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Amorphis

Far From The Sun

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2003
Besonderheiten/Stil: Gothic; Independent / Alternative; New Artrock; Psychedelic
Label: EMI
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

Pasi Koskinen Gesang
Esa Holopainen Gitarre
Tomi Koivusaari Gitarre
Santeri Kallio Keyboards
Niclas Etelävuori Bass
Jan Rechberger Schlagzeug

Tracklist

Disc 1
1. Day Of Your Beliefs 5:04
2. Planetary Misfortune 4:27
3. Evil Inside 3:57
4. Mourning Soil 3:47
5. Far From The Sun 4:00
6. Ethereal Solitude 4:30
7. Killing Goodness 3:55
8. God Of Deception 3:38
9. Higher Ground 5:39
10. Smithereens 4:51
Gesamtlaufzeit43:48


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Hier haben wir wieder einen Spezialfall: Bei Umfragen unter Amorphis-Fans positioniert sich "Far From The Sun" regelmäßig ziemlich weit unten in der Hierarchie der Alben. Woran das liegen mag? Vielleicht an der üblichen Mainstream-Feindschaft: Nur dieses eine Album wurde über EMI verlegt, zudem grassierte zu dieser Zeit ja immer noch die Assoziation von Amorphis mit zeitgenössischem Gothrock. Personelle Gründe sind ebenfalls denkbar: Am Schlagzeug kehrte Jan Rechberger zurück, nach diesem Album wiederum sollte sich Sänger Pasi Koskinen (der hier übrigens zeitweise doch ein bisschen unmotiviert klingt) verabschieden, und die Liste mit "Produzenten" ist auf "Far From The Sun" bedenklich lang. Hickhack scheint also im Rahmen des Möglichen gelegen zu haben, was sich nach dieser Theorie auf die Qualität der Musik niedergeschlagen hätte...

...aber ich sehe das anders, denn mir gefällt "Far From The Sun" überraschend gut. Bevor ich hier gleich mein volles persönliches Urteil ausbreite, sollte ich aber besser erst mal wieder auf die Substanz eingehen, von der "Far From The Sun" zieht. In stilistischer Hinsicht hat die Band jedenfalls schrittweise an Härte zurückgewonnen bzw. dieses Element ausdifferenziert. Es gibt jedenfalls voll rockende Songs wie "Day Of Your Beliefs", "Planetary Misfortune" oder "Killing Goodness", andererseits ruhigere, fast verträumte Sachen wie "Mourning Soil" und "Ethereal Solitude" und natürlich Lieder, die in unterschiedlichen Passagen beide Enden dieser Skala abedecken - wie eben "Evil Inside", der Titelsong oder "Higher Ground". Interessanterweise wird die Band auch wieder etwas verspielter und bringt öfters mal ungewöhnlich polyphone Passagen ein, beispielsweise in "Evil Inside" oder "Ethereal Solitude".

Den auf den Vorgängeralben gewonnen Psychedelic-Sound behält man indes in gleichfalls konzentrierter Form bei: Neben den gewohnt sumpfig angelegten Begleitungen durch Gitarre und Keyboards fallen hier beispielsweise die balladeske Strophe von "Mourning Soil" und die lange Sitar-Einleitung von "Higher Ground" auf. "Ethereal Solitude" verdient nochmals eine gesonderte Erwähnung, denn nach dem "Welcome To The Machine"-verdächtigen Intro gibt es in der Strophe einen Reggae-Rhythmus auf Klavier und massivem Bass, aber weiterhin diese bizarren Soundscapes dazu (heute wäre das wohl was für Leprous-Fans). Der Titeltrack indes orientiert sich klanglich mit der 6/8-Rhythmik und seinem Fokus auf Klargitarre, Orgel und Chorgesang voll an den beiden "The Brother-Slayer"-Teilen der 1997 veröffentlichten "My Kantele"-EP. Aus dem Rahmen fällt schließlich "Smithereens", ein eher langsames, beinahe schwerfälliges Stück mit wuchtigen Klavierakkorden. Vielleicht standen hier Muse Pate - "Apocalypse Please", der Opener des später im Jahr erschienenen Drittalbums "Absolution", fängt jedenfalls nicht unähnlich an.

