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Ginger

Seahorse

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2011 (als Download und CD)
Besonderheiten/Stil: Blues; HardRock; Independent / Alternative; Psychedelic
Label: Eigenproduktion
Durchschnittswertung: 9.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Marc Walser Gesang, Gitarre, Hammondorgel
Michael Bütikofer Gesang, Gitarre, Trompete
Ariane Bertogg Bass
Dominik Jucker Schlagzeug

Gastmusiker

Stephanie Kobza Cello (3, 7)
Benj Hartwig Hammondorgel (4)
George Vaine Gesang (5)

Tracklist

Disc 1
1. Yeager 5:00
2. The Wheel 4:42
3. Painful Hours 8:14
4. 200 Horses 6:10
5. Father 3:27
6. I Don't Know 3:50
7. No More 2:49
8. Wild Bill 3:50
9. Seahorse 8:10
10. Inside I'm Free 3:05
Gesamtlaufzeit49:17


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 1 von 2)


Nach dem mir (noch) unbekannten "Going Through Arlanda" liegt nun mit "Seahorse" das zweite Studioalbum der Schweizer Ginger vor. Seepferdchen, hmm? Da denkt man wahlweise an den Schwimmunterricht oder aber, etwas seltener, an die schwäbischen Power-Metaller Symphorce, an ihr "Twice Second"-Cover und daran, dass deren Gitarrst in Interviews auch des öfteren nach dem eigentlich ziemlich proggigen Covermotiv gefragt wurde. Aber ich schweife ab.

"Psychedelic Bluesrock" nennen die Musiker ihren Stil. Abseits davon, dass ich vom traditionellen Blues hier nicht allzuviel höre und "Psychedelic" bekanntlich mehr ein Attribut als eine feste Stilbeschreibung ist, lässt die Beschreibung von außen dennoch einige Rückschlüsse auf die Musik zu: Und zwar wird schon hier deutlich, dass "Seahorse" reichlich retro ausgefallen ist. Denn bei einer solchen Stilbeschreibung denke ich doch gleich mal an Jimi Hendrix, Jefferson Airplane, die Groundhogs, die frühen Jethro Tull oder auch an das Hawkwind-Debüt. Und so legt die Band dann auch mit "Yeager" gleich mit ziemlich solidem Stoner-Hardrock los, der sich stilistisch an gemäßigten Black Sabbath orientiert, dabei aber glücklicherweise den kaum erträglichen Nasalgesang eines Herrn Osbourne ignoriert. Dem selbst gesetzen Blues-Anspruch kommt man im folgenden, sehr Hendrix-lastigen "The Wheel" schon näher. Zum Ende hin gibt es noch einen ruhigeren Part, der melodisch seltsamerweise entfernt an den The-Cure-Hit "Boys Don't Cry" erinnert.

Im folgenden "Painful Hours" kommt dank Cello-Unterstützung anfangs eine düster-folkloristische Atmosphäre auf, die an eine Mischung aus Black Sabbath ("Behind The Wall Of Sleep") und Kebnekajse denken lässt. Sobald Gesang ins Spiel kommt, tauchen als weitere, entfernte Assoziation die englischen Folker Skyclad auf, und die Spannung hält sich bis zum Ende. Beeindruckend! Der Blues kehrt anschließend in "200 Horses" zurück und klingt insbesondere im langen Orgelsolo in der Mitte durch, drumherum gibt's noch mal eine entfernt an David Gilmour erinnernde Gitarre. Leider trottet die Nummer ansonsten fröhlich, aber völlig spannungsarm und unspektakulär vor sich hin. So gefällt's mir dann doch nicht.

Das folgende "Father" dagegen fällt nochmal eine Stufe ab. Die Nummer funkt zwar locker vor sich hin, hat aber eine reichlich simple Melodie, und die Trompetenbegleitung von Strophe und Refrain wirkt völlig deplatziert und aufgesetzt. Besser macht es da das lange Solo in der Mitte, wo wieder Spaß am Hören aufkommt. In "I Don't Know" stellt man sich allerdings ein wenig in die Tradition moderner Indie-Bands aus der "The"-Reihe, die sich vor gut zehn Jahren scharenweise gleichsam an Nirvana, The Velvet Underground und den 60er-Merseybeat erinnerten. Nicht gerade erwartet und deshalb (im Wortsinne!) unerwartet gut.

Die folgenden balladesken "No More" und "Wild Bill" dagegen leiden wieder unter dem gleichen Problem wie "Father": Abesits der interessanten Instrumentalpassagen fällt der Song recht simpel und seicht aus. Allerdings macht "Wild Bill" dabei zum Ende eine beachtliche Steigerung durch (ist aber nix, wo der "Stairway To Heaven"-Verehrer jetzt aufspringen sollte), während "No More" ebenso sumpfig aufhört, wie es angefangen hat. Zum Abschluss des Albums gibt es noch mal den schleppend-stonerigen Titeltrack, der so langsam ausgefallen ist, dass auch tolerante Freunde von Drone-Bands wie Earth oder Sunn O))) hier Gefallen finden könnten. Im Vergleich zu anderen Psychedelic-Lehrstücken wie "Set The Controls For The Heart Of The Sun" präsentiert sich die Nummer allerdings recht zugänglich. Den Abschluss bildet die interessante Jazzrocknummer "Inside I'm Free".

Unterm Strich halten sich auf "Seahorse" die gelungenen ("Yeager", "The Wheel", "Painful Hours") und weniger gelungenen ("200 Horses", "Father", "No More") durchaus die Waage. Allerdings stören diese schwächeren Stücke beim Hören ein bisschen den Fluss des Albums und die Zusammenstellung der Stücke wirkt auch etwas beliebig. Man hätte eventuell besser daran getan, den Stoff auf die wirklich guten Nummern zu kondensieren, dann wäre "Seahorse" als Ganzes auch etwas stringenter geraten. Ansonsten stelle ich als Fazit fest, dass "Seahorse" in seinen guten Momenten ein durchaus sympathisches Album mit charmanten Verweisen auf die End-60er ist, die in ein Korsett aus modernem Stoner- und Indie-Material eingebettet werden. Abseits davon stehen wie gesagt die schwächeren Nummern mit recht belanglosen Gesangsmelodien, simplen Arrangements, aber meist auch überzeugender Instrumentalarbeit. Damit fällt der Gesamteindruck dann letztlich doch positiv aus. Und das ist doch mal was!

Wie es auch schon bei den Vorgängern der Fall war, ist "Seahorse" einerseits als kostenloser Download auf der Bandhomepage verfügbar als auch als "festes" Exemplar als CD.

Anspieltipp(s): Yeager, Painful Hours, I Don't Know
Vergleichbar mit: Jimi Hendrix und Lou Reed jammen mit dem Black Rebel Motorcycle Club
Veröffentlicht am: 27.11.2011
Letzte Änderung: 5.8.2012
Wertung: 9/15
Wenn man nur die besseren Stücke betrachtet, wären schon 11-12 drin

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Von: Marc Colling @ (Rezension 2 von 2)


Gunnar hat mit seinem Fazit Recht. Ohne die schwachen Songs wären locker 11-12 Punkte hier drin. Doch das sind für mich eigentlich nur 2 (Father, 200 HORSES), denn NO MORE gefällt mir in seiner Simplizität. Die Schweizer schaffen ansonsten erstaunlich erwachsene und exzellent klingende Tracks wie YEAGER, das nach UFO in ihren besten Tagen klingt, THE WHEEL, ein Bluessong der tief verwurzelt ist in den 70'ern und der Gitarre Ausflüge ins Nirvana der Hippies erlaubt oder den Titeltrack SEAHORSE, ein Song der mich voll ins Herz trifft als toleranter Freund von Drone-Bands wie Sun O))). Wie konnte Gunnar das wissen? Der Track fließt meditativ dahin, keine Hektik treibt ihn, klingt orientalisch und du siehst die alte Jugendkneipe mit diesem süßlichen Duft der 70'er wieder vor deinem geistigen Auge. Das sind einfach(e) tolle 8 Minuten!

Ginger erschaffen schmerzerfüllte Momente die auch die letzte Hoffnung in düsteren Bildern ersticken wie im völlig desillusionierenden PAINFUL HOURS. Auch das psychedelische WILD BILL ist mit seiner spannenden Gitarre und Melodie ein richtig guter Track, der aber etwas am Gesang leidet. Weiteres Highlight ist das freejazzige und mit Swingrhythmen versehene INSIDE I'M FREE.

Das Album ist jedem Fan von leichtem Prog mit Hang zu Blues und Rock zu empfehlen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: UFO, nur leicht proggiger
Veröffentlicht am: 16.6.2017
Letzte Änderung: 16.6.2017
Wertung: 10/15
war angenehm überrascht, da stilistisch nicht so meine Welt

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Ginger

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2010 Going Through Arlanda 8.00 1
2011 From the Road 9.00 1

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