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Gerd Weyhing

The Hidden Symmetry

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2012
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik
Label: Eigenverlag
Durchschnittswertung: 11.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Gerd Weyhing Guitar, Sounds

Tracklist

Disc 1
1. icyclokinesis 29:18
2. multilated serenity 18:31
3. dubh artach 24:14
Gesamtlaufzeit72:03


Rezensionen


Von: Achim Breiling @ (Rezension 1 von 2)


Alle zwölf Jahre veröffentlicht der im pfälzischen Exil lebende Gerd Weyhing (nach eigener Aussage) ein Album. Nachdem sein Erstling "The Inside World / Soundscapes III" im Jahre 2000 das Licht der Welt erblickt hatte, war somit sein zweites Album an der Reihe, welches dann auch pünktlich im Frühjahr 2012 erscheinen ist. Ausgerüstet mit E-Gitarre, Effektgeräten und Laptop gab Weyhing im Dezember 2011 ein Konzert in der Poly Produzentengalerie in Karlsruhe und schnitt bei dieser Gelegenheit drei umfangreiche Stücke mit. Dieses Material wurde dann in Eigenregie abgemischt, klanglich perfektioniert und schließlich als "The Hidden Symmetry" auf CD gebrannt. Das Ergebnis kann man direkt beim Künstler (und natürlich bei seinen Konzerten) erwerben (siehe den Labellink oben).

Progressive elektronische Musik gibt es auf "The Hidden Symmetry" zu hören, eine klangvolle und originelle Mischung aus Ambientsounds, klassischer Elektronik (Retroelektronik) und Gitarren-Soundscapes in der Tradition von Robert Fripp. Eher zurückhaltende, bisweilen aber auch leicht aufbrausende E-Gitarrenloops und -schleifen, elektronische Klanggewebe und ab und zu auch hypnotisch-minimalistische Rhythmusmuster vom Sequenzer (oder wie sich das entsprechende Computerprogramm gerade nennen mag) fließen hier aus den Boxen, ergänzt noch um allerlei weiteres elektronisches Fiepen, Wabern, Dröhnen und Zischen. Das Ergebnis sind sehr ausladende, intensive Soundlandschaften, die jeder Hörer in einer anderen Gegend, einem anderen Land, einem anderen Planeten oder irgendwo in sich selbst ansiedeln wird. Phantasieanregend und hypnotisierend erschließt diese Musik jedenfalls erweiterte Klangräume, die zum Wegdriften und Träumen anregen, ohne dabei auch nur im Entferntesten in seichte New-Age-Gefilde abzugleiten. Dazu ist das Ganze auch zu schräg, unglatt und kantig ausgefallen, hängt diesen Klanggemälden doch meist eine gewisse düster-bedrohliche Atmosphäre an.

"The Hidden Symmetry" kann man wohl irgendwo in der Mitte zwischen den schwarzweißen Ambientklängen eines Robert Rich und den schleifenden Frippertronics des King-Crimson-Gitarristen ansiedeln. Irgendwelche weltbewegende Innovationen hat Weyhing nicht im Angebot (das ist wohl auch gar nicht seine Absicht), gibt es natürlich verschiedene Musiker, die sich in den letzten 30 Jahren in ganz ähnlichen musikalischen Gefilden aufgehalten haben. Doch vor diesen, auch den ganz großen Namen (zwei habe ich oben schon erwähnt), braucht er sich sicher nicht zu verstecken. Wer somit Progressiv-Elektronisch-Sundscapeartiges schätzt, der sollte "The Hidden Symmetry" nicht verpassen! Bleibt noch zu hoffen, dass Weyhing seine Veröffentlichungsfrequenz in Zukunft etwas erhöht!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 28.4.2012
Letzte Änderung: 29.4.2012
Wertung: 11/15

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Von: Marcus Kästner @ (Rezension 2 von 2)


Singende Dichter, sogenannte Rhapsoden, trugen im frühen Griechenland ihre Epik vor kleinem Publikum zum Spiel der Phorminx, einem Saiteninstrument, vor. Sie mussten ohne Noten- und Textblätter auskommen, wenn sie ihre abendfüllenden Vorträge gestalteten. Sie hielten sich daher an vorgefertigte zusammenhängende Textmuster, Formeln und Wiederholungen, um kohärente Bilder ihrer Erzählungen zu zeichnen. Diese Parallele kam mir in den Kopf, als ich ein Video von Gerd Weyhing sah, in dem dieser mit seiner Gitarre und seinem Equipment vor kleinem Publikum sein aus Echos, Loops und live eingespielten wie programmierten Sequenzen bestehendes Stück „Icyclokinesis“ zum besten gibt. Was Weyhing dabei von den Rhapsoden unterscheidet? Er nutzt allein die Ausdrucksform seiner Musik zur Erzählung seiner Geschichten!

Das Genre „Soundscapes“ ist ein ziemlich schlecht zu vermarktendes. Es gibt die, die mit dem Namen etwas anfangen können, aber vermutlich die Werke seines Schöpfers (Robert Fripp) bevorzugen und es gibt die, die mit dem rätselhaften Namen nichts anfangen können und deshalb vermutlich auch nicht neugierig werden. Das ist schade, denn bei Gerd Weyhings Soundscapes können Freunde von Ambient- und früher elektronischer Musik, aber auch Liebhaber frippesker Klänge ganz auf ihre Kosten kommen.

Ich bin überhaupt erst durch Gerd Weyhing auf die Welt der Soundscapes aufmerksam geworden. Seinerzeit, im Dezember 2004, als ich mir sein erstes Album, das hier bereits kontrovers diskutiert wurde, aus Neugier bei ihm persönlich gekauft hatte. Mein Freund Sal Pichireddu schrieb damals auf diesen Seiten sehr treffend:

„Diese Musik ist wie ein Gedicht, das jeder Hörer selbst schreiben kann, schreiben soll, wenn er den Mut dazu findet.“

Diese Worte gelten in gleichem Maße für „The Hidden Symmetry“. Im Gegensatz zum ersten Album gibt es hier drei Stücke mit jeweils eigener Atmosphäre und eigenem Spannungsbogen zu hören. Wie auch beim Vorgänger wird dabei das Fassungsvermögen einer CD beinahe ganz ausgereizt.

Die Intensität des eigenen Gedichts, um bei Sals Worten zu bleiben, hängt davon ab, wie sehr man als Hörer in Weyhings Klangwelt eintaucht, wie sehr man sich auf die sich langsam entwickelnden Strukturen einlässt, die eine fast meditative Konzentration erfordern, um gänzlich in ihnen aufgehen zu können. Dem Leser dieser Seiten sollte eine gewisse Bereitschaft zur Erforschung solcher Stücke aber gegeben sein. Und es lohnt sich!

Gerade das abschließende „Dubh Artach“ ist ein Wechselbad der Gefühle, voll durchdringender Energie und knisternder Spannung, dass man denkt, in den Soli gen Mitte des Stückes würden Funken aus den Boxen sprühen. Und drumherum eine schaurige Bedrohlichkeit, die in ihrer Einsamkeit als Echolot in regelmäßigen Abständen in das Ohr und das Herz des Hörers pocht. Man muss es erlebt haben, um darüber zu berichten. Mir hat es wundervolle Momente beschert.

So erzählt der Soundscape-Rhapsode Gerd Weyhing seine Geschichten. Immer mit ein bisschen Wehmut und Schmerz, aber auch mit Leidenschaft und Hingabe. Wie ich bereits eingangs schrieb: Ich bin im Umfeld der Soundscapes nicht besonders bewandert. Mir kommt beim Hören von Weyhings Musik als Erstes immer ein Vergleich aus einer vermeintlich verschiedenen Richtung in den Sinn: Mike Oldfield. Wie dieser zaubert er lange, vielschichtige und -stimmige Werke, die unterschiedliche Kulminationspunkte haben. Zudem gibt es im Spiel und Klang ihrer Gitarren einige Gemeinsamkeiten. Ich sage daher, Gerd Weyhing ist der dunkle, schräge Mike Oldfield.

Die CD ist bei Gerd Weyhing persönlich (s.o.) und auf seinen Konzerten zu erstehen. Letzteres rate ich dem Interessenten unbedingt an. Live gewinnt Weyhings Musik noch einmal an Brisanz. Damit sich keine falschen Zuhörer angesprochen fühlen, hier noch ein sachdienlicher Hinweis von O. Mensing:

„Ich warne jeden […] Melodic Rock-Liebhaber: Ihr solltet wirklich auf diese Art von Minimal-Musik abfahren.“

Da wisst ihr Bescheid!

Anspieltipp(s): Dubh Artach
Vergleichbar mit: Den im Text genannten
Veröffentlicht am: 7.6.2012
Letzte Änderung: 7.6.2012
Wertung: 12/15
Ich bin mir sicher: Das ist noch nicht die Spitze von Weyhings Schaffenskunst!

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Gerd Weyhing

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2000 The Inside World / Soundscapes III 8.33 3
2014 Journeys to Impossible Places 12.00 1

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