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Forever Twelve

Taking Forever

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2010
Besonderheiten/Stil: RetroProg
Label: Eigenverlag
Durchschnittswertung: 10/15 (1 Rezension)

Besetzung

Steve Barberic keyboards
Tom Graham guitar, keyboards, bass, vocals
Cat Ellen lead vocals, flute, percussion
Kenny Hundt bass, keyboards, acoustic guitar, vocals
Fernando Martinez drums, percussion

Tracklist

Disc 1
1. To the Hill 8:41
2. Vanishing Us 5:01
3. Taking Forever 7:07
4. Nanda Devi 5:11
5. Vita Decessus 6:26
6. Wake Up 3:58
7. With You 6:42
8. Existence 7:26
9. Fine Glass 7:44
Gesamtlaufzeit58:16


Rezensionen


Von: Peter Meyer @


Vor ein paar Wochen erschien das vierte Studioalbum (Home) der sich hauptsächlich im südkalifornischen Raum herumtreibenden Band Forever Twelve. Der hier vorliegende Stream ist die digitale, datenreduzierte Version von dessen Vorgänger Taking Forever. Der Name dieses Werks ist Programm! Schließlich hat es mal wieder eine gefühlte Ewigkeit gedauert, bis nach dem zweiten Album (Remembrance Branch) das dritte draußen war, dann dauerte es erneut sieben Jahre bis zum vierten. Geht das so weiter, kommt im Jahre 2025 das fünfte heraus.

Was bedeutet nun eigentlich Forever Twelve? Die Frage, ob es so erstrebenswert ist, für immer zwölf zu bleiben ist einerseits abschlägig zu beurteilen, andererseits vollkommen unerheblich. Ich kenne allerdings einige Zeitgenossen/-innen (das muss hier gegendert werden!), die sich tatsächlich so benehmen, als seien sie zwölf geblieben.
Jetzt ist aber gar nicht so klar, ob es das ist, was der Bandname sagen will. Der Takt kann nicht gemeint sein, die Musik hat absolut nichts mit zwölftaktigem Bluesschema zu tun (Forever Twelve - toller Name für eine Bluesband!) Auch das Cover verrät erstmal nichts über die Absicht; zu sehen ist die Darstellung eines Baumes, dessen knorrige Wurzeln sich durch die brüchigen Mauern einer Art Tempelruine fressen und diese schließlich überwuchern. Die Abbildung wurde nicht sonderlich ambitioniert mit schwungvollen Strichen eines Malpinsels auf Karton oder Leinwand angelegt.
Aha! Wer genau hinsieht, entdeckt ein Ziffernblatt auf dem verfallenden Gemäuer, und - hallo! - die Zeiger sind auf 12 Uhr stehen geblieben. Ein Symbol für die stehen gebliebene Zeit! Yo, schließlich handelt es sich um RetroProg, da ist die Zeit allemal stehen geblieben.

Ist die Musik jetzt in ähnlicher Weise unambitioniert schwungvoll wie das Cover-Artwork?
Keineswegs. Der Eröffnungstrack To the Hill (8:41) zeigt bereits das volle Ausmaß der Mischung aus Orchestereinsatz, klassischen und modernen Prog-Elementen, formal und harmonisch vielschichtig, rhythmisch etwas unorganisiert, mit einem über vertrackte Metren hinwegfegenden Gitarrensolo.

Die (damals noch) fünf Kalifornier fügten ihrer Audioschichtung stellenweise mutig (und progressiv!) Geräusch-Sprengsel wie Babyquäken und bedrohliches Stimmengewirr hinzu. Bei der Instrumentierung finden sich die für RetroProg üblichen Verdächtigen: Piano, Hammondorgel, Synthesizerklänge mit Patina, also vintage, klagende Mellotronstreicher, Percussion und natürlich die Gitarren, sowohl elektrisch als auch akustisch. Sängerin Cat Ellen, die auch die Flöte zu bedienen weiß, erweitert das Klangspektrum in erfreulicher Hinsicht.

Siggy Zielinski hat in seinem Kommentar zum Nachfolger (Home, 2017) vollkommen Recht: Auf einigen Titeln steht groß „Influenced by The Flower Kings“ drauf. Besonders groß ist das bei Vita Decessus aufgedruckt. Natürlich fehlen die hervorstechenden King´schen Merkmale, die eigensinnige Neigung zu aller Art von schräger Kirmesmusik (z.B. alles, wo im Titel irgendwie „Brimstone“ vorkommt) und die gnarzigen Vocals von Mastermind Roine Stolt. Aus der einen oder anderen Passage können auch die frühen Genesis herausgehört werden.

Die Platte hat dann ihre großen Momente, wenn munter losgerockt wird, mit dem dramatischen Uptempo-Instrumental Vita Decessus, dessen ansprechenden Soli über einem geshuffelten Mittelteil, dem zweiten Instrumental Fine Glass mit Mellotron, Hammond, und Drumbreaks, Vanishing Us mit starken Vocals und hübsch unordentlicher Rythmisierung, Taking Forever, das sich durch ein jazziges Instrumentalintro, erhabene Pianopassagen und das knackige Bass-Solo abhebt.

Was fehlt? Die ganz starken Melodien und instrumentale Topleistungen, wie sie die Genregrößen (neben FK: Haken, Spock´s Beard, Transatlantic und Morse of the same) zelebrieren. Aber die Ensemble-Performance stimmt bis auf ein paar wenige unsaubere Stellen (Vokalharmonien und Keyboard-Timing), und die Arrangements sind in Ordnung. Der Gesang wirkt bei einigen Titeln (Nanda Devi, Wake Up, With You) irgendwann ein wenig - ähm - hypnotisch.
Vokalistin Cat Ellen packte nach den Aufnahmen ihre Flöte in den Koffer und verließ die Gruppe. Ihr Fehlen wird auf dem Folgeaalbum ein Handicap sein. Insgesamt am besten kommt der Bassmann rüber, aber der ist (laut Siggy) jetzt auch weg.

Anspieltipp(s): Vita Decessus, Fine Glass
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 14.9.2017
Letzte Änderung: 14.9.2017
Wertung: 10/15
Retro Prog mit human touch

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Forever Twelve

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