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Judge Smith

Orfeas

(Siehe auch: Leitfaden "Konzeptalben")
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2011
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; ArtPop; Moderne Electronica; Moderne Klassik; Rock / Pop / Mainstream
Label: Masters of Art
Durchschnittswertung: 11.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Judge Smith Gesang
Lene Lovich Gesang
René van Commenée Gesang
David Shaw-Parker Gesang, Gitarre
John Ellis Gitarre
David Jackson Saxophon
Marco Olivotto Bass (7)
Bert Santilly Akkordeon
Ricardo Odriozola Violine, Viola
Ben Nation Cello
David Minnick Percussion, Keyboards, Gitarre, Bass
Gigi Cavalli Cocchi Schlagzeug
"Black Path" als Metalband "Bacchus"

Tracklist

Disc 1
1. The Bard - One 1:55
2. Rundown Rudi 4:13
3. Soliloquy - One 0:46
4. Seven Yard Promenade 3:33
5. Interview - One 3:28
6. Orphic Lullaby 4:01
7. Soliloquy - Two 0:51
8. Wolfman George 3:14
9. Soliloquy - Three 1:25
10. The Bard - Two 1:41
11. Soliloquy - Four 1:43
12. In-Flight Movie - One 3:11
13. Orfeas and Eurydice - One 2:59
14. In-Flight Movie - Two 0:58
15. In Hell - One 0:18
16. Carpet of Bones 4:31
17. In Hell - Two 0:41
18. In-Flight Movie - Three 0:52
19. Orfeas and Eurydice - Two 1:53
20. The Crab Nebula 1:47
21. Orfeas and Eurydice - Three 1:11
22. Orfeas' Audition 4:49
23. Don't Look Back 2:42
24. In-Flight Movie - Four 1:16
25. Interview - Two 4:11
26. Fishin' In the Styx 3:28
27. Soliloquy - Five 0:49
28. Don't Deafen Me, Persephone 4:28
29. The Bard - Three 1:18
30. Soliloquy - Six 0:48
31. Catastrophe in Czecho 1:32
32. An Announcement 0:43
33. Tear Him Asunder 4:07
34. The Bard - Four 2:17
Gesamtlaufzeit77:39


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 2)


Orpheus war ein Sänger und Dichter der griechischen Mythologie, der mit seiner Musik die wilden Tiere befriedete und sogar die Felsen zum weinen brachte. Aus dem Lande Thrakien soll er gekommen sein - tatsächlich aber stammt er aus Potters Bar im englischen Hertfordshire, und heute Abend spielt er mit seiner Band in der Wembley Arena... diese völlig neuen Erkenntnisse über Orpheus stammen von Judge Smith, einem alten Weggefährten Peter Hammills und Mitbegründer von Van der Graaf Generator (die er aber vor deren Debütalbum schon wieder verließ), und zu hören sind sie auf seiner neuen "Songstory" Orfeas, auf der er eine Art moderner Version der Orpheus-Geschichte bietet.

Das Werk ist in umfangreicher Besetzung entstanden, sieben unterschiedliche Ensembles spielen auf (die allerdings z.T. aus den gleichen Musikern bestehen), vom Streicherensemble bis zur Metalband. Dabei finden sich illustre Namen, allen voran David Jackson, der langjährige Saxophonist von Van der Graaf Generator. Nicht ganz unbekannt sind auch John Ellis, der in den 80er Jahren in Peter Hammills K-Group spielte, sowie Lene Lovich, die in der von Hammill und Judge Smith komponierten Oper The Fall of the House of Usher die Rolle der Madeleine Usher sang.

Judge Smith spricht also George Orfeas, einen Rockgitarristen, der auch im Alter von 55 Jahren und nach über 30 Jahren Karriere nichts von seiner Kreativität verloren hat. Wobei er in den letzten Jahren sich mehr aufs Improvisieren verlegt hat, dank einer zufällig gefundenen, alten Gitarre. Die trägt eine merkwürdige, schlecht zu lesende Inschrift, die Orfeas als "Furry Dice" entziffert. Mit "Furry Dice" legt Orfeas die unglaublichsten Improvisationen hin (grandios gespielt von John Ellis), die er in einem Radiointerview seinem "special brain" zuschreibt.

