SUCHE
Erweiterte Suche
NEUE REZENSIONEN
14.12.2017
Isproject - The Archinauts
Isildurs Bane - Off the Radar
PuzzleWood - Gates of Loki
13.12.2017
World Trade - Unify
Squartet - Adplicatio Minima
12.12.2017
Acqua Fragile - A New Chant
Spock's Beard - Snow Live
Opeth - Opeth/Enslaved Split EP
11.12.2017
Syd Barrett - The Madcap Laughs
The Perc Meets The Hidden Gentleman & The Lavender Orchestra - Praha
Lesoir - Latitude
10.12.2017
LEF - HyperSomniac
Intervals - The Way Forward
Sairen - Ultima Lux
9.12.2017
Emerson, Lake & Palmer - Brain Salad Surgery
Bernocchi, FM Einheit, Jo Quail - Rosebud
8.12.2017
Paranight - Into the Night
Starsabout - Halflight
ARCHIV
STATISTIK
24176 Rezensionen zu 16526 Alben von 6435 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Isildurs Bane & Steve Hogarth

Colours Not Found In Nature

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: ArtPop; sonstiges
Label: Ataraxia
Durchschnittswertung: 10.75/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Katrine Amsler Keyboards, Electronic
Klas Assarsson Marimba, Vibes, Glockenspiel, Tubular Bells, Crotales, Tam-Tam
Luca Calabrese Trumpet
Axel Croné Bass Guitar, Saxophones, Clarinets, Flute, Electric Guitar, Keyboards
Samuel Hällkvist Electric Guitar, Eventide, Pigtronix, KTW Effects
Mats Johansson Synthesizers, Clavinet, String Machine, Grand Piano, Treatments
Christian Saggese Guitar
Jan Severinsson Live Sound
Kjell Severinsson Drums
Steve Hogarth Vocals

Gastmusiker

Xerxes Andrén Drums
Liesbeth Lambrecht Violin, Viola
Pieter Lenaerts Double Bass
John Anderberg Choir
Anneli Andersson Backing Vocals

Tracklist

Disc 1
1. Ice Pop 6:23
2. The Random Fires 5:16
3. Peripheral Vision 7:00
4. The Love and the Affair 10:34
5. Diamonds and Amnesia 5:18
6. Incandescent 6:50
Gesamtlaufzeit41:21


Rezensionen


Von: Günter Schote @ (Rezension 1 von 4)


Sagam On Ringen gehörte in den späten 80ern mal kurz zum Kleinen Einmaleins der Prog-Szene. Dass Steve Hogarth fast 30 Jahre später ein Album mit Isildurs Bane aufnimmt, konnte man damals nicht ahnen. Zwei in den 70ern gegründete Progressive Rock-Bands mit Tolkien-inspirierter Namensgebung treffen aufeinander. Da heißt es, Tom Bombadil anrufen, Tüte drehen, die Welt Welt sein lassen und den Hobbits beim Musizieren lauschen…

Richard Barbieri war es, der 2013 Isildurs Bane-Bandleader Mats Johansson mit Steve Hogarth bekannt machte. Im November 2016 traten IB und Hogarth dann gemeinsam im schwedischen Halmstad auf, wo sie bereits die meisten Songs spielten, die nun das Album „Colours Not Found In Nature“ bilden. Hogarth meinte dazu, dass es ihn reize, mit einem quasi Kammerorchester aufzutreten, das kaum etwas mit dem üblichen Rock’n’Roll zu tun hat, dem er sonst verpflichtet sei.

Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist gut gelungenen. „Colours Not Found In Nature“ ist ein Isildurs Bane Album, dass auf Hogarth zugeschnitten ist. Will heißen, Songsaufbau, Modulation, Rhythmus der Stücke, erinnern stark an Marillion, während das Arrangement jedoch eindeutig und wenig überraschend Richtung Isildurs Bane ausschlägt. Zunächst wollte ich schreiben, dass Hogarths Stimme das Album dominiert, aber nach mehrmaligem Hören wäre diese Behauptung falsch. Die Arrangements mit Geigen, Glöckchen (inkl. Tubular Bells), Marimba, Kontrabass ist selbstverständlich ebenso bestimmend wie des Sängers Organ. Kontrastiert wird die handgemachte Musik durch elektronische Gimmicks; mal ein Beat hier, ein Sound dort.

