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Anderes Holz

Fermate

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018
Besonderheiten/Stil: Folk; Independent / Alternative; Punk; RIO / Avant; sonstiges
Label: Stf records
Durchschnittswertung: 10/15 (1 Rezension)

Besetzung

Tine Bass
Flusi Schlagzeug
Kunde Waldzither

Gastmusiker

DJ Tomate Vorschlaghammer auf Klavier (8)
Christine Walterscheid Singende Säge (10),Stimme (5),Gewisper (10)
Matt Korr Elektrische Gitarre (3,8), Klavier (10), Gewisper (10)
Michael Meyer Posaune (1)

Tracklist

Disc 1
1. Mosaik 5.36
2. Ein Geheimnis 12.52
3. Dysfunktion 4.08
4. Die Flamme 5.45
5. Lippen aus Schnee 3.08
6. Plankton 3.34
7. Die Stadt 5.23
8. Judo 12.36
9. Die bange Nacht 3.36
10. Der große Zampano 16.53
Gesamtlaufzeit73:31


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @


Eines Tages, Anfang August erreichte uns eine ungewöhnliche Anfrage zwecks einer Rezension. Von einer seltsamen Truppe, die sich Anderes Holz nannte. Man verstehe sich als Prog Band, hieß es, und man generiere „undeutliche Musik, irritierenden Sound und schräge Texte“, das alles mit Waldzither statt Gitarre. Ich hielt das ganze zunächst für einen Scherz, besonders das mit der Waldzither. Aber nein, die gibt es wirkllich, die Band mit der Waldzither statt Gitarre, wie ich kurz darauf feststellen musste.

Die kurzen Teaser und andere Musik-Fragmente im Internet deuteten zunächst auf einen leicht schrägen Alternative Postpunk Folk mit Hang zu undurchdringlich-metaphorischen, oder sozialkritischen Texten und makabrem Humor. Aber da zeigte es sich mal wieder: um sich ein vernünftiges Urteil zu bilden, sollte man ein ganzes Album hören. Auf der eigenen Website bezeichnen sich Anderes Holz als „Progressive Folk Rock Trio mit Waldzither“. „Irgendwo zwischen Pink Floyd und Ton Steine Scherben“ sei die Musik angesiedelt. Die eigene stilistische Bandbreite reiche von „ohrwurmigen Folk- und Punk-Songs“, über „psychedelische Longtracks“ bis hin zu „Avantgarde und lyrischem Art Rock“.

Es bleiben einem angesichts von solch einem eigensinnigen Gesamtkunstwerk fast sprachlosen Rezensenten wohl nur zwei Möglichkeiten: entweder die Vision der Künstler zu übernehmen (was mitunter viele Zitate aus der bandeigenen Webseite bedeutet), oder zu versuchen, das Gebotene in der musikalischen Realität zu verorten, was in diesem Fall eine ergebnis- und sinnlose Suche nach stilistischen Vergleichen bedeuten würde. Obwohl, die Herangehensweise in einigen Stücken, da eine Portion Punkiges, dort ein wenig Avantgardistisches, das wäre doch einigermaßen mit Pere Ubu vergleichbar, die wir ja auf unseren ehrwürdigen Seiten schon haben. Aber die Bandbreite von Anderes Holz geht noch ein wenig darüber hinaus.

Anderes Holz bedeutet ein Gesamtkunstwerk aus Artwork, theatralischen Konzerten, seltsamen bis originellen Texten im CD-Heft, den recht bizarr erscheinenden Gestalten auf den Bandfotos, launischem Sprechgesang, der gerne mal ins Theatralisch-Hysterische abgleitet und einer Musik, die zwischen scheinbarer Eingängigkeit und Avantgarde wechselt.

Zurück zu der Waldzither: bei Anderes Holz wird sie nach meinem bescheidenen Eindruck wie eine Mischung aus gemäßigt rockender Gitarre und Mandoline gespielt. Dem Postpunk-Folk-Alternative Rock von Anderes Holz werden jedenfalls genug komplexe Bridges, Übergänge und Rhythmen beigemengt, die ich mir bei so mancher in der „Progszene“ anerkannter Progband wünschen würde.

Es gibt auch mehrere Stellen auf dem Album, an denen die scheinbare Eingängigkeit verlassen wird, um sich den experimentellen Klängen zu widmen. In „Geheimnis“ sind es melodische Rezitationen zu den hypnotischen Rhythmen. In „Judo“ wird unvermittelt zu einer avantgardistischen Improvisation übergegangen, die mich an die King Crimson-Besetzung mit Jamie Muir erinnert. Und es gibt einige Stellen in „Der große Zampano“ (und nicht nur dort), wo das Gebotene doch stark einem präzisen Mathrock ähnelt. Und überhaupt, wie in „Der große Zampano“ aus den Elementen des Folk, des Mathrock und aus den Singer-Songwriter-Passagen ein progressiver Longtrack entsteht, erscheint mir schon ziemlich einmalig.

Vom Charakter und Wirkung (auf mich) her halte ich das beinahe schon epische „Judo“ für eine Avantgarde-Postpunk-Prog-Entsprechung von „Creepshow“ von Twelfth Night. (Falls ein eingeschworener Neoprog-Freund es bis zu dieser Stelle im Text geschafft haben sollte: dieser Vergleich ist in jeder Hinsicht ohne Gewähr).

Wer sich zwischen Postpunk, Folk, Prog und Avantgarde unterhalten lassen möchte, der sollte Anderes Holz doch mal antesten. Es sollte doch mehr Bands geben mit Waldzither als führendem Instrument.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 10.9.2018
Letzte Änderung: 10.9.2018
Wertung: 10/15

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