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Gustavo Jobim

Trapped in a Day Job

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2011 (Download, CD-R)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Konzeptalbum; Elektronische Musik; Moderne Electronica
Label: Eigenverlag
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Gustavo Jobim TS-404 V1.05 Beta software synthesizer

Tracklist

Disc 1
1. Let's fly 10:35
2. Moebius Tape 16:57
3. Cat in the Blender 4:15
4. Nightlife in Mars 7:40
5. Arcade Times 1:59
6. Mindbender 6:48
7. Icecream Waves 7:11
8. Inside the Machine 20:14
Gesamtlaufzeit75:39


Rezensionen


Von: Christian Rode @


Man kann es sich vor seinem geistigen Auge geradezu bildlich vorstellen, wie ein kreativer Geist in Büros, die an Hühnerställe erinnern, zur Produktivität angehalten wird und dabei abstumpft. Immer die gleichen Arbeitsvorgänge in geringen Variationen, immer die gleiche Strukturierung der Arbeit in festgesetzten Zeitabläufen. Der Mensch, der mehr Maschine als Lebewesen ist. Das ist die eine Seite. Und es erinnert musikalisch schon stark an Kraftwerk. Aber auch an Cluster.

Gustavo Jobim schreibt in der Betrachtung zu diesem Album, dass er sich besonders von Cluster inspiriert fühlte. „Moebius Tape“ (benannt nach Clusters Dieter Moebius) war das erste Stück, das er für das Album aufnahm. Nun, Cluster mag hier Inspiration gewesen sein, aber Jobim schafft es zwischen Düsseldorf und Forst an der Weser (bildlich gesprochen) seine ganz eigene Idee einer modernisierten Form der alten Kraut-Electronic in Tonfolgen umzusetzen.

Trapped in a Day Job ist bereits das vierte Solo-Album von Gustavo Jobim, einem Brasilianer, der mir einer der begabtesten Erben der deutschen, elektronischen Musik zu sein scheint. In der Musik von Jobim finden sich Anteile der verschiedensten Kraut-Electroniker von Tangerine Dream und Klaus Schulze über Cluster und NEU! bis hin zu Conrad Schnitzler und Kraftwerk. Seit dem Jahr 2000 arbeitet Jobim an seinem speziellen Konglomerat, das sich zwar deutlich auf die deutsche elektronische Avantgarde der 70er Jahre von Berlin bis Düsseldorf stützt, aber doch eigene moderne Handschrift erkennen lässt. Wobei gerade dieses Album deutlich von der sonst bei Jobim vorherrschenden Vorliebe für die Berliner Schule elektronischer Musik abweicht.

Die sich stetig wiederholende ebenso dynamische wie differenzierte Rhythmik gepaart mit irgendwie simpel klingenden, versponnenen Synthiesounds sorgt auf Trapped in a Day Job geradezu zwingend für eine ungewöhnliche Lebendigkeit. Das repetitive Element wird besonders bei den beiden Longtracks genüsslich ausgespielt. Änderungen im Klangbild vollziehen sich nur ganz allmählich. Jobim ist dabei ein äußerst konsequenter Musiker: auf akustische oder elektrische Instrumente wird vollends verzichtet. Das Album wurde allein auf einem sehr kleinen Software Synthesizer in kreativen Arbeitspausen in seinem Büro eingespielt. Alles kommt aus der „Dose“: Die treibenden Electro-Beats, die harte Bass-Spur, die sich darüber in kurzen Zirkeln entfaltende Synthie-Melodie.

Der Sound auf Trapped in a Day Job ist mechanisch, synthetisch, minimalistisch und verspielt. Der Prog-Hörer mit Zugang zu elektronischer Musik wird sich der seltsamen Dynamik und Frische dieser Aufnahmen in der Schnittmenge von Zuckerzeit und Mensch-Maschine kaum entziehen können.

Anspieltipp(s): Let's fly, Inside the Machine
Vergleichbar mit: Cluster, Kraftwerk, Plastikman
Veröffentlicht am: 5.3.2012
Letzte Änderung: 11.9.2014
Wertung: 12/15

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