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London Underground

Four

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018
Besonderheiten/Stil: instrumental; Jazzrock / Fusion; Psychedelic; RetroProg
Label: Musea
Durchschnittswertung: 10/15 (1 Rezension)

Besetzung

Gianluca Gerlini hammond organ, piano, clavinet, mellotron, elka, moog, logan
Stefano Gabbani bass
Alessandro Gimignani drums, percussion

Gastmusiker

Fabio Baini bass
Riccardo Cavalieri acoustic & electric guitar, violas
Stefano Negri saxophone

Tracklist

Disc 1
1. Billy Silver 6:22
2. Ray Ban 3:31
3. At Home 7:20
4. The Comete 4:30
5. What I Say 7:40
6. Tree Job of Man 5:23
7. Tropic of Capricorn 6:18
8. Jam 7:17
9. Mercy, Mercy, Mercy   (CD & digital bonus track) 2:18
10. Bumpin' On Sunset   (CD & digital bonus track) 5:10
Gesamtlaufzeit55:49


Rezensionen


Von: Peter Meyer @


"London Underground" ist ein ungünstiger Name für eine Band. Obwohl er wunderbare Erinnerungen an spannende Fahrten mit der 6-Day-Travelcard wachrufen kann. Aber versucht man, die Band zu googeln, fangen die Probleme an: Welches Ticket ist das Richtige für mich? Vor Ort kaufen, oder besser online buchen? Habe ich überhaupt das verlangte amtliche Passbild, oder muss ich in eine dieser stinkenden Fotoboxen?

London Underground! Etikettenschwindel? Eine italienische Band macht amerikanische Musik, genauer: Crossover-Fusion, etwa wie ihn das selige Label von Dave Grusin und Larry Rosen, GRP, eine gute Strecke vor der Jahrtausendwende erfolgreich zu vermarkten wusste. Schon damals reagierten Jazz-Puristen mit einer Mischung zwischen verschreckt, humorlos und angestrengt: „Fahrstuhlmusik“, schnell war ein abwertender Begriff für diese entspannte Kunstform gefunden. In diesem Fall ist es wohl so, dass die Italiener ihre emotionale Nähe zur Musik der Dekade dadurch zu erkennen geben möchten, indem sie sich nach einer wegweisenden Platte von Herbie Mann aus dem Jahr 1973 benannten (dessen Musik dort strukturell ähnlich aufgebaut ist - ein paar griffige und nicht zu schroffe Harmoniefolgen als Basis für die farbenfrohen Improvisationen eines Reigens von Solisten).

Also, nix mit London, keine Themse im Nebel, stattdessen Entspannung an der Westcoast: Diese Musik klingt amerikanisch. Das möchte ich hören, wenn ich mit dem Mustang Cabrio die National One von Frisco nach L.A. runtergleite! Untertourig und bei Sonnenuntergang. (Nun, wahrscheinlich ist es dann doch wieder die B236 bei Plettenberg-Pasel, und ich sitze in einem alten Ford Mondeo).

London Underground! Das florentiner Trio und seine Gäste (diesmal am Bass, den Gitarren, dem Saxophon und der Bratsche) machen Fahrstuhlmusik, einen richtig verschärften Paternoster-Soundtrack, einen coolen Elevator-Score, wie beim dritten Album wieder instrumental. Davon zeugt gleich Billy Silver. Zwei Harmonien, wirklich, es sind nur zwei (!) sorgen für ein Höchstmaß an Vintage-Gelassenheit. Aber es ist natürlich nicht dieser Klassiker, der ständige Wechsel zwischen a-moll 7 und F, sondern das bemerkenswert arrangierte und vorgeführte Drumherum. Mit ähnlichen minimalistischen Ambitionen, wie beispielsweise Pat Metheny (Are You Going With Me), Herbie Hancock (Cantaloupe Island) oder Alphonse Mouzon auf seinen Soloalben, bauen Keyboarder Gianluca Gerlini und seine neuen Mitstreiter Stefano Gabbani (bass) und Alessandro Gimiginan (Drums) nicht nur für diesen Track eine solide Basis für Gerlinis Hammond- und Rhodesläufe über die zugehörigen Blues-Skalen.

Die erste im Wasserdampf um die Golden Gate Bridge herum auftauchende Assoziation ist jedoch nicht Metheny oder Hancock, sondern Deodato (Super Strut), der - zweifellos mehr Brasilianer als Amerikaner - auf seinem zweiten Album ("Deodato 2") ein unbarmherziges Aufgebot an partyzentrierten Jams zündete, die man sich auch heute noch sehr gut reinziehen kann. Fahrstuhlmusik, die abfährt! Deodatos Hauptinstrument war das Fender Rhodes E-Piano (gespielt mit Tremolo am Anschlag), und genau so hält es Nachfahre Gerlini, obwohl er auch Moog, Hammondorgel und dem Mellotron vertraut. Der Jazzer aus Rio de Janeiro schwor auf Coverversionen von bekannten Melodien, London Underground bieten höchst eigene Interpretationen von Miles Davis´ What I Say (treibender Bass, über Verzerrer gespielte Rhodes, abgefahrene Saxophon- und Gitarrensoli) und Cannonball Adderleys Evergreen Mercy, Mercy, Mercy (voluminöser B3-Sound).
Weitere Hinhörer sind das endrelaxte Bumpin on Sunset (da haben wir wieder die National One im Programm), der dynamische Boogie Jam (macht seinem Namen alle Ehre und lehrt Moog-Hasser das Fürchten) und das synthesizerdurchwobene Latinstück Tropic Capricorn.

Das ist zwar nicht so richtig Prog, wie er im Buche steht, aber auf jeden Fall sogar noch besser als ein Mitternachts-Cruise mit der Circle Line. Ehrlich!

Anspieltipp(s): Überall mal reinhören
Vergleichbar mit: ganz vielem aus den funky, funky Seventies
Veröffentlicht am: 14.9.2018
Letzte Änderung: 14.9.2018
Wertung: 10/15
Der Underground kommt mit wenigen Harmonien aus, aber es wird nie langweilig.

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von London Underground

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2000 London Underground 9.00 1
2003 Through a glass darkly 11.00 1
2010 Honey drops 10.00 1

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