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Finnegans Wake

The Bird and the Sky Above

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2010
Besonderheiten/Stil: instrumental; Jazz; Moderne Klassik; RIO / Avant
Label: FAZZUL Music
Durchschnittswertung: 10/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Alexandre Johnson Flutes
Henry Krutzen Tenor Sax, Percussion, Piano
Marcílio Onofre Piano
Markus Stauss Bass Sax
Antonio de Pádua Trumpet, Slide Trumpet

Gastmusiker

Dudú Campos Percussion
Sami Tarik Percussion
Darlan Marley Drums

Tracklist

Disc 1
1. Part 1: Still Dreaming 5:44
2. Part 2: First Flight 9:33
3. Part 3: Walking on the Ground 2:25
4. Part 4: Stealing on the Picnic Table 7:43
5. Part 5: Dark Clouds 13:17
6. Part 6: Infinite Background 5:59
Gesamtlaufzeit44:41


Rezensionen


Von: Achim Breiling @ (Rezension 1 von 3)


Nanu, habe ich da etwa eine Fehlpressung erwischt? Das kann doch unmöglich Finnegans Wake sein, was da aus den Boxen flötet. Doch, die Anzahl der Tracks stimmt und auch die Länge der einzelnen Nummern ist korrekt, wie ein kurzer Vergleich von Display und Einlegeblatt der CD zeigt. Auch der Aufdruck auf der CD ist der Richtige. Ja, dann muss es sich hier wohl wirklich um Finnegans Wake handeln.

Das neueste Werk der Band um Henry Krutzen wird wohl meistenteils erst einmal Verblüffung auslösen (wie beim Rezensenten - auch wenn sich die eingangs geschilderte Szene so nicht ereignet hat, da ich vorgewarnt war), wenn nicht gar Entsetzen. Wer jedenfalls auf "The Bird and the Sky Above" Kammerrock erwartet, sei er (oder sie) ein alter Fan der Band, oder jemand, der aufgrund dementsprechender Informationen (vielleicht meine Rezensionen zu den älteren Alben der Gruppe) die Musik der Brasilobelgier kennen lernen möchte, der ist ziemlich auf dem Holzweg.

Ein Blick auf die Besetzungsliste verrät schon, dass sich etwas im Hause Finnegans Wake verändert hat. Bassist und Gründungsmitglied Alain Lemaitre ist nicht mehr dabei. Elektrisch verstärkte Instrumente sucht man vergebens und ein Name wird demjenigen auffallen, der regelmäßig diese Seiten konsultiert. Der Schweizer Markus Stauss gehört nun zum Lineup (bei dessen Fazzul-Label die Scheibe auch erschienen ist), was Finnegans Wake somit zu einer brasilosvizzerobelgischen Band macht.

Zur Musik! Die ist nicht so klar definierbar. Querflöten, tiefe Saxophone, Piano, Trompeten und recht viel Perkussion purzeln hier recht frei und schräg durcheinander, wobei es auch sehr viele ruhigere, fast zarte Momente gibt. Nichts desto trotz werden die meisten Hörer dieses Album als sehr unmelodisch empfinden. (Prog)Rockmusikalisches ist nicht einmal spurenweise vorhanden. Und sicher ist: Wenn dies das einzige Album von Finnegans Wake wäre, wäre es wohl nie auf den babyblauen Seiten rezensiert worden. Da der Grossteil des restlichen Katalogs Krutzens aber über jeden Zweifel hinsichtlich seiner progessivrockigen Einordnung erhaben ist (nur sein Debütalbum "Silances" beinhaltet offenbar verwandte Klänge), kann ich hier guten Gewissens ein veritables Kuckucksei in unser babyblaues Nest legen.

Also, kein Rock, kein Prog, schräg und frei! Free-Jazz? Na ja, vom Geiste her zumindest. So viel Jazziges kann ich aber auch nicht hören. Eher ist das einfach moderne Ensemblemusik, moderne Klassik, meist ein Quartett für zwei Saxophone, Piano und Flöte bzw. Trompete, recht häufig erweitert um eine kleine Perkussionsabteilung. Da passt auch der Vogel im Titel gut, der nicht etwa eine Anspielung an Charlie Parker ist, sondern dessen Zwitschern hier wohl andere Assoziationen wecken soll. Gerade diverse schräg dahinzwitschernde Pianolinien, immer wieder eingestreut in das dichte Klanggefüge, erinnern an die Werke des Franzosen Olivier Messiaen, für dessen Stil Vogelstimmzitate geradezu charakteristisch waren. Messiaenartiges also und dann noch so einiges, was sich über demselben, im zeitgenössisch-klassischen Himmel so abspielt, gibt es hier zu hören. Und mit dieser akustisch-modernklassischen Ausrichtung gibt es dann doch wieder Verbindungen mit der "alten" Musik der Band.