Hogarths Texte sind sehr persönlich. Älterwerden, der Vergangenheit nachtrauern, die Kindheit der eigenen Kinder wie im Flug vorübergehen sehen, gesünder leben (müssen). Seine Stimme ist sehr intensiv, Hogarth-Fans werden ihre Freude haben. So do I.

Mit dem 11minütigen „Ice Pop/The Random Fires“ beginnt das Album sehr lebhaft, um mit “Periphal Vision” auf die persönliche Seite zu driften. Hogarth klingt dabei zwar tiefgründig, aber bei weitem nicht so weinerlich, wie noch auf dem einen oder anderen Song der vergangenen 10, 12 Jahre. Nochmal: die handgemachte, moderne Musik der Marke Isildurs Bane und die Stimme des Marillionsängers sind kongenial. Mit „The Love and the Affair“ folgt der nächste Einblick in die Seele Hogarths und das Songwriting seiner musikalischen Partner. Die sechs Titel befinden sich alle auf einem gleich hohen Niveau, mal leichter, mal schwerer. Alles toll!

Ursprünglich war von sechs Songs die Rede, wovon drei eine Suite bilden sollen (wohl die ersten drei Titel). Auf mich wirkt aber nun das gesamte Album wie aus einem Guss, suitenartig. Ich komme nicht umher, zu vermuten, dass dies der verträumte, ätherische „Trip“ ist, den Marillion eigentlich mit Essence vorlegen wollten.

Keine Hippies, keine Rache der Hobbits, dafür ein Erlebnisalbum und ein erstes Highlight des Prog-Jahres 2017. PS: cooles Artwork.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: IB, Marillion, Peter Gabriel, Kate Bush
Veröffentlicht am: 21.4.2017
Letzte Änderung: 21.4.2017
Wertung: 11/15
Vermutlich mehr.

Zum Seitenanfang

Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 4)


In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts gehörten Isildurs Bane mit ihrer recht eigenen Mischung aus Retroprog, zeitgenössischem Ensemblerock, Jazzrock und gemäßigtem Experiment zur Speerspitze des modernen Progs, vor allem mit den beiden Alben "The Voyage - A Trip To Elsewhere" und "MIND Volume 1" (und natürlich dem Live-Meisterwerk "MIND Volume 2"). Die Schweden hatten sich damit, beginnend mit einem recht typischen Schwedenflauschprog im Fahrwasser von Camel, in ausgesprochen kreative progressive Gefilde vorgearbeitet, und waren gerade dabei in wirklich avantgardistische Gewässer zu geraten (siehe "MIND Volume 3"), ehe man sich wieder neu ausrichtete, und 2003 mit "MIND Volume 4 - Pass" ein songorientiertes, aber immer noch sorgfältig komponiertes und reich instrumentiertes Album vorlegte. Danach ward in Bezug auf eine Studioalbum nicht mehr viel von Isuldurs Bane gehört.

Das hat sich nun mit "Colours Not Found In Nature" geändert, welches das erste tonträgertechnische Lebenszeichen der Schweden seit über 10 Jahren darstellt. Im Grunde gehen Mats Johansson und Mitstreiter den mit "MIND Volume 4 - Pass" begonnen Weg weiter, setzen auf Songs, für deren Umsetzung man sich Steve Hogarth ins Boot geholt hat. Oder, wie mein Vorschreiber weiter oben schon dargelegt hat, entstand das Ganze wohl eher als gleichberechtigtes Projekt zwischen Johansson und Hogarth, die sich getroffen und gefallen an den musikalischen Vorstellungen des jeweils anderen gefunden hatten.

Das Ergebnis klingt eigentlich haargenau so, wie man sich ein Album vorstellt, das aus dieser Zusammenarbeit entsprungen ist. Ein recht komplexer, aufwendig instrumentierter, durch allerlei Elektronisches klanglich erweiterter, dabei aber sehr melodischer und runder Prog mit Kammermusikeinschlag (der immer noch oft diese gewisse Glätte, dieses Filmmusikartige verströmt) wird mit den emotional-eindringlichen Songs des Marillion-Sängers verschmolzen. Waren die oben erwähnten Isildurs-Bane-Alben ausgeklügelte Konzeptalben mit vielen außermusikalischen Bezügen, gibt sich "Colours Not Found In Nature" dabei als schlichte Songsammlung, die in inhaltlicher Hinsicht weitestgehend von Hogarth und seinen Texten bestimmt wird.

Hogarth bestimmt auch sonst recht viel hier. Ich würde schon sagen, dass er das Album dominiert. Man muss sich doch sehr konzentrieren bzw. sich zwingen nicht so sehr auf seinen Gesang zu achten, wenn man die ausgefuchsten, typischen und klar als Isildurs-Bane-Kompositionen erkennbaren instrumentalen Strukturen (sogar die für die Band charakteristischen Marimba- oder Glockenspielklänge arbeiten sich immer mal wieder nach vorne) und auch die ausgesprochen farbige Instrumentierung wirklich wahrnehmen möchte. Ich bin zugegebenermaßen kein großer Freund ergriffenen, emotionalen und leidenden Gesangs, und Hogarths weinerliches Genöle stört mich ab und zu schon ein wenig, z.B. zu Beginn von "Peripheral Vision". Man gewöhnt sich zwar daran, doch wage ich trotzdem zu behaupten, dass sich der Gesang bisweilen eher als Störfaktor, als als gelungene Ergänzung zur Musik darstellt. Bisweilen funktioniert die Sache aber trotzdem, z.B. über große Strecken des getragen-melancholischen, immer wieder hymnisch aufbrausenden "The Love and the Affair".

Also, Isildurs Bane können es immer noch, und Fans der Schweden sollten auf ihre Kosten kommen, so sie sich nicht am Gesang stören. Hogarth-Fans sollten die Scheibe lieben, so sie denn mit dem Kammerprog klarkommen. Ich würde mir aber fast wünschen, man könnte irgendwo auch eine Instrumentalversion des Albums erwerben. Witziges Cover!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.5.2017
Letzte Änderung: 13.5.2017
Wertung: 10/15

Zum Seitenanfang

Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 3 von 4)


Es war schon eine ziemliche Überraschung, als für Frühjahr 2017 ein neues Album von Isildurs Bane angekündigt wurde, datiert ihre bis dahin letzte Veröffentlichung doch von 2005 - und das war ja nur ein Minialbümchen von weniger als einer Viertelstunde Dauer, das letzte richtige Album kam sogar 2003 raus.

Skepsis war dabei durchaus angebracht, denn was die Schweden zuletzt, also vor über einem Jahrzehnt, fabriziert hatten, war doch von recht durchwachsener Qualität; damit meine ich nicht das songorientierte MIND Vol. 4, aber die auf der zwei Jahre später erschienenen DVD enthaltenen neuen Stücke waren erschreckend poppig und belanglos. Weitere Skepsis verursachte der Name Steve Hogarth; dabei bin ich an sich nöligem Gesang nicht unbedingt abgeneigt, aber ob sich zwei so unterschiedliche musikalische Welten verbinden ließen?

Natürlich musste Colours Not Found in Nature trotz solcher Bedenken dennoch angeschafft werden, und das habe ich keineswegs bereut. Isildurs Bane haben nämlich alle Pop-Anwandlungen hinter sich gelassen und setzen wieder auf vielschichtige, komplexe Arrangements mit deutlichem Kammermusik-Einschlag. Wobei man sich bisweilen schon sehr konzentrieren muss, um diese überhaupt wahrzunehmen, denn Hogarths Gesang steht sehr weit im Vordergrund, erdrückt die Musik in leiseren Passagen (von denen es sowieso ein paar zuviel gibt) geradezu. Die Gesangsmelodien sind dabei meist typisch Hogarth, man könnte sich ohne weiteres auch Marillion als Begleitband dazu vorstellen. Genau, Begleitband, so klingen Isildurs Bane hier vielfach. Nicht wegen der Musik an sich, sondern eben wegen der Dominanz von Hogarths Gesang.

