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Ulver - ATGCLVLSSCAP
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Ulver

ATGCLVLSSCAP

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2016
Besonderheiten/Stil: improvisiert; live; Ambient; Elektronische Musik; Postrock
Label: House of Mythology
Durchschnittswertung: 12/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Seth Beaudrealt Audiovisuals
Ole Alexander Halstensgård Electronics
Anders Møller Percussion
Daniel O'Sullivan Bass, Gitarre
Kristoffer Rygg Electronics, Percussion, Stimme
Jørn H. Sværen Stimme
Ivar Thormodsæter Schlagzeug
Tore Ylwizaker Keyboards, Electronics

Tracklist

Disc 1
1. England's Hidden 7:43
2. Glammer Hammer 4:49
3. Moody Stix 6:45
4. Cromagnosis 9:48
5. The Spirits That Lend Strength Are Invisible 3:16
6. Om Hanumate Namah 7:42
7. Desert/Dawn 8:27
8. D-Day Drone 9:22
9. Gold Beach 4:58
10. Nowhere (Sweet Sixteen) 5:57
11. Ecclesiastes (A Vernal Catnap) 9:02
12. Solaris 2:12
Gesamtlaufzeit80:01


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 3)


Einen reichlich seltsamen Titel trägt das neue Album der Norweger Ulver. Bevor nun jemand beim Versuch selbigen auszusprechen sich die Zunge verknotet, sei gesagt: es ist eine Abkürzung. Der Titel besteht einfach aus den Anfangsbuchstaben der lateinischen Namen der zwölf Tierkreiszeichen, von Aries (Widder) bis Pisces (Fische). Da das Album auch zwölf Stücke enthält, liegt der Gedanke nahe, dass da irgendein Konzept dahintersteckt… zumindest so auf den ersten Blick ist da aber kein Zusammenhang zu finden.

Die hier zu findende Musik basiert auf Liveimprovisationen, die bei zwölf (!) Konzerten in verschiedenen europäischen Städten im Februar 2014 mitgeschnitten wurden. Dennoch wird das Album im Booklet ausdrücklich nicht als „live album in the strictest sense“ bezeichnet, denn es wurde hinterher ziemlich viel editiert. Ob das Ergebnis nun wesentlich anders klingt als das, was auf den Bühnen zu hören war - wer weiß.

Jedenfalls kreieren Ulver hier wieder eine ganz eigene musikalische Welt, produzieren einen faszinierenden Klangfluss, der Elemente von Postrock und elektronischer Musik vereint. Meist geht es dabei eher getragen zur Sache, bisweilen mit geradezu sakraler Atmosphäre wie im einleitenden England’s Hidden. Die Musik kann aber auch ordentlich Fahrt aufnehmen, etwa in Glammer Hammer, das mit flotter, Latin-inspirierter Percussion überrascht, die einen scharfen Kontrast zu den düster bratzenden Gitarren (kleine Reminiszenz an die Metal-Ursprünge der Band) darstellt.

Nach einem Ausflug in spacige Psychedelik (Cromagnosis) und dem hypnotischen, von einem rituellen hinduistischen Gesang inspirierten Om Hanumate Namah) startet die zweite Albumhälfte mit einigen Ambient-orientierten Stücken. Sanfte elektronische Klangflächen geben nun den Ton an, darunter herrscht aber eine seltsame Unruhe, aus der sich bei Desert/Dawn plötzlich mächtige Orgelklänge erheben, während das folgende D-Day Drone sich durchweg als schroffes, fast abstraktes, schwebendes Klanggebilde zeigt.

Mit Nowhere (Sweet Sixteen) wird die Musik wieder voller, hier ist auch erstmals auf diesem Album die Stimme von Sänger Kristoffer Rygg zu hören (obwohl ich den Einruck habe, dass er vorher schon irgendwo etwas textlosen Gesang beigesteuert hat). Es handelt sich dabei um eine neue Version des Stücks Nowhere/Catastrophe, das 16 Jahre zuvor auf Perdition City erschien. Auch auf Ecclesiastes hat Rygg einen Auftritt als Sänger, wobei er noch von einem Sprecher begleitet wird, der einen Text auf Norwegisch rezitiert. Es sind die einzigen mit Texten versehenen Stücke auf diesem Album.

Ulver ist mit diesem Album wieder ein faszinierendes, vielschichtiges Werk zwischen Postrock, Ambient-Elektronik und Psychedelic gelungen. Dass es kein „richtiges“ Livealbum ist, stört mich dabei nicht. Es erhebt ja, wie schon erwähnt, sowieso nicht diesen Anspruch. Auf jeden Fall enthält es tolle Musik, egal wie viel davon wie auch immer „editiert“ wurde!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 12.2.2016
Letzte Änderung: 12.2.2016
Wertung: 11/15

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Von: Roland Heil @ (Rezension 2 von 3)


Wenn er ein erstes Durchhören geschafft hat, fällt es dem Rezipienten schwer, zu glauben, dass diese Band aus Norwegen in ihren Anfängen dem Black/Thrash Metal gehuldigt hat.

Es beginnt mit friedlichem Glockenläuten, dem sich nach und nach synthetische Klangflächen zugesellen, die harmonisch die Glockentöne erweitern. Gegen Ende dieses ersten Stückes - "England's Hidden" - beginnen Störgeräusche das "schöne" Hörbild zu irritieren.

Diese Vorgehensweise ist das Grundkonzept dieses Werkes. Die Stücke beginnen konventionellen Hörgewohnheiten folgend und verändern dann fließend ihren Charakter, was dem Ganzen einen eigenartigen Sog verpasst, dem man sich schwer entziehen kann. Gerockt wird zwischenzeitig auch - "Cromagnosis" -, ab Minute 6:00 mit Turbo dergestalt, daß kein Bein ruhig bleibt.

