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The Gerald Peter Project

Incremental Changes, Pt. 1

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: instrumental; Klassischer Prog; Moderne Klassik
Label: Eigenproduktion
Durchschnittswertung: 11/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Gerald Peter Keyboard, Seaboard, Composition, Arrangement, Production
Aaron Thier Schlagzeug

Tracklist

Disc 1
1. 1st Movement - Collapse 5:28
2. 2nd Movement - New Perspectives 3:59
3. 3rd Movement - Escaping the Labyrinth 3:01
4. 4th Movement - Unique Moments 2:55
5. 5th Movement - Jump and Run 2:56
6. 6th Movement - Evolve 4:03
Gesamtlaufzeit22:22


Rezensionen


Von: Volkmar Mantei @ (Rezension 1 von 2)


Gerald Peter stammt aus Wien, ist leidenschaftlicher Pianist, Komponist und ‚Seabord Performer‘. Sein Bild mit kurzem Haar zeigte einen Unbekannten, doch in den Informationen gewühlt, die digital in perfekt organisierter und klar strukturierter Form aufgebaut sind – Hochachtung! – erweist sich der 1986 geborene Musiker als der Kopf hinter dem illustren Projekt Circle of Illusion, dessen „Jeremias - Foreshadow of Forgotten Realms“ 2013 starken Eindruck hinterließ (außer bei Nik).

„Incremental Changes“ ist als erster Teil einer Multimedia-Trilogie (mit Video-Produktionen, die auf Youtube anzusehen sind) in 6 ‚Movements‘ unterteilt, die zusammen 22 Minuten ausmachen. Lediglich von Aaron Thier begleitet, der ebenso Teil von Circle of Illusion war, werden klassisches Handwerk, Progressive Rock, Filmmusik-Artiges, Jazz-Einflüsse und poppig Eingängiges zu, wie Gerald Peter meint, Cinematic Prog verarbeitet.

Zuerst ist gut zu erkennen, dass Gerald Peter klassisches Handwerk lernte, sein Tastenansatz, sein Spiel, aber auch seine Ideen – Intermezzi und virtuose Parts – sind keine Rock-Schule, sondern basieren auf echtem Lernen, klassischem Spiel. Sobald das Schlagzeug einsetzt, kommt mir für einen ganz kurzen Moment Hermann Szobel in den Sinn, das seit Langem verschollene Musikgenie. Schön komplex und technisch eindrucksvoll mit dramatischem, kernigen Ansatz beginnt das Schlagzeug, bis es im Laufe der Zeit zwar hochkomplex und technisch exzellent, aber rhythmusbetont eingesetzt wird, die außerordentliche Handschrift des Beginns wird nicht wiederholt.

Und doch bleibt es grandios. Die Ideen des Sechsteilers sind tief lyrisch und hochmelodisch. Trotz bombastischer Größe und dramatischem Pathos, was mit streicherartigen Klängen und lautmalerischem Gesang ausgedrückt wird, wird es nicht kitschig. Das liegt vor allem an der Stringenz und überlegten Komposition der einzelnen Parts, sowie ihrer Vitalität.

Das ganze Stück ist kurzweilig und überraschungsreich, wechselt Stimmungen, Themen und Dynamik, so dass es genug Kanten und Ecken gibt, immer wieder frisch zuzuhören und neugierig zu bleiben.

Schade nur, dass es hier lediglich diese 22 Minuten sind. Das Konzept, Tasten und Schlagzeug ohne weitere Instrumente zu vereinen, funktioniert, weil die Tasten Gitarrenillumination, Bassarbeit und Klangfülle beisteuern. Unwillkürlich kommt mir der Gedanke, dass akustisches Piano (ohne ‚Keyboards‘) und hochdramatisch jazzidiomes Schlagzeug zu noch kraftvollerer, intensiverer Sprache finden könnten. Dieser Komponist hat es drauf!

Anspieltipp(s): vorn anfangen, hinten aufhören, vorn anfangen...
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 17.11.2017
Letzte Änderung: 18.11.2017
Wertung: 11/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 2 von 2)


Ach der ist das! Von Circle of Illusion! Jetzt weiß ich, warum mir der Stil schon beim 1st Movement so bekannt vorkam...

"Jeremias - Foreshadow of Forgotten Realms" war, wie ich damals schrieb, die Vertonung einer Liebesgeschichte zwischen einem Korsar und einem Korsett. Aber hey! Immerhin hab die die live gesehen, damals in Nürn. Mit diesen furchtbaren - wie hießen sie noch gleich? Subsignal... Und wenn ich die Stimmen der Umstehenden noch einigermaßen richtig im Ohr habe, dann stand ich mit meiner Einschätzung von damals nicht wirklich vollkommen einsam und allein.

Wirklich, bissl Ahnung scheine ich zu haben: Ich schrieb damals "dieses Album beginnt wie Harry-Potter-Filmmusik" - und nun erfahre ich aus dem Promo-Material zu "Incremental Changes, Pt. 1" prompt, dass Gerald Peter an einem Workshop mit Harry Potter Soundtrack Orchestrator Conrad Pope teilgenommen hat. Yep, hört man.

Also, "Incremental Changes, Pt. 1" ist gegenüber "Jeremias - Foreshadow of Forgotten Realms" deutlich reduziert. Und wieder ist es wie bei einem Korsar und einem Korsett: Zieht man sie aus, ist's einfach geiler! In Bezug auf die Musik Peters heißt das: Nimmt man den ganzen Zuckerguss weg, wird es besser.

Viel besser! Klar, auch hier gibt es Klischees, wer ab und zu in Fantasy-Filme geht, wird nicht wenig wiedererkennen, bestimmte Harmonieabfolgen, chromatische Läufe und so weiter. Aber Peter macht das gut, ersetzt den klebrigen Kleister durch swingende Leichtfüßigkeit (3rd Movement, 4th Movement, 5th Movement) - und schon funktioniert's! Sogar bissl leichten Jazz gibt's. Und Pathos - natürlich - darf schon auch noch sein, schließlich sind wir Progfans im Herzen ja doch recht aufgeschlossen gegenüber dem Kitsch. Aber er ist halt verdaulicher, wenn er nicht mit dutzenden Streichern, Metal-Gitarren und Pseudo-Opernsängerin daherkommt. Passt!

Volkmar schreibt, das ganze Stück sei kurzweilig und überraschungsreich, wechselt Stimmungen, Themen und Dynamik, er hat Recht, und genau das ist es, was mich als Hörer dranbleiben lässt. Das hier gefällt mir wesentlich besser als Circle of Illusion. Wenn's in diese Richtung weitergeht, darf man Gerald Peter als Proghörer mit Freuden folgen - die Kitschmusical-Hörer dagegen.... Na, vielleicht gefällt's denen ja auch, wenn mal nicht ganz so fett ist, wer weiß.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 17.11.2017
Letzte Änderung: 18.11.2017
Wertung: 11/15
Hermann Szobel kommt mir dabei allerdings nun wirklich nicht in den Sinn.

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