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Trinity Xperiment

Anaesthesia

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: instrumental; Jazzrock / Fusion; Worldmusic / Ethno; sonstiges
Label: Afraid of Sunlight Records/Cargo Records
Durchschnittswertung: 11.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Franz Holtmann guitars
Matthias Kraus Keys,Hammond,vintage Synths,editing
Gudze bass,noises,percussion,editing

Gastmusiker

Neyvell S. Radhakrishna violin on 5
Jost Nickel drums on 1,2,4,5

Tracklist

Disc 1
1. Anaesthesia Suite

1. Movement 1:Diving down deep
2. Movement 2:Dog eat dog
3. Movement 3:Back to light

9.48
2. Tango Obscuro 13.01
3. Follow me 7.17
4. Try this at home 9.48
5. Madras 16.33
6. Transylvanian trip 4.24
7. Continuous Spiral 5.32
Gesamtlaufzeit66:23


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 1 von 2)


Das Projekt heißt Trinity Xperiment. Dann kann es sich wohl nur um ein Prog-Fusion-Combo handeln, war mein erster Gedanke. Richtig, Trinity Xperiment ist ein aus den erfahrenen Musikern bestehendes Prog-Fusion-Trio, das im Oktober 2017 sein zweites Album „Anaesthesia“ veröffentlichte.

Der Keyboarder Matthias Krauss spielte bei der Jazz-Rock-Truppe Matalex und hat diverse Pop-Künstler begleitet. Der Gitarrist Franz Holtmann war bei den Jazz-Rockern Katamaran und bei deren Nachfolgeformation Triton aktiv. Der Bassist Stephan „Gudze“ Hinz war für die Grooves und die Kompositionen bei der Rockband H-Blockx zuständig.

Und weil das derzeit marktechnisch für die Mainstream-untauglichen Projekte gut ist, mit „Prog“ in Verbindung gebracht zu werden, wird die Klangkunst von Trinity Xperiment offiziell als Crossover Prog Rock bezeichnet. Das ist nicht sarkastisch gemeint, sondern gut so.

Die kreativen Köpfe von Trinity Xperiment sind der Keyboarder Krauss und der Gitarrist Holtmann. Zumindest steht das auf dem offiziellen Infozettel. Diese beiden entwickeln aus ihren Improvisationen die fertigen Stücke, die dann von dem Bassisten Hinz überarbeitet werden. Als wollte man diesen Info-Zettel-Angaben widersprechen, darf man im Inneren des CD-Covers erfahren, dass fünf Tracks von dem gesamten Stammtrio Krauss/Holtmann/Gudze und drei von Krauss und Holtmann geschrieben und produziert wurden.

Als letztes in dem kreativen Prozess kommen die Gastmusiker dazu, in diesem Fall der Schlagzeuger Jost Nickel (ex-Matalex, ex-Jan Delay, Teilnehmer bei zahlreichen Drum-Workshops) und der Geiger Neyveli Radhakrishna (ex-Ravi Shankar Band).

Was mir als erstes an den kristallklaren Arrangements von „Anaesthesia“ auffiel, ist dass sie alle Befürchtungen bezüglich des gesichtslosen Fusion-Wohlklangs zerstreuen können. Stattdessen kontrastieren hier die rockigen, oder aggressiv eingefärbten, von der Gitarre dominierten Passagen mit den atmosphärischen, mit reichlich Studiohall versehenen Einfällen, die mir fast die Bezeichnung Fusion-Spacerock entlocken könnten.

Außerdem fallen mir immer wieder die angenehm kreativen Keyboard-Beiträge auf, die zusammen mit den gelegentlich auftauchenden elektronischen Rhythmen dem Gebotenen schon mal einen elektronischen Anstrich verleihen. Manches klingt wirklich nach einer sphärischen Gitarre/Keyboards-Session, die hin und wieder von den programmierten Rhythmen begleitet wird.

„Follow me“ kann an so manche in den Pastellfarben gehaltene ECM Records-Aufnahme erinnern. Damit stehen die verzerrten Gitarrenklänge und die zwischen funkig und elektronisch wechselnden Rhythmen von „Try this Home“ im wohltuenden Kontrast.

Das eröffnende Gitarrensolo von „Madras“ lässt mich an den frühen Eric Clapton denken, bis die Beiträge des Gastgeigers Radhakrishna aus dem Stück einen sphärisch-spacigen Ethno-Fusion-Prog machen, der interessanterweise zu den Reggae-Rhythmen stattfindet.

Die experimentell-dissonante Richtung, in die sich ein Teil von „Transylvanian Trip“ entwickelt, finde ich gleichermaßen erfreulich wie überraschend.

Insgesamt bekommt man mit „Anaesthesia“ eine beeindruckend kreative Version des Fusion- oder (laut Plattenfirma) des Crossover Prog, die man den Fans solcher Musik getrost empfehlen kann.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 26.10.2017
Letzte Änderung: 26.10.2017
Wertung: 11/15

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Von: Volkmar Mantei @ (Rezension 2 von 2)


Zuerst möchte ich mich, gewiss verspätet, aber dieses Album erinnert mich daran, bei dem Autoknacker bedanken, der den Beutel mit über 70 CDs klaute, den ich blöderweise zu Füßen der Rücksitze deponierte. Kurzer Weg zur Post, ein Päckchen abzuliefern, kurzes Anstehen am Schalter, kurzer Weg zurück. Hochachtung, das reichte. Ich wünsche dir, Autoknacker, dass dich die Musik verändern möge oder du in der nächstbesten Jauchegrube dein Glück findest! Aber vielleicht trägt das 2009er „Honeymoon On Mars“ dieser Band, das sich in eben diesem Beutel befand, dazu bei, aus dir einen süchtigen Musikfreak zu machen, und hilf gefälligst alten Damen über die Straße!

