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Baldruin

Vergessene Träume

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018
Besonderheiten/Stil: instrumental; Ambient; Krautrock; RIO / Avant; Worldmusic / Ethno; sonstiges
Label: Ikuisuus
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

Johannes Schebler (fast) alles

Gastmusiker

Judith Rosa Adam Voice on Judiths Traum

Tracklist

Disc 1
1. Erscheinung am Meeresgrund 1.54
2. Das Mysterium der Kreidefelsen 4.08
3. Begegnungen im Labyrinth 2.42
4. Flitzer in der Sakristei 4.10
5. Nachricht von Morgen 4.04
6. In der Smaragdstadt 4.08
7. Zur anderen Seite 2.02
8. Wirbelwurm 1.46
9. Wellenformen 3.07
10. Angeschwemmt 3.36
11. Spuren im Eis 3.25
12. Judiths Traum 2.06
13. Der letzte Gang 3.46
Gesamtlaufzeit40:54


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @


Baldruin nennt sich ein Solo-Projekt des in Wiesbaden wohnenden und aus Würzburg stammenden Johannes Schebler, der im Alleingang eine reichhaltige und oft experimentelle Klangpalette zwischen Elektronik, Avant-Prog und Ambient hervorzaubert.

Seit 2010 veröffentlicht Baldruin seine Werke bei diversen Labels und auf verschiedenen Medien, vorzugsweise auf Tonbandkassetten (manchmal auch Tapes genannt).

Anfang April 2018 ist sein Album „Vergessene Träume“ als limitierte schwarze Langspielplatte und als Download bei einem finnischen Label Ikuisuus veröffentlicht worden. Das Label hat sich nach dem Motto „exciting new sounds for the people, and other animals“ auf die ungewöhnliche und experimentelle Musik spezialisiert.

Vermutlich um das Album der entsprechend akademisch veranlagten Fangruppe schmackhaft zu machen, vergleicht die Plattenfirma den einsamen Klangtüftler Johannes „Baldruin“ Schebler mit dem Philosophen Immanuel Kant. Beide sollen lange Zeit ihre jeweilige Stadt nicht verlassen haben, waren (oder sind) aber trotzdem sehr kreativ. (Nur hatte der gute Herr Kant nicht die Möglichkeit über die zahlreichen Medien an alle denkbaren Informationen heranzukommen. Ob Herr Schebler seine Inspirationen nur aus sich heraus und über die Bücher (wie Herr Kant) findet, oder ob er über die mediale Reizüberflutung zu seiner Kreativität kommt, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls kann man eine langen Aufenthalt in einer Stadt im 21en Jahrhundert nicht mit dem dauerhaften Verbleib in einer Stadt im 18en Jahrhundert vergleichen).

Die Musik von Baldruin wird schon mal mit der musikalischen Vielfalt eines Franco Battiato, oder mit den Horror-Soundtracks von Goblin verglichen.

Die Tracktitel wie „Erscheinung am Meeresgrund“ und „Das Mysterium der Kreidefelsen“ deuten eher auf eine verträumte und geheimnisvolle Musik, als auf Klänge des Horrors. Richtig, die beiden genannten Tracks sind die perfekten elektronischen Soundtracks für die geheimnisvolle Schönheit der Natur.

Da Schebler offenbar die ausgeprägte Fähigkeit besitzt, seinen Tracks die Titel zu geben, die die Musik optimal beschreiben, erwartet einen unter „Begegnungen im Labyrinth“ natürlich extrem Ungemütliches. Das ist allerdings eine Horror-Musik, die mit dem Charme der Berliner Schule gesegnet ist. Als würde man mit schöngeistigen Klängen unheimliche Stimmungen generieren wollen.

In „Flitzer in der Sakristei“ treffen Saxophon-, Glocken- und Akkordeon-Klänge in einem bizarren Tanz aufeinander. In „Nachricht von Morgen“ blubbern und summen die Synthies hektisch und munter und dennoch wohldurchdacht durcheinander, so dass der Hörer zu der Ansicht gelangt, die Nachricht von Morgen muss sehr aufregend, oder sehr wichtig sein.

Seiner Neigung zu den polyphonen und gar nicht nach Horror klingenden Synthie-Melodien gibt der Musiker auch in „In der Smaragdstadt“ nach. Das sparsam arrangierte „Zur anderen Seite“ zeigt entfernte Ähnlichkeit mit der Musik von Cluster.

In „Wirbelwurm“ und „Wellenformen“ wirbelt, oder vibriert es hektisch durcheinander, wobei man im zuletzt genannten Track noch Schlagzeug- und Cello-Klänge zu vernehmen glaubt.

In dem lyrischen „Spuren im Eis“ gibt es statt Elektronisches verstärkt Piano- und akustische Gitarrenklänge zu ethnischen und ätherischen Gesängen auf die Ohren, so dass mit eine Bezeichnung wie Ambient-Postrock in den Sinn kommt.

Gegen das Ende Albums, beginnend etwa mit „Angeschwemmt“ wirken die kurzen Stücke auf mich immer nachdenklicher, harmonischer und entspannter. Von Horror keine Spur mehr.

Ja, die Plattenfirma hat recht, die Vielfalt der Klänge in den kurzen Tracks ist tatsächlich erstaunlich. Speziell, wenn der Künstler in der Zeit der Aufnahmen (und lange zuvor) Wiesbaden nicht verlassen haben soll. Wo man auch hinhört, nur suggestiv lautmalerische Soundtracks-Skizzen zu den Themen Mystisches, Natur, Physik, Träumerisches und mitunter auch etwas zu den alltäglichen Erfahrungen, aber immer noch interessant verpackt.

Für Freunde von stellenweise experimentellen und schrägen elektronisch-akustischen Klangtüfteleien ist „Vergessene Träume“ eine lohnenswerte Anschaffung.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 13.5.2018
Letzte Änderung: 13.5.2018
Wertung: 11/15

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