Dass sich nun einige konkrete Vorbilder für die Songs und Sounds auf "Far From The Sun" benennen lassen, führt dagegen zum eigentlichen Clou dieses Albums. Denn: Tatsächlich greifen Amorphis vielerorts Muster aus der eigenen Karriere auf - und dazu gehört (u.a.) ausgerechnet jenes Merkmal, das damals "Tales From The Thousand Lakes" und "Elegy" so herausragen ließ: Die Themen-Komposition. Sowas gibt's bereits im Opener "Day Of Your Beliefs", das schon im Intro das Thema anreißt, dieses dann vor der Strophe voll darbietet, die Strophenmelodie darauf aufbauen lässt, mit dem Refrain ein Gegenthema als "Antwort" aufbietet und sich auch in den Solopassagen hieran abarbeitet - wie damals von "Black Winter Day" vorgemacht. "Planetary Misfortune" ist da nicht viel anders, imitiert obendrein aber auch noch mit treibendem Rhythmus, dramatischer Stimmung und orientalischen Einwürfen ziemlich genau den Habitus von "Against Widows" & Konsorten.

Ich stelle also überrascht fest, dass "Far From The Sun" sich nunmehr eben auf buchstäbliche alte Qualitäten besinnt, und hiermit wird das Album ziemlich unterhaltsam. So entpuppt sich "Mourning Soil" als Anleihe an die ruhigeren "Elegy"-Songs wie "The Orphan" oder "Weeper On The Shore" und der schon erwähnte Titelsong bietet streng genommen noch viel mehr als die beiden eher Jam-artigen Referenzen. "Higher Ground" schließlich toppt die Entwicklung sogar noch, indem zusätzlich zur Ausarbeitung des (wie erwähnt im Intro vorbereiteten) Themas eine surreale Stimmung aufgebaut wird, der drängende Refrain einige Parallelen zu den Voivod der "Angel Rat"/"The Outer Limits"-Phase aufweist und der polyphone Instrumentalpart um Minute 4 herum eine exzessive Steigerung markiert. Von den übrigen Songs wäre noch "Killing Goodness" markant: Staubtrockenes Stoner-Riffing verheißt eigentlich geradlinigen Retro-Rock, aber das Keyboard spielt mit surrenden Sounds immer wieder spacig drumherum, der Rhythmus wird zwischenzeitlich schön widerhakig verschleppt, und das ausladende Outro macht am Ende den Deckel drauf.

Wie gesagt: "Far From The Sun" hat einiges zu bieten und kann mit erneut ziemlich eigenständigem, durchdachtem Songwriting, griffigen Melodien und einer energischen Stimmung punkten, wobei die Psychedelic-Anleihen die Intensität diesmal anders als auf dem eher lahmen "Am Universum" diesmal kaum beeinträchtigen. Das ist an und für sich ziemlich stark - und hat praktisch nur zwei Mankos: Einerseits hängt Pasi Koskinen gesanglich wie gesagt stellenweise in seinem Engagement zurück. Und andererseits dürfte die Platte für die Band selber und das Label tendenziell zur Unzeit gekommen sein: Für erstere war das Album mit seinen Bezügen in Gegenwart und Vergangenheit womöglich eher eine Standortbestimmung, letzteres hingegen dürfte sich angesichts der Härte gegenüber "Am Universum" wohl eher gewundert haben.

Anspieltipp(s): Higher Ground, Planetary Misfortune, Ethereal Solitude
Vergleichbar mit: diesmal: Zwischen Muse, Pink Floyd, Voivod und Spiritual Beggars
Veröffentlicht am: 12.10.2017
Letzte Änderung: 12.10.2017
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Amorphis

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1994 Tales From The Thousand Lakes 12.00 1
1996 Elegy 14.00 1
1997 My Kantele 11.00 1
1999 Tuonela 10.00 1
2001 Am Universum 7.00 1

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