„Anaesthesia Suite“ ist nun schon seit einigen Wochen Teil des Stapels, der meinen Unwillen erzeugt. Promos! Bitte nicht mehr! Die Band hatte ich, siehe oben, längst vergessen. Wusste nichts davon, wie sie klingt. Und logo, jede CD, die als Überraschung ins Haus flattert, wird angehört. Wenigstens ein Mal. Doch dieses Album hat es in sich und landete wieder und wieder im Player.

Mir gefällt der Kontrast aus ambienter Lyrik, kernig saftiger Rocksprache und dezenten Jazz-Influenzen. Sofort wünschte ich den Jazzpegel kräftiger ausgebaut, aber je öfter ich das Album hörte, und die CD verlockt dazu, sich ihr zu widmen, umso logischer und vollendeter ging der Sound in mir auf. Gewiss zehnmal ließ ich die knapp 67 Minuten nonstopp durchlaufen. Passte zur Arbeit, ins Auto, ins abendliche Musikzimmer. Und passt noch. Bleibt (hoffentlich, siehe oben).

Jazzrock-Süchtige können ebenso wie Ambient-Prog-Nerds Erfüllung an diesem Sound finden, Pink Floyd Fans ebenso wie PostRock-Fetischisten. Wer offenen Ohres ist und seine Schubladen mit Hümör putzt, vergisst die Zeit für diese Stunde.

Das Trio arbeitet mit Gastschlagzeuger und lässt dabei viele Flächen Schlagzeug-frei, erzeugt auf sinfonisch ambienten Keyboardteppichen krass schräge und bisweilen schneidend scharfe Gitarrenattacken, im Bassbereich wohltuend voluminös abgefedert, immer mit dem Hang zu esoterischer Entspannung und lyrischer Verlorenheit, jedoch nicht mit Tendenz zu Kitsch und Übersüße.

Franz Holtmann kann mit wie ohne Schlagzeug heftig und laut arbeiten und gibt dem Ensemble die notwendige Kante, während Keyboarder Matthias Krauss die verträumt floydige Atmosphäre erschafft, von Gudze mit kernigem Volumen unterfedert. Sobald Schlagzeuger Jost Nickel einsetzt, so häufig und lang andauernd ist das nicht, doch eben sein Einsatz lässt die laszive Stimmung in kernigen Rock umkippen, wird alle Sanftmut mit Wucht zu dynamischer Härte aufgefahren. Doch vor allem in der lyrischen Weite nimmt das Trio sich Zeit, lässt seinen Sound fließen, bohrt mit kratzigen Gitarrentönen das Fundament auf, blubbert mit psychedelisch friedlichen Klängen, die eher elektronisch als rocktypisch inspiriert sind, flirrt mit perkussiver Stete darüber, lässte noisige Klänge den ambienten Raum durchblitzen. Immer wieder ist die Gitarre Mittelpunkt des Geschehens, die indes ohne den flächigen Raum verloren und nichtig wirkte. Es ist der Triosound, der rundum Sinn macht, und mehr ist als seine Einzelteile.

Weniger gut will mir die partielle Rhythmusmonotonie gefallen, die zwar gering ausgeprägt ist, aber hier und da ihren Einsatz zeigt und mit ihren simplen Mitteln unterschwellig um Gehör ringt. Der elektronische 4/4 bleibt Sklave, es gibt keine feindliche Übernahme, doch er ist da. Elektronik-Freaks werden das vielleicht begrüßen. Die Hörer aus der Jazzrock- wie der Progressive Rock- und PostRock-Ecke halten sich da eher die Ohren zu. Da dieserart unterhobene Parts nicht zu weit ausgebaut sind, kann ich sie ertragen.

Mein feuchter Traum ist „Madras“. Was das Trio mit Gast Neyveli Radhakrishna hier veranstaltet, ist außerordentlich. Nach einem freiformatigen, leicht bluesgetriggerten Gitarrenintro entwirft sich erneut der ambiente Keyboardfluss. Wieder lässt sich die Band entspannt Zeit und geht konzentriert, aber lässig zu Werke, inklusive leichten Schlagzeugeinsatzes und fabelhaftem, fast zu kurzem Basssolo (mehr davon!). Und dann ist sie zu hören. Die indische Violine. Oder besser – die auf folkloristisch-indische Weise gespielte Violine. Was sich auf dem knackig basierten Stück entwickelt, was die Violine mit der Band und dem Song hier macht, wie sie die Atmosphäre dominiert, diese geradezu verführt und tief jazzdurchflutet, ist grandios. Matthias Krauss hat sich hierfür die wirkungsvollste und kernigste Idee einfallen lassen, sein pulsierendes Keyboardspiel ist hinreißend! Bass, Gitarre, Schlagzeug – wilde, fetzige Raumfarbe. Und darüber die Violine in ihrer ununterbrochenen Virtuosität. Volltreffer!

„Anaesthesia“ wird gewiss Teil der Sammlung, seine lyrische Melancholie hat Klang und Farbe, Kantigkeit und floydigen Wohlfühlcharakter. Das Album ist nicht zu weich oder luftig und hat seinen eigenen Stil. Die Handwerker spielten hingebungsvoll, kein technisches Fehl. Doch die Krönung bringt ein Gast ein, Radha. Sein Einsatz macht „Anaesthesia“ unverwechselbar.

Tipp!

(Also – überzeugende Promos, wie dieses, dürfen, rar gesät, gern in meinem Briefkasten landen.)

Anspieltipp(s): Madras
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 15.12.2017
Letzte Änderung: 15.12.2017
Wertung: 12/15

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