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Hans-Hasso Stamer

Digital Life

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1989
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik; Klassikrock / Adaptionen
Label: AMIGA
Durchschnittswertung: 6/15 (1 Rezension)

Besetzung

Hans-Hasso Stamer Elektronische Instrumente

Tracklist

Disc 1
1. Go 1:33
2. Topspin 3:17
3. High Tech 3:26
4. Windsurfer 3:21
5. Parstein 3:22
6. Bürgerpark 3:13
7. Popmeise 4:02
8. Bolero 9:55
9. Der See 12:04
Gesamtlaufzeit44:13


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


Wer ist Hans-Hasso Stamer? Große Spuren in der Musikhistorie hat er nicht hinterlassen. Vor allem eine, sein 1989 erschienenes Soloalbum "Digital Life", vermutlich das letzte Elektronikalbum, welches zu Lebzeiten der DDR vom Staatslabel AMIGA veröffentlicht wurde. Im umfangreichen Hüllentext erfahren wir, dass Stamer gelernter Computeringenieur ist, dass es bei ihm zu Hause aussieht wie bei Hempels unterm Sofa, und dass er der Elektriker unter den Musikern sei, also einer, wie man sich Mitte der 80er eben einen Computer-Freak und Elektronikbastler so vorgestellt hat (vielleicht heute auch noch), also vor allem nerdig und unordentlich.

Allerlei digitale Tasteninstrumente hatte dieser Hans-Hasso Stamer jedenfalls in seiner Messie-Bude versammelt, wie auf der LP-Hülle erwähnt meist Produkte der Firmen Yamaha und Roland, um damit elektronische Musik zu erzeugen. Das Ergebnis war, neben ein paar auf Samplern veröffentlichten Stücken, "Digital Life", das vom irrwitzigen Vergnügen Computer zu programmieren berichtet, wie der Hülltextschreiber (Achim Gröschel) feststellt, und dass er schon sehr lange auf die LP gewartet hat. Da war er aber wohl so ziemlich der einzige, denn allzu viel ward von Stamer in tonträgertechnischer Hinsicht danach nicht mehr gehört (zumindest nicht unter diesem Namen).

So irrwitzig ist das Ergebnis allerdings gar nicht. Eher entspannte, melodisch-muntere, durchaus farbige Klangbilder sind auf dem Album zu finden, im typischen 80er-Jahre-Sound, inklusive Plastikperkussion und käsigen Midi-Imitationen, die als Hintergrundmusik in Funk, Werbung und Fernsehen kaum negativ aufgefallen wären, z.B. in einer Reportage über Windsurfen auf dem Parsteiner See (was wohl auch Stamers Hobby war – wie wir in den Linernotes erfahren).

Im (zu) langen "Der See" nimmt das alles symphonische Ausmaße an, und man kann hier schon eine gewisse konzeptionelle Beziehung zu den E-Musik-Klassikern des vorhergehenden Jahrzehnts herstellen, oder Bezüge zur Ambientmusik. Gegen Ende geht es hier allerdings eher entspannt-jazzig zu, was sich sicher gut in jedem Fahrstuhl gemacht hätte. Klar die progressivste Nummer, oder der Grund das Album überhaupt auf den BBS zu erwähnen, ist dann aber Stamers Version des Boleros. Recht nah an Ravels Hauptstimmen ist diese gehalten, eine Art orchestrale Elektronikadaptation, die abgesehen vom etwas käsigen Sound als durchaus gelungen angesehen werden kann. Vergleichen mit Tomita (siehe "The Ravel Album") hält die Nummer durchaus stand, auch wenn der Japaner 10 Jahre früher dran war. Überraschungen gibt es aber keine, das Stück wird relativ 1:1 elektrifiziert.

"Digital Life", der Schwanengesang der DDR-Elektronik, ist wohl nur für Elektronikkomplettisten interessant, für Freunde von Klassik-Verrockungen (wobei es hier natürlich nicht rockt), oder für Sammler, die alle Adaptionen von Ravels Bolero im Plattenregal stehen haben wollen (wenn es solche geben sollte). Das Album ist derzeit als Teil der fünf CDs umfassenden, zum Preis einer Einzel-CD vertriebenen Box "AMIGA Electronics" zu haben.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.11.2017
Letzte Änderung: 20.11.2017
Wertung: 6/15

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