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Tusmørke

Fjernsyn i farver

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018
Besonderheiten/Stil: Folk; Psychedelic; Spacerock; sonstiges
Label: Karisma Records
Durchschnittswertung: 11.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Benediktator Bass,vocals,Glockenspiel,percussion
Krizla Flute,Vocals,Electronics and percussion
the Phenomenon Marxo Solinas Synthesizer
William de Blaise Keyboards
HlewagastiR Drums,percussion

Tracklist

Disc 1
1. Fjernsyn i farver (Colour Television) 8.05
2. Kniven i kurven (The Knife in the Basket) 8.09
3. Borgerlig tussmørke (Civil Twilight) 3.53
4. 3001 8.38
5. Death Czar 6.15
6. Tøyens hemmelighet (The secret of Toyen) 8.56
Gesamtlaufzeit43:56


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 1 von 2)


Das Konzept des sechsten Albums von Tusmorke soll entfernt auf der entscheidenden Rolle des Lichts in der von uns wahrgenommenen Welt basieren. (Und nicht etwa auf den Eroberungen der Vikinger, wie ich aufgrund mancher Merkmale der Musik vermuten würde. Die Zerbrechlichkeit des Lichts kann man der Musik nämlich nicht immer nachsagen. Gesungen wird scheinbar auf Norwegisch, was für uns hierzulande wohl eine exotische Note darstellt).

Der simple treibende Rhythmus und der raue Sprechgesang in Teilen von „Fjernsyn i farver“ haben für mich doch etwas von Punk-Rock. Wären da nicht die den Gesang untermalenden Beiträge der Flöte, die gelegentlich flirrenden Synthies und die Tracklänge von 8 Minuten, könnte man meinen, stellenweise etwa der Truppe namens The Clash zu lauschen. Das Stück hat im Rahmen der beachtlichen Länge durchaus noch psychedelisch-progressive Passagen zu bieten, die dann reizvoll mit der scheinbar punkigen Attitüde kontrastieren.

Der raue Anstrich und die nicht immer raffinierten Rhythmen einiger Stücke können nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich unter der rauen Schale von „Fjernsyn i farver“ die zahlreichen Flötenmelodien sowie diverse Beiträge seitens der Tasteninstrumente verbergen, die doch wieder in Richtung Prog weisen.

Der Musiker, der die führende Gesangsmelodie vorträgt, wird hin und wieder von den nicht minder bodenständigen Gesangschören abgelöst, so dass es mich manchmal gelüstet, das Gebotene als Vikinger-Prog zu bezeichnen.

„Borgerlig Tussmorke“ basiert von Anfang an auf zerbrechlichen Tönen der Flöte und des Pianos. Auch die Rhythmen und die Gesangsmelodie sind verstärkt episch und balladesk. Keine Spur mehr von der punkigen Attitüde.

In „3001“ sind es doch etwas komplexere Rhythmen, die elektronische Orgel und der kraftvolle Fuzz-Bass, die insgesamt eine Art vom progressiven Stoner Rock erzeugen. Die Teile der Gesangsmelodie erinnern mich stark an „Hand of Doom“ von Black Sabbath, die zu den offiziellen Einflüssen von Tusmorke gehören. Später kommen in dem beinahe neunminütigen Stück Akzente und Arrangements hinzu, die einen doch an Spacerock denken lassen.

Ist es etwa jazziger Karibik-Flair, was sich da am Anfang von „Death Czar“ abzeichnet? Das Stück würde jedenfalls Ende der 60er, oder Anfang der 70er kaum jemandem als eine Verschmelzung von Psychedelic, Space und Krautrock unpassend, oder wie aus der Zeit gefallen vorkommen. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem ersten Teil von „Toyens Hemmelighet“, das nach ca. 4 Minuten allerdings nicht nur mit funkigen Arrangements (Clavinet-Klänge inklusive), sondern gleich danach kurz mit flotten Disco-Rhythmen überrascht. Humor haben die auch noch, die Norweger!

Die Scheibe gibt es als CD, Download und als reguläre Langspielplatte. Darüberhinaus darf noch eine limitierte Splatter-Vinyl-Version erworben werden.

