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Zauss

Trittico Immer All Over

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: improvisiert; instrumental; Ambient; Jazz; RIO / Avant
Label: Fazzul Music
Durchschnittswertung: 11.67/15 (5 Rezensionen)

Besetzung

Francesco Zago electric guitar & loops
Markus Stauss tenor,sopran,bass sax & flute
Giuseppe Olivini percussion & theremin

Tracklist

Disc 1
1. Milano Centrale 8.36
2. Bicinium 6.35
3. scheinbar 4.11
4. Neo stazione 4.01
5. stretto 4.12
6. wieder Wellen 8.31
7. plötzlich Drama 8.54
8. almost happy 4.46
Gesamtlaufzeit49:46
Disc 2
1. a jazz tune maybe 6.28
2. schweben 6.16
3. agitare con violenza 6.54
4. senza la benche minima eleganza 7.03
5. Zauss runs the Voodoo town 8.03
6. another Sülz 7.06
7. dahingleiten 3.46
8. Wind und Wellen 7.09
Gesamtlaufzeit52:45


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 1 von 5)


„Trittico Immer All Over“ ist ein gutes Beispiel dafür, was man aus einer Triobesetzung mit den diversen Saxophonen (und Flöte), einer Gitarre und Perkussion herausholen kann. Genau, das immer für musikalische Herausforderungen gute Duo Zauss hat sich einen Perkussionisten und Theremin-Spieler Giuseppe Olivini dazu geholt. Und, ich kann mich gerade nicht erinnern, Markus Stauss schon mal Flöte spielen hören. Dazu bekommt man auf „Trittico…“ auf jeden Fall die Gelegenheit.

Olivini sorgt mehr für zart begleitende Akzente (vorzugsweise unter Verwendung von Becken) und scheint weniger an dem interessiert zu sein, was man wohl allgemein mit Perkussionisten assoziiert.

Den Hörer erwarten engagierte Improvisationen, offenbar unter Verwendung von Saxophon-Schleifen, so dass der live im Studio spielende Saxophonist mehrspurig zu hören ist („Milano Centrale“), lyrisches, zerbrechliches Zusammenwirken der Beteiligten („Bicinium“), spannendes Duo für Flöte und Gitarre („scheinbar“), avantgardistische Bass-Sax-Erforschung zu wütender Gitarre („Neo stazione“), wildes Duo für Gitarre und Tenorsax („stretto“), kreative Sinnsuche für Sopransax und Gitarre („wieder Wellen“) und Ambient-artiges Musizieren für Gitarre, Gitarrenschleifen, Sax und Flöte („plötzlich Drama“). Zum Abschluss der ersten CD versucht man in „almost happy“ mit Erfolg die ungewohnten (und mitunter recht bizarren) Gitarrenklänge und wohlig brummendes Sax in einem kollektiven Zusammenspiel unterzubringen. Schade eigentlich, dass „almost happy“ unvermittelt ausgeblendet wird, so frappierend fand ich das.

Das war jetzt ein Versuch, die musikalischen Ereignisse auf der ersten CD zusammenzufassen. Und zwar in der Hoffnung, dem offenen Musikfreund eine Hilfestellung bei seiner Entscheidung zu leisten, ob er Zauss anregend, oder nervig findet.

Die zweite CD ist da nicht minder – je nach Standpunkt – anregend, oder anstrengend ausgefallen. Obwohl, dort scheint sich doch verstärkt Entspanntes eingeschlichen zu haben.

Daraus noch einige wenige Beispiele: „A jazz tune maybe“ scheint mit repetitiven Gitarrenfiguren in Richtung Avant-Jazz-Prog zu schielen. „schweben“ tut genau das, unter Verwendung von geheimnisvollen Klängen, die genauso gut von einer Gitarre, von einem Cello, wie von einem elektronisch verfremdeten Becken (dem Blechinstrument) stammen könnten. In „agitare…“ kann ich (endlich) das in der Besetzung genannte Theremin vernehmen, sowie mich mal wieder an neuartigen Gitarrenklängen erfreuen.

