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Kjetil Mulelid Trio

Not Nearly Enough To Buy A House

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: improvisiert; instrumental; Jazz; Jazzrock / Fusion; RIO / Avant; sonstiges
Label: rune grammofon
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Kjetil André Mulelid Piano
Andreas Skår Winther Drums
Bjørn Marius Hegge Double Bass

Tracklist

Disc 1
1. Entrance 1:34
2. Fly, Fly 7:00
3. Children's Song 4:06
4. You Stood There In Silence, Having No Words 7:12
5. C & R 1:53
6. From Someone Else's Point Of View 5:09
7. Time/Breath 5:17
8. Leaving Home 4:27
9. Three Last Words 4:32
Gesamtlaufzeit41:10


Rezensionen


Von: Volkmar Mantei @


Die Scheune ist mittlerweile so windschief, dass nicht eine Tür sich mehr öffnen lässt wie einst gedacht. Das große Tor an einem der beiden Giebel, die das Gebäude in seinen Zapfenverbindungen am Leben erhalten, durch das früher Kutschen und Traktoren fuhren, steht unter gewaltiger Spannung. Aber es hält. Bislang ist es nicht geborsten. Wie die Scheune selbst. Die dort weit entfernt der Zivilisation am Bodden steht, nur durch einen Sandweg mit der Welt verbunden.

Von außen sieht die Scheune mittlerweile sehr klein aus, geschrumpft, als würde kaum mehr etwas hineinpassen. Doch wenn ihr durch die einzige Pforte gegangen seid, die immer wieder abgehobelt und neu justiert wurde, damit sie ihrer Aufgabe gerecht werden kann, erkennt ihr, wie überraschend groß der Raum noch immer ist. Zwar ist die erste Etage zu beiden Seiten, einst über 4 Meter hoch, bequem vom Boden aus zu erreichen, und der Traktor und die uralten Landmaschinen scheinen gewachsen hier drinnen, doch längst noch ist Platz zum Arbeiten oder zum Staunen. Dazu ist der Traktorsitz perfekt, sein offenes Fahrerhaus lässt Einblick in viele Winkel der Scheune zu. Die ist zwar dunkel, weil das einzige Fenster sich nach außen zum Boden neigt, aber das Reetdach wurde lange nicht geflickt, geschweige denn neu eingedeckt, so ist der First an vielen Stellen offen. Schwalben fliegen ein und aus und wenn ihr euch nachts hier aufhaltet und für lange Zeit still seid, könnt ihr sehen, wie das Käuzchen ausfliegt, das in einer gut versteckten Ecke seine Tage verbringt.

Bringt ein tragbares CD-Gerät in die Scheune, eines mit eingebautem Klang, stellt es auf die erste Etage zum alten Stroh, ans Ende der Scheune, fast 15 Meter vom Traktorsitz entfernt, setzt euch auf eben diesen und startet mit der Fernbedienung die Aufzeichnungen des Kjetil Mulelid Trios - - -


Kjetil André Mulelid und seine beiden Mitstreiter stehen im Erbe von In The Country oder dem Espen Eriksen Trio – und spielen melancholisch düsteren, lyrisch warmen akustischen Jazz. Anklänge an RIO, skandinavische Folklore, Avantgarde Jazz, ein dezenter Hang zu Library Music, lebensfrohe Dramatik, die in kernigsten Momenten an leichtere Motive von Fusionsisten wie Szobel erinnert, kraftvoll energisches Spiel, improvisativ, leidenschaftlich und hochemotional – das sind die Eckpunkte der Arbeit des Pianisten, der vom virtuos differenzierten Spiel seiner Kollegen, die weit mehr tun als Basisarbeit, deftig begleitet wird.

In lyrischen Momenten, wo die Finger fast von der Tastatur zu fallen scheinen und zart schräge Klänge aus dem Flügelkorpus fallen, unbegleitet, roh, überwältigend, ist die Dichte des Spiels fast am intensivsten. Sobald das Trio gemeinsam hochfährt und strengere, heftigere, verzahnte Strukturen fährt und das Piano schwer traktiert wird, baut sich diese starke Klangsprache auf, die in Jazz wie Rock dann zu erfahren ist, wenn Improvisation zu höherer Intensität und zeitloser Energie wird.

Nicht allein die handwerkliche Schule der drei Musiker ist reif entwickelt, alle drei sind hoch inspiriert, weit über das kompositorische Element hinweg. Sie spielen die Ideen ihres Namensgebers mit ausgelassener Hingabe und enormem Verständnis für jede Nuance. Vermutlich verstehen sich nur skandinavische Musiker so selbstverständlich in diesem Klang, den wohl Musiker aus aller Welt spielen könnten, würden sie ebenso Musik denken. Da ist weitaus mehr als musikalisches Wissen, mehr als die Idee eines Musikstiles, einer Musik-Art. Gut zu hören, wie sehr sie diese ihre Arbeit antreibt, wie zuhause sie hier sind. Im kleinen Lauten wie in der großen Stille. Das kann Jazz genannt sein, die improvisative Note will das, zudem die harmonische Klangsprache. Das wie verirrt dämmernde und vor sich hinziehende lyrische Spiel ist indes weitaus Folk-verwandter, ländlicher, in einem progressiven, nicht rückständigen Sinn.

Die Songs klingen logisch, als seien sie schon immer da gewesen. Dies ist keine zeittypische Aufnahme, die dem Zeitgeist gehorcht und später verblüht. Der Schwede Jan Johansson (Vater der beiden Jazzrock/Metal Musiker Jens und Anders Johansson) bereitete seit den frühen 1960ern diesen musikalischen Weg und hat damit eine ‚Klassik‘ erschaffen, die Generationen am Leben erhalten kann. Kjetil Mulelid und seine beiden ebenso jungen Mitarbeiter sind inspirierte Nachfolger dieses Geistes, deren Debüt bereits zeitlose Qualität erkennen lässt.

Die Scheune hörte genau zu. Für einen Augenblick danach war nicht das leiseste Knarren und Knacken zu hören.

Anspieltipp(s): Fly, Fly , C & R, Time/Breath
Vergleichbar mit: In the Country, Espen Eriksen Trio
Veröffentlicht am: 7.11.2017
Letzte Änderung: 7.11.2017
Wertung: 12/15

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