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Yes Featuring Jon Anderson, Trevor Rabin, Rick Wakeman

Live at the Apollo

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018
Besonderheiten/Stil: live; Klassischer Prog; Melodic Rock / AOR
Label: Eagle Rock
Durchschnittswertung: 10/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Jon Anderson vocals, guitar, harp
Trevor Rabin guitar, vocals
Rick Wakeman keyboards

Gastmusiker

Lee Pomeroy bass
Lou Molino III drums

Tracklist

Disc 1
1. Intro/Cinema/Perpetual Change 11:20
2. Hold On 8:00
3. I've Seen All Good People 7:43
4. Lift Me Up 7:11
5. And You And I 10:40
6. Rhythm of Love 4:55
7. Heart of the Sunrise 11:26
Gesamtlaufzeit61:15
Disc 2
1. Changes 6:59
2. Long Distance Runaround/The Fish (Schindleria Praematurus) 6:17
3. Awaken 22:40
4. Make It Easy/Owner of a Lonely Heart 9:46
5. Roundabout 7:34
Gesamtlaufzeit53:16


Rezensionen


Von: Nik Brückner @ (Rezension 1 von 2)


Yes featuring ARW.

Yes? Yes featuring ARW?

Kein Angst, ich entwirre das mal.


Yes? Oder ARW? Oder Yes featuring ARW? Oder doch Yes?

Yes featuring ARW sind Jon Anderson, Trevor Rabin und Rick Wakeman. Ihre Band existiert derzeit gleichzeitig mit Yes. Und um es gleich zu sagen: Es besteht ein Disput darüber, ob ARW nicht vielleicht die eigentlichen Yes sind. Da man dieses Album nicht rezensieren kann, ohne diesen anzusprechen, will ich eingangs kurz darauf eingehen. Die Antwort ist ohnehin recht einfach, wenn man historisch argumentiert, und das will ich hier tun.

Trevor Rabin verließ Yes nach dem Ende der "Talk"-Tour im Oktober 1994, um sich der Filmmusik zu widmen. Er ist seither nie zu Yes zurückgekehrt. Rick Wakeman wurde während der Pause nach der Tour zum 35jährigen Jubiläum der Band 2004 von seinen Ärzten darauf hingewiesen, dass lange Tourneen seine Gesundheit beeinträchtigen. Als Squire, Howe und White 2008 beschlossen, mit Yes weiterzumachen, ersetzte Oliver Wakeman seinen Vater. Der ist seither nie zu Yes zurückgekehrt. Und Jon Anderson ist seit 2004 de facto, und seit 2009 überhaupt nicht mehr bei Yes. Er arbeitete seither solo und mit anderen Musikern, darunter waren auch Rick Wakeman und Trevor Rabin. Zu Yes ist er aber nicht mehr zurückgekehrt.

Keiner der drei ist je zu Yes zurückgekehrt.

Anfang 2010 gaben Anderson, Rabin und Wakeman dann bekannt, dass sie sich zu einem Projekt zusammengefunden hätten, das Yes-Material live spielen, aber nicht Yes heißen sollte. Bis Ende 2015 geschah jedoch nichts, was man von außen hätte wahrnehmen (also z. B. kaufen) können.

Dann starb Chris Squire. Sein Tod beflügelte die drei, sich ihrem Projekt nun doch mit einigem Engagement zu widmen. Seit Oktober 2016 waren sie als "ARW" unterwegs, Anfang 2017 haben sie dann begonnen, den Namen "Yes featuring Jon Anderson, Trevor Rabin, Rick Wakeman" zu verwenden.

Yes allerdings ist zweifelsohne die Band, die Chris Squire einst gründete, und die er bis zu seinem Tod nie verlassen hat. Und Chris Squire war niemals Mitglied von ARW.

Jon Anderson wiederum, der zweite Gründer von Yes, ist, wie gesagt, nach 2004/2009 nicht wieder zu dieser Band dazugestoßen, entsprechendes gilt für Rabin und Wakeman. Das bedeutet, dass jede Band, in der Anderson, Rabin oder Wakeman heute sind, also auch ARW, nicht Yes sein kann.

