SUCHE
Erweiterte Suche
NEUE REZENSIONEN
6.2.2012
Hans-Joachim Roedelius - Plays Piano
The Psychedelic Ensemble - The dream of the magic jongleur
Effloresce - Coma Ghosts
Tilt - Million Dollar Wound E.P.
5.2.2012
Keuhkot - Mitä otat mukaan muistoksi sivistyksestä
Lander Configurations - Of Smoke and Fire
Hawkwind - Doremi Fasol Latido
Ruins - alone
The Syn - Big Sky (a chance to get it right)
Banco del mutuo soccorso - Capolinea
4.2.2012
Aavikko - Aavikko
The Wishing Tree - Ostara
Cirrha Niva - For moments never done
RPWL - The RPWL Experience (DVD)
Nazca - En Vivo
guess that mess! - dis-/order (a mind in mess)
Toundra - II
Cowboys From Hell - Monster Rodeo
ARCHIV
STATISTIK
17437 Rezensionen zu 11867 Alben von 4429 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Jaga Jazzist

One-Armed Bandit

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2010
Besonderheiten/Stil: instrumental; Jazz; Moderne Electronica; New Artrock; Postrock; Psychedelic; Zappaeskes; sonstiges
Label: Ninja Tune
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Andreas Mjøs vibraphone, guitar, korg ms10, marimba, glockenspiel, crotales, percussion
Martin Horntveth drums, drum-machines, percussion, bulbul tarang, marxophone, mandoline harp, psaltery, bells, temple blocks, spike piano, programming
Lars Horntveth guitar, clarinet, bass clarinet, tenor- / soprano- / baritone-saxophone, flute, roland sh-2, keyboards, piano, lap steel guitar, e-bow-banjo, programming
Stian Westerhus electric guitar, baritone guitar, 12-string guitar, harp, effects, percussion
Line Horntveth tuba, flute, percussion, glockenspiel, vocals
Even Ormestad bass, keyboards, glockenspiel, percussion
Erik Johannessen trombone, marxophone
Mathias Eick trumpet, upright bass, keyboards, piano, french horn
Øystein Moen synthesizer, piano, organ, percussion

Gastmusiker

Jørgen Traen korg ms-20, additional programming
John McEntire analog synth processing
Jim Baker arp synthesizer
Mats Gustafsson baritone saxophone (on "The Thing...")
Ingebrigt Haker Flaten upright bass (on "The Thing....")
Paal Nilssen-Love drums (on "The Thing....")

Tracklist

Disc 1
1. The Thing Introduces... 0:23
2. One-Armed Bandit 7:08
3. Bananfluer Overalt 6:17
4. 220 V / Spektral 7:03
5. Toccata 9:11
6. Prognissekongen 4:34
7. Book Of Glass 6:49
8. Music! Dance! Drama! 5:32
9. Touch Of Evil 6:40
Gesamtlaufzeit53:37


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß @


Jaga Jazzist sind schon seit 1994 aktiv, denn Lars Horntveth gründete die Band im zarten Alter von 14 Jahren mit ein paar Schulkumpels in Tonsberg (Norwegen). Man agierte von vornherein „im großen Stil“, also immer in einer großen Besetzung mit vielen Bläsern, Marimba, Glockenspiel, Vibraphone usw., so dass die Verortung im Jazz vorprogrammiert war. Aber eigentlich ist eher ungewöhnliche Instrumentalmusik jenseits von Schubladen und musikalischen Grenzen das Thema der Band. Für mich wurde es schon lange Zeit, sich mal mit Jaga Jazzist zu beschäftigen, denn die Band war mir schon desöfteren begegnet. Sei es weil Jorgen Munkeby (Shining) dort schon spielte, sei es weil Trompeter Mathias Eick auf dem letzten Motorpsycho-Werk gastierte oder weil es ohnehin schon ein „In The Fishtank“-Kooperationsalbum zwischen Motorpsycho und Jaga Jazzist gibt. So war also das Erscheinen des aktuellen Werks „One-Armed Bandit“ endlich die Gelegenheit bei Jaga Jazzist einzusteigen.