Mit den Jahren ist Orfeas allerdings etwas gelangweilt vom Musikerdasein und denkt über den Ruhestand nach. Da ist seine Gitarre nach einer Konzertpause plötzlich verschwunden! Frustriert beschließt er, seine laufende Tour abzubrechen und macht sich auf den Weg nach Hause. Vor lauter Aufregung verursacht er einen Unfall, bei dem er ins Koma fällt und sich in der Unterwelt wieder findet. Dort begegnet er einer Frau, die sich als Eurydice vorstellt und ihm eröffnet, seine Muse zu sein und ihm die Gitarre geschickt zu haben, durch die er ihre Inspirationen empfing. Weil er nun aber sich von der Musik abzuwenden begann, wurde ihm die Gitarre "entzogen". Auf sein Flehen hin, ihm die Gitarre zurückzugeben, bringt Eurydice ihn an einen riesigen Tisch, wo Musiker und Komponisten aller Epochen sitzen, von Hildegard von Bingen bis Freddy Mercury, unter dem Vorsitz von Johann Sebastian Bach. Diesen soll Orfeas vorspielen, dann wird über sein Anliegen entschieden. Und ganz wie der antike Orpheus die Herren der Unterwelt mit seiner Musik verzauberte, gelingt es auch George Orfeas, die versammelten Herrschaften umzustimmen. Er erhält Gitarre und Inspiration zurück unter einer Bedingung: wenn er je zurückschauen sollte, wird er Eurydice für immer verlieren. Orfeas erwacht aus dem Koma und stellt fest, dass seine Gitarre auf wundersame Weise unbeschädigt in seinem verunglückten Auto gefunden wurde.

Wie beim "echten" Orpheus geht auch bei Orfeas die Sache mit dem nicht zurückschauen schief; nachdem sein neuer musikalischer Stil (u.a. mit Hip Hop und Rap angereichert) bei den Fans nicht so gut ankommt, wird seine finanzielle Lage immer prekärer. Da kommt das Angebot, bei einem Festival aufzutreten mit der Auflage, seine alten Hits zu spielen; Orfeas geht darauf ein, und so verlässt ihn mitten im Auftritt seine Muse endgültig. Orfeas muss seinen Auftritt abbrechen, was ihm den Spott der nach ihm auftretenden Metalband Bacchus einbringt, deren Sänger die Fans anstachelt, Orfeas zu zerreißen (in der Sage wurde Orpheus von den Mänaden, berauschten Anhängern des Weingottes Dionysos/Bacchus in Stücke gerissen).

Da habe ich jetzt schon eine Menge geschrieben ohne etwas über die Musik zu sagen. Was erwartet den Hörer hier also? Die Musik des in drei Akte unterteilten Werks ist sehr vielseitig, wirkt anfangs vielleicht etwas zusammengewürfelt, mit der Zeit erkennt man aber das Konzept dahinter. Zu Anfang jedes Akts tritt ein Barde auf und fasst zu dramatischer Akustik-Gitarrenbegleitung (die einen leicht spanischen Einschlag hat) mit ebenso dramatischer, wenn auch nicht prätentiöser Stimme die bevorstehenden Geschehnisse zusammen. Auch im folgenden wird jeder Teil der Geschichte mit einer bestimmten Art von Musik begleitet. Die "Radiointerviews" mit George Orfeas sind mit Streichern unterlegt, die geradezu avantgardistisch klingen, seine Fahrt in die Unterwelt wird mit Techno unterlegt ("hell is a disco" entfährt es ihm dabei entgeistert). Natürlich gibt es auch "Live"-Auftritte der George Orfeas Band, zu der neben Orfeas selbst an der Gitarre (wie erwähnt John Ellis) noch Bass und Schlagzeug sowie Akkordeon und Saxophon (David Jackson) gehören. Die Band spielt einen Artrock, der natürlich ganz auf Orfeas' Gitarrensoli ausgelegt ist, durch die Einsätze von Saxophon und Akkordeon noch zusätzliche jazzige bzw. folkige Akzente bekommt.

