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Colossus Projects (Finnland)

The Spaghetti Epic 2: The Good, The Bad And The Ugly

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2009
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; RetroProg
Label: Musea
Durchschnittswertung: 10/15 (1 Rezension)

Tracklist

Disc 1
1. The Good   (Randone) 25:08
2. The Bad   (La Voce Del Vento) 24:27
3. The Ugly   (Tilion) 26:57
Gesamtlaufzeit76:32


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Nicht ganz eindeutig ist heute, wie "The Spaghetti Epic 2" zustande gekommen ist, ob die Initiative für dieses Album hier tatsächlich vom Colossus-Magazin ausging, oder aber ob Randone und Tilion nach ihrer Beteiligung am ersten Spaghetti-Epos noch nicht genug vom Westen hatten und hier auf eigene Faust ans Werk gegangen sind. Fest steht aber, dass zumindest das Label identisch ist, das Album in seiner Digitalform weiterhin günstig erworben werden kann und überhaupt Name und Konzept natürlich eben die Wahrnehmung als Fortsetzung von "The Spaghetti Epic" forcieren.

Erneut wird hier also ein Film von Sergio Leone vertont: "Il Buono, Il Brutto, Il Cattivo" hieß der Streifen aus dem Jahr 1966 im Original und "The Good, The Bad And The Ugly" auf Englisch. Die eigentliche Geschichte ist relativ schnell erzählt: Drei rivalisierende bis verfeindete Ganoven bekommen während des Sezessionskrieges Wind von einem auf einem Friedhof versteckten Schatz und begeben sich nun, meist opponierend und nur gelegentlich kooperierend, auf die Suche durch das vom Krieg heimgesuchte New-Mexico-Territorium. Dass Leone diesen Stoff trotzdem in fast drei Stunden Spielzeit ohne Längen inszeniert, kommt dabei vor allem der Charakterzeichnung zugute: "Der Blonde" (Clint Eastwood) dreht anfangs mit Tuco (Eli Wallach) krumme Dinger, ein Zerwürfnis macht die beiden anschließend aber zu erbitterten Feinden... bis der "Blonde", beinahe zu Tode gefoltert, von sterbenden Soldaten den entscheidenden Hinweis auf den Schatz bekommt. Ab hier arbeiten Tuco und sein früherer Kumpan wieder zusammen, aber natürlich herrscht bis zum Ende stets eine dramatische Spannung zwischen beiden. Hingegen kommt dem Dritten im Bunde, dem von Lee Van Cleef gespielten Sentenza, stets die Rolle des Antagonisten zu - was wohl auch den deutschen Titel "Zwei glorreiche Halunken" erklären dürfte.

Ganz so viel Zeit wie der Film nehmen sich Randone, La Voce Del Vento und Tilion für ihre Bearbeitung des Stoffes natürlich nicht, aber eine CD füllt das Band-Trio damit trotzdem schon bis zum Rand. Das Konzept ist natürlich denkbar einfach: Jede der drei Bands bekommt einen Charakter zugewiesen und macht sich folglich daran, jeweils ihre Version der Geschichte zu vertonen. Im Raum steht freilich noch Ennio Morricones wohlbekannter Soundtrack - und anders als im dem ersten "The Spaghetti Epic"-Teil finden sich diesmal sogar direkte Zitate aus diesem, ohne diesen Einfluss aber überzustrapazieren.

Wie üblich, wenn drei verschiedene Bands an eine Sache gesetzt und auf einem Sampler versammelt werden, kommen relativ unterschiedliche Ergebnisse heraus. Keyboardlastigen Retroprog bieten alle drei Stücke, die unterschiedlichen Ausprägungen aber sind durchaus bemerkenswert. Randones "The Good" ist relativ harmonisch ausgefallen und verzichtet auf übermäßige Härte, Höhepunkte setzt man stattdessen vor allem mit Bombast samt üppiger Chöre, Mellotron-Streichern und mächtigen Glockensounds. Der Abwechslung halber gibt es gelegentlich sogar mal weiblichen Gesang (was komischerweise aber eher ein Charakteristikum des Scores zu "C'Era Una Volta Il West" war...) oder ein Saxofon. Trotzdem finde ich diese Nummer nicht unbedingt gelungen - meist schleppt sich dieses Stück in vergleichsweise drucklosen Passagen dahin, und an wiedererkennbaren und somit strukturbildenden Momenten fehlt es. Immerhin steuert das Ende ganz patent auf ein schlüssiges Finale hin.

Spannender machen es die anderen beiden Bands. La Voce Del Vento eröffnen "The Bad" bereits mit düsteren Synthie- und Orgel-Motiven im langsamen 7/4-Takt (was auf seine Weise an "Zweifel" von Stern-Combo Meißen erinnert), schwenken im Hauptteil aber auf gut gemachten Prog mit deutlichen ELP-Anleihen (jazzige Akkorde, zirpende Keyboards und ein Hang zu treibenden, bisweilen galoppierenden Ausbrüchen) um. Das Synthie-Thema vom Intro greift man zudem immer wieder auf. Selbst in den etwas beschwerlich klingenden Gesangspassagen sorgen die mächtigen Keyboard-Akkorde immer wieder für Schub, und bisweilen hat dieser Song glatt die Qualitäten von Bands wie Simon Says. Fraglich wäre natürlich, wie genau dieser Song mit dem Film verbandelt ist oder ob nicht einfach eine generelle Abhandlung über "das Böse" hier Thema war.

"The Ugly" schließlich nehmen Tilion wörtlich und leisten sich nicht nur den Gag, hier mit klirrendem Glas zu eröffnen (im Film tritt Tuco erstmals in Erscheinung, als er zur Flucht durch ein geschlossenes Fenster springt), sondern auch diese "Hässlichkeit" erst in Form von Dissonanzen mit Orgel und Streichern, dann schließlich mit aggressiv-rockigem Riffing und den wohl härtesten Passagen auf diesem Album zu vertonen. Später treten zumindest die Dissonanzen etwas in den Hintergrund, aber düstere Elemente werden weiterhin aufgegriffen - und die Dissonanzen dann umso effektvoller platziert. Interessant wäre hier noch einmal der Umgang mit dem Soundtrack: Einerseits machen einige der kühl-technischen Riffs deutlich, dass die angeblich vom Kojotengeheul inspirierten Motive des Soundtracks auch ebensogut in 80er-Crimso-Riffs hätten überführt werden können, und die letzten Minuten von "The Ugly" greifen in Form begleitender Klaviermotive in der Tat das berühmte "L'estasi dell'oro" (wer's nicht ahnt, das Stück ist sonst unter dem Titel "The Ecstasy Of Gold" bekannt) auf und machen daher deutlich, dass wir uns hier im Finale der Handlung befinden. Das abrupte Ende entspricht dann - zumindest, was Tuco betrifft - ebenfalls dem Film. Aber ich will hier ja nicht spoilern...

So, langer Film, langes Album, lange Rede - und ein kurzes Fazit: Zumindest "The Bad" und "The Ugly" sind ziemlich gut gelungen und machen - alleine aufgrund ihrer Länge, versteht sich - "The Spaghetti Epic 2" nicht nur für Fans des Films zu einer spannenden Angelegenheit. "The Good" hingegen trägt sarkastischerweise seinen Titel nicht durchgehend zu Recht, kann aber zumindest mit einigen Augenblicken noch ein paar Fragen über Western-Heldentum aufwerfen. Davon abgesehen ist es natürlich wie schon bei Dream Theaters "The Astonishing" frappierend, dass zwielichtige oder maliziöse Charaktere erneut mit interessanterer Musik bedacht werden als die (vermeintlich) guten.

Anspieltipp(s): The Bad
Vergleichbar mit: dem ersten Teil
Veröffentlicht am: 19.1.2018
Letzte Änderung: 9.3.2018
Wertung: 10/15
"The Good": 6-8, "The Bad": 11-12, "The Ugly": 10-11. Punktsieg für Lee Van Cleef!

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Colossus Projects (Finnland)

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2003 Kalevala - A Finnish Progressive Rock Epic 11.00 1
2004 The Spaghetti Epic - Six Modern Prog Bands For Six ´70 Prog Suites 9.00 1
2005 Colossus Of Rhodes 10.00 1
2005 Odyssey - The Greatest Tale 9.00 1
2006 The 7 Samurai - The Ultimate Epic 8.50 2
2008 Dante's Inferno - The Divine Comedy Part I 10.50 3
2009 Dante's Purgatorio - The Divine Comedy Part II 10.50 2
2010 Dante's Paradiso - The Divine Comedy Part III 10.00 2
2010 The Spaghetti Epic 3: The Great Silence 11.00 1
2016 Decameron – Ten days in 100 novellas – Part III 11.00 1

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