Retro-Vikinger-Prog (offizielle Bezeichnung: psychedelischer und progressiver Folkrock) mit zwischen rau und zerbrechlich wechselnder Attitüde, so stellt sich für mich die Musik auf „Fjernsyn i farver“ dar. Interessant und vielschichtig!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 1.5.2018
Letzte Änderung: 1.5.2018
Wertung: 11/15

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Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 2 von 2)


Zählen wir mal mit: "Fjernsyn i farver" ist Tusmørkes vierte Veröffentlichung in Albenlänge innerhalb der letzten zwei Jahre. Der kreative Brunnen, der sich schon letztes Jahr mit "Hinsides" und "Bydyra" angedeutet hat, sprudelt wie nie zuvor - wofür wohl auch spricht, dass Flötist Krizla nebenbei noch mit Alwanzatar debütierte. Da ist wohl jemand, wie man so sagt, nicht ausgelastet... und der Hörer darf sich folglich freuen. Vorab sollte aber mal wieder eine Einschränkung der Erwartungshaltung gemacht werden (die sich ein paar Zeilen weiter natürlich von selber aushebeln wird): "Hinsides" wurde aus meiner Sicht ja eigentlich nur vom überragenden Longtrack "Sankt Sebastians Alter" getragen, und "Bydyra" profitierte hauptsächlich von seinem lockeren Sound und den kompakten Stücken. Ist "Fjernsyn i farver" also der dann doch schon seit zwei Jahren ersehnte ideelle Nachfolger zu "Ført Bak Lyset" - oder nur ein (weiterer?) Schnellschuss?

Zäumen wir das Pferd mal von hinten auf: Dieser Eindruck könnte nach einigen Durchläufen tatsächlich entstehen, denn die soghafte Wirkung alter Gassenhauer wie "Ekkebergkongen", "Spurvehauken", "De Reiser Fra Oss", "Black Swift" oder "Offerpresten" erzeugen allenfalls "Death Czar" und vielleicht noch der Titeltrack, während die restlichen Stücke vermeintlich blass bleiben. Überdies fällt im Vergleich zu "früher" ein gewisses Mehr an Härte auf: "Fjernsyn i farver" (der Track) emuliert zwar den Modus von "Offerpresten" & Co., ist aber viel härter und schneller - was, wenn man es denn zwingend negativ auslegen möchte, für einen Verlust an Leichtigkeit sprechen könnte. Außerdem - und das ist schon eine objektive Tatsache - baut auf "Fjernsyn i farver" (dem Album) noch jeder Track klar erkennbar auf Strophe, Bridge und Refrain auf, die jeweils zweimal zum Einsatz kommen, ehe dann mal kompositorisch etwas anderes überhaupt in Frage kommt.

So schwarz sollte man allerdings nicht sehen (was bei Albentitel und -cover sowieso vermessen wäre) und sich stattdessen auf andere Eigenschaften stützen, die sich teils erst bei genauerem Hinhören offenbaren. Denn die Härte im Opener und Titeltrack ist nicht etwas das Ergebnis von Verbissenheit, sondern wird bereits am Anfang ziemlich raffiniert durch ein trillerndes Riff auf Flöte und Bass eingeleitet. Unter dem in der (gelungenen, was sonst?) Bridge mit Anlauf vorbereiteten Hymnen-Refrain verbirgt sich ein sehr verspieltes Keyboardarrangement, und der folkige Mittelteil nach dem auf den zweiten Refrain folgenden Break verarbeitet wiederum unterhaltsam dessen Melodie. Das folgende "Kniven i kurven" macht interessanterweise Pausen zum Konzept - auf jeden Takt mit der Strophenmelodie folgt ein Takt Gesangspause, und der Refrain treibt dieses Spiel sogar noch weiter, indem nach einem Vers jeweils bis auf das Schlagzeug sämtliche Instrumente verstummen. Der Instrumentalpart schließlich führt am Ende auf eine umso harmonischere und buntere Version des Refrains.

