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Shamblemaths

Shamblemaths

(Tipp des Monats 7/2016)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2016
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog; RetroProg; RIO / Avant
Label: Eigenverlag
Durchschnittswertung: 14/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Simen Ådnøy Ellingsen Electric, acoustic and Spanish guitar, alto, soprano and baritone* saxophones, vocals, zither, jaw harp, percussion, occasional keyboards, sundry implements
Eirik Mathias Husum Bass guitar

Gastmusiker

Eirik Øverland Dischler Keyboards
Jon Even Schärer Drums
Halvor Lund Hammond organ
Colin Howarth Tenor sax solo on 3c & 3d
Karl Yngve Lervåg & Helene Hesselberg Rendal Choir on 1a (and 1j)
Marit Høye Ådnøy Vocals on 3a
Jan Røe guitar parts on 3b
Eivor Ådnøy Ellingsen Baby vocals on 2e

Tracklist

Disc 1
1. Conglomeration (Or: The Grand Pathetic Suite)

1. Bloody Racket
2. Your Silly Stare
3. A Mockery in the Making
4. The Different Tastes of Sick
5. A Mockery Well Made
6. Life Is Tough (When You're Me)
7. Saucy Tiara Woman!
8. Another Pear of Ice
9. Con-Girl Omen Ratio 1
10. Overture

26:54
2. A Failing Ember

1. Never Innocent Again
2. The Winding Stair
3. Three Flowers
4. Deus Caritatis

9:27
3. Stalker

1. Stalker Begins
2. Bad Conscience Underneath Your Gown
3. Stalker: Persistance
4. Stalker's Lullaby
5. Stalker: The Harrowing
6. Stalker: Inevitable Anticlimax and Fade-out

19:52
Gesamtlaufzeit56:13


Rezensionen


Von: Nik Brückner @ (Rezension 1 von 3)


Endlich! Über zehn Jahre nach ihrem "Fallen Fowl"-Projekt veröffentlichen Simen Å. Ellingsen und Eirik M. Husum "Shamblemaths", ein Album an dem sie jahrelang gefeilt haben.

Und! Es! Ist! So! Geil!

54 Minuten und nur drei Stücke? Yep, sieht aus wie Prog. Aber dieser Prog ist nichts für schwache Herzen, und gleich die ersten Klänge zeigen, wo es lang geht: Düstere Klavierklänge, Sekundenintervalle lassen Schlimmes ahnen, dann skandiert ein magmaesker Chor "Uproarious rumpus! Bloody racket!" (Tobender Krach! Verdammter Lärm!) - und ebendieser bricht in Form von dissonantem Gefrickel über den Hörer herein.

Geil.

Die Band zitiert Magma, Univers Zero und Egg als Einflüsse, und tatsächlich: all das gibt's schon in den ersten 20 – nein, nicht Minuten – Sekunden zu hören! Klassischer, dissonanter, experimenteller Prog, Zeuhl und Avant Rock (mit großem R), das trifft das Album auf den Punkt. Sehr. Sehr. Geil.

Ellingsen und Husum machen keinen Scheiß. Endlos mäanderndes Retro-Sympho-Wischi-Waschi: Fehlanzeige. Hier ist jede Minute - jeder 20sekündige Abschnitt! - mit Ideen nur so vollgestopft: Pointiert, präzise, auf den Punkt. Wer Prog, insbesondere klassischen und/oder Retroprog mit Experiment, Intensität, Herausforderung assoziiert, dürfte hier ein Album vorfinden, wie er es lange nicht gehört hat.

Die Musik kombiniert Rock, mal heavy, mal verschroben, mit Elementen aus Jazz und (Neo-)Klassik - genau so, wie guter Retroprog eben sein soll. Musik für Herz und Hirn sozusagen. Das Ganze erinnert, wenn an die Siebziger, dann an Bands "links" von ELP, ist aber durch den modernen Gitarrensound heftiger. Das Ganze erinnert, wenn an die Gegenwart, dann an niemand Geringeren als die großen Änglagård, ist aber sogar noch etwas vielseitiger. Schlagzeug, Bass, alte und neue Keyboard-Klänge, komplettiert wird das Klangbild durch flirrende A-Gitarren, Saxophone und bei alldem überraschend angenehmen, unaufdringlichen Gesang.

Das erste Stück, "Conglomeration" ist genau das: Ein aus mehreren Teilen zusammengebauter, komplexer Siebenundzwanzigminüter, der zu Beginn in seinem schnellen Wechsel verschiedenartiger Parts - frickeliger Instrumental- und straighterer Gesangsparts - ein wenig an ELPs "Tarkus" erinnert. Und immer wieder eben an die großartigen Egg, eine weitere Orgelprog-Band aus den Siebzigern, weniger bekannt, aber nicht weniger experimentell als die drei großen Vettern. Und so gibt es immer wieder dissonante, krummtaktige Orgelgewitter, als wäre 1973 noch lange nicht vorüber. Ab der Hälfte wird es etwas ruhiger, die die Parts wechseln nicht mehr ganz so schnell ab, anspruchsvoll bleibt es dennoch. Ein jazziges Saxophonsolo über einer auf der Akustischen gespielten 7/8-Figur lädt die Maschine wieder auf, dann bricht die volle Wucht der Shamblemaths wieder los. Dass einem die vielen Teile nicht um die Ohren fliegen, dafür sorgen die beiden Jungs mit ständig wiederkehrenden Parts, melodischen und rhythmischen Motiven; so schieben sich instrumentale Elemente, die vom Beginn des Stückes stammen, am Ende in einen klimaktischen Gesangspart, bevor "Conglomeration" überraschend ruhig endet. Groß!

"A Failing Ember" ist Shamblemaths in ihrem, sozusagen, Sympho-Modus. Das zweite Stück bewegt sich zwischen Acid Folk, hartem Rock und epischen Ausschweifungen, allerdings nie im Sinne plüschigen Symphoprogs, sondern immer dissonant genug, um Weicheier auf mehr als Armlänge zu halten. Das großartige Stück ist gespickt mit überraschenden Wendungen und allerlei Seltsamkeiten, die den Hörer beständig auf der Stuhlkante halten. Selbst hier, bei dem vielleicht einheitlichsten Stück des Albums, gibt es kaum Verschnaufspausen.

"Stalker" beginnt folkig, angenehm hörbar, aber in verschiedenen, immer subtilen 7/8-Rhythmen. Dann, nach etwa 5einhalb Minuten, bricht sich ein herrlich seventiesiges Gitarrenriff Bahn, das durchaus Jethro Tull zu seinen Vorfahren zählen darf. Gesang und Saxophon deuten das Riff polyrhythmisch um, und weiter geht es in einen modernen, Breitwandabschnitt. Trotz dieser Wechsel bleibt das Stück im Großen und Ganzen etwas – nur etwas! - weniger frenetisch als die beiden anderen, dafür rockt es wuchtiger, ja, es weist sogar Einflüsse aus dem New Artrock auf, ist aber bei weitem nicht durch den nebligen Trübsinn jenes Genres geprägt.

Sein achtminütiges, massives Finale, unterbrochen von letzten intensiv frickelnden Instrumentalpassagen, beendet nicht nur "Stalker", sondern auch ein Album, das nicht weniger als großartig ist. Shamblemaths – für mich bislang große Entdeckung des Jahres 2016!

Anspieltipp(s): "Conglomeration" ist auf der Bandwebsite zu hören.
Vergleichbar mit: Alles, was am klassischen Prog so großartig war. Egg, bissl Magma und Univers Zero, und dazu Änglagård.
Veröffentlicht am: 7.6.2016
Letzte Änderung: 1.7.2016
Wertung: 14/15
Sensationelles Debüt!

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Von: Thomas Kohlruß (Rezension 2 von 3)


Sternenzeit 2016, zwei Norweger brechen auf in die Weiten des Progressive Rock und entdecken dabei famose Klang-Landschaften, die kein Mensch zuvor je gehö… nein, das nun gerade nicht. Aber der musikalische Reisebericht der Shamblemaths führt zu den Kultstätten der über 40jährigen Prog-Geschichte und sorgt immer wieder für wohlige Deja-Vus. Von Magma über Yes und Genesis bis hin zu King Crimson erforschen die Norweger bekanntere und unbekanntere Höhepunkte.

Und warum machen sie das? Na, weil sie es können! Shamblemaths brauen aus Zitaten, Querverweisen und Inspirationen ihre eigene Musik. Klontum ist nicht ihr Ding, sie erschaffen neue Musik aus den Rezepten, die uns die großen Alten zurückließen. Mit der Akribie eines Archäologen legen Shamblemaths die musikalischen Wurzeln frei und erschaffen daraus neue, mitreißende Musik.

Und warum ist das mitreißend? Weil die Norweger bissig, spielfreudig, kraftvoll, voller Hingabe musizieren und keinesfalls nur einen schlaffen Aufguss liefern. Auf den Punkt gespielt. Selbst ein Longtrack an die 27 Minuten hat da keine Längen. Im Gegenteil feurige Gitarren, wirbelig-flirrende Tasten, kratziges Saxofon, stürmische Schlagzeug befeuern einen dynamischen Cocktail aus Retroprog-Passagen, Jazzrock, folkloristischen Elementen und fettem Hardrock. Guten Gesang gibt es noch oben drauf. Da bleibt kein Auge trocken und Langeweile hat keine Chance.

