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The Hirsch Effekt

Holon : Hiberno

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2010
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Independent / Alternative; Progmetal; sonstiges
Label: Midsummer Records
Durchschnittswertung: 13/15 (1 Rezension)

Besetzung

Nils Wittrock Gitarre/Gesang
Ilja Lappin Bass/Gesang
Philipp Wende Schlagzeug

Gastmusiker

Kammerchor Hannover dirigiert von Stephan Doormann, Tobias Lietz, Danika Arndt, Katja Barahona De La Fuente zusätzlicher Gesang
Elisa Aylon (Cello), Lisa Hinnersmann (Geige), David Borges (Bratsche), dirigiert von Mareike Albs Streicher auf "Epistel"
Vadim Gouloiants (Geige), Guido Eva (Geige), Lisa Hinnersmann (Heige & Bratsche), Simon Streuff (Bratsche), Amelie Birkner (Cello), Caroline Stadtländer (Cello) Streicher auf "Laxamentum"
Georg Weisbrodt (Posaune), Mareike Albs (Posaune), Martin Beitzel (Horn) Bläser auf "Arcanum"
Janne Groth Klarinette auf "Intervallum : Motette"
Eike Wittrock Orgel

Tracklist

Disc 1
1. Epistel / Calmo 4:18
2. Epistel / Vigoroso 1:56
3. Nex 2:00
4. Intervallum: Pulsus 0:47
5. Zoetrop 6:55
6. Lentevelt 3:54
7. Intervallum: Cadentia 0:48
8. Laxamentum / Assorto 2:34
9. Laxamentum / Agitato 3:03
10. Laxamentum / Requiem 1:44
11. Intervallum: Motette 1:11
12. Vituperator 5:51
13. Intervallum: Litus 1:37
14. Hiberno 4:50
15. Arcanum 6:54
16. Epitaph / Meno 2:27
17. Epitaph / Lugubre 3:07
18. Epitaph / Maestoso 3:37
Gesamtlaufzeit57:33


Rezensionen


Von: Andreas Hofmann @


Als ich diese Platte erstmals hörte, wusste ich sofort, dass ich auf etwas Besonderes gestoßen war. Dies hieß freilich nicht automatisch, dass ich es auch sofort gut fand, aber zumindest war klar, dass The Hirsch Effekt, die sich selbst übrigens durchaus treffend als "Indielectro Post-Punk Metal DIY - Band" bezeichnen, mit "Holon: Hiberno" ein verdammt spektakuläres und ambitioniertes Album aufgenommen haben, das (nicht nur!) in unseren Breiten seinesgleichen suchen dürfte.

Dass sie auf Deutsch singen, wirkt dabei zunächst sehr irritierend. In der ersten Minute des Openers "Epistel / Calmo" schreckt der Gesang sogar fast schon ab. Wenn der Song an Fahrt gewinnt, gewöhnt man sich langsam dran, hadert aber insgeheim irgendwie immer noch damit. Der Song bekommt erst eine Coheed and Cambria/Fall of Troy-Schlagseite, wird dann kurz orchestral, auf einmal wird heiser geschrien, und schließlich geht er nahtlos in den zweiten Teil "Epistel / Vigoroso" über, wo auf einmal Progmetal vom Feinsten ertönt, Blastbeats inklusive! Danach in "Nex" muss man nicht zuletzt aufgrund des schrillen Gesangs fast schon an Japanische Kampfhörspiele denken. Was geht denn bitteschön hier ab?!?

Nur gut, dass jetzt mit dem treffend betitelten "Intervallum: Pulsus" eine kleine Verschnaufpause eingelegt wird, in der man diesen wahrhaft furiosen Auftakt erst einmal verarbeiten kann. Es folgt mit "Zoetrop" wieder ein Stück, das man am ehesten mit Coheed and Cambria vergleichen könnte, was u.a. an dem Geschrei liegen könnte, für das hier wie dort offenbar der jeweilige Bassist zuständig ist. In der zweiten Hälfte meint man dann sogar kurz, wahlweise in einem Voivod- oder in einem Devin Townsend-Stück gelandet zu sein, und dann klingen The Hirsch Effekt auf einmal sogar ein bisschen nach Meshuggah. "Lentevelt" kommt als ein vergleichsweise straighter und ruhiger, geradezu poppiger Song daher. Mit seinem elektronisch erzeugten Beat wird das Stück erst langsam aufgebaut, bis es im weiteren Verlauf geradezu hymnisch aufgeht und schließlich in "Intervallum: Cadentia" ausklingt. Eigentlich unfassbar, was hier passiert!

