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Stewart Bell

The Antechamber Of Being Part I

(Tipp des Monats 1/2015)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2014
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Melodic Rock / AOR; Neoprog; Progmetal; RetroProg; RIO / Avant; Spacerock
Label: private/F2 Music
Durchschnittswertung: 13/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Stewart Bell all instruments, vocals
Phil Allen guitars, vocals

Gastmusiker

Simone Rossetti vocals
Arjen Lucassen vocals
Mhairi Bekah Comrie vocals

Tracklist

Disc 1
1. Decoherence

1. Nothing - part 1 (Ex Nihilo Nihil Fit)
2. Cupboard Of Fear - part 1
3. First Lesson
4. Second Lesson
5. The Gift of Lucid Dreaming

13:22
2. A World Without Limits

1. Revelation
2. Adventures Of An Oneiranaut
3. Awaken In Your Dreams

8:30
3. Projections

1. Hypnagogic Portal
2. Entanglement - part 1
3. Parallel Girl
4. False Awakening
5. Cupboard Of Fear - part 2
6. Entanglement - part 2

10:31
4. The Breach

1. Why?
2. The Shooting Star Child - part 1

5:20
5. The Antechamber Of Being

1. Nothing - part 2 (Outwith Time)
2. Dream Signs
3. Cupboard Of Fear - part 3
4. Bellilin
5. Nothing - part 3 (Outwith Space)
6. The Gift of Lucid Dying

16:11
6. Convergence

1. Entanglement - part 3
2. The Shooting Star Child - part 2

9:02
7. Full Circle

1. Cupboard Of Fear - part 4
2. Asleep Or Dead
3. Awaken In Your Death
4. Nothing - part 4 (HΨ = 0)

10:58
Gesamtlaufzeit73:54


Rezensionen


Von: Nik Brückner @ (Rezension 1 von 2)


Es ist grau, nass und hektisch – das muss die Weihnachtszeit sein! Und da werden die Bleistifte gespitzt und die ersten Nachrufe auf's Progjahr 2014 geschrieben...

Doch man soll das Jahr nicht vor Sylvester loben... oder verreißen. Viele gute Alben dieses Jahr – aber wenig richtig geile – oder? Geile Alben? Mir ist noch eins untergekommen, grad in den letzten Tagen. Citizen Cain`s Stewart Bell: "The Antechamber Of Being (Part 1)", oder auch Xitizen Xain`s Stewart Bell: "The Antechamber Of Being (Part 1)". Klingt kompliziert, oder? Ist es auch. Prog eben. Aber geiler Prog. Will sagen, das Album verbindet alles, was wir am Prog so mögen: Emotion und Komplexität. Und es gibt noch mehr: Retroprog, Progmetal, Avant-Gefrickel, Schwelgerisches, wundervoll-schauderhafte Quietschekeyboards, heftige Gitarrengewitter, sowie einen Sänger, der singt wie Peter Gabriel und einen, der singt wie der Typ von Leprous.

Kann es das wirklich geben? Das eine Album, das einfach alles hat? Es ist nicht auch noch ein Konzeptalbum, oder? Oh doch! Es ist auch noch ein Konzeptalbum! Oh - und ein Konzeptalbum wäre heutzutage kein richtiges Konzeptalbum, wenn es nicht auch noch ein Buch dazu gäbe! Dieses hier heißt "The Cupboard Of Fear" und ist über die Webseite von Citizen Cain zu beziehen. Oh mein Gott! Und “The Antechamber Of Being” heißt nicht umsonst "(Part 1)", es ist der erste Teil einer Trilogie! Besser wird's nicht im Prog!

Kann es das eine Album geben, das einfach alles hat? Kann es! "The Antechamber Of Being (Part 1)" begeistert mich restlos, und das seit Tagen!

Aber von vorn. Das Debüt-Solo-Album von Citizen Cains Hauptkomponist Stewart Bell, angeblich "much anticipated" (von mir nicht, ich kannte den Namen gar nicht), ist eine Prog-Rock-Oper, mit den Sängern Simone Rossetti, Arjen Anthony Lucassen, Bekah Mhairi Comrie, Phil Allen und Stewart selbst.

Thema sind die Erfahrungen von Stewart Bell als Oneironaut, also als Klarträumer. Ein Klartraum, auch luzider Traum genannt, ist ein Traum, in dem der Träumer sich bewusst ist, dass er träumt, und in den er willentlich eingreifen kann. Das ist so wie Magic Muffins, nur ohne Magic und ohne Muffins. Es geht um Schlüsselereignisse in Bells Leben, um seltsame Zufälle und das Wandern zwischen den Wirklichkeiten: "Don’t need your thoughts / Don’t need your mind / Forget your body / And you will find that you / Awaken in your dreams"-mäßig.

Und die Musik? Wer tausendmal gehörte Seichtprogklischees erwartet, wird hier ganz schnell eines Besseren belehrt. Bell verbindet im Approach einen frischen Einfallsreichtum mit der notwendigen Intelligenz, und zwar so, dass das Ergebnis weder stümperhaft-chaotischer Beliebigkeit noch kalt kalkulierter Massentauglichkeit anheimfällt. Eine gelungene Gratwanderung also, die des Themas, des Wanderns zwischen den Welten, angemessen ist – und die nicht jeder Retroprogband glückt. Und die Melodien sind sogar mitsingbar – was will man mehr.

Klanglich spielt Bell souverän mit der Geschichte des Genres: Simone Rossetti channelt Peter Gabriel in den klassisch-proggig-genesisigen Passagen, Phil Allen gibt den Rockopernstar in den metallischen Passagen. Dementsprechend hört man hier Vintage-Keyboards und dort Schwermetalläxte. Aber das Ganze bleibt nicht scharf getrennt, vielmehr kombiniert Bell mit kompositorischem Geschick all diese heterogenen Elemente zu einem geschlossenen Stück Musik, das nahezu ununterbrochen aus den Boxen fließt – allen Tracktiteln und –Nummern zum Trotz.

Auch kompositorisch verbindet Bell Verschiedenes und Verschiedenstes zu einem höchst gelungenen Gesamtwerk. Schwelgerische Retroprogpassagen, irrwitzig-frickelige Gitarren+Keyboardgewitter, die sogar Dream Theater gut zu Gesicht stünden, Einzelrollen- und Ensemblegesänge, sinistre Klavierrezitative, wakeman-, emerson- oder bankshafte Keyboardsoli, sphärisch Waberndes, schräge Avant-Rock-Passagen - "Why?" ist sogar so ne Art Anti-Retroprogmetal – dieses Album ist derart facettenreich, dass man bei jedem Hördurchgang etwas Neues entdeckt. Wunderbar – und das aus so unerwarteter Ecke! Also – für mich unterwartet. Ich muss zugeben, Stewart Bell hatte ich, obwohl mir das letzte Citizen-Cain-Album ganz gut gefallen hat, für einen Wurf dieser Qualität nicht auf der Rechnung. Umso willkommener ist mir “The Antechamber Of Being”! Und es ist nicht geil? Die Scheibe ist tatsächlich nur der erste Teil einer Trilogie...

Und nun? Ich bin restlos begeistert. Das ist mal ein Jahresabschluss nach Maß! “The Antechamber Of Being” ist ein starker Contender für den Titel "Album der Jahres"!


P. S.: Mittlerweile gibt es einen Track-by-Track-Kommentar von Bell auf YouTube.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 22.12.2014
Letzte Änderung: 3.3.2015
Wertung: 13/15

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Von: Dirk Reuter @ (Rezension 2 von 2)


Das ist nicht mehr mein Prog.

Wo es früher wohlkalkulierten Eklektizismus gab steht das, was einem selbsternannte Progger heute als Vielfalt verkaufen wollen eher für absolute Orientierungslosigkeit. Ein Paradebeispiel für derartigen Pseudo-Prog ist dieses Album.

Überdrehte Speedgitarren, gefühlte tausend mal gehört auf diversen Alben dieses Jahrhunderts, laute Drums, die kaum noch einen echten Rhythmus ausmachen lassen (bestes Beispiel für diese Art des Spiels ist der allseits hochgelobte Schlagzeugdilettant Marco Minnemann, der mit seinem ständig nach Aufmerksamkeit heischendem Spiel nahezu jedes Stück kaputt trommelt) und ein musikalisches Wirrwarr, das offenbar den Begriff „progressiv“ rechtfertigen soll.

Progmetal steht unter anderem oben auf dieser Seite unter „Stil“, genauso wie sechs (!) andere Stilbezeichnungen, die nahezu nichts miteinander zu tun haben und von denen Metal (wohlgemerkt ohne „Prog“. Überhaupt, was soll das sein, Progmetal? Laut englischsprachiger Wikipedia ein Subgenre des Heavy Metal, der für Progressivität ja nicht gerade besondere Berühmtheit erlangt hat und den ich persönlich nie mochte) den überwiegenden Teil der hier versammelten Musik recht gut beschreibt.

Dass Begriffe wie RIO - laut R.I.O.-Gründer Chris Cutler gerade kein Musikstil sondern streng genommen die erste echte Indie-Bewegung der Schallplattenindustrie - oder gar RetroProg (rückwärtsgewandter Fortschritt?) ohnehin wenig hilfreich bei der Beschreibung von Klängen sind, bedarf wohl auch keiner weiterer Diskussion.

Ihr kennt „Firth of Fifth“, „Starless“, „Close to the Edge“ oder „A Plague of Lighthouse Keepers"? Unbestritten handelt es sich bei diesen Stücken um progressiven Rock. Was aber hat das hier Gebotene damit zu tun? Nichts! Gar nichts! Es sei denn, man hält „Cherry Cherry Lady“ für eine Coverversion von Mahlers Fünfter.

Nie habe ich die Stimmen von Simone Rossetti und Arjen Lucassen, die beide fraglos in der Lage sind „echten“ Progressive Rock zu singen, in einem unpassenderen Kontext gehört, aber diese Musik hätten nicht einmal Gesangsgiganten wie Peter Hammill oder Bernardo Lanzetti von ihrer Beliebigkeit erlösen können.

Dieses Album hat das gleiche Problem wie etwa 99% der in diesem Jahrzehnt erschienenen Prog-Alben: Orientierungslosigkeit und daraus resultierende Langeweile. Und wie selbstverständlich muss die volle CD-Spieldauer natürlich möglichst vollgepackt sein. Wie war das früher schön als Alben die Länge einer Vinylplatte hatten. Und selbst mit dieser Zeitvorgabe wären viele Progmusiker heutzutage überfordert.

Wie gesagt: Das ist nicht mehr mein Prog. Ich bin dann mal weg, Musik hören.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 10.2.2016
Letzte Änderung: 12.2.2016
Wertung: keine

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2017 The Antechamber Of Being (Part 2) - Stories From The Antechamber 12.00 1

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