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InVertigo

Veritas

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2012
Besonderheiten/Stil: Melodic Rock / AOR; RetroProg
Label: Progressive Promotion Records
Durchschnittswertung: 11.67/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Sebastian Brennert vocals, piano
Michael Kuchenbecker keyboards
Carsten Dannert drums, percussion
Matthias Hommel bass, pedals
Jacques Moch guitar

Gastmusiker

Marek Arnold saxophone (7)
Julia Gorzelanczyk additional vocals (4,5,7)
'Hey Jo'-Girls Choir choir (2)
Niels Löffler guitar solo (6)

Tracklist

Disc 1
1. Darkness 8:27
2. Lullaby 5:58
3. Waves 7:48
4. Dr. Ho 7:31
5. Suspicion 13:38
6. Truth 4:37
7. The Memoirs Of A Mayfly 21:50
Gesamtlaufzeit69:49


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß @ (Rezension 1 von 3)


Die Wahrheit ist auf'm Platz (das wissen Fußballer), aber manchmal eben auch im CD-Player. Zumindest wenn man sich das zweite Werk der Gelsenkirchener Prog-Rocker InVertigo besorgt hat, welches eben auf den Namen „Veritas“ hört. Dabei ist „Veritas“ nicht unbedingt ein Konzeptalbum, aber doch ein Songzyklus, der sich thematisch um Lügen und Wahrheit dreht. Ausnahme ist der abschließende Longtrack, der eher so als Bonus verstanden werden sollte.

Mit „Next Stop Vertigo“ hatten InVertigo 2010 schon ein bärenstarkes Debüt vorgelegt, was die Messlatte für das zweite Album schon hoch legte. Aber die Jungs springen da locker drüber. „Veritas“ stellt in allen Belangen eine positive Weiterentwicklung der Band dar. Mit Carsten Dannert hat man einen neuen Schlagzeuger an Bord, der seine Aufgabe souverän löst, aber das alleine kann vermutlich die Veränderung nicht erklären. Der Klang von „Veritas“ ist deutlich variabler, dabei erdiger, rockiger, 'natürlicher', packender, verspielter, ja irgendwie 'erwachsener' als auf dem Debüt. Da beginnt schon mit den eleganten Pianoläufen am Beginn von „Darkness“, setzt sich fort mit dem noch prominenteren Gesang von Sebastian Brennert, der an Statur und Kraft gewonnen hat, und findet seinen Widerhall in den fetten, teils an metallischen Gefilden kratzenden, Gitarrenparts von Jacques Moch. Basser Hommel und der bereits erwähnte „Neue“ an den Drums – Christian Dannert – legen ein dynamisch-schwingendes Rhythmusfundament, welches die Song ebenso trägt wie befeuert.

Keyboarder Michael Kuchenbecker packt ein ganzes Arsenal interessanter Klänge aus und prägt so durchaus den Sound des Albums, ohne das die Tasten alles mit Pathos und Kitsch zukleistern würden. Die Arrangements sind hier eher filigran und sorgen für einen wohligen Sympho-Sound, der nicht in Übertreibungen und Quietsch-Keys untergeht. Immer wieder bestimmen Piano, Orgel und sonstige eher analoge Vertreter der Tastenwelt das Geschehen, besonders eindrucksvoll im abschließenden Longtrack, aber eben auch in einem mitreißenden Eröffnungspart, wie beispielsweise bei „Dr. Ho“.

InVertigo haben Sinn für gelungene Melodien, ausladende Instrumentalparts und vergessen dabei den Song nicht. Das macht „Veritas“ in gewisser Weise eingängig und anspruchsvoll zugleich. Und natürlich zu einem Referenzwerk für melodischen, zeitgemäßen deutschen Prog.

Neben allerlei interessanten musikalischen Wendungen und Haken, die angenehm die Synapsen der Hörer reizen, und den gelungenen Gastauftritten, z.B. von Marek Arnold im Schlusstrack oder Gitarrist Niels Löffler mit einem Klasse-Solo in „Truth“, lassen sich auch die textlichen Einfälle hören. Die satirische Abrechnung mit Werbe-Lügen am Besipiel von Mittel gegen Haarausfall („Dr. Ho“) oder natürlich die schon lange notwendige Analyse des Lebens einer Eintags-Fliege („The Memoirs Of A Mayfly“) sprechen für sich und für den Humor und die gesunde Weltsicht der Band. Da nimmt man auch die bei so einem Thema – wir erinnern uns „Wahrheit“ - vermutlich unvermeidlichen Sprachsamples gerne in Kauf („Truth“). Immerhin lösen InVertigo das Ganze recht elegant, in dem sie einfach die Aussagen für sich stehen lassen und so den moralischen Zeigefinger vermeiden. Soviel Stilsicherheit möchte man manchem Kritiker in den weiten des großen Internets wünschen.

Mit „Veritas“ machen InVertigo einen großen Entwicklungsschritt in die richtige Richtung (wie ich meine) und etablieren sich in der Spitze des deutschen Progressive Rock... „Spread your wings and fly!“

Anspieltipp(s): "Darkness", "Dr. Ho"
Vergleichbar mit: Sylvan, High Wheel
Veröffentlicht am: 2.4.2012
Letzte Änderung: 2.4.2012
Wertung: 12/15

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Von: Jürgen Wissing @ (Rezension 2 von 3)


Eines mal vorab: wenn InVertigo sich so großartig weiter entwickeln wie innerhalb des vergangenen Jahres, dann ist fest damit zu rechnen, dass sie bei Liveauftritten nicht mehr für ihre deutschen Kollegen von Sylvan oder RPWL als Support auftreten. Dann könnte es sogar schon bald umgekehrt sein…

Die Erwartungen an den Nachfolger von „Next Stop Vertigo“ beinhalteten sicher vor allem den Wunsch nach einer Antwort auf die Frage, ob die Band sich sinngemäß als „One Hit Wonder“ outet. Nun, außer einem klaren „Nein“ hierzu muss vergleichend sogar gesagt werden, dass die Musik von InVertigo gegenüber dem Debüt sehr variabel geworden ist, man wandelt zwischen Neo, Retro und Artrock und dabei sprüht man auf „Veritas“ nur so vor – guten – Ideen, die auch (fast) alle zünden und die CD zu einem echten Feuerwerk guten Songwritings machen, wobei eine erstaunliche Reife an den Tag gelegt wird.

Mir gefällt dabei besonders, dass jeder der angebotenen Tracks das gewisse Etwas aufweist, seine eigene, ganz spezielle Finesse hat. Ob es im Opener die eingestreute Papstansprache oder im folgenden „Lullaby“ der Mädchenchor zu Beginn ist, ob das gefühlvolle Gitarrensolo in „Waves“ oder die Rhythmuswechsel und der locker-flockige Text in „Dr. Ho“ – von allen Titeln bleibt sofort etwas hängen. Im ersten Longtrack „Suspicion“ wird viel Drama und Pathos vermittelt, dazu einige Gesprächsfetzen eingebaut und im, das Thema abschließenden, Instrumental „Truth“ beweist man Mut mit Originaleinspielungen einiger der großen (gesellschafts-) politischen Lügen aus den letzten 50 Jahren, sogar mit zeitaktuellen Bezügen – provokantes Kino!

Der finale Longtrack, der thematisch aus der Reihe fällt, ist über mehrere Jahre hinweg durch InVertigo kompositorisch immer wieder verfeinert und abgerundet worden. Ein schönes Teil mit allerlei Abwechslung im Stil von Pop/Rock bis Reggae ist es geworden, da steckt viel Pfiffiges drin. Einige Bauchschmerzen bekomme ich lediglich – auch nach wiederholtem Hören (obwohl ich es zunächst nicht wahrhaben wollte) – beim Gesangspart des Chapter VI: in den ersten Zeilen stimmen da doch weder Tonlage noch Harmonien!? Das ist aber schon die einzige kleine Irritation, die ich bei dem sehr hohen Niveau ausmachen kann – na, dann mal Schwamm drüber!

