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Alpha Male Tea Party

Health

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: instrumental; HardRock; Independent / Alternative; Postrock; Progmetal; sonstiges
Label: Big Scary Monsters
Durchschnittswertung: 10.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Tom Peters
Ben Griffiths
Greg Chapman

Tracklist

Disc 1
1. Have you ever seen milk 6.29
2. Ballerina 3.14
3. The Museum of Walking 3.45
4. Nobody had the Heart to tell him he was on fire 3.21
5. Don't you know who I think I am 5.10
6. Powerful and Professional 3.54
7. Carpet Diem 4.34
8. Some Soldiers 4.56
9. I still live at Home 4.03
10. No more 4.08
Gesamtlaufzeit43:34


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 1 von 2)


Diejenigen, die der auf den Klängen der 70er Jahre basierenden Prog-Definition noch immer nachhängen möchten, brauchen eigentlich nicht weiterzulesen. Denn die Musik von Alpha Male Tea Party könnte wohl als ungeliebtes „Alternativzeugs“ gelten, falls man sich als musikalisch Konservativer geben möchte.

(Obwohl, die stilistische Ausrichtung von „Health“ scheint mir mehr dem Progmetal, als etwa Alternative Rock zu verdanken. Auf der anderen Seite können die Grenzen zwischen hart und treibend gespieltem Alternative Rock, Hardrock und Progmetal auch fließend sein).

Die neuere (und hoffentlich auch passendere) Prog-Definition besagt vielmehr, dass es auch ausreicht, komplexe Rock-Kompositionen zu kreieren und sich zu Mathrock, oder Ähnlichem zu bekennen, um als „Prog“ durchzugehen.

Das Bass/Schlagzeug/Gitarre-Trio aus Liverpool bezeichnet die eigene Musik gerne als alternativen und progressiven Mathrock. Ich möchte die Klänge auf dem dritten Vollzeitwerk von AMTP als eine riff- und gitarrenorientierte Mischung aus Hard-, Post-, und Progrock einordnen, die genügend kompositorische Kniffe aufweist, um auf diesen Seiten ihre Erwähnung zu finden. Einige Gitarrenriffs zeigen in ihrer Komplexität eine gewisse Nähe zu Progmetal und Djent, gleichzeitig warten derart viele Wendungen, Übergänge und krumme Rhythmen auf den Hörer, dass ich da eine geistige Verwandschaft mit dem Modern Prog in der Art von Mars Volta herauszuhören glaube. Der nächste Einfall kann wiederum Melancholisches in der Postrock-Tradition bereithalten.

Interessant auch zu verfolgen, wie vielfältig der Gitarrist seine Sounds gestaltet. Von Riffs zwischen gemäßigt hart und brachial, über jazzige Akzente, stark verzerrte Postrock-Klänge, bis hin zu der Verwendung vom Gitarren-Synthesizer.

Nach einem fast durchgehend instrumentalen Album erklingt im abschließenden „No more“ innerhalb der letzten Minute plötzlich und unerwartet der melodische, Songstrukturen vermittelnde Gesang.

Die Freunde der intelligent gemachten Rockmusik und des einfallsreich gestalteten Progmetal mit einer starken Mathrock-Schlagseite sollten „Health“ auf jeden Fall mal antesten. Wer aber schon die Instrumental-Gruppen wie Long Distance Calling zu kopflastig fand, der wird auch mit Alpha Male Tea Party nicht viel anfangen können.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 11.8.2017
Letzte Änderung: 11.8.2017
Wertung: 10/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 2 von 2)


Siggy greift in seiner Rezension eine Diskussion auf, in der vielleicht nicht jeder drinsteckt (und für die die Babyblauen Seiten – leider – ein denkbar schlechtes Forum sind). Vor einigen Jahren begann man in angloamerikanischen Prog-Publikationen, und zwar vornehmlich in solchen, die etwas kosten, damit, auch Bands zu fietschern, die keine Progbands waren. Begründet wurde das zunächst mit der großen Offenheit des Progfans, bzw. einer Horizonterweiterung, später hieß es dann, der Progressive Rock habe sich in der zurückliegenden Zeit erheblich verändert – und damit auch der Progbegriff. Tatsächlich standen aber ganz andere Gründe dahinter: Da gab es zum Beispiel ganz handfeste wirtschaftliche Notwendigkeiten: Ein Prog-Magazin einzig und allein über den Verkauf an die zahlenmäßig doch recht kleine Prog-Gemeinde finanzieren zu lassen, ist ein großes Risiko. Anderswo wurde aus dem Gedanken "Ich mag Prog" der falsche Umkehrschluss gezogen: "...also ist alles, was ich mag, Prog". Na, und hin und wieder war auch der Herausgeber eines Genre-Organs mal mit der einen oder anderen Powermetal-Band befreundet... Und weil alles, was im angloamerikanischen Raum geschieht, nach ein paar Jahren auch bei uns geschieht, wurden bald auch bei uns Bands zum Prog gezählt, die mit Yes, ELP, Genesis oder King Crimson nichts, aber auch gar nichts zu tun hatten. Als Brücke mussten dann zum Beispiel Pink Floyd herhalten, eine Band, die auf einer Handvoll Alben mal Progelemente aufgenommen hat, abseits davon aber einfach keine Progband gewesen ist. Dann veränderte sich auch noch das Eclipsed-Magazin vom Progmagazin zu einem Classic-Rock+Prog-Magazin, ohne dass die Grenze zwischen Classic Rock und Prog klar gemacht wurde - und heute treten auf der Loreley neben veritablen Progheroen auch Bands auf, die eine Viertelstunde lang drei Akkorde wiederholen (mystische Akkorde, zugegeben), bei denen manche Fans kopfschüttelnd das Areal der Freilichtbühne verlassen, um einen Spaziergang zur Spitze des Felsens zu machen, bis wieder "eine richtige Progband" auftritt.