Faszinierend wie frisch das alles klingt. So trocken und doch so wohlig in die Gehörgänge kriechend. Ha! Album des Jahres? Mindestens des Genres Retroprog… ein Einhorn lässt aus der Ferne grüßen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: dem klassischen Prog an sich
Veröffentlicht am: 29.6.2016
Letzte Änderung: 29.6.2016
Wertung: 14/15

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Von: Marc Colling @ (Rezension 3 von 3)


Shamblemaths kommen aus Norwegen und bestehen aus den beiden Musikern Erik Mathias Husum am Bass und Simen Adnøy Ellingsen an allem anderen, dazu noch einige Gastmusiker. Bereits vor über 10 Jahren haben die beiden ein Album unter dem Bandnamen Fallen Fowl veröffentlicht. Jetzt treffen sie sich nach erfolgreichem Studium wieder und nehmen dieses Meisterwerk auf. Ob es einen Zusammenhang zwischen 2 Doktortiteln und unfassbar tollem Prog gibt ist wissenschaftlich wohl nicht erforscht. Schaden tut es jedenfalls nicht wie man hier eindrucksvoll hört.

Ohne das Album zu kennen erahnt man bereits auf dem Rückfoto der Musiker, wohin die Reise geht. Wer so gekleidet für ein Foto posiert, kann nur Retroprog spielen. Für mich als älterer Fan von progressiver Musik ist das kein Problem. Als End-50'ziger besitze ich aber Nachteile die Jüngere nicht kennen. Mal abgesehen von normalen altersbedingten Problemen ist der schlimmste Nachteil der, dass ich durch mein Alter „real“ mit früheren Zeiten vergleichen kann. Shamblemaths zwingen mich auch förmlich dazu. Als 15-jähriger hörte ich von Emerson, Lake & Palmer absolut alles. Und das hier klingt verdammt noch mal oft nach meinen Idolen, nur in moderner Form. Im nächsten Moment entdecke ich dann Gentle Giant wegen der unglaublichen Takt- und Tempowechsel. Diese setzen perfekte Duftmarken und beeinflussen nachhaltig das Gesamtbild.

Aus 3 Longtracks besteht das Album mit einer Laufzeit von 56 Minuten. CONGLOMERATION besteht dabei aus 10 Einzelteilen und legt in den ersten dieser Teile mächtig viel Komplexität rein. Da freejazzt und proggt es dermaßen, dass dem Hörer irgendwann die Ohren zu glühen beginnen. Verständlich wenn der eine oder andere da entgeistert abwinkt. Es klingt in den ersten Minuten wie eine Fortsetzung des genialen „The Death Defying Unicorn“ von Motorpsycho. Aber es wird auch ruhiger und leichter bekömmlich. Wenn auch gewarnt werden muss: das Album ist eher was für Fans die keine Angst haben vor auch mal experimentelleren und komplizierteren Passagen. Wobei es aber bei weitem nicht so unharmonisch wird wie man jetzt denken könnte. Die Musik ist immer noch stringent genug und kommt bereits beim zweiten oder dritten Hör mächtig zur Entfaltung. Dass die einzelnen Parts dabei nahtlos ineinander übergehen, vereinfacht die Sache noch. Trotzdem sollte man genauestens zuhören um alle Facetten zu entdecken. Da proggt es noch und kurz drauf umgarnt uns eine einfühlsame Melodie auf A-Gitarre oder Saxophon. Manches erinnert mich von den Melodien her dann auch mal an Neal Morse in hard, allerdings wesentlich erfrischender und spritziger als der mittlerweile doch in die (Karriere)Jahre gekommene Amerikaner. 15/15, da es nicht viele Ü-20 Minuten Longtracks gibt, die von der ersten bis zur letzten Sekunde fesseln können. Dieser gehört dazu.

Vom folgenden A FAILING EMBER sollte man sich nicht zu schnell einlullen lassen. Der Song versucht dir zu gefallen, doch ist seine Strecke kurvig. Viele Wendungen zwischen ruhigen, ja zärtlichen Passagen entführen zu harten Parts. Ist Teil 1 auch noch moderat, so läutet das Saxophon in Teil 2 die experimentelle Seite der Band ein.

Dafür ist der letzte Titel STALKER zu Beginn dann wieder zugänglicher. Der erste von 4 Teilen ist melodienselig und geradezu Ohr-schmeichelnd, fängt mit A-Gitarre an und wird langsam rockiger, während die restlichen Parts wie ein Zwitter aus Porcupine Tree, Pink Floyd und VdGG klingen. Oberhammergeil! Dass dann auch noch kurz Jethro Tull durchblitzt wundert schon nicht mehr, denn Shamblemaths beweisen, dass sie ihre Vorbilder genau kennen. Nur von den Besten kann man lernen.

Wenn man als Musiker die Fähigkeit besitzt die Liebe die man diesen alten Proggern entgegen bringt auch auf den Hörer zu übertragen, dann kann man nur gewinnen. Wer diese also besitzt und dann auch noch solche Kompositionen vom Stapel lässt, dem gebührt Respekt. Den zolle ich der Band. Ihr seid phantastisch!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 23.5.2017
Letzte Änderung: 23.5.2017
Wertung: 14/15
möge die Kraft dieser Musik mit euch sein

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