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heklAa

Songs In F

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2015
Besonderheiten/Stil: instrumental; Postrock
Label: Eigenproduktion, CD-Veröffentlichung über Fluttery Records
Durchschnittswertung: 7/15 (1 Rezension)

Besetzung

Sébastien Touraton alles

Tracklist

Disc 1
1. thousAnds of comets Are fAlling down on eArth 8:49
2. bAck to jokulsArlon 7:26
3. oceAns 7:33
4. being steindor Andersen 10:21
Gesamtlaufzeit34:09


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Manche Dinge prägen fürs Leben. Bei Sébastien Touraton, dem Verantwortlichen hinter dem Einmann-Musikprojekt heklAa, sind es den Angaben zufolge "two unforgettable trips in the beautiful Iceland" gewesen, die die Kreativität von Monsieur Touraton in nicht gekannter Weise beeinflusst haben. "Songs In F" ist bereits die vierte Veröffentlichung und das zweite Album des Franzosen, das diese Erfahrung zu verarbeiten und in Musik umzugestalten versucht. Es überrascht vor diesem Hintergrund daher wenig, dass Touraton musikalisch den Anschluss an gängige Island-Bands wie Sigur Rós zu schließen versucht und sich deshalb mit den vier (dem Vernehmen nach allesamt in F-Dur gehaltenen) Stücken dieser Platte im orchestralen Postrock verdingt.

Entsprechend werden auch die üblichen Instrumente dieses Stils aufgefahren: Klavier, Streicher, Bläser, verschwommen-dumpfe Rhythmen, Wind- und Glockenspiel, heimelige Rückwärts-Sounds und gelegentliche Samples prägen das Bild und fügen sich zu einem recht harmonischen Ganzen zusammen. Auch in den Kompositionen wird der Stil recht genau getroffen: Stimmung wird aufgebaut, bis sich in den Hauptpassagen der jeweiligen Stücke der bekannte Duktus romantischer Akkorde im Wechsel mit lieblichen Melodien einzelner Stimmen ergibt. Wie gesagt - den Sound von "Ágætis byrjun" trifft Touraton eigentlich recht genau. Einziges ungewöhnliches Klangelement ist eine gelegentlich eingesetzte Orgel, die den Sound ganz nett bereichert, allerdings in der Produktion kaum hervorgehoben wird.

Mit der Produktion hängt auch das große "Aber" dieses Albums zusammen: Das Problem von "Songs In F" liegt nämlich sehr deutlich in der Inszenierung. Streicher, Bläser und Rhythmen stammen offenkundig aus dem Keyboard bzw. der Konserve und klingen entsprechend künstlich und nach Plastik. Die Musik klingt hiermit sehr artifiziell und leblos, und es wirkt sich in jeder Hinsicht nachteilig aus, dass Touraton alleine auf die Reise gegangen ist. Immerhin erzeugt dieser Gegensatz aus (angestrebtem) Naturalismus (bei den Vorbildern) und der gänzlich unnatürlichen Aufmachung bisweilen einige kuriose Effekte, wenn beispielsweise "bAck to jokulsArlon" nach gut fünf Minuten einen geradlinigen Rhythmus mit einer wuchtigen, aber eben unpassenden 80er-Produktion einbringt.

Neben diesen klanglichen Schwächen treten ein paar kompositorische Mängel ein wenig in den Hintergrund. Diese bestehen darin, dass praktisch alle Stücke Stücke nach ihrer vorübergehenden Steigerung (über sich wiederholenden Phrasen und Akkordfolgen, btw) und dem anschließenden Abflauen einfach noch mal von vorne beginnen und dann nach der neuerlichen Steigerung einfach bis zum Ende im Kreis laufen ("bAck to jokulsArlon") oder nervig lange im Exzess verharren ("thousAnds of comets Are fAlling down on eArth"). Auch wäre zu kritisieren, dass interessantere, von der Norm abweichende Elemente zwar aufgeworfen, dann aber kaum weiterverfolgt werden. Das wäre beispielsweise der ruhige Part nach 4:30 in "thousAnds of comets...", in dem merkwürdige Gesangs-Samples über Klavierakkorde und ein Glockenspiel-Motiv gelegt werden, oder jene Abzweigung in der zweiten Wiederholung von "being steindor Andersen", in der tiefe, perkussive Akkorde auf dem Klavier jeweils von den Bläsern "beantwortet" werden - in beiden Fällen kehrt danach der gewöhnliche Postrock wieder ein.

Immerhin fällt mit "oceAns" ein Stück weitestgehend aus dem unter-mediokren Rahmen. Ein grooviges Klaviermotiv und kratzige Soundeffekte ergeben einen spannenden Einstieg, auch wenn es mit dem Einsetzen von Schlagzeug und Gitarre wieder grenzwertig zuckrig wird und eine interessante Wartezustand-Passage um 2:00 herum wieder zu gediegenenen Plastik-Streichern führt. Nach 4:00 dagegen gibt's mit einem bedrohlichen Bassrhythmus, einem Schlagzeug-Ausbruch und düster-tiefen Bläsern wesentlich (!) spannendere Musik, die sich in einer Klangwand aus Klavier und Streichern entlädt (auch wenn's in dieser Form sehr an diesen "Matrix"-Titel "Clubbed To Death" von Rob Dougan erinnert), und das Echogitarren-Outro ist da nur konsequent.

Das wäre dann ein kleiner Lichtblick für "Songs In F" und heklAa generell. Scheinbar ist hier doch mehr drin als die prinzipiell nette, aufgrund der Provinztheater-Produktion aber ansonsten indiskutable und ansonsten halt ziemlich epigonale Sigur-Rós-Kopie. Angesichts der massiven, mithin esoterisch aufgebauschten und teils bedenklich nah an völkischem Gedankengut manövrierenden Verklärung, die das kleine Island aktuell sonst so in jedem nur erdenklichen Zusammenhang (Fußball-EM 2016, erinnert sich noch wer?) erfährt, täte auch ein Sébastien Touraton schließlich gut daran, einmal neue Töne für so etwas zu finden.

Anspieltipp(s): oceAns
Vergleichbar mit: es wäre gerne Island, ist aber eher die Uckermark oder die Wesermarsch
Veröffentlicht am: 15.6.2017
Letzte Änderung: 14.6.2017
Wertung: 7/15
"oceAns" reißt es um ca. ein Pünktchen in die Höhe

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