Bestimmend sind mächtige Klangflächen mellotronischer Art, teilweise erhöht durch majestätische Orgelakkorde, begleitet von Gitarrenfills, die für irrlichternde Effekte sorgen. Solide bleibt als Anker dienend das Schlagwerk, das zusammen mit dem meist ruhig gespielten Bass für die Erdbindung sorgt (in "Moody Six" z.B.).

Gesungen wird auch. Spät zwar, aber durchaus nachhaltig, da Krystoffer Rygg, ein Gründervater der Truppe, seine Stimme mit viel Gefühl durch die Melodien führt, dabei stellenweise an den jungen Scott Walker erinnernd ("Nowhere"). In "Ecclesiastes" improvisiert er nach dem erzähltem ersten Teil auf das Klaviermotiv in eindrucksvoller Weise seinen Text. Sehr hörenswert.

Den Abschluss bildet das viel zu kurze "Solaris". Es lehnt sich an barocke Motivik an in Kombination mit flatternd-rhythmischen Stimmen und vorwärtstreibender Perkussion. Das unvermittelte Ende lässt den Hörer - fast - erschrocken zurück und die Repeattaste drücken.

Es gilt die höchste Warnstufe: SUCHTGEFAHR!

Anspieltipp(s): eigentlich durchhören; Cromagnosis;Desert-Dawn
Vergleichbar mit: k.A.; NewAge für das 21.Jhundert vlt.
Veröffentlicht am: 25.3.2016
Letzte Änderung: 25.3.2016
Wertung: 13/15
Tendenziell 14

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Von: Marc Colling @ (Rezension 3 von 3)


Wenn Bands sich für einen Albumtitel die lateinischen Anfangsbuchstaben der Sternzeichen aussuchen und dann auch noch 12 verschiedene Aufnahmen in 12 Konzerten aufzeichnen um sie nachher so zu bearbeiten, dass sie wie im Studio eingespielt klingen, dann müssen diese Musiker entweder vollkommen bekloppt sein oder wahre Künstler. Ich tendiere zu beidem. Was Rygg und seine Kollegen hier „kreiert“ haben (ein besseres Wort kann die Musik nicht umschreiben) ist beim ersten Hören unfassbar. Und dabei weiß doch jeder, dass Ulver noch nie einfach zu fassen waren. Doch mit diesem Album überqueren sie alle Grenzen.

Diese Musik kann man nicht auf seine einzelnen Songs reduzieren (und man sollte sie schon gar nicht einzeln hören), da sie permanent in Fluss ist. Und zwar von einem Titel zum nächsten, ohne die geringste Disharmonie. Das geht vom rhythmisch/sakralen und etwas an Klaus Schulze erinnernden Opener ENGLAND'S HIDDEN nahtlos zum leicht härteren GLAMMER HAMMER über, wo die Gitarre an die düsteren Seiten von Crippled Black Phoenix erinnert.

Mal ist es meditativ/perkussiv wie bei MOODY STIX, dann elektronisch/perkussiv mit Keyboard-psychedelischem Gewaber sowie tranceartigen und tanzbaren Rhythmen wie bei CROMAGNOSIS. Ulver lassen auch Weltmusikaspekte in ihre Songs einfließen, so wie in OM HANUMATE NAMAH das sehr exotisch klingt mit seiner Instrumentierung.

DESERT/DAWN ist zu Beginn spartanisch, legt einen ruhigen und hypnotischen Teppich mit seinen schwebenden Keyboards und wird im Mittelteil von einer betörenden Orgel in ungeahnte Höhen gehievt. Das ist wie ein LSD-Trip ohne LSD. Eigentlich müsste diese Musik verboten sein da sie tatsächlich, wie mein Vorschreiber Roland schrieb, süchtig macht. Und D-DAY DRONE klingt als sei Anna von Hausswolff mit der Band im Studio gewesen. Melodie? Was ist das? Atmosphäre und Dichte werden hier zelebriert, wer braucht da eine Melodie?

Und das geht nahtlos so weiter. Das nur durch Keyboards vollkommen entschwebte GOLD BEACH steht fast still und strahlt trotz seiner scheinbaren Leichtigkeit eine gewisse Bedrohlichkeit aus. Dass ausgerechnet jetzt das sehr düstere NOWHERE (SWEET SIXTEEN) folgt zeigt, wie intelligent Ulver die Songs im Studio zusammen gesetzt haben. Das passt hervorragend zusammen. Ach ja, auf diesem Song wird dann auch mal gesungen. Klingt geil.

Zum Schluss hin wird es wieder heller mit dem sehr erhaben klingenden ECCLESIASTES und SOLARIS.

Dieses Album ist fast nicht zu beschreiben und meine Rezi drückt nur einen Bruchteil dessen aus, was man beim anhören empfindet. Also liebe Leser: CD ein, Couch bereit machen, dazu ein Glas Wein und eintauchen in die phantastische Welt von Ulver.

Anspieltipp(s): tut es nicht,bitte keine einzelnen Songs anhören
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.8.2016
Letzte Änderung: 6.8.2016
Wertung: 12/15
Einfach magisch

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Ulver

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1998 Themes From William Blake's The Marriage of Heaven and Hell 14.00 1
1999 Metamorphosis 8.00 1
2000 Perdition City 8.00 2
2002 Lyckantropen Themes 9.00 1
2003 Svidd Neger 11.00 1
2003 A Quick Fix Of Melancholy 7.00 1
2005 Blood Inside 12.00 2
2007 Shadows of the Sun 9.00 2
2011 The Norwegian National Opera 11.00 1
2011 Wars of the Roses 10.00 2
2012 Childhood's End 11.50 2
2013 Messe I.X-VI.X 12.00 1

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