"Borgerlig tussmørke" fällt als eher ruhige 3/4-Ballade, die von Flöte und Glockenspiel geprägt ist, etwas aus dem Rahmen, bricht aber im Anschluss an den Refrain vorübergehend ebenfalls aus und variiert für die zweite Strophe die Begleitung. Wieder lustiger ist "3001", dessen zirpendes Spacerock-Intro an Birth Controls "Gamma Ray" erinnert, danach auf schweren Rock setzt - und angesichts des eigenartigen Grooves und der Tritonus-Harmonien aber weniger an Black Sabbath als an Modest Mussorgskis "Gnomus" erinnert. Trotzdem verfällt der Gesang zwischenzeitlich in eine norwegische Version von Ozzy Osbourne, was allerdings im Kontrast zur wirklich abgefahrenen Rhythmik steht: In der Bridge gibt's da zwischen den (auf der 2 betonten) 4/4-Takten immer wieder 2/4- und 3/4-Einschübe. Auch der Instrumentalpart macht sich, folgt er doch auf einen B-Part unter Verwendung der Bridge-Rhythmik, setzt auf Flöte und Delay-Keyboard und führt - nach dem erneuten Refrain - auf eine Art 60er-Jahre-Boogie mit Flötenmelodie. Das Ende gestalten Tusmørke dann unter Wiederaufnahme des "Gnomus"-Parts und der Elektronik symmetrisch zum Anfang.

"Death Czar" gemahnt mit seiner Kuhglocken-Percussion an "Hjemsøkte Hjem", geht aber mit Bossa-Rhythmus samt Waschbrett-Sounds einen anderen Weg. Treibendes Element unter der Strophe sind dieser Groove und dramatische Klaviermotive, wohingegen der Refrain voller arrangiert ist, sehr dramatisch ausfällt und der B-Part mit flirrenden Synthesizern, Mellotron-Streichern und perlenden Klavierläufen folkig und märchenhaft geraten ist - was im Kontrast zum folgenden Retroprog-Part steht, der mit üppigen Chören und Mellotron Aufbruchsstimmung verbreitet. "Tøyens hemmelighet" schließlich schließt mit funkigem Bass und groovigem Schlagzeug an "Vinterblot" an, wohingegen der Refrain mit orientalischen Melodien an diverse EP- und B-Seiten-Tracks ("Kairo", "Mener Vi Alvor Nå?") erinnert. Danach ist Zeit für einen schwelgerisch-balladesken Psychedelic-Part, und in der zweiten Strophe macht das Keyboard einiges an Action zum Gesang. Der Instrumentalpart in der zweiten Hälfte schließlich lässt Flöte und Tasteninstrumente zu einem Disco-Rhythmus wettstreiten - ähnlich cool wie damals die Reggae-Parts aus VdGGs "Meurglys III". Vor dem Ende gibt's allerdings noch einen ruhigen Part mit Glockenspiel und Flöte, dann eine dramatische Pause - und einen relaxt-schreitenden Schluss.

Einer genaueren Betrachtung halten die Songs auf "Fjernsyn i farver" entgegen den ersten Eindrücken definitiv stand und entpuppen sich dabei sogar als schlafende Riesen. Zudem ergibt sich noch in stilistischer Hinsicht die bemerkenswerte Feststellung, dass eine gewisser Teil der beschriebenen "Härte" auch davon ausgeht, dass auf dem Klavier markante und hart angeschlagene Motive gespielt werden - fast wie im Zeuhl. Das allerdings wiegt sich eigenartigerweise mit der Tatsache auf, dass die folkigen Momente hier etwas an den Rand gedrängt werden. In vielerlei Hinsicht schließt "Fjernsyn i farver" somit also tatsächlich an "Ført Bak Lyset" an, entwickelt den dortigen Stil auf interessanten Wegen, äh, fort. Dass die Songs dabei einige Durchläufe mehr brauchen, ist kein Makel - "Fjernsyn i farver" ist bildlich gesprochen kein Tiger, der den Hörer sofort anspringt, sondern mehr eine Muräne, die im Versteck auf den Moment wartet, blitzartig zuzuschnappen.

Anspieltipp(s): 3001, Death Czar, Kniven i kurven
Vergleichbar mit: weniger folkig als sonst, dafür aber neuerdings sogar mit Spuren von Zeuhl
Veröffentlicht am: 15.6.2018
Letzte Änderung: 15.6.2018
Wertung: 12/15

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2017 Hinsides 10.00 1
2017 Bydyra 12.00 1

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