Aber ich will nicht zu viel meckern, Colours Not Found in Nature ist insgesamt ein gelungenes Album, einer überzeugende Rückkehr, mit der ich nicht mehr gerechnet hätte. Dennoch schließe ich mich meinem Vorrezensenten an: komplett instrumental hätte es mir noch besser gefallen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 30.6.2017
Letzte Änderung: 1.7.2017
Wertung: 10/15

Zum Seitenanfang

Von: Christian Rode @ (Rezension 4 von 4)


Der Proggie, der Steve Hogarth für den emotional ergreifendsten Sänger der Gegenwart hält, wird dieser Tage wieder einmal verwöhnt. Mit Marillion gab es in den letzten Jahren die wunderbaren Alben „Sounds that can‘t be made“ und „Fuck everyone and Run“, zusammen mit dem Keyboarder Richard Babieri (Ex-Japan, Ex-Porcupine Tree) die unglaublich tiefgründigen Werke „Not the Weapon but the Hand“ und „Arc Light“. Und jetzt eine Kooperation mit Isildurs Bane, der Prog-Hoffnung des Milleniums, von denen allerdings in den letzten knapp 15 Jahren fast nichts mehr zu hören war.

Das Zusammenspiel gestaltet sich äußerst gelungen und durchaus ausgewogen: auf der einen Seite der proggige Einschlag der Skandinavier, der weder irritierend innovativ noch ranzig retro klingt, auf der anderen der intensive und wehmütige Klang Hogarths. Sicher singt Hogarth viel, aber diese Stimme will ich ja auch hören. Und es ist nicht so, dass er wie letzthin Jon Anderson ein ganzes Album mit Dauervocaleinsatz „zerschießt“. Nein. Es ist immer reichlich Raum für die Jungs von Isildurs Bane, ihre typischen instrumentalen Akzente zu setzen. Eine klasse Mischung ist das.

Hinzu kommt noch das liebevoll mit diesem Elefanten in verschiedenen, humorvollen Posen gestaltete Artwork. Und diese altersweisen, melancholischen Texte Hogarths, der in „Ice Pop/The Random Fires“ etwa darüber sinniert, was ihm denn noch bleibt, nachdem er so Vieles aufgeben musste: „I gave up the smoking and the m.d.m.a. (…) said to the doctor, gimme something to take… too cold too sweet, but good in the heat, colours not found in nature...“ Oder wenn er im Nachdenken über die Unbelehrbarkeit seiner Mitmenschen zwischen Resignation und Amüsement schwankt („Diamonds and Amnesia“). Oder wenn er über Sinn und Unsinn eines Seitensprungs räsonniert („The Love and the Affair“: „Anyway you sing the song, it‘s wrong...“). Das klingt alles sehr persönlich und berührt.

Vielleicht sollte man „Colours not found in Nature“ wirklich eher als Steve Hogarth-Album bzw. als Gemeinschaftswerk von Hogarth und Isildurs Bane hören. Isildurs Bane-Fans (soweit es sie noch gibt) werden vielleicht ein klein wenig enttäuscht sein, aber Hogarth-Fans werden wieder einmal mit einem exzellenten Stück Musik belohnt. Für mich ist das Album nicht ganz so ergreifend wie „Not the Weapon but the Hand“, aber darüber zu jammern, wäre wahrlich Jammern auf sehr hohem Niveau.

Marillion- und Hogarth-Fans sollten unbedingt reinhören. Und für diejenigen, die Prog hören mögen, der gut in der Mitte zwischen Eingängigkeit und Anspruch liegt, ohne irgendwann flach oder beliebig zu wirken, ist „Colours not found in Nature“ auch eine klare Empfehlung.

Anspieltipp(s): Ice Pop, The Love and the Affair
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 24.8.2017
Letzte Änderung: 24.8.2017
Wertung: 12/15

Zum Seitenanfang

© 1999-2017; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum