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Liquid Orbit

Liquid Orbit

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: live; Psychedelic; Spacerock
Label: Nasoni
Durchschnittswertung: 9.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Sylvia Köpke vocals
Anders Becker Hammond B3 Organ, Mellotron, E-Piano, Synthesizer
Andree Kubillus guitar
Ralf Höpken bass
Steve Wittig drums, percussion

Tracklist

Disc 1
1. Time Machine 6:45
2. Lost 10:10
3. Everyday Life Depression 7:01
4. Foul Deeds 7:54
5. Hope For a New Summer 8:50
Gesamtlaufzeit40:40


Rezensionen


Von: Peter Meyer @ (Rezension 1 von 2)


Bremen war schon immer etwas anders. Freier, ungezwungener, individueller. Da muss man sich nur die Häuser ansehen. Oder die Straßenbahnen. Oder mal zum Freimarkt gehen. Und jetzt das: „Psychedelic Underground“ aus der Hansestadt, Bremer Gegenkultur. Nun, dann mal los.

„Hallo, hier sprrricht Edgarr Wallace“. Auf diesen bekannten Einleitungssatz wartet man bei den ersten Klängen des zehnminütigen Lost, wenn die Hammondorgel furchteinflößende Geräusche von sich gibt.

Liquid Orbit beschwören nicht den Geist von Trivialautor Edgar, aber den der späten 60er Jahre und derer Protagonisten. Doors, Jefferson Airplane (Gesang!) und Grateful Dead lassen grüßen, die Zubereitung kann Spuren von Velvet Underground und Iron Butterfly enthalten. Weitere Ähnlichkeiten sind vorhanden, zu Rockbands dieser und der nächsten Dekade. Bands, deren Erzeugnisse gern wahlweise zu Cannabisderivaten oder einer Portion Lysergsäure-Diethylamid genossen wurden. Es ist alles so schön bunt hier, einschließlich der an die Wände projizierten Lichtgemälde. Die Langspiel-Version des Debüts ist passenderweise in farbigem Vinyl erhältlich, limitiert auf 300 Exemplare, zugreifen! Einige Orbitfans möchten ja unter dem Einfluss der Acidklänge „nackt um einen Baum tanzen“ - (nein, Genaueres möchten wir gar nicht wissen).

Der archaische Klangkörper wird im Wesentlichen bestimmt durch das Zusammenspiel von Orgel und Gitarre. „Ticke tocke, ticke tocke, Time Machine“: Das Gezeitengerät scheint auf Musiker eine eigenartige Faszination auszuüben (ua. auf Nektar, Grand Funk Railroad, Black Sabbath) Auch die Bremer Stadtmusikanten können nicht von ihr lassen. Die Zeitmaschine verursacht etwas eindeutig Anachronistisches, aber mit klarer Ansage. Hammondgewirbel und Stoner-Rock-Elemente mit 60s Crunch Distortion, viel Reverb und etwas Delay erzielen einen psychedelischen Stilmix, purple-esque. Im Intro von Everyday Life Depression wird sogar ganz unverblümt mit unser aller Lieblingsriff kokettiert. Lennon/McCartney zu Abbey Road Zeiten schimmern auch kurz durch (ebendort). Mit Hope For a New Summer muss der „Summer of 67“ gemeint sein, love is all you need.

Frauengesang in hohen Lagen, im langsamen Mittelteil von Time Machine und auch anderswo (Lost, Hope For a New Summer), dürfte für einige Hörer als Attribut für diese Art von Musik etwas gewöhnungsbedürftig sein. Zudem erscheint es so, als würde die Dame einige Töne nicht treffen. Das kann natürlich auch gewollt sein und voll im Profil des sechziger Unschärfebereichs liegen, unfocussed vocals, sozusagen. Dabei sollte bedacht werden, dass es sich um eine Liveeinspielung handelt, wenn auch nicht um einen Konzertmitschnitt.

Die fünf Songs kommen dort am besten rüber, wo es in die Instrumentalimprovisationen geht, mit Figuren, die irgendwo im Bluesrock wurzeln und mit psychedelischen Ingredienzen angereichert werden, etwa kräftigen Wah-Wah oder Leslie-Effekten. Die Soli (Gitarre, Orgel, E-Piano) sind vornehmlich in pentatonischen Skalen gehalten, zwar tausendmal gehört, hier in eine ziemlich andere Landschaft hineingesetzt. Schön „Vintage“ ist auch das Arsenal des Keyboarders: Neben der klassischen Hammond B3 sind Fender Rhodes, Mellotron und zwei relativ seltene monophone Synthesizer (Foul Deeds, Hope For A New Summer), die ua. auch Jean-Michel Jarre benutzte (Korg MS-20 und Korg Sigma), zu hören.