Die Musik der George Orfeas Band ist instrumental ("I never sing", bekräftigt er mehrmals), erst in seiner späteren Phase lässt er einen "MC Hi Crimes" (David Shaw-Parker, der auch den Barden singt) rappen. Ansonsten gibt es meist gesprochenen Text, Monologe von Orfeas (die "Soliloquy" betitelten Stücke), Interviews, Konzertansagen. Nur in der Unterwelt wechselt Orfeas zum Gesang, auch Eurydice singt. Judge Smith überzeugt als Sprecher wie als Sänger, nicht weil er technisch brillant wäre, sondern weil in seiner typisch "britische" Stimme mit jeder Silbe eine gewisse Ironie mitschwingt, die zu keiner Zeit ein Abrutschen in Prätentiöse zulässt.

Die CD kommt mit einem umfangreichen Beiheft, das nicht nur den kompletten Text enthält (ohne die Texte verpasst man hier viel), sondern auch einen kurzen Abriss zur Entstehung des Albums, eine Vorstellung aller Beteiligten und zahlreiche Fotos. Ein wunderbar kurzweiliges Album!

Anspieltipp(s): kann man nur in Gänze richtig genießen!
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.4.2012
Letzte Änderung: 9.4.2012
Wertung: 10/15

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Von: Dirk Reuter @ (Rezension 2 von 2)


Was macht denn Mister Smith plötzlich? Er erzählt Geschichten in weniger als 80 Minuten und das auch noch außerordentlich gekonnt.

Ähnelte die stellenweise fast ermüdende Doppel-CD "Curly´s Airships" den minutenlangen, nichtssagenden und für den Fortgang des Films absolut verzichtbaren Landschaftsaufnahmen in Kevin Costners "Dances with Wolves" so erinnert "Orfeas" fast schon an die rasanten Kamerafahrten eines Michael Ballhaus in Barry Levinsons "Sleepers".

Was quatscht der Reuter da wieder für dummes Zeugs? Sind wir hier bei imdb.com oder bei den Babyblauen Seiten? Die Parallelen zu Kinofilmen liegen bei Alben von Judge Smith nahezu auf der Hand. Unglaublich, wie er es schafft, mit seiner Musik Geschichten zu erzählen; er sollte Drehbücher schreiben, interessant wären die Filme, die danach entstünden allemal.

So gut wie auf "Orfeas" ist ihm das allerdings bislang noch nie gelungen. Hier wagt er sich gleich an ein antikes Vorbild und versetzt die Geschichte von Orpheus und Eurydike in die musikalische Gegenwart, verarbeitet höchst gekonnt jede Menge musikalischer Stile vom Rap zum Metal und bleibt natürlich dem Prog im Sinne von Van der Graaf Generator - auch deren immer mal wieder Ex-Saxophonist David Jackson ist hier zu hören - weitestgehend treu.

Der eigentliche Star des Albums ist aber ein weiterer Hammill-Mitstreiter, nämlich Gitarrist John Ellis. Derart entfesselt habe ich ihn seit seligen K-Group-Zeiten nicht mehr gehört. Er ist es auch, der die eigentliche "Hauptrolle" des Stücks spielt, nämlich die Gitarre der Eurydice, deren gleichnamige Inschrift Orfeas wohl Dank einer Leseschwäche als "Furry Dice" entziffert und hierfür in der Unterwelt von der göttlichen Lene Lovich (wer erinnert sich an "Lucky Number"?) entsprechend getadelt wird.

Unglaublich rasant verfliegen hier fast 78 Minuten und man hat beim letzten Ton das sichere Gefühl, hier hervorragend unterhalten worden zu sein. Und das ist alles andere als selbstverständlich.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 13.7.2012
Letzte Änderung: 12.7.2012
Wertung: 13/15
mit Luft nach oben. Das könnte ein Klassiker werden.

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Judge Smith

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2000 Curly's Airships 12.00 2
2005 The Full English 10.00 1
2006 Live in Italy 2005 8.00 1

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