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Dead Can Dance

The Serpent's Egg

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1988
Besonderheiten/Stil: Gothic; Moderne Klassik; Worldmusic / Ethno
Label: 4AD
Durchschnittswertung: 8.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Lisa Gerrard Voices
Brendan Perry Voices, Hurdy-Gurdy

Gastmusiker

David Navarro Sust Voices
Alison Harling Violin
Rebecca Jackson Violin
Sarah Buckley Viola
Andrew Beesley Viola
Tony Gamage Violoncello

Tracklist

Disc 1
1. The Host of Seraphim 6:18
2. Orbis de Ignis 1:35
3. Severance 3:22
4. The Writing on my Fathers's Hand 3:49
5. In the Kingdom of the Blind The one Eyed are the Kings 4:12
6. Chant of the Paladin 3:48
7. Song of Sophia 1:24
8. Echolalia 1:16
9. Mother Tongue 5:16
10. Ullyses 5:10
Gesamtlaufzeit36:10


Rezensionen


Von: Michael Hirle @ (Rezension 1 von 2)


Brüteten die ersten Alben noch stoisch ihre dunkle Brut, glänzt auf dem fünften Album das schwarze Gefieder und erhebt sich in höhere Sphären. Wolkenlos ist dieser Himmel wahrlich noch nicht. Die Wolken hängen tief, ziehen über hügelige Landschaften, die so manche Ruine bergen. Verwunschene Wälder erzählen Geschichten von ruhelosen Wesen, die nachts im Unterholz zu unerhörten Klängen tanzen. Aber jetzt blitzt ein wenig Sonne durch die grauen Wolken...das ist die größte Änderung zu seinen Vorgängern. Mit "The Host of Seraphim" befindet man sich schon am Anfang auf einem hohen, rauen Felsen von dem man sanft hinunter gleitet. Betörend, hypnotisch...und in seiner dunkel-elegischen Art trotzdem positiv. Über einem Orgelton breitet ein Mantra seine Flügel aus und streckt sich immer weiter, bis der Orgelton hinter einem Himmel aus Geigen verschwindet...zum Weinen schön. Bei "Orbis de Ignis" fliegt man über die Ruine einer alten Kirche, der liturgische Gesang hängt immer noch in seinen Mauern...was bleibt ist sein Echo..."Severance" berührt mit seinen Flügelspitzen das Gesicht eines dunklen Sees...und zieht feine Striche in den weichen Spiegel...Jedes Musikstück (für den Begriff Song wäre der Rahmen einfach zu eng), hat sein eigenes Bild, seine eigene Geschichte... welche sich bei jedem mal Hören, neu und tiefer in das Herz hineinschreibt.

Eigentlich ist das Schaffen von Dead Can Dance eine riesige Klangschale. Vom düsteren Brummen der Anfänge bis zu den zart, flirrenden Klängen des letzten Albums, schwingt da doch ein ureigener Ton. Keine Frickelein, keine verknoteten Taktstöckchen, aber progressiv bis in die kleinste, musikalische Faser hinein und dabei noch Genre- und Kulturenübergreifend. Etwas wovon nicht nur Religionen noch lernen könnten.

Wenn jemand die Seele sucht, die vor den kalten Produktionen vieler Progscheiben reissaus genommen hat, sollte hier suchen. Hier darf die Seele ruhen und sich entfalten. Mystisch, spirituell, ernst und fern von jeder Wohlfühl-Esoterik und deshalb so wichtig und unverzichtbar.

Anspieltipp(s): The Host of Seraphim, Severance, Ullyses
Vergleichbar mit: Dead Can Dance
Veröffentlicht am: 22.9.2011
Letzte Änderung: 22.9.2011
Wertung: 14/15

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Von: Thoralf Koss @ (Rezension 2 von 2)


Auf meiner Suche nach der „Seele, die vor den kalten Produktionen vieler Progscheiben reißaus genommen hat“, traf ich auf diese Kritik meines BBS-Kollegen Hirle, die mir dieses aus meiner Sicht ungenießbare Dead-Can-Dance-Album als unverzichtbaren Leckerbissen schmackhaft machen will. Warum ich diesbezüglich eine gänzlich andere Meinung habe? Hier kommt der Versuch einer Erklärung.

Es ist schon eine echte, aber sicher nicht einfallsreiche, Leistung, zehn Songs auf einem Album unterzubringen, das gerade mal läppische 36 Minuten und 16 Sekunden lang sein musikalisches Eigenleben über die Boxen oder Kopfhörer des andächtigen, progbeseelten Lauschers ergießt. Doch dieser „ohr“ale Erguss geht aus meiner Sicht eher in die Hose als in die weit geöffneten Trommelfelle. Und Prog ist das, was einem da durch die Ohrlappen gewedelt wird, nun wirklich nicht. Das, was man hier zu hören bekommt, ist höchstens so eine Art sakrale Musikbeschallung mit deutlichem Hang zum Gothic. Im Grunde weist ja der Bandname als solches schon mehr als deutlich darauf hin. Lacrimosa zumindest sind diesbezüglich deutlich progressiver, textlich einfallsreicher und musikalisch fesselnder als dieser ganze Dead-Can-Dance-Kram, der sich auf unseren BBS so rumtummelt.

Also wollen wir uns mal auf dieses musikalische „Schlangen-Ei“ stürzen, das seinem filmischen Gegenstück von Ingmar Bergmann nicht im Entferntesten das Wasser, geschweige denn das Dotter reichen kann!

Die Grundstimmung des gesamten Albums erinnert mich an permanente und erbärmlichen Mönchs-Gesänge, begleitet durch einen dauerhaft eintönigen Bass-Orgelton, die einem aus mittelalterlichen Klöstern entgegenschallen und so bedrückend klingen, dass man noch nicht einmal eine „Mars“-Schokoriegel-Werbung benötigt, um zu der Erkenntnis zu gelangen: „Hier will ich auf keinen Fall rein!“

Mich persönlich langweilt dieses Album mit seiner pastoral-sakral verbrämten Musik von der ersten bis zur letzten Minute. Und wenn dann bei „Echolalia“ auch noch indianische Gesänge angestimmt werden, dann möchte man sich im Grunde lieber die Ohren zuhalten, als diesem Winnetou-Singsang während dessen Sterbeszene zu lauschen.

Nur „Mother Tongue“ entschädigt den bis dahin viele Minuten lang mit musikalischer Düsternis geplagten Hörer durch eine ungewöhnliche Dynamik, die von treibenden perkussiven Einlagen erzeugt wird, bis Lisa Gerard (Genau! Die Opern-Diva, die mit Klaus Schulze ihren schrecklichen Gesang nunmehr auch auf deutscher E-Krautrock-Basis ausleben durfte!) diese nach etwa drei Minuten mit solchem „Oh-Mei-Dei-Mei-Dei-Na-No-Mi“-Gesang wieder endgültig in die geheiligten Abgründe der toten Tänzer verdammt. Der musikalische Soundtrack zu einem an den Marterpfahl gebundenen Cowboy, dem die drumherum tanzenden Indios sein letztes musikalisches Geleit geben, wäre hier durchaus passend. Indianische Wohlfühl-Esoterik eben!

„Ulysses“ bringt dann mit mittelalterlichen Minett-Klängen das zuende, was „The Serpent's Egg“ von Anbeginn an abspult. Okkulte, düstere Musik mit unheilschwangeren Klängen und Texten, die selbst nicht vor solchen grandiosen Sprichwörtern wie: „Im Königreich der Blinden, ist der Einäugige der König“, zurückschrecken.

Wenn der Tod wirklich tanzen könnte, dann garantiert nicht nach dieser Musik!

Anspieltipp(s): Die Momente, in denen die "Felle" bedient werden!
Vergleichbar mit: Lacrimosa
Veröffentlicht am: 8.8.2012
Letzte Änderung: 7.8.2012
Wertung: 3/15
Der progressive Tod des Gothic-Einerleis!

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Dead Can Dance

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1984 Dead Can Dance/Garden of the Arcane Delights EP 8.00 1
1987 Within the Realm of a dying Sun 12.00 1
1990 Aion 12.00 1
1993 Into the Labyrinth 7.00 1
2012 Anastasis 6.00 1

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