In der Liquid Orbit Musik ist viel „Krautiges“; die Zeiten in denen das Stigma „Krautrock“ auf eher dilettantische Artisten mit limitierten Fähigkeiten hinwies, sind allerdings lange vorbei. Wir ersetzen einfach das „P“ in „RetroProg“ durch ein „R“, dann stimmt´s genau.

Anspieltipp(s): Everyday Life Depression
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.10.2017
Letzte Änderung: 9.10.2017
Wertung: 8/15
dermaßen regressiv, dass es schon wieder progressiv ist

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Von: Marc Colling @ (Rezension 2 von 2)


Wenn eine Band bereits als DIE neue Band im psychedelischen Progrock mit Spacerockflair angekündigt wird und ihren Opener auf ihrem Debüt auch noch TIME MACHINE nennt, dann erwarte ich natürlich auch, dass dieser Track mich in die glanzvollen Zeiten der 70'er beamt. Also sollte er genügend Krau(f)t enthalten, ganz im Sinne der damaligen Zeit. Nun, meine noch verbliebenen Haare standen steil nach hinten als die Hammondorgel einsetzte und die treibende Rhythmussektion mir um die Ohren blies. Das war eine Zeitreise wie im angekündigten Hyperlooper, nur ohne Vorwarnung den Gurt doch bitte anzulegen. Roh, ungeschliffen, schroff und eben deshalb unwahrscheinlich warm im Sound. Das passt als Opener und macht neugierig.

Der psychedelische Beginn von LOST, wo Sylvia Köpke mit ihrer eigenwilligen Stimme erstmals richtig auffällt, zeigt die Band von ihrer proggigen Seite und die Musiker zeigen ab Mittelteil ihr Können bei diversen Soli. Das ist schräg und stellt die Band in eine spacig-proggige Ecke im Gegensatz zu vielen in den letzten Jahren bekannt gewordenen Bands aus der Bluesrock-Ecke mit weiblichen Stimmen wie Wucan, Blues Pills und Pristine. EVERYDAY LIFE DEPRESSION wirkt dann fast filigran und zerbrechlich. Der jazzige Unterton und die Hammondorgel lassen Erinnerungen aufsteigen an Zeiten, wo Improvisation und Jam zum guten Ton gehörten. Klingt nach Renaissance, wobei man die Stimme von Sylvia Köpke mit der von Annie Haslam nicht nur in diesem Song durchaus vergleichen kann.

FOUL DEEDS ist leicht schwächer, kann sich nicht recht zwischen Rock, Blues und Prog entscheiden. Das wirkt etwas konstruiert und hat nicht den Flow der anderen Tracks. Dennoch ist das Keyboardsolo im Mittelteil allererste Sahne. Dann der Abschlusstrack HOPE FOR A NEW SUMMER. Langer sphärischer Beginn, dann schleppendes und schweres Riff und die elfenhafte Stimme der Sängerin drüber gelegt. Wir wissen, dass die Welt schlecht ist, die Musik drückt es gnadenlos aus mit ihren dunklen Akkorden. Da tut die Stimme von Köpke gut, die das Licht in die Dunkelheit der Riffs bringt. Zum Schluss geleitet uns eine Flöte und eine epische Gitarre hinaus auf den hellen Weg. So in etwa klingt der Song zum Abschluss der CD.

Der Band aus Bremen ist hier ein kleines Meisterwerk gelungen. Ein Album in einer solchen Frische und rohen Kraft aufzunehmen, dazu gehört schon eine Portion Mut. Das dürfte jeden Krautrockfan der 70'er ansprechen und darüber hinaus auch noch die Fraktion der Hardrockliebhaber von Deep Purple, Uriah Heep und anderen in deren proggigen Phasen. Der Livesound passt hervorragend und verleiht Authentizität.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.10.2017
Letzte Änderung: 20.10.2017
Wertung: 11/15
Tendenz klar zu 12, für Fans der Spacerock/Psychedelic/Kraut-Fraktion ein echter Tip

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© 1999-2017; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Haftungsausschluss
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