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The Paradox Twin

The Importance of Mr Bedlam

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018
Besonderheiten/Stil: Independent / Alternative; New Artrock; Postrock
Label: White Star Records
Durchschnittswertung: 10/15 (1 Rezension)

Besetzung

Danny Sorrell guitars, keyboards, vocals
Leland Freeman guitars
Diane Fox bass
Rob McGregor drums

Gastmusiker

Kim Seviour vocals
John Mitchell guitar, production

Tracklist

Disc 1
1. The Mir 5:44
2. The Importance Of Mr Bedlam 7:07
3. Cycles 7:26
4. Eartbound 10:20
5. Moonblood 8:26
6. Planeta 5:58
7. Gravity Time Dilation 6:09
Gesamtlaufzeit51:10


Rezensionen


Von: Peter Meyer @


Paradox Twin sind Newcomer in der Progressive Rock Szene. Und es sind nicht zwei, wie der Name vermuten lässt, sondern paradoxerweise vier Musiker, und Zwillinge sind auch nicht dabei. So weit, so ungefährlich. Der wichtige Mr. Bedlam, der in persona im Weiteren keine Rolle mehr spielen wird, ist das Subjekt beim Debut der Briten aus Berkshire. Und dieses Debut ist recht ordentlich ausgefallen, um es vorweg zu nehmen. Es bietet vor allem gediegenen Wohlklang, meist im entspannten Midtempobereich, mit einigen intensiv gitarrenorientierten Momenten; der gehärtete Progressivehörer sollte also nicht zu viel Abgeschrägtes erwarten. Der gehärtete Progressivehörer wird sich mit dem Erstling der Twins vermutlich langweilen, wie er sich auch bei vielem von den späteren Anathema oder vielem von Porcupine Tree gelangweilt hat. Tatsächlich, das Quartett wandelt auf den Pfaden von Wilson´s Experimentierkolonne. Gibt´s die eigentlich noch? Oder gibt´s die grade nicht, und sie werden bei Gelegenheit wieder zusammengestellt? Die Melancholie in der Melodik jedenfalls, die Vocals, da gibt es schon ziemliche Ähnlichkeiten, auch zum Album Weather Systems. Wer das mag, liegt hier goldrichtig.

Jetzt läßt sich die Musik aber nicht auf diese vermeintlichen Vorbilder reduzieren, damit würde man den Akteuren nicht gerecht werden. Es sind viele Einflüsse erkennbar, z.B. ist die melodische Uptemponummer Planeta mit dem treibenden Slap Bass und den flächigen Keyboardsounds eine Referenz an den Mainstream der 80er Jahre und Bands wie Cock Robin, U2, oder die Simple Minds. Cock Robin? Wer sich erinnert - die hatten eine hübsche, kleine Sängerin, Anna LaCasio, die der Musik eine eigene Note gab. Auf "Mr. Bedlam" ist die ehemalige Touchstone-Sängerin Kim Seviour als Gastmusikerin für diese Note zuständig, und zwar bei den besseren Stücken, Earthbound, Moonblood, Planeta und Gravity Time Dilation. So erinnert besonders das Duett in Gravity Time Dilation an Everything oder Untouchables, Part II von Anathema. Was unterscheidet die Twins von der ehemaligen Death-Doom-Band? Boshafte Zeitgenossen werden konstatieren: Bei denen braucht man die Tracks immer nur halb zu hören und hat am Ende des Tages trotzdem alles mitbekommen.

John Mitchell (It Bites, Arena) der ebenfalls als Gastmusiker aufgeführt ist, ist mehr als das: Er entschied als Produzent des Albums und Eigentümer des Plattenlabels White Star Records über Sound und Finish, das Gesamtpaket.

Der erste Song, The Mir, kommt noch ein wenig hemdsärmelig daher, klingt gefällig, ist aber kompositorisch reichlich flach (was will man von Debütanten erwarten?). Der whoo-whoo-whoo Chorus zur akkordenen Akustikgitarrenbegleitung lässt schon fast verschüttete, schale Erinnerungen an Uriah Heep aufkommen, als es mit John Lawton nicht so lief. Diese etwas erschreckenden Assoziationen verflüchtigen sich glücklicherweise schon bald. The Importance of Mr. Bedlam, das Titelstück, lässt mittels Synth-Pads, Sequencereinsatz und Gitarrenarpeggios Raum und Atmosphäre entstehen und überzeugt den Zweifler mit einem feinen Gitarrensolo.

Auch weiterhin werden die Kontraste zwischen ruppigen Gitarren und sphärischen Keyboardklängen in weiten Hallräumen fortgesetzt, die Texte sind von Verschwörungstheorien inspiriert (Außerirdische übernehmen die Kontrolle über die Welt) und decken den kompletten Bereich zwischen mysteriös und paranoid ab, „potentiell sinistre Ideen mit optimistischer Instrumentierung“ (The Soundboard). Den Newcomern gelingen dabei unter Einsatz reichhaltigen Equipments und gelegentlicher kraftvoller Rock-Ausbrüche markante Melodiebögen (Cycles, Earthbound), garniert mit nostalgischen Elementen und elektronischen Akzenten „extra-terrestrischen Feelings“ (ebd.). Der entgegenkommendste Titel innerhalb dieses Klangkonzepts ist nicht der Longtrack Earthbound, sondern der Beinahe-Longtrack Moonblood. Der beginnt gleich catchy mit ohrenfälligem Gitarrenthema und groovendem Bass, was den Hörer in seiner Verlaufsmotivation bestärkt, weiterhin konzentriert an den Klängen zu kleben. Rhythmische Variationen und stilistisch abgesetzte Zwischenteile bringen neue Perspektiven, nicht zuletzt beeindruckt Kim Seviour mit ihrer klaren, tragenden Stimme.

Anspieltipp(s): Moonblood, Planeta, Earthbound
Vergleichbar mit: oben genanntem
Veröffentlicht am: 5.7.2018
Letzte Änderung: 5.7.2018
Wertung: 10/15
9,57, um genau zu sein

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