Dark Passengers
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Informationen
Allgemeine Angaben
Besetzung
| Cristina Alves |
Gesang |
| Julien |
Gitarre |
| Thierry |
Gitarre |
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| Michaël |
Bass |
| Guillaume |
Schlagzeug |
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Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
All Roads Lead To Chaos
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0:45
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| 2. |
No Time For Regrets
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4:01
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| 3. |
Breaking The Silence
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3:48
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| 4. |
When Reasons Collapse
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4:14
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| 5. |
Past In Peace
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2:59
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| 6. |
Come To Me
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3:44
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| 7. |
Our Way To Oblivion
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3:07
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| 8. |
Doomsday
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2:27
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| 9. |
Bitterness And Grief
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3:51
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| 10. |
Anesidora
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7:27
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| 11. |
Dark Passenger
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3:13
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| Gesamtlaufzeit | 39:36 |
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Rezensionen

"Dark Passengers", mit dem das Quintett When Reasons Collapse aus Paris im letzten Jahr debütierte, demonstriert einmal mehr die Löchrigkeit und Fragwürdigkeit von Genregrenzen: Als "Metalcore/Deathcore/Death melo" sieht sich selber die Band auf ihrem Facebook-Profil. Das ist eigentlich eine recht konsistente Beschreibung, zumal diese Genres seit jeher in enger Wechselbeziehung zueinander stehen respektive aufeinander aufbauen, und eigentlich wäre das per se noch kein Grund, die junge Truppe hier auf den BBS zu besprechen. Aber: Die Musik auf "Dark Passengers" selber spricht eine Sprache, die diese Selbsteinschätzung dann doch entsprechend korrigiert, obwohl rein formell paradoxerweise alle Genre-Zutaten vorhanden sind. Und das geschieht dann letztlich eben doch auf eine Weise, mit der die Band ohne weiteres hierher passt.
Zur Erinnerung aber erst mal diese angedeuteten Genre-Zutaten von Death- und Metalcore: Das sind im Falle von When Reasons Collapse dieser typische gepresste, eben nicht gegrunzte oder gekreischte Extrem-Gesang von Cristina Alves, der immer wieder mal mit Shouts der gesamten Band kontrastiert wird, das Vorhandensein von Groove-, Blast-Passagen und Breakdown-Passagen und natürlich schwere Riffs. Na ja, was soll man sagen: Das klingt für sich genommen überraschend wenig spezifisch für ein "eigenes" Genre - und abseits davon passiert bei When Reasons Collapse nämlich auch noch allerhand. Und zwar vor allem bei den Gitarren: Julien und Thierry, beide offenbar nachnamenlos, scheinen eine tierische Freude daran zu haben, nicht einfach nur ständig wiederholte Riffs präzise herunterzuleiern, sondern agieren sehr viel offensiver, indem sie so ungefähr jede auftauchende Harmonie gleich mal mit höchster Fingerfertigkeit und äußerst melodisch in Höchstgeschwindigkeit umspielen. Das lässt die Musik seltsam durchkomponiert wirken, zumal sich nur selten mal etwas wiederholt - und dann meistens auch nur beim Gesang.
Ähnlich hyperaktiv agiert auch das Schlagzeug, mit dem die wie geschrieben genre-üblichen Groove-Passagen ebenfalls zu viel mehr werden als einem reinen Abkupfern alter Vinnie-Paul-Fills - nämlich einem weiteren kreativen Feuerwerk. Zudem wirkt die Tätigkeit des Herrn Guillaume Ebenfalls-ohne-Nachname dabei immer noch sehr kontrolliert, wovon beispielsweise Passagen in "Doomsday" zeugen, bei denen das Schlagzeug selbst bei Höchstgeschwindigkeit noch wirkungsvolle Stops einlegen kann. Demgegenüber fällt der von einem Michaël (damit hier mal die gesamte Band namentlich genannt wird) bediente Bass weniger stark auf; im Opener "No Time For Regrets" nimmt man ihn eventuell noch als eher grollend wahr, und einige mit einem eher schleppenden Schlagzeug unterlegte Passagen in "Breaking The Silence" kann dieser Herr mit einem jazzigen Spiel à la Steve DiGiorgio sogar prägen, danach tritt er allerdings kaum in Erscheinung. Und dennoch ist er offenbar voll dabei, denn im Zusammenspiel von allen Ele- und Instrumenten von When Reasons Collapse ergibt sich einmal mehr ein komplexes und äußerst festes Gewebe aus Sounds und Stimmen, dass schon rein akustisch sehr intensiv wirkt.
Dennoch gibt es hier bei aller instrumentalen und technischen Klasse doch ein paar Macken: Zum einen ist natürlich die hinlänglich bekannte Kehrseite von einer dermaßen technisch geprägten Musik, dass auch hier die Songs vergleichsweise sperrig wirken - hier kommt es dann zum Tragen, dass die Gitarristen eben nicht mit der Wiedergabe von einprägsamen Riffs beschäftigt sind. Andernorts lässt sich dieser Kritikpunkt allerdings auch direkt an das Songwriting weitergeben, denn tatsächlich gibt es hier gerade in Songs wie "No Time For Regrets" oder "Come To Me" eine etwas zu hohe Frequenz an Breaks, und die Gesangslinien von Cristina Alves und Kumpanen dürften gerne auch etwas klarer und weniger verschnörkelt sein. Immerhin gibt es einige Passagen auf diesem Album, in denen sowas richtig gut klappt, beispielsweise in "When Reasons Collapse", der mit schönen Harmoniefolgen zum Ende geführt wird, im eher melancholisch gestimmten, ansonsten ähnlich gestalteten "Bitterness And Grief", oder noch im Longtrack "Anesidora", der einerseits schön abwechslungsreich, aber eben nicht hektisch gestaltet ist und andererseits im Mittelteil auch noch einige eher postrockige Stimmungen erzeugt.
Schlussendlich wäre es ohnehin noch wünschenswert gewesen, wenn When Reasons Collapse öfter mal Ruhepausen wie diesen Steve-DiGiorgio-Part in "Breaking The Silence" eingelegt hätten, denn ansonsten spielt die Band hier durchgehend nah am Anschlag. Aber das kann die Band ja von mir aus gerne beim nächsten Mal besser machen. In Summe ist "Dark Passengers", obschon eventuell "nur" als möglichst kompliziert gestaltetes Deathcore-Album intendiert, nämlich ein spielerisch überzeugendes Album mit komplexer, schneller und harter Musik, das sich ohne weiteres neben Platten von Into Eternity (leider minus Klargesang), Periphery oder auch Protest The Hero stellen ließe.
| Anspieltipp(s): |
Breaking The Silence, When Reasons Collapse (der Song) |
| Vergleichbar mit: |
Into Eternity, Periphery, Sadus |
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| Veröffentlicht am: |
4.8.2016 |
| Letzte Änderung: |
4.8.2016 |
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