Die früheren Werke der Norweger kenne ich wie gesagt nicht, aber wenn die wirklich eher im Jazz beheimatet waren, dann ist „One-Armed Bandit“ ganz klar das Bewerbungsschreiben der Band endlich auch in der Progressive Rock-Gemeinde aufgenommen zu werden. Schon die schiere Anzahl der Instrumente, die von den neun Musikern auf diesem Album zum Einsatz gebracht werden, lässt einen klar außergewöhnliche Instrumentalmusik erwarten. Und natürlich hat die Musik von Jaga Jazzist mit ihren mal schneidenden, mal melancholischen Bläsereinsätzen und immer wieder eingestreuter virtuoser Percussionarbeit von Vibraphon und Marimba einen jazzigen Grundcharakter, aber genauso gut könnte man angesichts der verzwirbelten Kompositionen von zappaesken Momenten sprechen.

Die Norweger weben mit ihrem zahlreichen Instrumentarium einen dichten, farbigen, verzwirbelten Instrumentalteppich, aus dem sich Durchlauf für Durchlauf immer wieder neue Details offenbaren. Und die Jungs kennen keine Berührungsängste, ganz im Sinne des Album-Titels gibt es allerlei elektronisches Gequietsche und Gefiepe, was man sonst nur noch in alten Spielhallen hört. Die Gitarre frippert schon mal ungeniert vor sich hin, während sich das Schlagzeug mit sanften, trippigen Rhythmen einschmeichelt. Dazu garnieren Jaga Jazzist ihre Kompositionen oftmals mit verspielten, ja naiv wirkenden Melodien, die einen seltsamen Kontrast zur instrumentalen Vertracktheit bilden. Das immer wieder ertönende klimpernde Glockenspiel sorgt zusätzlich für den teilweise irgendwie unwirklichen "Nicht-von-dieser-Welt“-Charakter der Musik.

Der eigenwillige Stil der Norweger hat in Songs wie „Music! Dance! Drama!“, wo tatsächlich eine Brücke zwischen King Crimson und Dancefloor geschlagen wird, und dem postrockig-repetitiven Epos „Toccata“, in dem sozusagen Wagner (man lausche den Hörnern!) mit Postrock-Mitteln durch allerlei rhythmische Metamorphosen gezwirbelt wird, schräge Höhepunkte. Ein echter „Lieben oder Hassen“-Trip.

Ich lehne mich mal aus dem Fester: „One-Armed Bandit“ wird eines der besten Instrumentalben, wahrscheinlich eines der besten Alben 2010 überhaupt sein. Das Intro ist übrigens eine Liveaufnahme der norwegischen Experimental-Jazzer „The Thing“ (die mit Ingebrigt Haker Flaten und Paal Nielsen-Love immerhin 2/3 des Scorch Trio bilden und damit auf diesen Seiten nicht unbekannt sind), die gerade während der Aufnahmesessions zu „One-Armed Bandit“ in Chicago ein Konzert ebenda gaben. Vielleicht ein kleiner Beweis des guten Schuss zappaesken Humors, der in diesem Album steckt.

Noch ein Wort zum Booklet: Hier gibt es eben kein Booklet, sondern vier Einsteck-Kartons, die vorne ein Album-Cover enthalten und hinten die üblichen Informationen zum Album. Auch hier ein geschickter Brückenschlag zum Albumtitel... die vier Kartons können als die rotierenden Symbole eines einarmigen Banditen gesehen werden und man kann je nach Laune ein anderes Coverbild präsentieren (neben den süßen Kirschen gibt es noch Trauben, eine Pflaume und eine Glocke).

Anspieltipp(s): One-Armed Bandit, 220 V / Spektral, Music! Dance! Drama!
Vergleichbar mit: öh?
Veröffentlicht am: 7.3.2010
Letzte Änderung: 7.3.2010
Wertung: 12/15

Zum Seitenanfang

© 1999-2011; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum