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Christian Fiesel

Ode To AEM

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2012
Besonderheiten/Stil: Ambient; Moderne Electronica
Label: Spheredelic
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

Chrstian Fiesel

Tracklist

Disc 1
1. Ode To AEM 39:22
Gesamtlaufzeit39:22


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Bevor es mit der Beschreibung der Musik losgeht, eine kleine Anekdote: Christian Fiesels "Ode To AEM" wurde 2012 über das Netlabel Spheredelic veröffentlicht und ist dort weiterhin kostenlos in Downloadform erhältlich. Unlängst hingegen erreichte mich dieses Album (nebst einigen weiteren Fiesel'schen Produktionen) aber als Cardsleeve-CD, begleitet von einem erläuternden Schreiben, in dem Fiesel nicht nur auf den Hintergrund dieser Scheiben einging, sondern obendrein auch noch den Wunsch nach einem "interessierten freundlichen Rezensenten" formulierte, "der Spaß an krautiger und schräger Elektronik findet." Dem gehe ich doch mal nach, und merkwürdigerweise kam mir "Ode To AEM" sogleich bekannt vor. Des Rätsels Lösung? Die Downloadversion habe ich, wie mir eine einschlägig bekannte Hörstatistik-Webseite mitteilte, von 2012-2015 immerhin schon zwölf Mal gehört. Somit habe ich also schätzungsweise acht Stunden meines Lebens nur mit diesem Album verbracht - interessant.

Neu war mir hingegen, dass "Ode To AEM" den Angaben zufolge letztlich auf einem extremst verfremdeten Sprach-Sample aus einer Griechenlandkrisen-Rede Angela Merkels basieren soll, woraus dann Ambient-Klänge wurden - hätte ich doch damals schon den Schrieb zum Album gelesen. Ob das auch die Abkürzung im Titel erklärt? Frau Merkel heißt mit zweitem Vornamen jedoch "Dorothea", insofern passt "AEM" nicht direkt. Aber bevor ich noch weitere Worte und Spekulationen zu dieser bei allen bisherigen Leistungen 2012 ebenso wie heute umstrittenen Person (Angela Merkel, nicht Christian Fiesel) verliere, widme ich mich dann doch besser dem, was hier zu hören ist.

39 Minuten hat der Hörer hier zu bewältigen - keine leichte Aufgabe, wenn man die Vokabel "Ambient" hört, und tatsächlich beginnt "Ode To AEM" mit allerlei Sounds zwischen hohem Pfeifen und einen tiefen, voluminösen Heulen, und diese Klänge prägen natürlich auch den, ähem, Rest des Stücks. Abseits davon ist Christian Fiesel aber schon ein bisschen weiter und würzt diesen Ablauf doch mit allerlei wandlungsreichen Zutaten. So gibt es schon in den ersten zwei Minuten immer wieder mal konkrete Tonfolgen in der Höhe (vage Assoziation: Das "The Ladder"-Intro), weiterhin branden immer wieder mal andersartige Tonspuren wie aus dem Nichts auf und treten somit auf ähnliche, verblüffende und mysteriöse Weise auf wie ein Tiefseefisch, der aus dem Dunkel kommt, im Scheinwerferlicht eine Runde dreht, aufblitzt und wieder verschwindet. Entsprechend spannend ist die Musik zu verfolgen - man hört aufmerksam zu und hat keinen Schimmer, was als nächstes passieren wird.

Weiter lassen sich - auch das wird natürlich in den Erläuterungen zur Musik erwähnt - durchaus Strukturen ausmachen, und das fängt an, sobald bei 5:44 eine markante Basssequenz einsetzt, der sich dann alles unterordnet - hinzukommen aber scheppernd-perkussive Soundeffekte. Nach gut elf Minuten verschwindet die Sequenz hingegen erst mal zugunsten einer anderen, mittelhoch summenden Tonfolge, die aber alsbald von rhythmischen Industrial-Sounds geschluckt wird, die klopfen, klackern und stampfen. Nach gut 17 Minuten ist auch das vorüber, stattdessen setzt die Periode eines rhythmisch knirschenden Glitch-Soundeffekts ein, begleitet von klanglich mehr oder weniger intensiven Harmonien. Um 22:00 herum transformiert sich der Rhythmus zu einem dumpfen, diffusen Wummern, etwas später gibt es eine Zuspitzung mit hohen, pfeifenden Tönen und schnellen, chromatischen Sounds, gefolgt von einer Entspannung... und nach gut 28 Minuten betritt die altbekannte Basssequenz ein weiteres Mal die Bühne, diesmal in Begleitung von allerlei sporadisch und plötzlich auftretenden SciFi-Sprachsamples. Das transformiert die Spannung auf eine andere Ebene, hält die Intensität bei allem Minimalismus hoch und leitet nach gut 33 Minuten zum buchstäblichen Finale über, in dem weitere bekannte Stimmen aus früheren Passagen übereinandergelegt werden, was den Abschluss somit recht gehaltvoll gestaltet.

Wie gesagt: Es lassen sich also einige sinnvolle Entwicklungen und eine Art dramatischer Verlauf aus Steigen und Fallen ausmachen, und immer wieder würzt Fiesel den Ambient-Hintergrund eben mit quasi musikalischen, dabei aber recht eigenen Mitteln. Nicht verschwiegen werden sollte allerdings, dass die Musik bisweilen, etwa in dieser Industrial-Passage nach gut zwölf Minuten oder eben beim zweiten Bass-Abschnitt recht minimalistisch geraten ist - was natürlich bei diesem Stil nicht überrascht. Jedoch wird dieser Minimalismus unterschiedlich genutzt: Im ersten beschriebenen Fall klingt es für meinen Geschmack zu abstrakt, der zweite hingegen - das war der mit diesen Weltraum-Samples - ist dagegen trotzdem ziemlich spannend ausgefallen. Auch für das gesamte Album überwiegt dieser positive Eindruck dann letztlich: Zwar ist "Ode To AEM" faktisch karge Ambient-Musik, andererseits hat Christian Fiesel hier aber eben einiges herausgeholt und die Spielzeit nicht etwa mit einer beliebigen Klangcollage gefüllt, sondern mit einem tatsächlich schlüssig aufgebauten Longtrack. Und das ist ja keine Selbstverständlichkeit.

Anspieltipp(s): Anfang bis Ende
Vergleichbar mit: einer Choreografie von Tiefseefischen
Veröffentlicht am: 11.8.2017
Letzte Änderung: 12.8.2017
Wertung: 11/15
Besser als Angela Merkel!

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Christian Fiesel

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2012 A Passage Through Time 10.00 1
2013 After the Flood 10.00 1
2013 Signal For Fire 10.00 1
2013 Smile With An Ambience 10.00 1
2015 The Hunting Game 10.00 1
2015 This Is The Dark House 10.00 1
2015 The Forrest 11.00 1
2015 Mechanic Falls 10.00 1
2017 Hagen's Delight 10.00 2

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