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The Weever Sands

Keep Your Face Turned To The Light

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2016
Besonderheiten/Stil: Folk; Jazzrock / Fusion; Rock / Pop / Mainstream; RetroProg; sonstiges
Label: Trommelfell Records
Durchschnittswertung: 9/15 (1 Rezension)

Besetzung

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Tracklist

Disc 1
1. Intro/All Families Are Tribal 2:52
2. Maybe (From A Distance) 3:35
3. Ride The Inhale ... Ride The Exhale ... Like A Surfer ... 7:15
4. Her Human Resources 2:42
5. Counts Of Corduroy 5:08
6. Failure Is An Orphan 5:32
7. Amazing Grace 3:00
8. Keep Your Face Turned To The Light 3:25
9. Planetfall 4:41
10. The Fruitful Years/Epilogue 4:09
Gesamtlaufzeit42:19


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


"Wende dein Gesicht immer der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.", besagt eine eher banale Lebensweisheit. Ob das Kölner Musikprojekt The Weever Sands mit seinem Debütalbum "Keep Your Face Turned To The Light" darauf hinauswollte? Oder ob eher sowas wie "Wenn du erst mal am Ball bist, bleib dran" gemeint ist? Die Musik gibt darauf keine Antwort, denn sie ist - bis auf diverse Einspieler von Sprach-Samples - instrumental gehalten, und auch das auf der Bandhomepage zu findende Skriptum "Overdone. About Animals in Prog" ist zwar amüsant zu lesen, hat aber keinen mir erkennbaren Zusammenhang zu "Keep Your Face Turned To The Light".

Einziger weiterer Anhaltspunkt zu dem, was The Weever Sands selber mit ihrer Musik erreichen wollen, ist eine persönliche Nachricht, die Dr. iur. Jens-Peter Gaul der Promo-CD mitgeschickt hatte. Darin heißt es, die Musik sei "eine Verbeugung vor dem Prog der 70er- und frühen 80er-Jahre [...], dazu kommen Post Rock und ein bisschen Funk & Folk". Hauptinspiration sei dabei der frühe Mike Oldfield, zudem gebe es "Spuren von Jethro Tull [...] und Herbie Hancock". Ja, das sind doch mal recht konkrete Ansagen, auch wenn ich selber ja eher nicht der Überzeugung bin, Musik anhand dessen zu bewerten, was ihre Erzeuger darüber denken (Fußnote: Ein Lehrer wird ja sicher auch nicht deshalb die Mathearbeit seines Schülers besser benoten, weil die Eltern der Ansicht sind, in ihrem Kind stecke womöglich doch ein kleiner Einstein).

Denn natürlich klingt "Keep Your Face Turned To The Light" mitnichten nach einem Mike-Oldfield-Plagiat, wie es unlängst wieder "Sanctuary II" von Robert Reed getan hat. Vielmehr zeigen die Songs, pardon: Stücke auf diesem Album erfrischend andere und vor diesem Hintergrund natürlich unerwartete Seiten auf. Am ehesten mit Oldfield zu vergleichen ist in stilistischer Hinsicht wohl die instrumentale Vielfalt und Offenheit, die die Musik hier auszeichnet. Die Basis bilden zwar Bass und Schlagzeug, aber oben drüber gibt es stets eine Vielzahl an unterschiedlichen Stimmen, von denen zwar nicht ganz klar ist, ob sie "authentisch" oder per Keyboard erzeugt wurden, die aber dennoch ganz munter und vor allem polyphon flöten, tröten, pfeifen und klingen. Nur ganz selten mal übernehmen Akustik- oder E-Gitarre das Ruder, wobei letztere wie beispielsweise in "Ride The Inhale... Ride The Exhale... Like A Surfer" denkbar unkonventionell gespielt ist, jedoch auch nicht direkt Mike Oldfields Stil imitiert.

Wie geschrieben: Eine Polyphonie von wieselflinken, fröhlichen und insgesamt ziemlich neckischen Instrumentalspuren über einem soliden Rhythmusfundament bestimmt das Klangbild auf "Keep Your Face Turned To The Light", was in der Essenz einige doch eher überraschende Vergleiche zulässt. So erinnern die markigen Bassriffs an Vorbilder wie "White Rabbit" von Jefferson Airplane (in "Ride The Inhale..."), "Another One Bites The Dust" von Queen ("Planetfall"), das lockere 5/4-Groove-Schlagzeug in "Counts Of Corduroy" lässt an Yes' "Long Distance Runaround" (und das jazzige Hauptriff dazu an "Yours Is No Disgrace"), und das flotte Glockenspiel-Motiv von "Her Human Ressources" passt entfernt zwischen "Mouse In A Maze" oder "Hot Too Cold" von Saga. Die jederzeit flott-überdrehten Keyboardsounds (oder welche Instrumente da eben sonst verwendet wurden...) erlauben dagegen einen ebenso allgemeinen wie unerwarteten Vergleich zu japanischem Keyboard-Prog zwischen Netherland Dwarf und Yuka & Chronoship.

Eigentlich ergibt sich mit beidem eine ganz passable, leichtgängige Mischung. Allerdings liegt die Krux auf "Keep Your Face Turned To The Light" dann wiederum in der Machart bzw. Struktur der Stücke, die oftmals Jam-artig wirken und dabei zumeist einfach so vor sich hin spielen, ohne eine großartige Entwicklung durchzumachen. Gerade Stücke wie "Fruitful Years / Epilogue" oder das durchwegs jazzige "Keep Your Face Turned To The Light" wirken dabei regelrecht statisch, und das schon genannte "Ride The Inhale..." endet quasi, wie es angefangen hat. Besser machen es da "Maybe (From A Distance)", dessen melodisches Wechselspiel zwischen Saxofon und anderen Stimmen mit fortlaufender Spieldauer immer filigraner und ausgefallener wird, das mit schön programmatischen Harmoniefolgen versehene "Failure Is An Orphan" und das zwischen einem maschinell-düsteren Anfang, einer eher pastoralen Mitte und einem recht voll arrangierten Schluss dreigeteilte "Planetfall". Auch "Amazing Grace", das eigentlich mit einem stampfigen Disco-Rhythmus samt Handclaps aus dem Drumcomputer und Fairlight-CMI-Sounds beginnt, steigert sich, sobald die melodisch führenden Keyboards üppiger eingesetzt werden und sich ohne Unterlass ins Nirwana spielen.

Alles in allem ist "Keep Your Face Turned To The Light" damit eine passable, aber insgesamt noch nicht ganz ausgereifte Angelegenheit. Das farbige Klangbild und die geradezu schwindelerregende Souveränität, mit der die unterschiedlichen Stimmen gemeinsam oder gegeneinander agieren, sind die wirkungsvollsten Treffer, die The Weever Sands mit diesem Album landen. Hauptmanko ist dagegen aber die Fokussierung auf kürzere, eher Jam-artige Stücke von schwankender Qualität. Hier wären - gerade auch mit Blick auf den von höherer Stelle angeführten Oldfield-Vergleich - längere Kompositionen mit einer hörbaren Dramaturgie definitiv die bessere und spannendere Wahl gewesen. Aber was nicht ist, das kann ja noch werden - sofern sich The Weever Sands eben weiterhin dem Licht zuwenden.

Anspieltipp(s): Failure Is An Orphan, Planetfall, Amazing Grace
Vergleichbar mit: Yuka & Chronoship, Netherland Dwarf, Teleidofusion
Veröffentlicht am: 6.7.2016
Letzte Änderung: 8.7.2016
Wertung: 9/15
Wieder mal in Teilen besser - und zwar dann, wenn die Songs nicht einfach so vor sich hin laufen

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