wenig anfangen können. Trotz schlagkräftiger Instrumentierung – Keyboards, verzerrte E-Gitarre, Schlagzeug mit Doppelfußmaschine – bleibt die Feingliedrigkeit der einzelnen Kompositionen (fast) zu jedem Zeitpunkt erhalten. Deshalb erinnern Relocator auch ein wenig an die beiden fantastischen Alben von Gordian Knot. Bartek Strycharski sorgt an der elektrischen Violine für kurze Dixie-Dregs-eske Momente.

Hinter Relocator steckt aber noch mehr. Bereits ein kurzer Blick in das Booklet verrät, dass der künstlerische Anspruch der Musiker interessanterweise über die Musik hinausgeht. Die Band beansprucht offensichtlich, zwischen visuellen und akustischen Sinneseindrücken eine verbindende Brücke zu schlagen. Gitarrist Stefan Artwin, der an der Erarbeitung aller Stücke des Albums mitwirkte, erzählt dazu: »Einerseits ging es darum, nicht nur ein Konzept für die Musik zu haben, sondern auch eines für die Präsentation der Musik in Form des Booklets. Andererseits soll der Zuhörer auch visuelle Eindrücke mit der Musik in Verbindung bringen können. Es ist zwar schwer, mit einem einzigen Bild einen fünf oder sogar zehn Minuten langen Relocator-Song zu beschreiben, aber ich denke, dass es den Künstlern hier gut gelungen ist.« Pruchnicki ergänzt: »Wir möchten dem CD-Käufer einen konkreten Mehrwert bieten. Das typische Booklet eines Instrumentalalbums beinhaltet üblicherweise wenig mehr als eine nüchterne Übersicht, wer auf welchem Stück spielt. Das wollten wir auf jeden Fall vermeiden.« Der Kauf der CD, d. h. im Umkehrschluss: der Verzicht auf einen Download lohnt sich folglich nicht nur wegen des Tonträgers. (Erste Eindrücke lassen sich auf der Homepage der Band finden.)

In der Kombination aus anspruchsvollen Kompositionen, einer professionellen Produktion und einem detailreich gestaltetem Artwork sowie durch die kontinuierliche Präsenz eines international bekannten Musikers gehört das Debütalbum von Relocator zu den wichtigeren Veröffentlichungen des Jahres 2009. Es wäre ein kleiner Skandal, wenn Relocator in der internationalen Progressive-Rock-Szene unerhört blieben.

Die beiden Gründer des Projekts Relocator, Stefan Artwin und Michael Pruchnicki, eint der feste Wille, die Geschichte fortzuschreiben. In ihrer ursprünglichen Zusammensetzung gibt es die Band nicht mehr. »Self-destructed in late 2008«, lautet die nüchterne Feststellung auf der Band-Homepage. Aber das jetzt veröffentlichte Album ist nicht als wehmütiger Rückblick zu verstehen. Im Gegenteil. Es ist ein erster, recht selbstbewusster Auftakt. Relocator soll und wird als internationales Projekt weiterleben. Wie reizvoll doch vor diesem Hintergrund der Gedanke ist, dass weitere talentierte Musiker zu Relocator dazustoßen könnten.

Anspieltipp(s): Aavishkar
Vergleichbar mit: Gordian Knot, Planet X, Electric Outlet (wegen dem Fusion-Einfluss)
Veröffentlicht am: 14.2.2010
Letzte Änderung: 27.2.2010
Wertung: 12/15
Ein überzeugendes Debutalbum!

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