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Rolf Trostel

Der Prophet

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1982 (Neuausgabe im August 2016 bei bureau b)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik
Label: Uniton Records
Durchschnittswertung: 8.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Rolf Trostel

Tracklist

Disc 1
1. Der Prophet 9:46
2. Digital Track 6:25
3. Individual Destiny 2:33
4. New Age Of Intelligence 8:38
5. Town Dreamer 5:34
6. Sehnsucht 3:46
Gesamtlaufzeit36:42


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 2)


Der Prophet erschien 1982, noch im gleichen Jahr wie der Vorgänger Two Faces, als drittes Album von Rolf Trostel. Ebenso wie seine ersten beiden Alben ist es noch stark von den Klängen des PPG Wave Computer dominiert, allerdings hatte Trostel seinen Instrumentenpark schon auf Two Faces erweitert; so kamen neben Minimoog und String Synthesizer auch noch für die damalige Zeit neuartige Sequenzer und Drumcomputer zum Einsatz, was natürlich Auswirkungen auf das Klangbild hatte - zumindest im Vergleich zum Debüt Inselmusik, den Nachfolger keine ich (noch) nicht (Neuauflage im Oktober 2016).

Rolf Trostel bezeichnet Der Prophet als seine „kommerziellste Produktion“. Diese Aussage sollte man jedoch nicht überbewerten, denn trotz gewisser Anklänge an den Elektronik-Pop etwa eines Jean-Michel Jarre enthält dieses Album sicherlich keine Hitparadenmusik. Die Musik wirkt allerdings viel rhythmischer als auf dem Debüt; die Kombination von minimalistischem Drumcomputer und den für Berliner Elektronik charakteristischen Sequenzerpatterns, die in den meisten Stücken zu finden ist, verleiht der Musik gleichzeitig etwas maschinenhaft stampfendes und eine tänzelnde Leichtigkeit, ein reizvoller Kontrast. Dazu schwebende Synthie-Klangflächen oder umherflirrende Akkorde, gerne von elegischer bis leicht mystischer Atmosphäre. Gelegentlich, etwa im einleitenden Titelstück, werden auch noch ein paar dezent dissonante Einwürfe darüber gestreut.

In Town Dreamer nähert sich Rolf Trostel am deutlichsten dem Elektronik-Pop à la Jean-Michel Jarre. Aber selbst dieses Stück ist trotz seiner eingängigen Struktur aus verspielten Sequenzerpatterns und leichtfüßigen Melodien von poppigen Trivialitäten weit entfernt. Allerdings muss man auch konstatieren, dass Der Prophet nicht mehr so originell klingt wie Inselmusik, durch den verstärkten Sequenzer-Einsatz unterscheidet es sich kaum noch von den Produktionen anderer Vertreter der Berliner Schule elektronischer Musik. Ein schönes Album ist es freilich trotzdem und jedem Liebhaber dieser Spielart elektronischer Musik zu empfehlen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 1.8.2016
Letzte Änderung: 1.8.2016
Wertung: 10/15

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Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 2 von 2)


Unter den drei Rolf-Trostel-Alben, die in diesem Sommer von Bureau B auf CD und LP wiederveröffentlicht werden, hat "Der Prophet" eine besondere Position inne: Es war das einzige Album, das in seiner ursprünglichenen Form regulär über ein Label veröffentlicht wurde. Und zwar erschien "Der Prophet" 1982 über Uniton Records aus Norwegen (!), paradoxerweise ist aber gerade diese LP auf dem Gebrauchtmarkt derzeit offenbar das seltenste und teuerste Trostel-Album. Insofern füllt die aktuelle Wiederveröffentlichung definitiv eine Lücke.

Fragt sich nur, ob sich "Der Prophet" auch abseits des rein historisch-biografischen Interesses am Schaffen Rolf Trostels lohnt und rein musikalisch überzeugen kann. Rufen wir uns hierzu noch einmal die durch die biografischen Angaben aus der "Narrow Gate To Life"-Dokumentation offenkundig gewordene Selbsteinschätzung dieses Albums in Erinnerung: "Der Prophet" wurde hierbei gemeinsam mit seinem Vorgänger "Two Faces" als "rhythmische elektronische Musik" bezeichnet, demnach liegt also "Der Prophet" wohl ein ähnliches Koenzept zugrunde wie "Two Faces". Was das heißt, wird dann wohl schon im Opener und Titeltrack deutlich: Eine simple Basslinie aus zwei Tönen, Drumcomputer, rauschende Soundeffekte und erst nach und nach eine Einführung dieser typischen Harmonien in Streichersounds, Handclap-Soundeffekte und gegen Ende (ab ca. 7:00) ein fanfarenartiges Motiv, das bis zum Ende durchgezogen wird. Das sind sehr wenige Zutaten, und spannend ist diese Musik nicht gerade. Bester Einfall sind noch freiformig-polyphone Soundeffekte in Minute 5, aber das bleibt Episode, und auf Dauer ist "Der Prophet" tatsächlich zu monoton und simpel.

Noch einige weitere Stücke dieses Albums ziehen dieses Manko durch. Das betrifft "New Age Of Intelligence", das mit seiner Sequencer-Lastigkeit eher traditionell elektronisch ausgerichtet ist und auf Dauer trotz nervösen Rhythmus' und einer Art Break bei 3:20 ebenfalls recht monoton klingt (und übrigens ebenfalls solche Fanfaren-Motive aus zwei bis drei Akkorden bietet), und das eher poppig gehaltene "Town Dreamer", das sich wie eine Endlosschleife zieht. Gerade bei letzterem ist das schade, weil das sehr bunte Arrangement hier einiges hermacht und alleine schon die verquere Basslinie recht ausgefallen ist - Jochens Vergleich mit Jean-Michel Jarre trifft definitiv ins Schwarze, und es ist wie erwähnt merkwürdig, dass das Stück mit dieser Substanz nicht weiter ausgebaut wurde.

Besser machen es jedenfalls die restlichen Stücke. Gut - "Individual Destiny", eine eher formlose Klangskizze aus grummelnd-maschineller Percussion und flirrenden Sounds oben drüber vielleicht nicht ganz, aber "Digital Track" und "Sehnsucht" sind in jedem Fall hervorzuheben. Ersteres ist wieder vergleichsweise klassisch gestaltet und baut auf einer Hauptsequenz auf, über der aber nachfolgend verschiedenste, teils sogar gegenläufige Tonspuren die melodische Führung übernehmen. Das ist strukturell nachvollziehbar und aufgrund der immanenten Polyphonie klanglich erstaunlich schwer zu greifen - und damit außerordentlich interessant. Das abschließende "Sehnsucht" ist dagegen zwar kürzer, macht aber dafür deutlich, wie man bzw. Rolf Trostel die kommerziellen Momente der schwächeren Tracks besser hätte inszenieren können: Durch geisterhafte Melodien, einen regelrecht groovigen Drumcomputer und durchdachte, geradezu anti-aufdringliche Melodien, deren einzelne Durchführung nicht 8-10, sondern eher 30-40 Sekunden dauert. So wäre es wohl besser gegangen.

Insgesamt ist "Der Prophet" damit ein eher zwiespältiges Werk: Es gibt hier viel eher simple, von zahllosen Wiederholungen und beliebig klingenden Melodien geprägte Elektronik, die nur durch kurze Freiform-Einwürfe mal zeitweise punkten kann. Lediglich "Digital Track" und "Sehnsucht" können wie beschrieben als Ganzes überzeugen. Insofern ist es letztlich mit Blick auf die aktuellen Re-Releases wohl sinnvoller, sich erst einmal der "Inselmusik" und des für Oktober angekündigten "Two Faces" anzunehmen. "Der Prophet" kann da erst mal warten.

Anspieltipp(s): Digital Track
Vergleichbar mit: Jean-Michel Jarre in Endlosschleife
Veröffentlicht am: 10.8.2016
Letzte Änderung: 11.8.2016
Wertung: 7/15
"Digital Track": 11

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Rolf Trostel

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1981 Inselmusik 11.00 2
1982 Two Faces 10.00 1
1995 Narrow Gate To Life 11.00 1

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