SUCHE
Erweiterte Suche
NEUE REZENSIONEN
27.7.2016
Axon Neuron - Metamorphosis
Electric Orange - misophonia
26.7.2016
Rolf Trostel - Inselmusik
25.7.2016
Electric Orange - misophonia
Herd of Instinct - Manifestation
Radiohead - A Moon Shaped Pool
Dark Suns - Everchild
24.7.2016
Monomyth - Exo
Patrick Cowley - Muscle Up
God Is An Astronaut - Helios | Erebus
23.7.2016
Ergo - As subtle as tomorrow
MJ12 - MJ12
Deafening Opera - Blueprint
22.7.2016
Kayo Dot - Plastic House On Base Of Sky
21.7.2016
Cromwell - Black Chapter Red
Gaudi - EP
Mathew Roth - Immersion
20.7.2016
Nathan - Nebulosa
ARCHIV
STATISTIK
22551 Rezensionen zu 15411 Alben von 5977 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Zweiton

Form

(Tipp des Monats 8/2012)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2012
Besonderheiten/Stil: instrumental
Label: unsung records
Durchschnittswertung: 12.33/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

alexander dowerk touch guitar, electronics, programming
alexis paulus drums, percussion, electronics, programming
udo dzierzanowski acoustic guitar on »licht«
roland vanecek tuba on »licht«
andrea sanz vela viola on »sand« and »eis«

Tracklist

Disc 1
1. sand 2.18
2. triebwerk 6.42
3. 9 days of tripping 10.25
4. eis 6.51
5. fehlfunktion 6.53
6. licht 9.49
Gesamtlaufzeit42:58


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 1 von 3)


"Sand" klingt wie eine Eröffnung einer etwas düsteren, bombastischen Progmetal-Scheibe. Dass das Erstwerk von Zweiton doch kein Metal-Album wird, weißt der Hörer ab "Triebwerk", das durch Alben aus dem King Crimson-Umfeld (wie beispielsweise von Trey Gunn) inspirierten Fusion-Prog bietet. Das bedeutet auch Beeinflussung durch King Crimson der 80er Jahre mit mathematisch durchdachter Musik, in der übereinander gelegte Gitarrenfiguren den Verlauf der Stücke bestimmen.

Durch die Industrial-Stimmungen von "9 days of tripping" fühle ich mich - nicht zuletzt durch die elektronische Komponente - an King Crimson ProjeKcts erinnert, hier allerdings um eine starke funkige Note und nicht zu verachtende Progmetal-Passagen erweitert. So lassen wohl auch Projekte wie Liquid Tension Experiment grüßen.

"Eis" bietet anfangs unterkühlte Ambient-Fusion-Musik, die bald treibenden, elektronische Präzision und menschliches Temperament verbindenden Rhythmen und schneidenden Gitarren weichen muss. "Fehlfunktion" verbindet elektronische Musik mit Progmetal und King Crimson-Prog (nach 1981) und lässt so einen leider nicht sehr oft gehörten, sehr aktuell und lebhaft anmutenden Progressive Rock entstehen. Davor brauchen wir mehr, Herrschaften!

Dann macht "Licht" seinem Titel alle Ehre und entwickelt auf kurzweilige Art einiges an positiver Kraft, was man an dieser Stelle so nicht unbedingt erwartet hätte. Dabei spielt Herr Paulus mit Rhythmen, wie ich es mal bei Bill Bruford gehört habe.

Einige Musiker wollen wie Genesis oder Yes musizieren. Da ist es doch begrüßenswert, wenn jemand zur Abwechslung mal die Arbeit von Gunn, Fripp und Co. weiterführt und dabei ein wenig Progmetal und Fusion einstreut.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Crimson nach 1980, Crimson ProjeKcts, Trey Gunn
Veröffentlicht am: 25.5.2012
Letzte Änderung: 25.5.2012
Wertung: 12/15

Zum Seitenanfang

Von: Nik Brückner @ (Rezension 2 von 3)


Jahrelang blickt man in Länder wie England, Italien, Japan oder Schweden, wenn es um herausragenden Prog geht - aber die heimischen Bands, so gut sie auch sind, schaffen es irgendwie nicht, das gleiche Feuer zu entfachen. Seit ein paar Jahren ist das anders: Plötzlich sind sie da: Panzerballett, Obscura, SchnAAk und viele andere Bands, die sich mit den Größen der großen kleinen Progwelt messen können. Jetzt hat Alexander Dowerks Projekt ZweiTon sein Debüt vorgelegt - und schließt damit mal eben so locker zur Elite auf, wie es im letzten Jahrzehnt eigentlich nur Panzerballett geschafft hatte.

Nicht dass ZweiTon Chancen hätten, auf ähnliche Weise die Köpfe zu drehen.

Ich LIEBE das: Dieses Bild von ein paar Musikern, die mit Taschenrechnern in ihrem versifften Proberaum hocken und ausrechnen, nach wievielen Takten wieder alle beisammen sind, wenn der eine einen 11er-, der zweite einen 14er- und der dritte einen 17er-Takt spielt. Wer wissen will, was das Wort "geil" bedeutet, sollte sich solcherlei Alben zulegen. Am besten gleich ein paar hundert, denn repetitio delectat nicht nur, sie ist auch mater studiorum. Und lernen kann man hier wirklich etwas, und zwar etwas, das man von den Mainstream-Prog-Bands nicht lernen kann, schon seit Jahren nicht mehr: denken.

Musik ist nämlich nicht nur was für die Hüften (wer von uns verkrampften Prognerds hätte die schon), sie ist auch nicht nur was fürs Herz, Musik ist auch fürs Hirn, und das ist ja bekanntlich die größte erogene Zone. Und wenn Alexander Dowerks ZweiTon etwas beherrschen, dann ist es die Stimulation ebendieser erogenen Zone.

Für die, die die Kurzfassung wollen: "Form" ist geil. Sand im Triebwerk. Und das geht so: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 - äh? Nochmal: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 - shit, wieder verzählt. Nochmal von vorn: Also 1... Moment, fängt der Takt hier überhaupt an? Yep, "poly" ist das Stichwort. Wie war das mit den Taschenrechnern? Manche Leute schreiben ihre Songs am Klavier, andere an der Gitarre, "triebwerk" ist am Taschenrechner entstanden. Sehr geil. Und die große Kunst dabei: "triebwerk" ist genau das, ein Triebwerk nämlich, vorangetrieben von diesen eng und wild verwobenen Kreuz-und-Querrhythmen. -metren. Mehr will!

"9 days of tripping" ist da erholsamer, weil brachialer und einfacher. Denkste... Stecke gerade, während ich dies schreibe, mitten in Minute acht und mein Gehirn macht 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, ja "tripping" bedeutet nicht nur 'LSD nehmen', es bedeutet auch 'stolpern'...

Ist bis dahin der King-Crimson-Einfluss hörbar gewesen, wird es mit "eis" und "fehlfunktion" elektronischer und ich fühle mich an jüngere Ableger jener Band gemahnt. Wobei man hier differenzieren muss: Genesis-Imitate gibt es nämlich (unter anderem) deshalb so viele, weil es relativ einfach ist, solche Musik zu machen. Bei den (schon rein spieltechnisch) deutlich anspruchsvolleren crimsoiden Projekten ist das viel schwerer, weshalb sich in diesem Fahrwasser in der Regel auch deutlich versiertere Musiker tummeln. Die sind dann gleich auch nicht so abhängig von ihren Vorbildern, sind selber wer, und machen viel eigenständigere Musik. So auch Dowerk: "fehlfunktion" groovt zum Beispiel deutlich stärker als das meiste, was ich in den letzten Jahren aus dem KC-Umfeld gehört habe. Und plötzlich ist "Form" doch was für die Hüfte...

"Form" ist eines der besten deutschen Progalben der letzten Jahre und Zweiton haben sich damit praktisch senkrecht in den deutschen Proghimmel geschossen. Wer Matheprog mag, der Rock ist und sich seinen Sinn für Melodie und Harmonie bewahrt hat - und eben nicht in reine Rhythmusorgien ausartet, der möge sich in die kundigen Hände Alexander Dowerks begeben - Stimulation garantiert!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: siehe oben bei Siggy
Veröffentlicht am: 19.6.2012
Letzte Änderung: 20.6.2012
Wertung: 13/15

Zum Seitenanfang

Von: Thorsten Gürntke @ (Rezension 3 von 3)


Die Kunst ist, dass es dennoch rockt! Ich komme gar nicht erst ins Zählen, wie der werte Kollege Nik, der offenbar mit einem Rechenschieber da sitzt und Mathematik übt ;) - nein, dazu groovt Zweiton einfach zu sehr. Aber von vorne.

Der Rezensent hier ist ja auch nur Musikhörer. Ja, einem kürzlichen Gespräch mit einem Bekannten folgend meinen einige Menschen wohl, man bekomme permanent irgendwelche Musik geschenkt, sei selbst Musiker, man könne da ja gar nicht objektiv ran gehen. Nö, trifft nicht zu. Zweiton habe ich mir aufgrund der Rezis hier sofort geordert, denn der Rezensent hier steht auf Musik, deren Nähe zu King Crimson gewollt ist, mag gern technische Abstraktheit, obwohl er außer seiner Stereoanlage kein Intrument bedienen kann und beschreibt jetzt rein objektiv die subjektiven Höreindrücke.

Verstanden? Nein? Nicht schlimm, denn Zweiton machen alles richtig. Wie gesagt, ich hatte schon erwartet, ich muss hier jetzt auch noch von eins, drei und zwei fallen lassen erzählen. Auf diesem Album ist das aber trotz aller Komplexität gar nicht so. Vielleicht sind das meine Hörgewohnheiten, die mir "Form" schon fast "einfach" erscheinen lassen. Doch was ist denn schöner, als ein komplexes Stück Musik 'einfach' vorzutragen? Schnell findet man Anhaltspunkte, schnell ist man mittendrin, schnell summt man die Rhythmik mit. Grandios. Wenn Musik mit dem "Taschenrechner" so einfach geht. Ich kauf mir auch gleich einen:)

Nein echt, Zweiton machen wie gesagt alles richtig. Abstrakt aber niemals quer, technisch aber nicht eiskalt. Überhaupt, das ist es: Höre ich King Crimson, finde ich das meistens kühl. Auch die Solowerke von Belew beispielsweise empfinde ich als kühl. Zweiton kommt daher wie der warme Sommerwind am Meer. Erfrischend und belebend. Deshalb solltet ihr unbedingt hören, was euch "Form" so zu erzählen hat.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: King Crimson (ab 80er), Adrian Belew
Veröffentlicht am: 17.9.2012
Letzte Änderung: 17.9.2012
Wertung: 12/15

Zum Seitenanfang

© 1999-2016; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum