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La Bocca della Verità

Avenoth

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2016
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Neoprog; RetroProg
Label: Fading Records (AltrOck)
Durchschnittswertung: 10/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Jimmy Bax Orgel, Mellotron, ARP Prosoloist, Digital Synth, Klavier
Massimo di Paola Klavier, Keyboards, Synthesizer
Fabrizio Marzani Gesang, Gitarre, Flöte
Roberto Bucci Gitarre
Ivan Marziani Schlagzeug
Guglielmo Mariotti Bass, Gitarre

Gastmusiker

Alessandro Papotto Saxophon, Flöte
Gabriele Ferrari Bass
Valerio Fisik Gitarre

Tracklist

Disc 1
1. Intro 2161 2:08
2. Ouverture 1:58
3. Contro Luna e luce 4:14
4. La Suite dei tre pianeti

1. Il pianeta vuoto 6:13
2. Due gambe come noi 7:41
3. Il pianeta ostile 3:31
4. Voyager 1977 0:32

17:57
5. Avenoth 8:16
6. La festa 4:02
7. Antico 2:32
8. La deportazione degli avenothiani 10:02
9. La rivolta - Il massacro dei terrestri 13:03
10. Perduto Avenoth 5:53
11. Reprise (speranze distorte) 10:27
Gesamtlaufzeit80:32


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 2)


La bocca della verità, deutsch: der Mund der Wahrheit, ist ein antikes Relief, das heute an der Vorhalle der römischen Kirche Santa Maria in Cosmedin angebracht ist. Es zeigt das Gesicht vermutlich einer Gottheit, was genau die ursprüngliche Verwendung war, ist nicht sicher geklärt. Das soll hier auch nicht weiter erörtert werden, sondern nur als Einführung dienen; denn diesen Namen wählte eine 2001 in Rom gegründete Band, die zunächst Coverversionen spielte. Dabei hatte man sowohl die klassischen italienischen Progger Banco und PFM als auch britische Bands wie Genesis, Pink Floyd oder ELP im Programm.

Nach einigen Jahren hatte man dann genug vom Covern und beschloss, eigenes Material für ein groß angelegtes Konzeptalbum zu erarbeiten. Das Ergebnis erschien Ende 2016 beim Mailänder Label AltrOck bzw. dessen Sublabel Fading Records unter dem Titel Avenoth. In knapp 80 Minuten wird darauf eine Science-Fiction-Geschichte erzählt, deren Inhalt in Form des fiktiven Tagebuchs eines Raumschiffkommandanten der CD beigelegt ist. Allerdings nur auf Italienisch, so dass meine (kurze) Zusammenfassung keinen Anspruch auf Korrektheit erhebt.

Die Geschichte beginnt im Jahre 2161. Die Erde ist durch Klimawandel und Kriege praktisch unbewohnbar geworden, so dass eine neue Heimstatt auf einem anderen Planeten gefunden werden muss, Dazu wird eine Expedition losgeschickt, die im Laufe der Jahre verschiedene Planeten besucht, die sich jedoch alle als lebensfeindlich erweisen. Nach vielen Jahren erreicht die Expedition doch noch einen erdähnlichen Planeten, von dessen Bewohnern die Besatzung freundlich aufgenommen wird. Avenoth ist der Name des Planeten. Unter den Expeditionsteilnehmern kommt es nach einiger Zeit zum Streit, einige drängen darauf, die Ressourcen des neuen Planeten schnell auszubeuten. Rasch werden die Bewohner versklavt und müssen nun Zwangsarbeit leisten. Schließlich revoltieren sie gegen die Invasoren, die die Flucht zurück zur Erde ergreifen müssen. Ein letzter Blick aus dem Raumschiff zeigt dem Erzähler, dass die Umwelt des Planeten zerstört ist.

Puh, ich hoffe, das war einigermaßen korrekt. Kommen wir jetzt lieber zur Musik. Die futuristische Geschichte wird nicht etwa mit futuristischen Klängen erzählt; musikalisch greift man tief in die Vergangenheit zurück, in die goldenen 70er. Wie eingangs erwähnt, spielten La Bocca della Verità ursprünglich Coverversionen britischer und italienischer Progbands der 70er, und das hört man der Musik auf Avenoth deutlich an. Das römische Sextett spielt einen lupenreinen Retroprog, dessen Inspiration gleichermaßen in Italien wie in England liegt. Der Gesang ist dabei komplett in Italienisch. Sänger Fabrizio Marzani, von dem auch die Songtexte stammen, agiert nicht ganz so theatralisch wie mancher seiner Italoprog-Kollegen, hat auch nicht so eine „Röhre“, aber ich finde seinen Gesang sehr angenehm.

Die Songs sind nicht übermäßig komplex, aber farbig und abwechslungsreich gemacht, bieten schwelgerisch-symphonische Passagen, filigrane Akustik-Parts, können aber auch mal heftiger rocken. Im Zentrum stehen die - vorwiegend analogen - Tastenklänge, die von kräftiger Orgel über jubilierende Synthies bis zu sattem Mellotron die ganze Herrlichkeit der Sounds aus den 70ern abdecken und dabei mehr als einmal an Tony Banks erinnern. Meistens dann, wenn ein kurzes Synthiesolo einsetzt, dann hat man immer den Eindruck, das hätte so auch von Genesis stammen können. Gitarrist Roberto Bucci hat kernige Riffs ebenso drauf wie Soli im Hackett- oder auch Rothery-Stil, greift gelegentlich auch zur akustischen wie in dem schönen Instrumentalstück Antico.

Im Ganzen ergibt das einen unterhaltsamen Mix aus klassischem italienischen und britischem Symphoprog, der vielleicht nicht übermäßig originell ist, aber auch auf der langen Spielzeit von fast 80 Minuten gut unterhält. Schönes Debüt!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.1.2017
Letzte Änderung: 8.1.2017
Wertung: 10/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 2)


Oh, mal wieder eine neue La-sowieso-di-Dingsbums-Band aus – natürlich – Italien. La Bocca della Verita nennt man sich, wie in Italien üblich abgekürzt LBDV (steht so sogar auf dem Cover). Wie Jochen weiter oben schon erwähnt hat, hat sich die Band aus Rom den Namen nicht selbst ausgedacht, sondern gibt es den Mund der Wahrheit wirklich. Eingemauert in die linke Wand der Vorhalle der sich auf antiken Fundamenten (was wohl im Zentrum von Rom auf so ziemlich jedes Gebäude zutrifft) erhebenden romanischen Kirche Santa Maria in Cosmedin findet man die große Steinmaske, von der man inzwischen annimmt, dass es sich um einen ehemaligen Gullideckel der Cloaca Maxima handelt. Zumindest deuten die wohl von Wasserfluss erzeugten Erosionsspuren und die allgemein starke Abnutzung an, dass sich die Scheibe einmal im Boden einer oft begangenen Straße befunden hat.

Der Name der Maske bezieht sich übrigens auf die legendäre Verwendung als Wahrheitsorakel. Der Prüfling musste seine Hand in die enge Mundöffnung stecken und dann seine Aussage machen. Schaffte er es dann nicht mehr die Hand herauszuziehen, hatte er nicht die Wahrheit gesagt. Gerüchtweise wird die Maske auch bisweilen heute noch, insbesondere von Liebespärchen, für diesen Zweck verwendet.

Mit all dem hat "Avenoth", der Erstling von LBDV, eigentlich nicht viel zu tun, wird doch auf der Scheibe, wie Jochen ebenfalls schon dargelegt hat, eine SF-Geschichte erzählt. Musikalisch verpackt wurde diese in einen ausladenden, von den Tasten bestimmten, symphonisch-klangvollen Retroprog, der einerseits den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts huldigt, andererseits aber auch deutliche Neoprog-Reminiszensen aufweist. Zudem wurde dem Ganze noch die passende emotional-intensive Italo-Atmosphäre verpasst.

Nach den 70ern klingt das oft, eben nach klassischem Italoprog, dominiert von satten Orgelflächen, hupenden Synthesizerlinien, Mellotronschüben, jaulenden bis härter rockenden E-Gitarren, verspielten Akustikgitarreneinlagen und ausladendem Pianogeklimper. Oft gerät die Musik aber auch in typische Neoproggefilde, gibt sich hymnisch-jubilierend und es arbeiten sich diese altbekannten Dubidu-Keyboardeinlagen à la frühe Marillion nach vorne (man höre z.B. in "La Suite dei tre pianeti“ nach knapp 3 Minuten). Allerdings sind auch kürzere Ambienteinsprengsel zu vermelden, des Weiteren Abschnitte mit myesteriös-düsterem Tonschweben oder elektronischem Wabern, die bisweilen die einzelnen Teile des Albums verbinden.

Etwa aus dem Rahmen fällt "Perduto Avenoth" in dem ein virtuelles Barockorchester zum Einsatz kommt und im Geiste von Albinoni und Procol Harum voran dümpelt, begleite von expressiv-bluesigen E-Gitarreneinlagen. Das hätte es nicht gebraucht (die Scheibe ist sowieso schon lang genug) und wirkt zudem reichlich kitschig, insbesondere wenn dann noch gefälschte Chöre jauchzen.

Ansonsten gibt es hier nicht viel zu meckern. Die Produktion und die instrumentalen bzw. gesanglichen Fähigkeiten der Beteiligten ist erstklassig und die Musik kommt farbig und dynamisch aus den Boxen. Was dem Ganzen natürlich fehlt ist ein eigener Charakter oder zumindest eine eigene Note, hat man hier doch ständig den Eindruck, dass man Ähnliches (Identisches) schon des Öfteren woanders gehört hat. Zudem wurde der eher kleine Progmarkt mit ähnlichen Scheiben in den letzten Jahren doch sehr gut bedient, so dass es LBDV wohl eher schwer haben werden eine Hörerschaft zu finden. Auch beim Rezensenten stellen sich langsam Übersättigungssymptome ein. Trotzdem, ein perfekt dargebotener, melodisch-runder, sehr authentischer Italoretroneoprog wird hier geboten, der streng genommen ziemlich obsolet ist, dem zuzuhören aber trotzdem recht viel Spaß macht.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 21.1.2017
Letzte Änderung: 5.2.2017
Wertung: 10/15

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