Rechtlich gesehen ist die Lage kompliziert, weil es mehrere Handelsmarken gibt, die sich gegenseitig überlagern und überschneiden. Entscheidend ist aber eine eingetragene Marke, die im Besitz von Jon Anderson und Alan White gleichermaßen ist. Dies erlaubt Anderson, seine Band "Yes featuring ..." zu nennen, während sie es Yes gleichzeitig nicht untersagt, sich "Yes" zu nennen. Es scheint daher eine Pattsituation zwischen den beiden Bands zu geben, die von beiden Seiten aus immer wieder beeinflusst wird. So nutzen etwa ARW hin und wieder das klassische Yes-Logo (das selbst wiederum mehreren verschiedenen Nutzungsrechten unterliegt), anderswann dann aber wieder nicht. (Bei diesem Live-Album zum Beispiel tun sie das nicht, und ziehen dagegen das hässlichste Cover vor, das - hihi, jetzt kommt's: ARW je hatten. Und Yes.)

Tatsächlich betrachtet man ARW am Besten als Yes-Ableger, ähnlich wie einst Anderson, Bruford, Wakeman & Howe (ABWH): Yes ist Yes, und ARW sind ARW. Wobei diese drei, anders als Anderson, Bruford, Wakeman und Howe damals, bis dato auf keinem einzigen Yes-Song gemeinsam zu hören sind, nicht einmal auf "Union". Dieses Album war bekanntlich eine Montage von Aufnahmen zweier verschiedener, konkurrierender Bands, die eine (ABWH) mit Wakeman, die andere (Yes) mit Rabin, und keiner hat auf einer Aufnahme des anderen gespielt.

Noch mehr Zahlen? Die derzeitigen Mitglieder von Yes kommen gemeinsam auf 98 Jahre Bandmitgliedschaft, die von ARW nur auf 59. Und die derzeitigen Mitglieder von Yes kommen gemeinsam auf 43 Yes-Studioalben, die von ARW nur auf 28. Okay, okay, jetzt ist's aber gut.

Die Beziehungen zwischen den Bands sind nicht besser geworden, seit ARW ihren Namen in "Yes featuring ARW" geändert haben, sich vollmundig als "the definitive line-up of the greatest band in the history of progressive rock" bewerben, und Anderson nicht wenig überheblich verkündet: "whatever I do is Yes". Howe wurde anlässlich solcher "L'état c'est moi"-Äußerungen 2017 vom "Prog"-Magazin zu diesem Thema interviewt, und benutzte dabei eine Sprache, die von der Zeitschrift danach als "verachtend, und recht anschaulich" beschrieben wurde. Er bat anschließend darum, dass seine Kommentare nicht verwendet wurden. Und ARW lassen nicht locker: Obwohl ihre Band erst seit 2010 existiert, und erst seit 2015 wirklich aktiv ist, haben sie auf das Cover von "Live at the Apollo" die Worte "50th Anniversary" gedruckt.

Was mich nervt ist, wenn, wie offensichtlich auch hier, versucht wird, die Fans in solche Streitereien hineinzuziehen. Wenn Anderson lautstark verkündet: "We are the true Yes!" und: die Anderen sind "fool[ing] the public!", ist das lächerlich und klein, und dem großen Erbe dieser Band nicht angemessen. Wenn es zwei konkurrierende Bands gleichen Namens gibt, ist das für das Ansehen eines jeden Musikers der Supergau und zu Recht jedes Mal Anlass für Häme. Leider überrascht einen bei Yes allerdings gar nichts mehr. Das macht traurig, insbesondere im fünfzigsten Jahr des Bestehens dieser einst großartigen Band. Yes, wohlgemerkt, nicht ARW. Und ich sage es gern nochmal: Yes hin, ARW her, mir ist es egal, wer Yes-Musik macht, solange es Yes-Musik ist, und solange sie sie gut machen. Mir gefällt dieses Gegeneinander nicht, es gibt schon genug Spalter in dieser Welt. Ich kann verstehen, dass man emotional sehr an seinen alten Helden hängt, aber alte Helden gibt es in beiden Bands. Man kann doch einfach beide mögen, ohne sich in die lächerliche Streiterei ums Yes-Sein hineinziehen zu lassen. Was auch immer das Management von ARW versuchen mag - es ist glasklar, welche Band Yes ist, und welche nicht.

Und die Fans scheinen das auch nicht mit sich machen zu lassen, auch wenn ein kleiner Teil hart für oder gegen die eine oder die andere Band argumentiert: Der Erfolg der beiden Bands ist ziemlich gleichmäßig verteilt: Yes und ARW verkaufen jeweils zwischen 1500 und 2000 Karten pro Konzert. Da liegt der Verdacht nahe, dass es die gleichen Leute sind, die auf die Konzerte von Yes und ARW gehen.


Live at the Apollo

Und so ist, ganz folgerichtig, die erste Veröffentlichung von ARW ein Live-Album - auch wenn uns schon für 2016 ein Studioalbum versprochen worden war. Aber Studioaufnahmen sind heutzutage kostspielig, insbesondere bei Musikern, die bekannt langsam arbeiten. Deshalb erscheint nun erst einmal "Live at the Apollo", ein Konzert vom 25. März 2017, das in Manchester stattfand.

Beginnen wir mit der Setliste, denn die wurde in Fankreisen bereits heiß diskutiert. Oder besser: lau. Denn was diesen Punkt betrifft, hat sich schnell Enttäuschung breitgemacht: In typischer Yes-Manier hatte man zuvor echte Überraschungen angekündigt, darunter zwei oder drei Songs von "Talk", Stücke von "Tormato" und selten gespieltes Material wie "Shoot High, Aim Low" oder "Mind Drive". Ja, sogar neue Songs sollten live vorgestellt werden! Und was die unvermeidlichen Standards anging, versprachen Anderson, Rabin und Wakeman größere Umbauarbeiten, mit dem Ziel, das Material so klingen zu lassen, als wären alle drei zur Entstehungszeit zusammen in der Band gewesen. Wakeman sprach gar von den "Yes aus dem 22 Jahrhundert". All das wurde in der Folge Stück für Stück zurückgenommen, bis davon nichts weiter übriggeblieben war, als die Nostalgie-Show, die kritische Geister von Anfang an prophezeit hatten; und die - schlimmer - Yes seit 25 Jahren auch schon spielen.

Von den wenigen selten live gehörten Stücken erscheinen auf dem vorliegenden Release nur "Lift Me Up" und, wohlwollend hinzugerechnet "Hold On" und "Changes". ARW spielten hin und wieder auch "South Side of the Sky", "I am Waiting" und ABWHs "The Meeting", die hätten das Album immens aufgewertet, aber da man mit einem Live-Release eh schon auf Nummer sicher geht, kann man es auch gleich ganz sicher machen, und die Songauswahl auf die bekanntesten Klassiker beschränken. Schade. Denn hinter vorgehaltener Hand - oder auch ziemlich offen - sagt mittlerweile jeder Yes-Fan, dass er "I've seen all good people", "Perpetual Change", "Owner of a lonely Heart" oder "Roundabout" nicht mehr live hören muss.

Was kann man über die Performance sagen? Frontmann Anderson singt überraschend gut, und zwar so gut, dass man ihm sein Alter nicht anhört. Dafür hört man die Nachtigall trapsen. Denn wer ihn in den letzten Jahren auf Konzerten gehört hat, weiß, dass ihm die Kraft der Jugend nicht mehr ganz zur Verfügung steht, seine höhen Töne oft ein wenig schrill klingen, und er manchmal Mühe hat, ein Crescendo aufrechtzuerhalten. Davon ist hier, wie gesagt, keine Spur.

Rick Wakeman ist Rick Wakeman. Er sorgte bei den beiden Live-Konzerten, die ich gesehen habe, für die größte Überraschung, fehlte es in seinem Spiel doch an nichts, was man aus früheren Tagen kennt. Allenfalls in den stillen Passagen in "Awaken", in denen er fast alleine spielt, haperte es ein wenig mit dem Rhythmusgefühl. Auch davon ist hier keine Spur. Bei den Klassikern spielt er stilistisch perfekt genau das, was diese Songs erfordern. Bei Songs wie "Lift me up" oder "Rhythm of Love" soliert er über die Strophen und/oder die Refrains, und dann wird's passagenweise doch ein wenig altbacken. Wakemans Stil mag einfach nicht zu dem sleaken AOR der 80er und 90er passen.

Rabin überraschte ebenfalls, aber in die andere Richtung: Er, obwohl zehn Jahre jünger als die anderen beiden, zeigte die größten Schwächen. Davon ist hier - Ihr ahnt es schon. Während er in den 80ern die Yes-Klassiker regelmäßig zerstörte - besonders schlimm war's auf der Big-Generator-Tour - passen sein Sound und sein Stil nun sogar ausnehmend gut zu dem insgesamt recht wuchtigen Gesamtklang der neuen Band. Aber dazu gleich mehr.

Lee Pomeroy liefert eine tolle, eigenständige Leistung am Bass ab. Er nimmt sich Freiheiten, besonders natürlich bei den Solo-Passagen (z. B. in "Heart of the Sunrise"), dennoch (oder gerade deshalb) dürfte dem einen oder der anderen Billy Sherwood, der offizielle Squire-Ersatzmann, besser gefallen, der Squire ja geradezu channelt. Lou Molino III. dagegen - nun, der Mann ist einfach kein besonders subtiler Schlagzeuger. Er spielt sehr geradeaus und fällt in Passagen, in denen man das raffinierte Originalschlagzeug im Ohr hat, sei es von Bruford, sei es von White, geradezu störend auf.

Von den großen Umbauarbeiten, die angekündigt waren, ist nicht viel übriggeblieben. Kleine Veränderungen gibt es aber doch: Wakeman spielt die auf der akustischen Gitarre nur implizierte Melodie am Beginn von "I've seen all good people" auf dem Keyboard mit. Andere Songs haben sogar kleine, meist sehr schöne Intros verpasst bekommen: "Hold on" ein pseudobarockes, "Long Distance" ein funkiges, "Awaken" ein bombastisches. "Rhythm of Love" wird gewissermaßen von einer Lightvariante seiner selbst eingeleitet, vor allem aber spielt Rabin hier ein wunderbares, sehr melodiöses Solo, wie man es von ihm bei diesem Stück noch nicht gehört hat. Und natürlich kriegt Wakeman auch hier noch Platz für ein typisches Wakeman-Solo eingeräumt. Solche Sachen sorgen für Überraschungen, allerdings nur für kleine, weil Yes sowas auch früher schon gemacht haben. Man vergleiche etwa Aufnahmen der "Talk"-Tour.

Trotzdem finde ich, dass es gar nicht so falsch ist, von den "Yes" (bzw. ARW) aus dem 22. Jahrhundert zu sprechen. Das große Plus des Albums ist nämlich sein für Yes untypischer, immens wuchtiger Gesamtklang. Gerade die rockigen Passagen, wie etwa in "Roundabout" oder in "All good people" kommen unglaublich druckvoll rüber, und diese Version von "Awaken" dürfte die pathetischste, ja bombastischste sein, die man je gehört hat. Und trotzdem ist jedes Instrument stets klar und deutlich zu hören.

Dass dabei klanglich nachbearbeitet wurde, überrascht nicht. Jeder, der ARW in den letzten Jahren live erlebt hat, weiß, dass ihre Konzerte bei aller Qualität der Performance nicht ohne größere Wackler über die Bühne gehen - vor allem in schnellen Staccatopassagen wie etwa in "Perpetual Change". Oder dass der mehrstimmige Gesang nicht immer perfekt sitzt. Davon ist hier natürlich keine Spur. Man kann es aber auch gut daran hören, dass man das Publikum (das man auf der DVD altersbedingt eher beim konzentrierten Zuhören sieht), unvermittelt mitten in den Songs ohne erkenntlichen Grund in laute Begeisterungsstürme ausbrechen hört.

Yes haben bei ihrem letzten Live-Album "Topographic Drama" einen anderen Weg beschritten: Dieses Album wurde aus den besten Takes von zwölf Konzerten im Februar 2017 kompiliert, dafür gab es – angeblich – keine Overdubs. ARW gehen den anderen, den sicheren Weg. Kann man ihnen vorwerfen, ist aber üblich und macht zudem nichts: Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass ARW die bessere Live-Band sind. Das dürfen sie von mir aus gern mit einem kraftvollen Live-Album unterstreichen.


Fazit?

Tja. Ein starkes Album, ein sehr starkes, wenn auch eines, das deutlich nachbearbeitet wurde, und das, vor allem in Punkto Songauswahl, mir zu sehr auf Nummer sicher geht. So ambitioniert Anderson, Rabin und Wakeman in ihren frühen Interviews klangen, so wenig ist am Ende davon übrig. Als die Band ein neues Studioalbum vollmundig für Herbst 2016 ankündigte, hielt ich das für eine sehr mutige Idee, aber die Ambitionen haben auch 2018 noch nicht so weit gereicht. Stattdessen spielt man nun auf Sicherheit. Das ist okay, oder sagen wir, es wäre okay, wenn nicht im Voraus diese ganzen Sensationen angekündigt worden wären. Trotzdem ein starkes Album.


Aber die Geschichte geht weiter:

Seit einigen Tagen ist nun doch ein erster neuer ARW-Song zu hören, auf Youtube: Er heißt, taktisch klug, "Fragile", ist aber, um es gleich vorweg zu nehmen, meilenweit entfernt von der Qualität des gleichnamigen Yes-Albums. Der Song stammt von Trevor Rabin und war zuerst 2015 im Abspann einer Folge der TV-Serie "Agent X" erklungen. Anderson und Wakeman gefiel er, und sie spielten eine eigene Version ein. Der Fünfminüter sollte sogar in die Setlist der Band aufgenommen werden, hat das bis dato aber noch nicht geschafft.

Wie und warum "Fragile" auf Youtube gelandet ist, ist unklar. Vielleicht wollten ARW ja mal testen, wie ihre neue Musik bei ihren potenziellen Käufern ankommen würde. Wenn ja, ist das Ergebnis recht gemischt: Während die einen in ihm sowas wie die Essenz von Yes hören, weil er so friedlich sei und positiv, sagen die anderen, und nicht zu Unrecht, dass er auf dem letzten Yes-Album "Heaven & Earth" nicht aufgefallen wäre - und das wird inzwischen allgemein für das schlechteste Yes-Album von allen gehalten. Wenn ARW also immer noch den Anspruch erheben, die eigentlich wahren Yes zu sein, müssen sie im Vergleich zu "Fragile" (dem Song), noch einiges an Qualität zulegen. Im Vergleich zu Yes nicht weniger.

Ob das aber je geschieht, und wir tatsächlich mal ein Studioalbum von ARW erleben werden, steht heute mehr denn je in den Sternen. Eine längere US-Tournee hat die Band abgelehnt, und für 2019 ist bis dato nichts geplant. Vielmehr will sich Rabin wieder der Filmmusik widmen, und einen Nachfolger seines großartigen Solo-Albums "Jacaranda" aufnehmen. Anderson spricht ebenfalls wieder mehr von Solo-Plänen: Sein Album "1000 Hands" erscheint im Herbst. Zwar ruderte Rabin mittlerweile zurück und widersprach Gerüchten, das Projekt ARW sei nun bald beendet - die Erfahrung lehrt uns aber, bei diesen Leuten mit Hoffnung sehr sparsam umzugehen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.9.2018
Letzte Änderung: 7.9.2018
Wertung: 12/15

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Von: Martin Dambeck @ (Rezension 2 von 2)


Tja, was soll man von dieser Veröffentlichung, von der mir die 2-CD-Version vorliegt, halten? Es ist ein sehr zwiespältiges Produkt geworden, so viel ist schon mal klar. Die Covergestaltung ist läppisch und ziemlich billig. Hey, zu Yes gehört ein Roger-Dean-Cover. Nach 50jährigem Jubiläum, wie auf dem Frontcover prangert, sieht das hier nicht gerade aus, aber was soll’s, die Musik ist entscheidend. Und hier beweisen Anderson, Rabin und Wakeman, dass sie eindeutig die frischere und lebendigere der beiden aktuellen Yes-Varianten sind. Anderson singt engelsgleich wie zu besten Zeiten. Rabins Gitarrenspiel ist griffig und variabel. Er spielt mal traditionell im Howe-Stil und dann auch wieder straight-rockig, so dass er den Songs seinen eigenen Stempel aufdrückt, ohne deren Identität zu verleugnen. Zwischendurch meint man sogar mal Mark Knopfler herauszuhören. Wakeman spielt mit gewohntem Pathos, erzeugt aber auch satte Keyboardkaskaden. Der Höhepunkt des Albums ist sicherlich seine beeindruckende Awaken Version. Das hat Klasse.

Die Songauswahl ist okay, es gibt ein paar Sachen aus den 8oern und frühen 90ern, dazu ein paar Klassiker, aber so richtig mutig kann man das nicht gerade nennen. Warum denn nicht mal beispielsweise was von Talk spielen? Hier wurde eine große Chance vertan. Da war die Drama-Aufführung der Howe-Fraktion spannender, auch wenn deren Darbietung etwas antiquiert daherkam.

Trotzdem ist „Live At The Apollo“ ein toller Livemitschnitt, der eine gut gelaunt aufspielende Formation zeigt. Doch es gibt ein großes ABER, denn irgendein Idiot hat beim Mix im 30- bis 45-Sekundentakt, so fühlt es sich zumindest an, immer wieder angeblichen Applaus des Publikums hochgemischt, häufig an den unmöglichsten Stellen. Das kann man sich gar nicht schön hören, das ist einfach unerträglich, so wie der tropfende Wasserhahn, der einen, wenn man erst mal darauf achtet, in den Wahnsinn treibt. Dieser Publikumsmix verleidet mir jedenfalls weitestgehend den Genuss dieser Scheibe, die davon abgesehen zu den besten Yes-Liveauftritten seit langem gehört.

Anspieltipp(s): Awaken
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 20.9.2018
Letzte Änderung: 20.9.2018
Wertung: 8/15
(Der Auftritt ans sich 12 - der unerträgliche Mix 4, macht in der Summe 8)

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Yes Featuring Jon Anderson, Trevor Rabin, Rick Wakeman

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2018 Live At The Apollo (Blu-Ray) 9.00 1

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