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John Zorn

Simulacrum

(Tipp des Monats 10/2015)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2015 (März)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Metal; RIO / Avant
Label: Tzadik
Durchschnittswertung: 11.33/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

John Medeski Orgel
Kenny Grohowski Schlagzeug
Matt Hollenberg Gitarre
John Zorn Komposition, Arrangements, Dirigent

Tracklist

Disc 1
1. The Illusionist 12:02
2. Marmarath 5:18
3. Snakes and Ladders 5:28
4. Alterities 2:49
5. Paradigm Shift 4:35
6. The Divine Comedy 12:54
Gesamtlaufzeit43:06


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 3)


John Zorn hat ein neues Trio (wenn auch mit altbewährten Mistreitern) zusammengestellt, das in der Ankündigung für ihr im März 2015 erschienenes Debüt Simulacrum ganz euphorisch als “the most extreme organ trio ever“ angekündigt wurde. Das klingt doch vielversprechend! Mit von der Partie sind John Medeski an der Orgel, der auch auf einigen Alben des Moonchild Trios mitwirkte, Schlagzeuger Kenny Grohowski und Gitarrist Matt Hollenberg. John Zorn selbst tritt, wie auf vielen seiner Alben, selbst nicht als Musiker in Aktion, wird „nur“ als Komponist, Arrangeur und Dirigent aufgeführt.

Moonchild Trio ist hier das Stichwort. „Das Beste seit dem Moonchild Trio“ meinte ein in musikalischen Dingen zuverlässiger Bekannter zu diesem Album, und damit liegt er nicht verkehrt. Denn was das Trio dem Hörer hier um die Ohren haut, ist wieder Avant-Prog erster Güte, hart und kantig - im Gegensatz zu den Moonchild-Alben allerdings komplett instrumental, anstelle von Mike Pattons Stimmakrobatik gibt es hier die nicht weniger akrobatisch gespielte Gitarre. Ob metallische Riffs (Marmarath etwa basiert durchgehend auf Metal-Riffs), krachend-sägende Soli oder - selten - auch mal „clean“ gespielt, praktisch durchweg bringt Matt Hollenberg eine gute Portion kräftiger Dissonanz in die Musik. Mit seinem variablen Spiel ist er für mich der heimliche Star des Albums. Medeskis Orgel ist nicht so dominant wie man bei der Bezeichnung „organ trio“ erwarten würde, prägt mit kräftig röhrenden, an die gute alte „Schweineorgel“ gemahnenden Einsätzen dennoch nicht weniger, bringt gelegentlich auch ein dezent psychedelisches Element rein. Das kernige Getrommel von Kenny Grohowski, der nicht als Rhythmusgeber, sondern letzten Endes als gleichberechtigter Solist agiert, verleiht dem Ganzen eine zusätzliche Erdung.

Die Stücke sind komplex, voller Vertracktheiten und seltsamer Wendungen, können sich vorübergehend auch in völlig freie Klänge auflösen, dabei fast immer kräftig rockend bis ins Metallische, wobei sie gelegentlich auch mal kurzzeitig in lyrische Gefilde abdriften. Dabei bieten die kürzeren Stücke nicht weniger Abwechslung wie die beiden Zwölfminüter, selbst das mit knapp unter drei Minuten kürzeste Stück Alterities bringt mehr Abwechslung und musikalische Ideen als manch künstlich aufgeblasener Longtrack.

Kurzum, das Debüt des neuen Trios (das zum Zeitpunkt dieser Rezension bereits zwei weitere Alben herausgebracht hat) ist ein klarer Tipp für alle, die sich gerne musikalisch in den Allerwertesten treten lassen. Mehr davon! Ach so, gibt’s ja schon. Werde ich mir nicht entgehen lassen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 24.9.2015
Letzte Änderung: 23.11.2016
Wertung: 12/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 2 von 3)


So! Jetzt reicht's!

Ich hab jetzt wochenlang so new Artrock gehört, so Pseudoprog, auf bedeutend hochfrisierten Ganznormalrock, Crippled Black Phoenix, Amplifier, Oceansize, Motorpsycho, Anathema, Mogwai, grauenhaftes Zeugs teilweise, und oft so progfern, wie Musik nur sein kann.

Jetzt brauch ich's knallhart! Dringend! Hardcoreprog: Krumme Takte, irgendwas mit dreizehn, schräge Harmonien, Tritoni, Sekundenintervalle, halt so dissonant wie nur irgend möglich. Und das Ganze am besten im klassischsten aller Prog-Soundgewänder: Orgel, Gitarre, Schlagzeug. Mehr braucht's nämlich nicht, wenn man komponieren kann. Und wenn es stimmt, dass das menschliche Gehirn eins der komplexesten Dinge auf der Welt ist, dann ist komplexe Musik wichtig, die den großartigen Fähigkeiten dieses Gehirns gerecht wird. Denn wenn's immer nur simpel und eingängig zugeht, dann ist das, wie wenn man mit D-Schuhen für 700 Euro im Odenwald rumläuft: Die Schuhe beschweren sich, lauthals.

John! Blas mir die Ohren durch!

Machter auch. Das "most extreme organ trio ever" hat irgendwo in seiner DNA die extremen Passagen aus dem Werk von ELP und den Avant-Metal der 90er- und Nullerjahre. Qualität durch Weglassen: Wenn man diese Ausgangspunkte nimmt, und einfach alles weglässt, was schöne Melodie, Gesang oder sonstige Sentimentalitäten sind, kriegt man als Ergebnis "Simulacrum": Knallhart, knallschräg, durchgeknallt. Genau das, was ich jetzt brauche. Hier wird Atmo nicht mit den Mitteln des Studios erzeugt, sondern mit kompositorischen Mitteln. Hier sind zudem Leute am Werk, die ihre Instrumente bedienen können, und nicht nur irgendwelche Knöpfe an Effektgeräten. So muss das sein. Musik, nicht Sound. Herrlich!

Also, ich schwelge jetzt, und morgen geht's ab in die Alpen, bergsteigen. Im Auto: Simulacrum von John Zorn.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: im Grunde ist das klassischer Prog. Findich.
Veröffentlicht am: 13.10.2017
Letzte Änderung: 13.10.2017
Wertung: 14/15

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Von: Piotre Walter @ (Rezension 3 von 3)


John Zorn - Tausendsassa, Komponist, Musiker, Musikaholic, hat in seiner langen Karriere schon viele Alben veröffentlicht. "Simulacrum“ sein Werk aus dem Jahr 2015 hat seine Reize, gehört für mich aber sicher nicht zu seinen besten Arbeiten.

Klar die Metal-Frickel-Fraktion kriegt hier ordentlich auf die Ohren. Harte Riffs, Geschwindigkeit, und akrobatisches Metalgeschrammel zu Hauf befinden sich in stetigem Wechsel mit bratzender Schweineorgel, die zwischen recht traditionellen Blues-Schemas, wilden Improvisationen a la Keith Emerson und völliger Auflösung vergleichbar mit Free-Jazz hin und her springt - das extremste Orgel-Trio halt, wie angekündigt.


Ja das macht eine Zeit lang Spaß, wiederholt sich aber von Stück zu Stück und bietet wenig Abwechslung oder Dramaturgie. Insofern hat das Album etwas von langen Improvisationen auch wenn es den pulsierenden Beat vermissen läßt, der Improvisationen eigentlich oft inne wohnt. Stimme Jochen zu, das Schlagzeug hat hier keinen rythmischen Auftrag sondern ist ein weiteres Soloinstrument.

Technisch gute Musiker die ihr Instrument beherrschen; obwohl mich das knochentrockene, sehr technische Schlagzeugspiel etwas nervt. Oder ist es der hohle Klang der Drums? Wie auch immer - wer Progmetal oder Progressive Rock schwerpunktmässig als ausuferndes Gefrickel definiert und als ständige Taktwechsel bzw. das Fehlen des Taktes sowie als Fehlen von Melodie und die Dominanz schräger Töne - der ist hier gut aufgehoben.

Jedoch ist das Album wenig strukturiert und entwickelt keine nennenswerte Dramaturgie. Es gibt andere Alben von Zorn, die wesentlich spannender und strukturierter sind, ohne freie musikalische, improvisatorische Elemente zu vernachlässigen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.10.2017
Letzte Änderung: 19.10.2017
Wertung: 8/15
Metal-Free-Jazz

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von John Zorn

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2014 Psychomagia 12.00 1
2014 Valentine's Day 13.00 1
2015 The True Discoveries of Witches and Demons 13.00 1
2015 Inferno 12.00 1
2016 The Painted Bird 12.00 1
2016 49 Acts of Unspeakable Depravity in the Abominable Life and Times of Gilles de Rais 12.00 1
2017 The Garden of Earthly Delights 12.00 1

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