Insgesamt begeistert mich neben dem sehr akzentuierten Drumming, der tadellosen Gitarrenarbeit und dem feinen Pianospiel auch die Gesangsleistung, einschließlich der weiblichen Gastrolle in „Mayfly“. Durch die vielen mit großer Spielfreude vorgetragenen und clever umgesetzten Ideen vergeht die Zeit des Hörens übrigens wie im Flug – es sind immerhin fast 70 Minuten, die hier „wie nix“ rum sind.

Noch ein paar Worte zur Position von InVertigo: an anderer Stelle tat ich bereits kund, dass aus meiner Sicht die bekannten NeoProg–Dinos – insbesondere die aus GB – nicht mehr das Maß der Dinge sind. Und wir haben derzeit das Glück, gerade aus eigenen Landen eine Reihe hochkarätiger Bands mit ihren gelungenen neuen Veröffentlichungen genießen zu dürfen, hier seien – ohne wertende Reihenfolge und schon gar nicht erschöpfend - neben Alias Eye, RPWL und Sylvan auch Flaming Row, Morphelia, Seven Steps... und Vanden Plas genannt. Eine derart breite Phalanx deutscher, international konkurrenzfähiger Bands gab es wohl selten im Segment Prog (mit entsprechenden Subgenres), toll!

Und dass nun mit InVertigo ausgerechnet eine Truppe aus dem Westen mit diesem Riesenalbum „Veritas“ die Pole Position übernehmen kann, macht mich gar ein wenig stolz („Wir in NRW“).

Eine makellose Scheibe, die es wert ist, sie sich zuzulegen – darauf „gebe ich mein Ehrenwort“!

Anspieltipp(s): alles gut!
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.4.2012
Letzte Änderung: 7.4.2012
Wertung: 12/15

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Von: Marc Colling @ (Rezension 3 von 3)


Diese 2012 veröffentlichte CD ist das bis heute letzte Lebenszeichen der Band auf Tonträger. Live gab es gemäß ihrer Internetseite noch Auftritte bis Mitte 2014, aber seitdem herrscht auch dort Funkstille. Ob und wie es weitergeht entzieht sich demnach meiner Kenntnis. Sollte es nicht weitergehen wäre das aber sehr schade. Denn mit ihrer zweiten Scheibe haben die Jungs fast alles richtig gemacht. Das beginnt bereits beim Cover, welches in den 3 Jahren seit Erscheinen der CD sogar noch aktueller wurde. Da es sich um das Signal der Empfangsstärke von Handys handelt und die Texte sich viel mit der „Wahrheit“ beschäftigen, ist ja auch das illegale Abhören mittlerweile ein Thema. Dazu sind die Texte allesamt im Booklet abgedruckt und sie sollten wirklich mal genauer studiert werden, weil sie richtig gut sind. Somit stimmt schon mal das äußere Paket. Doch nun zur Musik.

InVertigo spielen einen ProgRock bei dem die Bezeichnung oft auf „Rock“ liegt. Der Gesang ist sehr gut, dazu eine Rhythmuseinheit mit Bass und Drum welche punktgenau spielt. Die Gitarre schwenkt hin und her zwischen Rock, Hardrock, Prog und sogar Reggae. Und die Tasten wechseln ständig ihr Erscheinungsbild. Das Arsenal des Keyboarders wird ganz schön abwechslungsreich traktiert, sogar Honky Tonk Piano kann man hören. Dazu ein Mix der keines der Instrumente zu weit nach vorne mischt, sondern eine richtig gute Gesamtstruktur zulässt.

Mit DARKNESS beginnen sie mit einem richtig fetzigen Titel der sofort aufhorchen lässt, besonders wenn der Papst dann auch noch persönlich zu uns spricht. Dazu Sebastian Brennerts starke Stimme, die sich immer wieder gegen die Instrumente behauptet, ja behaupten muss. Etwas ruhiger kommt dann LULLABY daher, beginnend mit einer schönen Gesangslinie eines Mädchenchors. Und im Refrain hört man kaum wahrnehmbar obendrauf ein Keyboardmotiv, das sich im Gehirn festklebt wie Kaugummi.

Die Halbballade WAVES ist nicht so spektakulär, obwohl der Song ein anständiges Gitarrensolo hat. Auch wechseln sich das Klavier und die Gitarre öfters untereinander ab, was dann zum Teil schon spannend klingt. Doch allgemein ist mir der Song etwas künstlich zusammen gestückelt und er hat auch nicht „die“ zündende Idee.

DR. HO ist dann aber textlich und musikalisch wieder ein Ohrenschmaus. Ein erster Höhepunkt des Albums. Dass der Mann sich bei erstem Haarausfall sorgenvoll im Spiegel betrachtet und mit allerlei Mittelchen versucht sich wieder attraktiver zu präsentieren, ist ja bekannt. Doch so wie es hier dargestellt wird, das ist schon sehr witzig und gelungen. Und das nicht nur textlich, sondern auch musikalisch mit seinem mitreißenden und positiven Groove. Chapeau!

Der erste von zwei Longtracks folgt und heißt SUSPICION. Im Vergleich zum zweiten Longtrack MEMOIRS OF A MAYFLY ist dieser Song mit immerhin noch 13 Minuten rund 8 Minuten kürzer! Der Song ist weniger eingängig und beinhaltet einige längere Soli, die natürlich etwas mehr Aufmerksamkeit verlangen. Auch gibt es einige Gimmicks, die wunderbar in das Gesamtkonzept des Songs hineinpassen.

Mit TRUTH folgt der einzige instrumentale Song. Hier kommt jedes Instrument zu seinem kleinen Solo und seinem „Ehrenwort“. Die eingespielten Stimmen von teils historischer Bedeutung passen hier wie die berühmte Faust aufs Auge. Und machen uns mal wieder klar, wie viel in der (politischen) Welt gelogen wird.

Dann kommen wir zum zweiten Longtrack, THE MEMOIRS OF A MAYFLY. Was bewegt eine Eintagsfliege? Nun, anhören, zurücklehnen und genießen. Nach fast 22 Minuten habt ihr die Antwort. Und keine Sekunde Langeweile gehabt. Der Track besteht aus 10 Kapiteln, einige davon sind instrumental. Die Band pendelt zwischen astreinem Rock hin zu fast pastoralen Klängen, dann wieder zu feinen Gitarrensoli. Und irgendwann ertönt die Stimme allein und intoniert den Anfang einer hymnischen Ballade (Spread your wings). Die Musik ist dabei immer dem Text verbunden. So ertönt in „Imago“ sogar ein leichtes Reggaemotiv direkt neben einem ziemlich rockigen Teil. Der Text umschreibt übrigens die „Jugend“ der Fliege. Sogar ohne den Text würde man das nur an der Musik merken.

Dieses Werk macht richtig Spaß, ohne allzu Bierernst daher zu kommen. Die Melodien sind nicht allzu kompliziert, aber weit weg von banal. Prog ist das immer noch, wenn auch sehr melodiös. Gemischt mit richtig rockigen Rhythmen kommen die Kompositionen locker daher und halten über die gesamte Dauer der CD die Spannung hoch. Dazu klingt die CD mit immerhin 70 Minuten sehr homogen.

Eine Fortsetzung der Bandgeschichte wäre sicher nicht verkehrt.

Anspieltipp(s): Dr. Ho, The memoirs of a Mayfly
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 2.2.2016
Letzte Änderung: 2.2.2016
Wertung: 11/15
Für Liebhaber von melodischem Progrock mit viel Rockanteil sicher noch mehr

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Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2010 Next Stop Vertigo 10.00 2

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