Die Überraschungen nehmen kein Ende, denn im ebenfalls erst einmal elektronisch beginnenden "Laxamentum / Assorto" erklingen plötzlich wunderschön arrangierte Streicher, und dann wähnt man sich sogar auf einmal im Sleepytime Gorilla Museum! Bei "Laxamentum / Agitato" gibt's wieder Progmetal mit JaKa-artigem Gekreische, in "Laxamentum / Requiem" kommen noch mal die Streicher hinzu. Puh, wie bitte!?!

Was erwartet uns wohl bei "Intervallum: Motette"? Vielleicht Chorgesang ohne instrumentale Begleitung? Ja, was denn auch sonst!?! Bei dem von ihnen selbst als "Schmetterhit" bezeichneten "Vituperator" hat man sich langsam damit abgefunden, auf einem irgendwie extremen Album gelandet zu sein, und deshalb wundert man sich schon gar nicht mehr über das ausgefeilte und höchst abwechslungsreiche Arrangement, das dieser Song zu bieten hat. Junge Junge Junge, wo bin ich denn hier gelandet!?!

Und dann - Stille in "Intervallum: Litus", einfach nur Stille! Bevor behutsam in den Quasi-Titeltrack übergeleitet wird, passiert tatsächlich erst einmal nahezu gar nichts. "Hiberno" ist dann zwar weniger größenwahnsinnig als die meisten der bisher gehörten Stücke, aber das heißt nicht, dass dieser Song weniger aufwändig arrangiert wäre. Auch "Arcanum" ist nach der wirbelsturmartigen ersten Hälfte des Albums ein zunächst ruhiger und getragener, jedoch abermals hymnisch anmutender und im weiteren Verlauf mit The Mars Volta- und Postrock-Versatzstücken gespickter Song, der nach dreieinhalb Minuten auf einmal innehält und erst das gerade zum Einsatz gekommene Bläserensemble (!) und dann den Albumhörer die Luft anhalten lässt. Die Spannung steigt - was lassen sich The Hirsch Effekt wohl für das Finale einfallen?!?

Um es kurz zu machen, möchte ich zum abschließenden dreiteiligen "Epitaph" nur sagen, dass es hier eigentlich keine weiteren Überraschungen mehr gibt, wenn man von der Fusion-Strophe bei "Epitaph / Meno" mal absieht. Es ist zwar schon fast unfair, dies als Minuspunkt zu verbuchen, aber nach all dem hätte man doch wohl wenigstens erwarten können, dass das Album zum Abschluss implodiert, die CD aus dem Player springt oder sowas in der Art. Trotz dieses Mankos (hahaha, ist klar!) muss man jedoch zugeben, dass besonders der letzte Teil "Epitaph / Maestoso" mit seinem Chorgesang das Album mehr als eindrucksvoll abrundet. Hut ab!

Nicht dass wir uns falsch verstehen - man kann "Holon: Hiberno" auch scheusslich finden und diese Mischung für aufgesetzt und albern halten. Vor allem den Sänger und die deutschen Texte kann man sogar sehr gut hassen, schätze ich. Dabei ist vielleicht gerade die Mischung aus deutschem Indierock-Gesang und heiserem Metal-Geschrei das i-Tüpfelchen auf diesem Album, das so pompös, protzig und irgendwie anmaßend klingt. Bei dem nichts im Rahmen bleibt. Auf dem geklotzt wird und nicht gekleckert. Dass übertrieben und fast schon großkotzig wirkt, weil eine derart unbekannte Band aus Hannover (ich meine: HANNOVER, hallo!?!) sowas eigentlich gar nicht darf und von Amts wegen irgendwie auch gar nicht können dürfte! Keine Ahnung, wie The Hirsch Effekt das jemals toppen wollen. Ich bin mir sicher, dass man von dieser Band noch hören wird.

Anspieltipp(s): Zoetrop, Vituperator, Arcanum
Vergleichbar mit: Echt/Blumfeld/Die Sterne, Coheed and Cambria/Fall of Troy, Voivod/Devin Townsend/Meshuggah/Japanische Kampfhörspiele (WTF!?!)
Veröffentlicht am: 9.3.2010
Letzte Änderung: 9.3.2010
Wertung: 13/15
Blumfeld machen jetzt Progmetal (oder so ähnlich)

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von The Hirsch Effekt

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2009 The Hirsch Effekt - 1
2010 Apogæum / Perigæum (Split w/ CALEYA) - 1

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