SUCHE
Erweiterte Suche
NEUE REZENSIONEN
14.12.2017
Isproject - The Archinauts
Isildurs Bane - Off the Radar
PuzzleWood - Gates of Loki
13.12.2017
World Trade - Unify
Squartet - Adplicatio Minima
12.12.2017
Acqua Fragile - A New Chant
Spock's Beard - Snow Live
Opeth - Opeth/Enslaved Split EP
11.12.2017
Syd Barrett - The Madcap Laughs
The Perc Meets The Hidden Gentleman & The Lavender Orchestra - Praha
Lesoir - Latitude
10.12.2017
LEF - HyperSomniac
Intervals - The Way Forward
Sairen - Ultima Lux
9.12.2017
Emerson, Lake & Palmer - Brain Salad Surgery
Bernocchi, FM Einheit, Jo Quail - Rosebud
8.12.2017
Paranight - Into the Night
Starsabout - Halflight
ARCHIV
STATISTIK
24176 Rezensionen zu 16526 Alben von 6435 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Amplifier

Trippin' with Dr. Faustus

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: HardRock; Independent / Alternative; New Artrock
Label: Rockosmos
Durchschnittswertung: 8.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Sel Balamir guitar, vocals
Matt Brobin drums
Steve Durose guitar, vocals
Alex Redhead bass, vocals

Gastmusiker

Beth Bishop guest vocals

Tracklist

Disc 1
1. Rainbow Machine 6:27
2. Freakzone 8:23
3. Kosmos (Grooves of Triumph) 6:42
4. The Commotion (Big Time Party Maker) 6:09
5. Big Daddy 5:15
6. Horse 6:41
7. Anubis 3:45
8. Supernova 4:35
9. Silvio 5:20
10. Old Blue Eyes 6:10
Gesamtlaufzeit59:27


Rezensionen


Von: Christian Rode @ (Rezension 1 von 2)


Scheußlich, absolut scheußlich! Auch mit diesem Album bewerben sich Amplifier wieder auf den begehrten Titel „Scheußlichstes Cover des Jahres“. Und auch musikalisch schließt die Band bündig an den Vorgänger „Mystoria“ an. Diesmal geht es soundmäßig stärker in die späten 60er/frühen 70er mit fett bratzelnden, verzerrten, rockenden Gitarren. Der Indie-Bezug bleibt gleichwohl erhalten und der Spagat zwischen Retro und Moderne gelingt sehr gut, da nichts irgendwie altbacken klingt.

Die Mischung aus rockiger Härte und Melodiosität kommt historisch gesehen aus der Richtung Who oder Kinks. In der jüngeren Gegenwart lassen sich vielleicht die Kollegen Oceansize oder Hypnos 69 als Referenz nennen. Es kommt auch durchaus etwas Stoner-Feeling auf. Aber Amplifier schaffen in diesem Geflecht ihren ganz eigenen Mix. Und ich wage mal die These, dass der Leser dieser babyblauen Seiten mit „Trippin‘ with Dr. Faustus“ noch besser bedient sein dürfte als mit „Mystoria“, das noch stärker im Indie-Sound der 80er/90er verhaftet war.

Besonders die Gitarren kommen schön wuchtig rüber auf einem stabilen Fundament von Bass und Drums. Dabei wird aber auch immer schön Raum für allerlei leicht psychedelisch Verspieltes und vor allem schön griffige Refrains gelassen. Zum Ende hin wird es mit „Anubis“ und „Supernova“ auch ruhiger und spaciger. Und das alles perfekt abgemischt und mit viel Spielfreude aus den Boxen fließend und dröhnend.

In memoriam: Beim Hören dieses Albums musste ich immer wieder an unseren Anfang des Jahres überraschend verstorbenen Kollegen Thomas Kohlruß denken, der über viele Jahre eine tragende Säule der BBS war. Dies kommt vielleicht daher, dass Amplifier eine der Bands war, die Thomas ebenso wie ich von Anfang an viele Jahre lang oft gemeinsam besprochen haben. Dies wird nun die erste Amplifier sein, die er nicht mehr besprechen kann. Erinnerung macht sich auch an Musik fest und Musik hält Erinnerung wach.

Anspieltipp(s): Rainbow Machine, The Commotion
Vergleichbar mit: The Who, Hypnos 69
Veröffentlicht am: 7.8.2017
Letzte Änderung: 8.8.2017
Wertung: 12/15

Zum Seitenanfang

Von: Nik Brückner @ (Rezension 2 von 2)


"Ich wage mal die These, dass der Leser dieser babyblauen Seiten mit „Trippin‘ with Dr. Faustus“ noch besser bedient sein dürfte als mit „Mystoria“" Das schreibt Kollege Christian oben. Und ich wage mal die These, dass ein anderer Leser dieser babyblauen Seiten mit „Trippin‘ with Dr. Faustus“ überhaupt nicht gut bedient sein dürfte, weil er „Trippin‘ with Dr. Faustus“ nicht für Progressive Rock hält. Schlicht und einfach.

"Schlicht" und "einfach" sind die beiden Stichwörter hier. Progressive Rock ist heute eine Stilbezeichnung, aber damals, als der Begriff aufkam, bezeichnete er Musik, die wirklich progressiv war, und zwar in dem Sinne, in dem sie über die schlichte und einfache Popmusik der 60er Jahre hinausging. Und das in jeder Beziehung: Zum Beispiel, was die Länge der Stücke anging. Die ersten richtigen Progbands gaben damals zu Protokoll, dass es ihnen nicht genüge, Stücke einfach durch lange Soli zu verlängern, sie wollten lange Stücke komponieren. Damit einher ging dann ganz automatisch, dass die Strukturen ihrer Stücke komplexer wurden. Und man dehnte die populäre Musik auch in anderer Hinsicht aus: Ein Schlagzeuger, der sich die Mühe gemacht hat, zu lernen, wie man in anderen Taktarten als den üblichen spielt, möchte das auch tun. Ein Keyboarder, der neben Rock auch Jazz, Klassik und Honky Tonk spielen kann, der möchte das auch tun. Ein Gitarrist, der neben Rock und Jazz auch Country kann, der möchte das auch tun. Und ein Bassist, der neben all dem auch Funk beherrscht - ich glaube, es wird klar. Darüber hinaus experimentierte manche Band mit neuen Sounds, andere mit neuen Formen, oder alten, wieder andere mit anspruchsvollen Texten oder Ideen vom Gesamtkunstwerk.

In all diesen Punkten war der Progressive Rock progressiv. Später, als sich der Stil zu seiner vollen Blüte entwickelt hatte, war er das nicht mehr, aber die stilistischen Merkmale, an denen man ihn erkennen konnte, blieben: die kompositorischen Mittel rhythischer, harmonischer oder struktureller Komplexität, die Kombination als inkompatibel angesehener Elemente, die intertextuellen Bezüge zu anderen Musiken, die Abkehr vom Repetitiven der Popmusik. Wie sollte man ein Genre überhaupt wiedererkennen, wenn es sich ständig verändern würde?

Wenn also jemand „Trippin‘ with Dr. Faustus“ (oder irgendein Amplifier-Album) nicht für Progressive Rock hält, dann vielleicht deshalb, weil es diese stilistischen Merkmale nicht aufweist. Weil es schlicht und einfach ist. Deshalb schreibt Christian oben auch fast nur über den Klang des Albums, und weniger über die Kompositionen, denn die sind fast durchgehend vollkommen simpel gestrickt: 4/4-Takte, 08/15-Harmonik, simple Melodien. Für nahezu nichts auf dem Album braucht es einen Progressive Rock als Quelle, man kann all das aus gängiger Rockmusik entlehnen. "Horse" zum Beispiel, das mir gut gefällt, da höre ich Blues in der Melodie, Rock in den Riffs, die Beatles im mehrstimmigen Gesang. Das Stück ist passagenweise leicht angeschrägt, aber nicht in dem Sinne, dass man das aus dem Prog entlehnen müsste. Und wenn hier und da mal ein Schlag mehr erklingt, und aus einem geraden 4er einen krummen 5er macht, dann ist das nett, aber nicht mehr als die Schwalbe, die allein noch keinen Sommer macht. Kurz: Das ist kein Prog, allenfalls Tellerrandmusik, die man halt auch mögen kann, wenn man Prog mag.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Oceansize, Cripled Black Phoenix, Riverside, Big Elf, die machen alle so Musik.
Veröffentlicht am: 18.8.2017
Letzte Änderung: 18.8.2017
Wertung: 5/15
Nicht alles, das nach den 70ern klingt, ist deshalb gleich Progressive Rock.

Zum Seitenanfang

Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Amplifier

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2005 Amplifier 10.50 2
2005 The Astronaut Dismantles HAL 9.00 1
2006 Insider 8.00 1
2009 Eternity 11.00 1
2011 Fractal 8.00 1
2011 The Octopus 13.00 2
2013 Echo Street 12.00 2
2013 Sunriders EP 11.00 1
2013 Live in Berlin 11.00 1
2014 Mystoria 11.50 2
2014 Residue 10.00 1

Zum Seitenanfang

© 1999-2017; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum