misophonia
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Informationen
Allgemeine Angaben
Besetzung
| Dirk Jan Müller |
Farfisa Compact, Hammond, Erebus, Solina String Ensemble, MU Modular System Synthesizer, Roland System 1 |
| Tom Rückwald |
E-Bass, Fuzz bass, Synthesizer bass, Bottle bass, |
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| Dirk Bittner |
Guitars, Zither, Mandolin, Trumpet, Phonofiddle, Congas, Bongos, Cajon, Voice |
| Georg Monheim |
Drums, Percussions,Cymbals, Beerbottle on Carpet |
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Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
organized suffering
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18:09
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| 2. |
bottledrone
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11:48
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| 3. |
demented
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7:51
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| 4. |
misophonia I
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8:58
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| 5. |
shattered
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4:40
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| 6. |
misophonia II
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1:19
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| 7. |
opsis
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5:25
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| 8. |
misophonia III
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17:36
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| Gesamtlaufzeit | 75:46 |
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Rezensionen

Zwei Jahre hat es gedauert, aber nun ist mit MISOPHONIA eine neue Electric Orange-CD am Start, im September soll es auch noch eine COSMIC GROUND geben: man sieht, D.J.M. und Konsorten sind sehr umtriebig.
MISOPHONIE bedeutet wörtlich "Hass auf Geräusche" und beschreibt eine krankhafte Intoleranz auf bestimmte Geräusche. Auf dieser CD wird dies mit den drei Titeln "misophonia I, II und III" thematisiert, die zwischen den anderen Tracks eingestreut sind.
Es scheint, als haben sie nach dem Ausstieg von Josef Ahns ihren "neuen" Sound gefunden. Wie schon beim Vorgänger sind die Jams zwischen Gitarre und den diversen Tasteninstrumenten einem sehr elektronisch geprägten Sound gewichen. Für meine Ohren ist die gesamte CD noch ruhiger, meditativer als der Vorgänger. Diverse Soundwolken aus Synthesizern, Orgel und anderen Effekten bieten den Boden, über dem sich am stärksten der Drummer austoben kann. Die Gitarre ist eher rhythmusorientiert denn solierend. Großartig akustische Einflüsse, die es noch auf Volume 10 zu hören waren, fehlen hier. Dafür sind besonders die elektronischen Sounds gelungen, die mich sehr häufig an die flirrenden Klänge eines Richard Barbieri erinnern. Hier machen sich die Erfahrungen von D.J.M. als Cosmic Ground positiv bemerkbar. Abwechslungsreich und erhabend-schwebend bieten sie eine wunderbare Gelegenheit zum "Abtauchen" in die Klangwelten der Band, wären da nicht die drei nach der CD benannten Stücke. Diese kommen bedrohlich-düster daher, sperrig und doch einnehmend, zumindest für meine Ohren, besonders der letzte Titel lädt ein zum imaginären Schauen auf die eher dunklen Seiten des Seins.
Fazit: wie immer auf hohem Niveau bieten Electric Orange wieder einen wunderbaren Ausflug in die elektronisch-geprägten Soundwelten der frühen 70er.
| Anspieltipp(s): |
Misophonia III |
| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
25.7.2016 |
| Letzte Änderung: |
25.7.2016 |
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Bereits beim ersten Hör des 18-minütigen Openers ORGANIZED SUFFERING ist unverkennbar, dass Electric Orange die Fahne des sehr frühen Krautrocks und all seiner diversen Nebenspielarten diesmal noch höher halten. Endlose Keyboardsounds schwirren durch den Raum, unterlegt von einer oft monotonen aber wirkungsvollen Drum. Natürlich sorgen die unzähligen analogen Instrumente von Keyboarder Müller dafür, dass die Atmosphäre der frühen 70'er, ja sogar der Mitte bis End 60'er Jahre aus jedem einzelnen Ton tropft. Man fühlt sich definitiv aus der Zeit gerissen.
Grundsätzlich gilt das hier Beschriebene für die gesamte CD. Mit Nuancen natürlich, aber im Kern entfernen sich die Aachener nicht weit von dieser Grundeinstellung. So stehen die Keyboards weit vorne in der Hierarchie und die Gitarre erfüllt nur einen untergeordneten Zweck. Dass dem Schlagzeug mit unzähligen weiteren Percussioninstrumenten eine tragende Rolle zukommt, überrascht denn auch nicht. Das klingt dann mal nach Tribalritualen wie in DEMENTED, manchmal findet man sich aber auch in einem orientalischen Klangraum wieder wie in OPSIS.
Vergleiche zu Pink Floyd der Anfangsjahre 1966/67 fallen einem in BOTTLEDRONE ein, das sehr improvisiert daher kommt mit seinen minutenlang dahin wabernden Keys. Erst nach fast 5 Minuten hört man ein sich langsam aufbauendes Schlagzeug das dem Song schlussendlich Konturen verleitet, unterstützt von schier unglaublichen Sounds. Im Song SHATTERED erklingt dann kurz eine funky Gitarre und der Raum umgibt sich mit einer psychedelischen Aura.
MISOPHONIA I ist sehr meditativ und experimentell und es werden spacige Sounds durch die Boxen gejagt. MISOPOHONIA II ist rein schwebend und sehr kurz. Zum Schluss kommt mit dem letzten Teil der MISOPHONIA Trilogie dann noch ein sehr düsterer Longtrack. Zäh wie Lava fließen die Töne aus den Lautsprechern. Bedrohlich ertönt dann der Bass, umgeben von wie Blitze dahin zischenden Keyboardsalven.
Electric Orange liefern mal wieder Qualität ab, entfernen sich zwar etwas von ihrem früheren Sound indem sie noch elektronischer werden. Doch das ist in ihrem eigenen Kosmos eine Weiterentwicklung. Um sich den Luxus eines komplett im Wahn gefangenen Longtracks wie MISOPOHONIA III zu leisten, dazu bedarf es viel Selbstvertrauen. Das haben sie, ohne Zweifel.
| Anspieltipp(s): |
Opsis |
| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
27.7.2016 |
| Letzte Änderung: |
27.7.2016 |
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Ein halbes Jahr nach der Weihnachts-Party-Scheibe “Nein! HITS à gogo - Golden Recordings” legen Electric Orange mit “misophonia” ein weiteres Album vor, diesmal einen Volllängentonträger, bei dem es sich - der Vorgänger ward ja “Volume 10“ genannt - um die elfte Studioscheibe der Aachener handelt. Das Ganze gibt es als CD im schlichten Digipack, als Doppel-Vinyl (von Adansonia Records) und natürlich als Download.
Seltsamer Albumtitel! Misophonia ... der Hass auf Geräusche. Auch die Namen der Tracks deuten Qualen, negative Geisteszustände und Unwohlsein an. Ist es das, was der Hörer bei Goutieren dieser Musik empfinden soll? Wohl eher nicht. Bei der selektiven Geräuschintoleranz sind es wohl wirklich nur bestimme Geräusche, auf die der Betroffene allergisch und nervös reagiert. Um eine allgemeine Überempfindlichkeit gegenüber Schall (Hyperakusis) - was es nicht alles gibt - geht es nicht. Somit könnten die hier zu hörenden Klänge eher dazu dienen misophonische Reaktionen zu vermeiden, da der Hörer - tief versunken in der Musik - dieselben nicht mehr wahrnimmt. Allerlei seltsame Geräusche sind auf “misophonia” aber trotzdem zu finden.
Vom kantig-retrokrautigen Jammen und von psychedelischen Ausflügen haben sich Electric Orange offenbar weitestgehend verabschiedet. Das einleitende “organized suffering“ beginnt z.B. fast postrockig-hypnotisch, aufgebaut auf repetitiven Gitarren-Bassgebilden und treibender Perkussion, über denen flächige, perlende, fiepende und wabernde spacig-kosmische Tastenmuster und Elektronikgespinste erklingen, bisweilen ergänzt um mysteriöse Sprachfragmente und bisweilen herrlich knurrend-brummend aufheulende Basslinien. Das klingt eigentlich ziemlich modern, auch wenn gelegentlich eine Orgel röhrt und schwillt. Überhaupt kommen Electric Orange hier deutlich elektronischer und schwebender daher als noch auf z.B. “Platte“ oder “Morbus“. Vielleicht hat da Dirk Jan Müllers Projekt cosmic ground Spuren hinterlassen.
Seltsam ätherisch ist die Musik auf “misophonia” oft ausgefallen, elegant fast, dezent und luftig, wenn auch bestimmt und druckvoll, dynamisch und intensiv. “bottledrone“ hat z.B. etwas friedliches und warmes, erinnert dabei fast ein wenig an Produktionen aus der Weserbergland-Schule, wenn auch das Instrumentarium meistenteils ein ganz anderes ist, auch wenn die Nummer im weiteren Verlauf Fahrt aufnimmt und farbig durch die Gehörgänge pulsiert.
