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Trevor Rabin

Jacaranda

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2012
Besonderheiten/Stil: Jazz; Jazzrock / Fusion; Klassischer Prog
Label: Varèse Vintage
Durchschnittswertung: 13/15 (1 Rezension)

Besetzung

Trevor Rabin Guitars, Keyboards

Gastmusiker

Lou Molino III Drums
Ryan Rabin Drums (5, 9)
Vinnie Colaiuta Drums (2, 4)
Tal Wilkenfeld Bass (3)
Liz Constintine Vocals (6)

Tracklist

Disc 1
1. Spider Boogie 0:52
2. Market Street 5:35
3. Anerley Road 7:14
4. Through the Tunnel 5:55
5. The Branch Office 2:06
6. Rescue 3:57
7. Killarney 1 & 2 3:55
8. Storks Bill Geranium Waltz 1:02
9. Me and My Boy 3:14
10. Freethought 2:15
11. Zoo Lake 4:09
12. Gazania 3:12
Gesamtlaufzeit43:26


Rezensionen


Von: Nik Brückner @


Wisst Ihr noch, vor ein paar Jahren, als man George W. Bush mit Nobelpreisen geradezu umstellte? Fast konnte man den Eindruck bekommen, man wollte ihm deutlich machen, dass und warum er keinen kriegt. Yes geht es derzeit ähnlich: Während Trevor Horn der Band mühevoll zusammengekleisterte Reste zu einem mediokren Album zusammenproduziert, führt ihr ein alter Held nach dem anderen vor, was man alles zustande bringen kann, wenn man sich nur ein bisschen reinhängt: Renaissance mit ihrer fantastischen Comeback-EP, Ian Anderson mit "Thick as a Brick II", Jon Anderson mit "Open" - und nun reibt ihnen auch noch ihr alter Mitstreiter Trevor Rabin unter die Nase, was man als Veteran leisten kann.

Seit Jahren war zu lesen, dass Rabin an einem Jazzrock-Album arbeite. Man wusste also, was auf einen zukommen würde. Trotzdem ist "Jacaranda" eine Überraschung - schlicht und einfach weil es so gut ist. Wer hätte schon gedacht, dass der Mann, der in den letzten zwanzig Jahren zwar als Komponist der Filmmusiken zu "Armageddon", "Das Vermächtnis der Tempelritter" und - äh - "Kangaroo Jack", nicht aber als Gitarrist in Erscheinung getreten war, als solcher nochmal etwas reißen könnte?

Tja, wer hätte das gedacht...

"Jacaranda" beginnt reichlich schräg: Ein paar Männerstimmen, dann folgt mit "Spider Boogie" Bluegrass in Reinkultur. Bevor man aber so richtig befremdet sein kann, zündet Rabin mit "Market Street" richtig auf: eklektischer Stilmixer-Jazzrock in nicht alltäglicher Instrumentierung, mit haarsträubenden Läufen und einem Wechsel von Stilen und Arrangements in gefühltem Sekundentakt. "Market Street" definiert das nun folgende und ist zugleich wahrscheinlich der Höhepunkt des Albums. Nicht dass es danach bergab gehen würde...

Das Überraschendste an "Jacaranda" sind wohl sein hohes Level an Dynamik und Energie und der starke Eklektizismus, der hier herrscht. Rabin mischt die verschiedensten Stile miteinander: traditionellen Jazz, Jazzrock, Prog, Bluegrass und Country und wildert so im ureigensten Terrain seines Antipoden bei Yes, Steve Howe. Und was soll man sagen: "Jacaranda" ist besser als alles, was ich von Howe seit Urzeiten gehört habe. Das mag an der sicherlich besseren finanziellen Ausstattung des Albums liegen, oder an Mitstreitern wie dem Wunderschlagzeuger Vinnie Colaiuta, aber ganz ehrlich - der Grund ist mir herzlich gleichgültig.

Neu ist auch, wie sehr Rabin auf die Klassik zurückgreift. Der Stilwechsel Yes' in den Achtzigern war ja unter anderem durch die Abkehr der Band von klassischen Strukturen gekennzeichnet. Rabin zeigt hier nun, wie versiert er in diesen Musikformen ist und fügt Elemente aus Barock und Klassik mit eindrucksvoller Nahtlosigkeit in seine Jazzrockrahmen ein.

Und Rabin bleibt bei diesen Stilen nicht stehen. Mit "Rescue" ändert das Album nämlich ganz unvermittelt seine Richtung, ein stilles Stück, das auf Filmmusik zu "Jede Sekunde zählt" basiert. Hier ist auch das einzige Mal Gesang zu hören, der von Liz Constintine nämlich. Ab hier öffnet sich das Album stilistisch noch weiter, nimmt aber Abschied von ganz extremen Stilmixereien: "Killarney 1 & 2" ist ein Klavierstück, das eine lebhafte Begleitung mit einer ruhigen und leicht pathetischen Melodie verbindet, um schließlich in Neoklassik zu gipfeln, "Storks Bill Geranium Waltz" ist ein Jazzwalzer, "Freethought" entspannt zurückgelehnter Jazzrock und "Zoo Lake" gar eine klassische, lupenreine Jazzballade.

Was bei alldem vielleicht am eindrucksvollsten ist, ist, wie gelassen diese stets energiegeladene Musik vorgetragen wird. Bei allen Wendungen, bei allem Eklektizismus und bei aller technischer Brillanz wirkt "Jacaranda" niemals hektisch, nicht einmal aufgeregt. Die Angeberei, die man Rabin früher einmal nachsagen konnte, ist hier spurlos verschwunden. Referenzen in Rabins Vergangenheit sucht man ohnehin weitgehend vergeblich: Es sind allenfalls die schnellen Läufe, die man von Liveaufnahmen von "Solly's Beard" kennt, einige Licks aus den instrumentalen Intros von Stücken wie "Changes" oder "Endless Dream", das war es dann aber schon. Selbst der altbekannte Rabin-Sound scheint nur hier und da vereinzelt auf.

Trevor Rabin legt mit "Jacaranda" sein bislang bestes Soloalbum vor, das energiegeladenste und frickeligste Album aus dem Yes-Umkreis seit "Relayer" und zu guter letzt das Album, das auch dem letzten Rabinverächter beweisen dürfte, dass er nun wirklich nicht für das verantwortlich war, was Yes seit den Achzigern in Vinyl ritzten. Grandios!

Anspieltipp(s): Alles und "Market Street"
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 4.5.2012
Letzte Änderung: 4.5.2012
Wertung: 13/15
Das Rabin-Album, das Steve-Howe-Fans unbedingt haben sollten!

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Trevor Rabin

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1981 Wolf 4.00 1
1989 Can't look away 8.00 2
2003 90124 9.00 1

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