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Jordsjø

Jord

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017 (Eigenverlag)
Besonderheiten/Stil: RetroProg
Label:
Durchschnittswertung: 11.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Håkon Oftung Vocals, flute, guitars & keys
Kristian Frøland Drums & Percussion
Robert William Dall Frøseth Bass on "Finske Skoger"

Tracklist

Disc 1
1. Over Vidda 1:48
2. Abstraksjoner Fra Et Dunkelt Kammer 6:50
3. Finske Skoger 2:56
4. Jord I 6:24
5. Jord II 8:27
6. La Meg Forsvinne! 6:38
7. Postludium 4:42
Gesamtlaufzeit37:45


Rezensionen


Von: Nik Brückner @ (Rezension 1 von 2)


"Abstraksjoner Fra Et Dunkelt Kammer" heißt ein Stück auf diesem Album. "Abstraksjoner Fra Et Dunkelt Kammer". So heißen viel zu wenige Stücke, oder? Ich meine, da weiß man doch sofort, wø die Reise hingeht.

Nach Norwegen! Jordsjø ist eine jener skandinavischen Bands, die die Flagge klassischen, traditionellen Progs hochhalten, Ihr wisst schon, jener Prog, der allgemein "symphonisch" genannt wird, obwohl er eigentlich polyphon ist. Und die Fans dieser Musik haben's schließlich auch schwer in letzter Zeit, dünnt ihr Veröffentlichungsstrom angesichts des Schwalls immer neuer (und immer gleicher) New-Artrock-Scheiben doch zuhörends aus, zumindest gefühlt. Dass deren bekanntere Repräsentanten wie Änglagård oder Wobbler für jedes Album siemerzwanzg Jahre brauchen, macht die Sache nicht besser. Zudem müssen diese Fans sich vorhalten lassen, konservativ zu sein (yep, das ist'n Schimpfwort, bei einem Genre, das den Namen "Progressive Rock" trägt, allemal), selbst wenn sie nicht die Sounds der Bands von früher einfordern, sondern lediglich (lediglich?!?) deren Qualität.

Für alle, die sich jetzt mitfühlend angesprochen fühlen: Für Euch haben Jordsjø 2017 das Album "Jord" vorgelegt, ein wunderbares, typisch skandinavisches Retroprog-Album, bei dem Vintage-Keyboards, kratzige Gitarren und Flöte dominieren, und das einen binnen Sekunden in jenen Klangraum switcht, den Ihr Fans dieses Subgenres so gern habt: inspiriert, wie die Band sagt, von schwedischem Prog, der Musik alter Horrorfilme, von deutscher Synthie-Musik aus den 70ern, Fantasy-Romanen und - natürlich - der norwegischen Natur. Oder kurz: Wer Änglagård, Wobbler und Sinkadus mag...

"Jord" klingt wie eine Mischung aus Genesis und King Crimson anno 1971, mit ein bissl weniger Sonnenschein. Die Musik ist ziemlich ausgefeilt, meist dominieren Keyboards und E-Gitarre, Sachen wie "La Meg Forsvinne!" sind aber auch recht lyrisch, hier kommen dann die A-Gitarre, die Flöte und jene "Journey to the Centre of the Earth"-Keys zum Einsatz, die den Hörer so hemmungslos in Reminiszenzen an die goldenen Jahren des Genres schwelgen lassen. Jethro Tull und Genesis klingen z. B. in "Finske Skoge" an, das ein wenig in die folkproggige Richtung geht, für die Jordsjø mit ihrem ersten Album standen.

Alles in Allem: Technisch und konzeptionell brillant, wunderbare Melodien, eigentlich ein veritabler Kandidat für den Monatstipp, wenn ich dafür nicht ein Jahr zu spät dran wäre. Tolle Scheibe! Unbedingt auschecken!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Änglagård, Wobbler und Sinkadus, vielleicht auch Ciccada oder Maxwell's Demon
Veröffentlicht am: 1.2.2018
Letzte Änderung: 13.3.2018
Wertung: 12/15
Klassischer, typisch skandinavischer Retroprog

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 2 von 2)


Der Name Jordsjø wird laut einem zu Rate gezogenen Online-Wörterbuch etwa „Juurschö“ gesprochen und bedeutet „Erdsee“. Dies wiederum ist der Name einer fiktiven Welt, in der eine Reihe von Fantasy-Romanen der Anfang 2018 verstorbenen US-amerikanischen Schriftstellerin Ursula K. LeGuin angesiedelt ist und die ich vor Urzeiten auch gelesen habe.

Für die norwegische Band ist das jedenfalls ein durchaus passender Name. Jordsjø gehören zu einer neuen Generation skandinavischer Bands, die dem klassischen Progressive Rock der 70er ebenso verhaftet sind wie der einheimischen Folklore. Dazu gehören auch die ebenfalls aus Norwegen stammenden Tusmørke oder die Schweden Agusa.

Zumindest für ihr drittes Album Jord („Erde“) ist die Bezeichnung Band allerdings etwas hoch gegriffen, ist hier doch lediglich ein Duo am Werke, das nur auf einem Stück noch durch einen Bassisten verstärkt wird. Musikalisch orientiert man sich an den frühesten Ausprägungen dessen, was heute als klassischer Progressive Rock bezeichnet wird: Genesis der Marke Trespass haben hier ebenso ihre Spuren hinterlassen wie die ganz frühen King Crimson - wobei nicht Schizoid Man der Bezugspunkt ist, sondern Songs wie Epitaph oder I Talk to the Wind. Das wird kombiniert mit deutlichen Einflüssen skandinavischer Folklore, so dass es immer wieder auch Parallelen zur Musik von Bo Hansson gibt.

Die Songs sind nicht übermäßig komplex, aber farbig und abwechslungsreich gemacht, können durchaus auch mal krumme Windungen einschlagen, bleiben dabei jedoch stets im melodischen Bereich. Schwelgerische Tastenklänge, zartes Flöten und filigrane Linien der Gitarre (auch mal akustisch) bilden die Hauptingredienzen der Musik, die meist lyrisch, oft ein wenig mystisch-dunkel (freilich ohne jeden Kitsch-Faktor) anmutet. Mit dem abschließenden Postludium gibt es dazu noch einen Ausflug in die Gefilde des elektronischen Krautrock.

Ein rundum gelungenes Retro-Album also. Lediglich der (spärliche) Gesang bleibt bisweilen ein wenig blass, weswegen ich in der Bewertung nicht ganz so hoch greifen möchte. Ein für Liebhaber des klassischen Prog empfehlenswertes Album ist es dennoch allemal, denn hier wird nicht einfach der Sound dieser Musik reproduziert, sondern die Songs wurden wirklich im Geiste des klassischen Progressive Rock geschaffen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 23.2.2018
Letzte Änderung: 23.2.2018
Wertung: 11/15

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