Natürlich gibt es auch auf “misophonia” recht typische, krautig-repetitive Momente, so wie man sie von Electric Orange kennt (und liebt - man höre “demented“). Aber selbst da ist die Band etwas zurückhaltender tätige, gleichzeitig aber sehr differenziert und verspielt. Anderes, wie z.B. der Beginn von “misophonia I“, hat fast Ambientcharakter, bietet lange düsteres Tastenbrummen und -hallen, sonores Basszupfen und Elektronikschweben, ehe Perkussion einsetzt und die Nummer nun rhythmisch gefügt munter dahin gleitet.
Mit “schattered“ gibt es zudem einen entspannten, jazzig-psychedelischen Rocker, während “opis“ die einzige Nummer in dieser Sammlung ist, die mit exotisch wirkenden Zitherklängen aufwartet und damit an den mit akustischen Tonbeiwerk angereichten Vorgänger “Volume 10“ erinnert. Mit “misophonia III“ wird es dann doch noch lauter und angeschrägt, jaulen und zischen doch Gitarre und Tasten zu Beginn recht ungestüm. Aber auch dieses Stücke beruhigt sich schnell wieder und gleitet feinfühlig und farbig, mal entspannter, mal intensiver dahin, immer wieder unterbrochen von freiformatigeren Einlagen, schneidenden Aufschreien und wüsteren Ausbrüchen.
Fazit: Electric Orange sind ruhiger geworden (auch an Misophonia leidende sollten mit dem Album keine Probleme haben), was sich aber nicht negativ auf Kreativität und Eigenständigkeit ausgewirkt hat. Im Gegenteil, man hat sich weiterentwickelt, sehr viel eigenen Charakter gewonnen und sich vom “traditionellen“ Retrokrautrock deutlich entfernt (eine Entwicklung, die spätestens mit “Volume 10“ eingesetzt hat). Der Post-Krautrock ist geboren!
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
28.7.2016 |
| Letzte Änderung: |
27.7.2016 |
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Post-Krautrock, eine schöne Beschreibung für diese Scheibe. Wie man den vorangehenden Rezensionen schon entnehmen kann, hat sich der Stil der Aachener Formation Electric Orange in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Tastendrücker Dirk Jan Müller ist ja seit geraumer Zeit auch solo unter dem Namen cosmic ground unterwegs, und die Musik der bislang zwei unter diesem Namen erschienenen Soloalben hat bei Electric Orange deutliche Spuren hinterlassen.
Ein ruhiger, sphärischer Sound herrscht auf misophonia vor, mir liegt geradezu das Wort „meditativ“ auf der Zunge bzw. in den Fingerspitzen - aber das wird von manchen gleich wieder mit Langeweile gleichgesetzt, ein Wort, das wiederum hier völlig unangebracht ist. Jedenfalls stehen im Mittelpunkt der Musik oft sphärische Orgelklänge, langgezogene Klangschleifen, die eindeutig von der „Kosmischen Musik“ der frühen 70er beeinflusst sind. Dazu flirren immer wieder elektronische Klänge oder auch nur Klangfetzen herum. Dabei klingt die Musik keineswegs retro (gut, ein bisschen schon) oder gar bei alten Meistern abgekupfert; dafür sorgen nicht zuletzt Dirk Jan Müllers Bandkollegen. Man höre etwa das ruhelos wuselnde Schlagzeug im einleitenden organized suffering, das eine gehörige Portion Unruhe in das Stück bringt, ebenso wie die zurückhaltend, aber effektvoll riffende Gitarre, die manchmal ein paar dezente Dissonanzen reinbringt, sowie der rollend-grollende Bass.
Aber auch so legt die Musik immer wieder mal an Dynamik zu, dann schwillt das spacig-psychedelische Klangwabern zu einem mächtigen Klanggebirge an, die Orgel legt mächtig los, und die Band fängt geradezu an zu rocken - immer noch auf seltsam ätherisch-schwebende Weise freilich. Oder es wird leicht angejazzt drauflosgerockt wie in shattered, stets jedoch mit dem bekannten spacig-psychedelischen Unterton in Form der wabernden Orgel. Dafür geht es an anderen Stellen, etwa in der ersten Hälfte von misophonia I, auch mal in Ambient-Bereiche - in dunkle Ambient-Bereiche allerdings, erfüllt von dunklem elektronischem Brummen.
Electric Orange bieten auf misophonia einen wunderbaren Trip in psychedelische Klangwelten, der sich an kosmischen Klänge der frühen 70er orientiert, ohne dabei zu sehr „retro“ zu klingen. Fantastische Musik! Ich freue mich schon auf den Auftritt in Finkenbach (wobei diese Musik nachts besser wirken würde als um 15:00, aber man kann nicht alles haben)!
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
6.8.2016 |
| Letzte Änderung: |
6.8.2016 |
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