Nach zahlreichen aggressiven, experimentellen, oder unterschwellig angespannten (und gerade dadurch angenehm nervenaufreibenden) Stücken kommen die zurecht so genannten „another Sülz“ und „dahingleiten“ mit sehr entspannten Klängen um die Ecke. Eines, zwei Stücke dieser Art können sehr nett wirken, eine CD voll davon wäre wohl eher zu entspannend.

Dass die Musiker sich gegenseitig zuhören, um möglichst effektiv aufeinander zu reagieren und dass sie Könner auf ihren Instrumenten sind, ist bei so einer improvisatorischen Begegnung eigentlich selbstverständlich.

Bedeutend „progressiver“, als Zauss es vormachen, geht es wohl kaum. Repetitives, ob melodisch, oder rhythmisch, gibt nur seltenst. Für einen Laien greifbare Strukturen im Sinne der „populären“, oder klassischen Musik noch seltener. Es ist aber sehr erfreulich, wenn man auf Musiker trifft, die ihre Improvisationen (falls es welche sind) so kreativ gestalten können.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 17.5.2017
Letzte Änderung: 17.5.2017
Wertung: 11/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 5)


Zauss sind jetzt zu dritt. Zu Francesco Zago (Yugen) und Markus Stauss (u.a. Spaltklang) ist mit Guiseppe Olivini ein weiterer Spielkamerad gestoßen, der vornehmlich an allerlei Perkussion, selten auch einem Theremin tätig ist. Eigentlich hätte sich das Projekt folgerichtig in Zaussini umbenennen müssen. Aber, das klingt vielleicht zu sehr nach Zirkus, oder Varietee-Zauberer (der Große Zaussini).

Wie der Titel des nun schon fünften Zauss-Albums ausdruckt, ist hier also ein Triptychon tätig (eine dreigeteilte Klangtafel), und das immer und überall. Saxophone, bisweilen auch eine Querflöte, E-Gitarre und Perkussion wird von diesem zum klingen gebracht, dazu kommen bisweilen etwas elektronisches Fiepen und Orgeln vom Theremin, und ein paar repetitive Schleifen, die gelegentlich z.B. den Eindruck erwecken, dass da zwei Saxophonisten hupen. Bei einem Triptychon, zumindest in der darstellenden Kunst, befindet sich eines der Bildwerke in der Mitte, meist etwas größer als die anderen beiden, während die zwei weiteren als Flügel rechts und links angehängt sind. So ein wenig ist das in der Tat auch hier der Fall, steht doch Stauss’ Gebläse meist (aber nicht immer) im Mittelpunkt.

Wie auf den vorhergehenden Scheiben von Zauss erklingt die Musik frei klangmalend mit- und durcheinander, vermutlich weitestgehend improvisiert, live eingespielt, ohne Overdubs. In konzeptioneller Hinsicht wird auf "Trittico Immer All Over" also nichts Anderes als auf den Vorgängern geboten. Es wird mal wüster, mal bedächtiger, recht spontan durcheinander musiziert, oder miteinander kommuniziert (kommusiziert), triaphonisch, angeschrägt und free. Rockmusikalische Strukturen, oder auch definierte jazzige oder klassische Formen, sind nicht vorhanden und auch nicht beabsichtig.

Ist das nun gut? Diese Frage stellt sich ja irgendwie, aber, ich habe immer Probleme das zu beantworten. Kann man auch schlecht improvisieren? Sicher, wenn es darum geht aus dem Stand rockmusikalische Strukturen, oder auch definierte jazzige oder klassische Formen, zu kreieren. Das kann man dann zumindest mit den gegebenen Normen subjektiv bewerten. Aber hier? Dass die Musiker Könner auf ihren Instrumenten sind weiss ich (zumindest bei Stauss und Zago) eher von anderen Alben, auf denen sie zu hören sind. Und für die Klänge die Olivini beisteuert, muss man sicher kein Perkussion-Virtuose sein.

Man muss wohl eher darauf schauen, wie stimmig das Ganze verwoben ist, welche Stimmungen erzeugt werden, und ob die den Zuhörer bewegen. Mitunter ist das bei mir der Fall, in den zarteren Klangbildern z.B., wie im zarten "another Sülze", oder dem mächtigen Hallen von "Wind Und Wellen" (klasse!). Und natürlich versteht man auch was Zago, Stauss und Olivini im Sinn haben, wenn es schräg und hektisch wird (wie z.B. im einleitenden "Milano Centrale" – übrigens ein sehr treffende Vertonung des Mailänder Hauptbahnhofs zur Hauptverkehrszeit). Das kann aber auch schnell nerven ... je nach Laune und Stimmung des Zuhörers. Trotzdem bin ich nie so ganz sicher, wer hier mehr Spaß hat (haben soll), die Spieler oder die Zuhörer.

Ach ja, ist das nun progressiv? Wenn man Musik, die freiformatig und schräg daherkommt, und die unter Nichtbeachtung der meisten kommerziellen Gesichtspunkte entstanden ist als progressiv ansieht, dann schon. In musikhistorischer Hinsicht wird natürlich schon ewig (immer?) frei improvisiert. Wer solcherlei schätzt, der sollte auch an "Trittico Immer All Over" Gefallen finden können.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 20.5.2017
Letzte Änderung: 20.8.2017
Wertung: keine

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 3 von 5)


Zauss sind jetzt ein Dreier. Finde ich gut. Dreier sind geiler. Schon der Titel: "Trittico" (Triptychon), also Tri, drei, dann "Immer All Over", drei Wörter, und "immer all over" passt gut zum Dreier.

Jetzt aber genug der Dreideutigkeiten. Fragt sich nämlich viel eher, ob Zauss auch Power haben und damit mit Fug als Powertrio bezeichnet werden können. Ist nicht so abwegig, wenn man bedenkt, wie rechteckig Francesco Zago spielen kann. Aber auch wenn mit Olivini ein ganzes Drittel neu zur Band gestoßen ist, so erkennt man Zauss doch wieder. Sie nennen sich nicht Zaussini. Wär auch blöd, klingt nach etwas, mit dem eine biedere deutsche Firma bemüht dolcevitig-südländisch klingen wollte. Nein, Zauss bleiben Zauss, auch mit Olivini an Bord. Und ich bleibe Fan. Das Programm bleibt weiterhin, die Möglichkeiten, die die zum Einsatz gekommenen Instrumente bieten, diesmal also E-Gitarre, Tenor-, Sopran- und Basssax, Flöte, Perkussion und Theremin, experimentierend auszuloten. Power ja, aber in der Zaussschen Variante: Nicht durch Lautstärke, sondern durch Intensität.

Die Spannbreite reicht dabei von Musik, die man mit Recht für Jazz halten kann, bis hin zu höchst kantigen, freien Fromlosigkeiten, von Traditionell(er)em bis zu Quälerischem, von Loungeigem zu Crimsoidem. Und weil ich als gestandener Progfan selbstverständlich Angst vor Jazz habe, und andererseits darum weiß, dass man immer höchst kompetent, wenn auch reichlich elitär (und etwas seltsam) wirkt, wenn man mit ernster Miene behauptet, Avantgardistisches zu mögen, gefallen mir die traditioneller jazzigen Improvs weniger gut, die crimsoiden Sachen sehr, und - ähem, die Freiformater natürlich am Besten. "stretto"!

Nein wirklich, ganz im Ernst. Es muss ja nicht gleich so wild sein. "wieder Wellen" ist ganz, ganz wunderbar. "plötzlich Drama", "another Sülze" - wundervoll.

Die drei Musiker verraten in diesen Stücken eine faszinierende Fähigkeit, einander zuzuhören, aufeinander zu reagieren, und miteinander zu interagieren. Wenn mal eine Rollenverteilung aufscheint, dann übernimmt Zago den seltsamen (oder soll man sagen: den fortschrittlichen?) Part, während man zu Stauss eher relaten kann. Aber das ist sehr stark auch den Klangfarben geschuldet, die die Musiker anwenden bzw. anwenden können. Zago hat da mit seinen vielfältigen Gitarreneffekten mehr Möglichkeiten. Ein Problem ist das nicht, denn es sind gerade diese Pole, die die Musik einspannen und spannend machen. Olivini wiederum swingt, klappert und blingt, bisweilen rauscht er einfach, und manchmal ist's, als würde er nicht nur eins sondern gleich eine ganze Vielzahl an Instrumenten in das Zauss-Projekt einbringen. Tut er ja auch.

Tja, was soll ich noch sagen? Vielleicht das, was Prog-Rezensenten immer einfällt, wenn ihnen nichts mehr einfällt: Meine Freundin liebt es. Sollman danoch sagen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 23.5.2017
Letzte Änderung: 23.5.2017
Wertung: 13/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 4 von 5)


Für sein fünftes Album hat sich das Duo aus Markus Staus und Francesco Zago zum Trio erweitert, und diese Erweiterung in Gestalt von Schlagzeuger Giuseppe Olivini fügt dem Zauss’schen Klangkosmos eine faszinierende neue Komponente hinzu.

Muss man eigens erwähnen, dass das Schlagzeug nicht einfach als Rhythmusinstrument verwendet wird? Zumindest Kenner der Werke des Duos dürfte das nicht überraschen. Eher dezent, aber durchaus effektvoll schlägt Giuseppe Olivini vorwiegend die Becken an, dazu treten diverse andere perkussive Klangerzeuger, die sich schüchtern zu Wort melden, um die von Zago und Stauss hervorgebrachten Klangereignisse (so nenne ich das mal) zu ergänzen. Nicht zu begleiten, denn auch wenn Saxophon (oder Flöte) und Gitarre stärker im Vordergrund stehen, sind hier letzten Endes drei gleichberechtigte Solisten am Werk.

Ansonsten unterscheidet sich Trittico Immer All Over nicht wesentlich von seinen Vorgängern. Auch hier wird munter ohne Rücksicht auf Konventionen drauflos improvisiert. Rhythmus, Melodie? Kriegt man auch anderswo. Nein, hier werden Grenzen ausgelotet, Grenzen dessen, was man so als Musik bezeichnet. Tatsächlich scheinen manche Stücke aus nichts anderem als wahllos hingeworfenen Tönen zu bestehen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben und sich doch zu faszinierenden, abstrakten Klangskulpturen vereinen. Dafür ist bisweilen (eigentlich ziemlich oft) einiges an Geduld erforderlich, etwa beim reichlich kratzbürstigen stretto oder dem äußerst schroffen Zauss runs the Voodoo down, letzteres mit wunderbar crimsoiden Gitarren. Andere Stücke zeigen sich bei aller Abstraktheit federleicht und schwebend, wie die zarten, impressionistischen Klanggebilde wieder Wellen, plötzlich Drama oder das passend betitelte schweben.

Faszinierende, fremdartige Klangerlebnisse sind es, die das Trio hier erzeugt, oft sperrig und abweisend, immer wieder aber auch von einer Art abstrakter Schönheit. Mit den üblichen Vorstellungen von Rock oder Jazz haben diese Klänge freilich wenig zu tun - mancher würde sie vielleicht nicht einmal als Musik bezeichnen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 27.7.2017
Letzte Änderung: 27.7.2017
Wertung: 11/15

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Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 5 von 5)


Um Hendrik "Henni" Nachtsheim und Gerd Knebel, besser bekannt als hessisches Comedy-Duo Badesalz, ist es seit Mitte der 90er Jahre bedeutend ruhiger geworden. Einen treffenden Sketch der beiden sollte man sich aber in Erinnerung rufen. In "Auf dem Hochsitz" beobachten zwei Förster ein seltsames Treffen "vom Aussterben bedrohter" Wesen - die sich durch musikalische Einspieler von wild durcheinander solierenden Instrumenten einschließlich Schlagzeug, Tuba und Saxofon als Avantgarde-Jazzer entpuppen. "Die armen Kerlchen. Sind ja auch irgendwie drollig, nicht?"

Was das mit Zauss und "Trittico Immer All Over" zu tun hat? Nun, folgendes: Oberflächlich betrachtet pflegen Zauss auf diesem Doppelalbum, das mir als in dieser Hinsicht nur unwesentlich unbedarfterem Rezipienten als den beiden Badesalz-Förstern vorgesetzt wurde, ziemlich genau den Stil, der in diesem Sketch parodiert wurde. Das heißt also: Oft gehen alle Stimmen, die Zago, Stauss und Olivini hier zusammentragen, einfach durcheinander, ohne dass ein offenkundiger Zusammenhang ohne weiteres erkennbar ist. Entsprechend hektisch und chaotisch klingt die Musik in diesen Momenten (z.B. in "Milano Centrale" oder "Stretto"), aber auch in ruhigeren Abschnitten wie beispielsweise "Neo stazione" werden einzelne Elemente erst mal nacheinander in den Raum geworfen und zusammenhängende Musik allerhöchstens angedeutet.

Soweit scheint "Trittico Immer All Over" also diverseste Klischees über Avantgarde-Jazz zu bestätigen - aber das ist natürlich auch nur der Fall, wenn man nicht genauer hinhört. Denn selbst in "Milano Centrale" stehen die augen- bzw. ohrenscheinlich zusammengewürfelten Spuren zwar in einem losen, aber doch bestehenden Zusammenhang (und verschmelzen teils auch interessant miteinander), und Struktur haben die Stücke dieses Albums fraglos ebenfalls. Das gilt alleine schon deshalb, weil immer wieder mal andere Elemente und Stimmen in den Vordergrund treten, aber ab und an gibt's auch erkennbar planvolle Passagen - beispielsweise in "scheinbar", das nach seinem nervös-zittrigen Anfang mit Querflöte und Gitarre um 2:00 einen ersten Höhepunkt markiert, nach dem ein 3/4-Riff auf der Gitarre einsteigt und das Stück vorerst ordnet, und gegen Ende gibt es noch einen Anstieg der Intensität. Es ist also mitnichten alles Jam bis Chaos.

Hinzu kommt, dass sich einige (Avant-)Prog-verwandte Elemente ebenfalls ausmachen lassen. Das ist einerseits die Gitarre, die ab und an doch ziemlich frippig klingt, weshalb Fans von mindestens "Lizard" (oder den Adrian-Belew-Soloalben) an viele Stücke problemlos andocken können sollten. Andererseits gibt es einige ruhigere, schwelgerische Momente, die mit Rückwärts-Gitarre einen leichten Steve-Howe-Touch gewinnen - so könnte der Anfang von "Bicinium" ohne weiteres auch einem dieser langen ruhigen Parts von "Tales From Topographic Oceans" entstammen ("another Sülz" könnte man dagegen angesichts seiner Gong-Effekte mit Vangelis' "China"-Album vergleichen). Zuletzt gibt es immer wieder auch einige geordnete, auf Riffs (auf Gitarre, Bass oder Saxofon) fußende Passagen, z.B. in "Neo stazione", in "Zauss runs the Voodoo down" oder sehr massiv in "a jazz tune maybe". Das ordnet die Musik jeweils ebenfalls und macht so somit von der Rock-Seite aus betrachtet eine kleine Spur zugänglicher.

Insgesamt ist "Trittico Immer All Over" aber dennoch ein großer, schwerer Brocken, den im Ganzen und mit voller Aufmerksamkeit zu ertragen mir außerordentlich schwer fällt, weshalb ich mich hier einer numerischen Bewertung enthalten möchte (das können die Kollegen sicherlich besser). Unbestreitbar sind jedenfalls die Kreativität und der Einfallsreichtum des Trios. Weshalb man "Trittico Immer All Over" letztlich eben doch nicht einfach wie eingangs geschildert weglachen sollte. Stattdessen empfiehlt sich wohl (u.a. eben auch für mich) Nachhilfeunterricht mit beispielsweise "In A Silent Way" oder "Brutopianisti".

Anspieltipp(s): a jazz tune maybe, Zauss runs the Voodoo down
Vergleichbar mit: Gut, letztlich kommt es Jazz-Klischees doch nahe. Aber man muss sich eben auch damit beschäftigen wollen.
Veröffentlicht am: 28.7.2017
Letzte Änderung: 29.7.2017
Wertung: keine Ich sag's mal so: Gefühlt ist das Musik außerhalb meiner Kompetenzen und Fähigkeiten...

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