Trotzdem ist "The Bird and the Sky Above" eine reichlich ungewöhnliche und schwer zu erschliessende Scheibe, die sich sehr weit von dem entfernt, was Finnegans Wake (oder Henry Krutzen) bisher veröffentlicht haben. Es sei daher ausdrücklich davor gewarnt sich dieses Album zuzulegen, wenn man gerne "more of the same" hören möchte. Echte, in der Regel eher konservative (Kammer)-Progger sollten daher die Finger von dieser CD lassen! Wer allerdings mit nicht notwendigerweise tonaler moderner Klassik, wirklich progressiven, gar avantgardistischen Klängen etwas anfangen kann, den erwartet hier ein beeindruckendes Album mit virtuos dargebotener, abwechslungsreich instrumentierter und engagiert vorgetragener zeitgenössischer Musik. Auf eine babyblaue Bewertung verzichte ich einmal, da diese Musik doch sehr weit abseits von dem liegt, was wir sonst hier anbieten. Ansonsten liegt das hier Gebotene ganz klar im zweistelligen Bereich!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 29.1.2010
Letzte Änderung: 29.1.2010
Wertung: keine

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Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 2 von 3)


Eines mal vorweg: Die Musik von Finnegans Wake hat auf "The bird and the sky above" denkbar wenig mit selbst im weitesten Sinne definierten Progressive Rock zu tun. Das ist an sich nichts Negatives, nur Feststellung einer Tatsache. Nur auf verschlungenen Wegen entstandene Ausnahmen in der Veröffentlichungspolitik von Rezensionen machen es möglich, dass ich eine leicht kammermusikalisch beeinflusste Jazz-CD - über weiter Strecken gar eine Free-Jazz-CD - auf diesen Seiten besprechen darf.

Finnegans Wake bieten auf der vorliegenden CD akustischen, scheinbar weitgehend improvisierten, ethnisch angehauchten akustischen Jazz, den man eher von Formationen wie Art Ensemble of Chicago erwarten würde. Zwei Saxophonisten, ein Flötenspieler, ein Tromperter, ein Schlagzeuger und drei allerlei Perkussives bedienende Musiker stehen im ständigen Dialog auf gemeinsamer Suche nach mutigen musikalischen Wegen.

Nur gelegentlich Stimmen die Beteiligten ein vorher festgelegtes, gerne an Moderne Klassik angelehntes Thema an, um sich in den meisten Fällen kurz danach in kreativen Teamimprovisationen zu verwirklichen. Diese können mitunter sehr wüst und temperamentvoll ausfallen.

Nicht ohne Grund blieb der auf dem Cover genannte Pianist von mir bisher unerwähnt, denn dieser steuert nur in drei Stücken einige an Keith Tippett erinnernde Beiträge bei. Auch der auf diesen Seiten öfters erwähnte Markus Stauss ist mit seinem Bass Sax nur auf der Hälfte der Stücke zu hören.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 12.2.2010
Letzte Änderung: 13.2.2010
Wertung: 10/15

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Von: Dirk Reuter @ (Rezension 3 von 3)


Das ist ganz klar Frauenmusik!

Keine Angst, nicht der Kuschelrock, den das weibliche Geschlecht angeblich so gern hört. Ich meine eher Musik, wie sie von Frauen gemacht wird, im konkreten Fall von Frauen wie der Fagottistin, Oboistin und Saxophonistin Lindsay Cooper, der Pianistin Irène Schweizer oder der Perkussionistin Evelyn Glennie.

Nachdem nun also auch alle „echten Kerle“ diese Rezension weiter lesen wollen, sortieren wir nun die Leute aus, die vielleicht besser doch damit aufhören.

Ihr braucht unbedingt klare Melodien, vielleicht sogar noch die konventionellen Harmonien des Neo-Prog? Hier plingt und trötet es an allen Ecken und Enden, also raus mit euch.

Die oben genannten Namen der Musikerinnen sagen euch nichts und ihr haltet die Feminist Improvising Group für Frauen, die nur für die Gleichberechtigung üben? Raus mit euch!

Denn Lindsay Cooper, eine der Gründerinnen dieser Group, spielte z.B. als Mitglied bei Henry Cow, den Art Bears oder auch News from Babel.

Irène Schweizer gilt als eine der Mitbegründerinnen des Free Jazz in Europa und die nahezu taube (!) Perkussionistin Evelyn Glennie, die ihre Musik vornehmlich durch Vibrationen wahrnimmt und wohl am treffendsten als Wanderin zwischen allen musikalischen Welten bezeichnet werden kann, versammelte in ihren Musikprojekten Leute wie Fred Frith, Björk und die Great Highland Bagpipes. Schräg, oder?

Genau das trifft auch auf die Musik dieser CD zu.

Wer ist nach dem großen Aussortieren der wohl eher Uninteressierten denn noch als Leser übrig? Ah, da hinten in der dunklen, experimentellen Avantgarde-Free-Jazz-Ecke sitzen doch noch ein paar Gestalten. Kommt ruhig näher, setzt euch und riskiert ein Ohr, denn für Leute wie euch ist diese Musik gemacht.

Die Kollegen Achim und Siggy haben das Gehörte eigentlich sehr treffend beschrieben – Free Music eben.

Ob das Prog ist, mag jeder selbst entscheiden, aber weil es auf den BBS besprochen wird, verdient es auch eine Wertung, die nicht ganz die der von mir gleichfalls besprochenen anderen Band mit Stauss´scher Beteiligung (Trank Zappa Grappa in Varese?) erreicht. Trotzdem eine Kaufempfehlung für Hörer mit (sehr) offenen Ohren und ohne akustische Berührungsängste.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.3.2010
Letzte Änderung: 9.3.2010
Wertung: 10/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Finnegans Wake

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1994 Yellow 5.00 1
1998 Green 7.00 1
2001 Pictures 11.00 1
2004 4th 10.50 2
2008 Blue 12.00 1
2011 Red - 1

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