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The Pineapple Thief

Dissolution

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018
Besonderheiten/Stil: ArtPop; Independent / Alternative; New Artrock; sonstiges
Label: KSCOPE
Durchschnittswertung: 8/15 (1 Rezension)

Besetzung

Bruce Soord vocals, electric guitars, acoustic guitars
Jon Sykes bass
Steve Kitch piano, E-piano, synthesizer, percussion
Gavin Harrison drums, percussion

Gastmusiker

David Torn guitar on (8)

Tracklist

Disc 1
1. Not Naming Any Names 2:05
2. Try As I Might 4:26
3. Threatening War 6:37
4. Uncovering Your Tracks 4:29
5. All That You've Got 3:27
6. Far Below 4:36
7. Pillar of Salt 1:25
8. White Mist 11:05
9. Shed a Light 5:20
Gesamtlaufzeit43:30


Rezensionen


Von: Peter Meyer @


Pineapple Thief haben ein neues Kapitel aufgeschlagen. Formal zumindest. Zunächst einmal die guten Nachrichten: Gavin Harrison (Ex King Crimson, Porcupine Tree) ist wieder an den Fellen zugegen. Gavin ist auch ziemlich begeistert: „Es war wieder fantastisch, mit diesen Jungs zu arbeiten, zumal ich diesmal gleich zu Beginn [des Songwritings] dabei war“ gab er zu Protokoll. Die Meister der Depri-Mucke fahren mit ihrem 65er Plymouth Station Wagon (Bildvordergrund des Covers von „Your Wilderness“) weder aufwärts noch bergab, sondern eben und geradeaus. Auf der nach oben offenen Melancholieskala können sich die tropenfruchtaffinen Mundräuber dabei durchaus mit den Kondolenzbeauftragten von Riverside messen, auch wenn die gelegentlich mal härter losriffen.

Die Gesamtlaufzeit des Longplayers ist mit 43 Minuten überschaubar, aber er ist immerhin zwei Minuten länger als „Your Wilderness“. Und man bekommt nicht schon wieder so ein Doppelalbum auf´s Auge gedrückt, das ist ja auch schon mal etwas.

Not Naming Any Names erzeugt durch hauchigen Gesang und sparsame Instrumentierung (ähnlich sind Pillar of Salt und jeweils der Anfang von Threatening War und Shed a Light) erstmal einen falschen Eindruck. Die in Harrisons Privatstudio während des sechsmonatigen Produktionsprozesses aufgenommenen und abgemischten prägnanten Drumtracks, die bei Not Naming noch fehlen, sind nämlich bezeichnend für die saubere, luftige und klare Produktion.
Try as I Might nimmt mit einer gesunden Dosis Poprock glücklicherweise etwas Fahrt auf, ich fühle mich plötzlich an die alten U2 erinnert.
All That You´ve Got erklingt zwar in herbstlichen Molltönen, aber die Trübsalsgeigen des Vorgängers sind verschwunden. Die Thiefs haben mit allzu viel Keyboardeinsatz nicht viel am Hut, die vornehmlich im Midtempobereich angesiedelten Songs sind gitarrenorientiert mit dem Fokus auf eingängigen Refrains; gelegentlich gibt es Pianopassagen, Rhodes-Einsätze oder String-Synthesizer von Steve Kitch, der wohl neben Harrison auch für Percussion zuständig ist.
Far Below ist die Singleauskopplung; das Stück entstammt einer Jam Session zwischen Soord und seinem Drummer. Im Ursprung als 6/8 Ballade angelegt und mit einem rhythmisch facettenreicheren weiteren Verlauf, fällt es in der Zusammenstellung aber nicht besonders auf (wie man das von einer Singleauskopplung natürlich erwarten würde).
Sind die meisten Songs kompakt angelegt, ist mit White Mist ein längerer Song im Aufgebot. Mit schon bekanntem tristem - nein - besser: kontemplativem Beginn und einigen auschweifenden Verzierungen ist das genau das Gegenteil von kompakt. Progressive Tendenzen sind unterschwellig wahrnehmbar, wenn man sie denn wahrnehmen möchte. Abwechslungsreiche Soundeffekte und Drumkaskaden stehen im Vordergrund, das geht auf Kosten der Komposition, die etwas zerfahren anmutet: White Mist kommt lange nicht richtig „zum Punkt“. Das einminütige Gitarren-Fadeout gehört ebenfalls zu den gewöhnungsbedürftigeren Ideen. Dieser Song, um Redundanzen gekürzt und in fünf Minuten dargeboten, wäre klasse.
Der Abschluss, Shed a Light, bleibt außer dem beatlesquem All That You´ve Got nach farblosem Beginn am ehesten in Erinnerung, und das nicht, weil es der letzte Track ist. Im Mittelteil kommt was Krummtaktiges, es gibt also tatsächlich einen Abschnitt, der den Statuten der gemeinnützigen Deutschen Gesellschaft für Progressive Umtriebe (DGPU) entspricht.

Gemessen an den Maßstäben, die man a) an diese Band b) an das Subgenre "Art Rock" anlegen kann, lässt sich „Dissolution“ prima konsumieren. Höhere Ansprüche sollte man aber nicht stellen. Mit steigendem Bekanntheitsgrad haben sich die von vielen als Steven Wilson-Ersatz gelisteten Briten eine solide Fanbase erarbeitet und von „Your Wilderness“ (das Cover mit dem nostalgischen Kombi vor dem Bergmassiv) nach Auskunft der Plattenfirma mehr als 4 Millionen Streams abgesetzt, Platz 7 in den UK Independent Charts. Das verpflichtet. Was Nik Brückner zum Vorgänger befand, lässt sich natürlich bei dieser Veröffentlichung erneut feststellen. Sie ist sicherlichweit entfernt von simpler Radiomusik; was Komplexität angeht, haben die Kompositionen allerdings Luft nach oben. Immerhin erwartet den Hörer keine banale Pop-Mimikry (eine Anpassung, die entweder der Täuschung des Konsumenten oder dem eigenen Schutz dient, vgl. einige Stücke der neuen Spock´s Beard). Pineapple Thief spielen mit offenen Karten.

Anspieltipp(s): Shed a Light, All That You've Got
Vergleichbar mit: Porcupine Tree
Veröffentlicht am: 5.9.2018
Letzte Änderung: 5.9.2018
Wertung: 8/15
Also, manchmal passiert einfach zu wenig, Songs wie Pillar of Salt können einem schon ziemlich auf den Senkel gehen.

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von The Pineapple Thief

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1999 Abducting the unicorn 12.33 3
2002 137 10.00 2
2003 Variations on a Dream 12.33 3
2005 10 stories down 10.00 2
2005 4 stories down (EP) 10.00 1
2006 Little Man 12.00 2
2007 What we have sown 11.50 2
2008 Tightly Unwound 9.75 4
2010 Someone here is missing 11.00 2
2012 All The Wars 11.00 2
2013 Build a World 11.00 1
2014 Magnolia 10.50 2
2016 Your Wilderness 8.00 2
2017 Where We Stood 11.00 1

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