Vermutlich sind das die, die Siggy die musikalisch Konservativen nennt? Vielleicht. Darunter sind sicher viele, die jenseits der genannten Klassiker kaum eine jüngere Band zum Prog zählen lassen wollen. Darunter sind aber auch andere, die jenseits des ganzen Mysts die drei Akkorde hören, und einfach nicht dazu bereit sind, Musik mit drei Akkorden zum Prog zu rechnen. Vielleicht weil ihnen einst von Yes, ELP, Genesis, King Crimson – oder Dream Theater, Spock's Beard, den Flower Kings oder sonstwem – beigebracht wurde, dass Prog eine Musik ist, die sich jenseits von drei Akkorden bewegt. Wer nämlich weiß, dass all diese Bands Progbands sind, obwohl sie alle total verschieden klingen, der weiß gleichzeitig automatisch auch, dass Prog, anders als viele andere populäre Musikrichtungen, wie etwa Metal, Folk, Pop oder Alternative, nicht durch den Klang, sondern durch tiefenstrukturelle Merkmale gekennzeichnet ist: Rhythmus, Harmonik, Melodik, Struktur, und das Verhältnis dieser Mittel zu dem ästhetischen Zweck, den sie innerhalb eines Songs erfüllen. Prog kann damit klingen wie Metal, Folk, Pop oder Alternative, und trotzdem immer Prog sein. Er ist damit, wie wir alle gern sagen, eine Musik, bei der man genauer hinhören muss. Aber man muss eben auch genauer hinhören.

Lassen wir uns also nicht spalten. Es geht bei dieser Disku nicht um die Frage, ob konservativ oder nicht, es geht vielmehr darum, ob die eigene Definition einerseits klar und andererseits belastbar genug ist, um sich nicht alle mögliche Musik als Prog verkaufen zu lassen. Und es geht darum, diese anderen Musiken zu kennen, damit man sie in dem Moment, in dem sie einem als Prog verkauft werden sollen, als das erkennt, was sie wirklich sind. Ansonsten verwässert alles. Wir können natürlich sagen, dass Grenzen fließend sind, das stimmt ja auch, aber zu einer Ausrede darf das nicht werden. Sonst müssten wir hunderte, tausende Alben mehr rezensieren. Und Ihr Leser würdet Euch darüber wundern, was Ihr noch alles für Prog halten sollt.

Die Frage ist wichtig, und wir diskutieren sie meines Erachtens zu wenig. Deshalb ist es gut, dass Siggy sie angerissen hat. Die Ironie ist, dass nun ausgerechnet „Health“ von Alpha Male Tea Party diese Frage aufwirft, denn das ist mal ein lupenreines Progalbum – und zwar nach so ziemlich jeder Definition. Da gäbe es ganz andere Kandidaten, Ihr wisst schon, welche. Amplifier. Crippled Black Phoenix. Aber Alpha Male Tea Party? „Health“ mag nach Alternative klingen, nach Metal klingen, aber es ist doch ein tolles Progmetal-Album!

Klar, das ist keine Krummtaktorgie, aber eine Orgie ist es schon: Hier wird drauflosgerifft, was das Zeug hält, und krumme Takte gibt es genug. Siggy nennt die Musik "eine riff- und gitarrenorientierte Mischung aus Hard-, Post-, und Progrock", das trifft den Nagel auf den Kopf. Dass diese Mischung genügend kompositorische Kniffe aufweist, um auf diesen Seiten ihre Erwähnung zu finden, muss man nicht eigens erwähnen, denn die Gefahr der Verwechslung mit einer der berüchtigten Alternative-, Indie- oder Atmo-Bands, die allseits zum Prog erklärt werden, weil der so einen verwegenen Underdog-Ruch besitzt, ist nun wirklich gering. Siggy hat vollkommen Recht: Das Album gehört definitiv hierher. Auch wenn die Jungs von Alpha Male Tea Party nicht ununterbrochen polymetrisch daherriffen, die metrische und rhythmische Fantasie, die die drei an den Tag legen, ist erfrischend, die harmonischen Wendungen sind oft unerwartet, und die Stücke bieten (auch wenn sie ob der Instrumentierung für meinen Geschmack ein wenig zu einheitlich klingen) so viele Überraschungsmomente, dass das Album durchgängig Spaß macht.

Die drei Musiker von Alpha Male Tea Party funktionieren ganz perfekt zusammen, und erzeugen trotz ihres manchmal anarchischen Approaches eine dichte und technisch kompetente Musik, die trotzdem kaum je kopflastig klingt und immer kraftvoll und eingängig bleibt. Die Scheibe ist klasse.

Anspieltipp(s): Auch die anderen Alben und EPs mal anhören! Insbesondere "Droids"!
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 12.8.2017
Letzte Änderung: 18.8.2017
Wertung: 11/15

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