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Marcello Giombini

Synthomania

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1973
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik; Klassikrock / Adaptionen
Label: CAM
Durchschnittswertung: 10/15 (1 Rezension)

Tracklist

Disc 1
1. La Primavera 4:10
2. Asinarius 3:00
3. Synthotango 2:29
4. November 2:06
5. Synthosamba 3:23
6. Synthonapoli 2:08
7. L'Inverno 2:20
8. Synthodixie 2:18
9. Epicofonia 1:31
10. Synthodialogo 2:11
11. Musica Per Una Sconosciuta 3:12
12. Alla Turca 3:36
Gesamtlaufzeit32:24


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Marcello Giombini ist heutzutage wohl vor allem als Komponist von Filmmusik bekannt, der vornehmlich Italowestern orchestrierte - einschließlich des von Gianfranco Parolini mit Lee van Cleef in der Hauptrolle besetzten Klassikers "Sabata". Ab den frühen 70er Jahren allerdings befasste sich der 2003 im Alter von 75 Jahren verstorbene Römer zunehmend mit elektronischer Klangerzeugung und nahm - Berichten zufolge unter hauptsächlicher Verwendung des ARP-2600-Synthesizers - abseits seiner Filmkompositionen als einer der ersten Musiker des Landes neben Franco Battiato und Piero Umiliani Alben in diesem Sound auf. "Synthomania" ist eine dieser Platten und wurde 1973 in vergleichsweise biederer Form auf dem CAM-Label veröffentlicht, dabei aber immerhin auf dem Cover in mehreren Sprachen ausgewiesen (und auf Deutsch wird aus der LP eine "Beschallungs Platte"). Nun ja.

Enthalten ist eine unterhaltsame Mischung aus Eigenkompositionen, Stilübungen und Adaptionen, was "Synthomania" ein bisschen den Charakter eines Arbeitsdokuments verleiht, wirkt es doch mithin, als würde Giombini hauptsächlich die Möglichkeiten seines Instrumentariums und dessen Eignung für verschiedene Stile ausloten wollen. Aus Prog-Sicht fallen natürlich zunächst die Adaptionen auf: Vivaldi kommt mit dem "Frühling"-Allegro und dem "Winter"-Largo zu Ehren, Mozart ist mit seinem "Rondo alla turca" dran. Das Ergebnis fällt - wie könnte es anders sein? - gemischt aus: "La Primavera" verschreckt mit harsch sägenden Tönen, wohingegen "L'Inverno" mit seinem tröpfelnden Arpeggio und der geisterhaften Stimme für die Melodie überzeugt. "Alla Turca" schließlich liegt dazwischen und stellt die rhythmische Komponente des Originals ganz gut heraus.

Unter die genannten "Stilübungen" fallen "Synthotango", "Synthosamba", "Synthonapoli", "Synthodixie" und, nur dem Namen nach, "Synthodialogo" (als lustiger Bossa mit tatsächlichen "Dialog"-Passagen). Auch hier gibt es Höhen und Tiefen: "Synthosamba" klingt mit metallisch-dumpfen Rhythmen sehr maschinell und nach allem anderen als der Copacabana. "Synthotango" dagegen ist wieder mit diesem heulend-tremolierenden Sound, wie ihn Progger sonst vielleicht von Genesis' "Entangled" oder "Unquiet Slumbers For The Sleepers..." kennen, recht passabel gelungen, ähnlich wie das muntere "Synthonapoli", das ganz dem Namen entsprechend natürlich eine Tarantella abbildet und ähnlich groovig ausgefallen ist wie "Alla Turca". "Synthodixie" schließlich amüsiert, greift es doch sehr genau späteren Oliver-Onions-Nummern vor und imitiert zudem die in diesem Genre unerlässlichen Klarinette, Posaune und Tuba ziemlich akkurat.

Die eigenen Stücke schließlich gehen einen anderen, überraschend düsteren Weg, die noch mehr vorwegnehmen zu scheinen. So erinnert das düstere "Asinarius" beispielsweise anfangs entfernt an Kraftwerks "Radiosterne", spitzt sich dann aber unter Einsatz Keith-Emerson-artiger Jazz-Soli bedrohlich zu. "November" ist eher neobarock, zugleich etwas minimalistisch ausgefallen, "Epicofonia" geht mit übereinander geschichteten Fanfaren einen ähnlich adaptiven Weg. "Musica per una sconosciuta" dagegen fällt mit verträumten Melodien über einem Arpeggiomotiv stimmiger aus. Hier und in "Asinarius" kommt Giombinis Erfahrung als Komponist wohl am ehesten zum Tragen, und es erscheint durchaus denkbar, dass hiermit tatsächlich der Weg für spätere Werke aus der Richtung Goblin/Fabio Frizzi/Libra geebnet wurde.

Natürlich lässt sich auch zu "Synthomania" wieder einmal einwenden, dass die verwendete Elektronik mittlerweile sehr archaisch wirkt und das Album somit vom gleichen Makel wie beispielsweise "Switched-On Bach" betroffen ist (Zitat Kollege Michael: "Aus heutiger Sicht ist das ganze eher unfreiwillig komisch und klingt wie MIDI-Dateien, die auf einer billigen PC-Soundkarte gespielt werden."). Trotzdem finde ich, dass die Faszination, die von dieser damals gänzlich neuen Art der Tonerzeugung ausging, auch heute noch nachvollziehbar ist - ohne großartige Möglichkeiten zur Programmierung musste ja praktisch jeder Ton (hörbar!) von Hand eingespielt werden. In technischer Hinsicht steht "Synthomania" damit ziemlich genau am Übergang von "handgemachter" zu - ich weiß, Klischee - "programmierter" Musik. Was dieses Album neben der recht bunten Mischung bereits hörenswert machen sollte. Ah ja, ein Wort noch zur Verfügbarkeit: Neuauflagen hat "Synthomania" im Gegensatz zu anderen Giombini-Alben ("Computer Disco", "Astromusic") bislang leider nicht erfahren. Hier darf man sich dann wohl bis auf weiteres vom Internet helfen lassen.

Anspieltipp(s): Asinarius, Alla Turca, Synthonapoli
Vergleichbar mit: zwischen Wendy/Walter Carlos, Keith Emerson und Oliver Onions
Veröffentlicht am: 20.7.2018
Letzte Änderung: 5.8.2018
Wertung: 10/15
Sympathiepünktchen ist enthalten

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Marcello Giombini

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1980 La Bestia Nello Spazio 10.00 1
1981 Astromusic Synthesizer 11.00 1
1982 Computer Disco 9.00 1

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