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24974 Rezensionen zu 17123 Alben von 6671 Bands.
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Regal Worm

Pig Views

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018
Besonderheiten/Stil: ArtPop; Canterbury; Folk; Jazzrock / Fusion; Klassischer Prog; RetroProg; RIO / Avant; Spacerock; Zeuhl; sonstiges
Label: Quatermass / The Uranium Club
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Jarrod Gosling Gesang, Gitarre, Keyboards, Klavier, Bass, Mandoline, Akkordeon, Schlagzeug, Glockenspiel, Percussion

Gastmusiker

Peter Rophone Gesang, Gitarre
Louis Atkinson Saxofon
Emily Ireland Gesang
Heidi Kilpeläinen Gesang
Graham McElearney Harfe
Paul Putner Gesang
Mick Somerset-Ward Saxofon, Querflöte

Tracklist

Disc 1
1. Rose, Rubus, Smilax, Vulkan 7:17
2. Revealed As A True Future Tyrant 5:29
3. Pre-Columbian Worry Song 5:24
4. Rose Parkington, They Would Not Let You Leave 7:06
5. Jag Vet   (Under den svenska vintern (During The Swedish Winter)) 1:36
6. The Dreaded Lurg

1. Catch Your Death
2. He Hath Rear’d His Sceptre O’er The World
3. To Hunt An Ancient Vampire

14:53
7. Crystallisation 3:18
8. Huge Machine, You Are So Heavy 6:37
9. Butterfly 0:51
Gesamtlaufzeit52:31


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Da ist es! Bereits 2013, zu Zeiten des Debütalbums "Use And Ornament", wurde "Pig Views" angekündigt, dann aber verschoben - und das wiederholte sich auch in den Folgejahren. Dann kam 2014 mit "Neither Use Nor Ornament" sogar ein weiteres Album heraus und Jarrod Gosling widmete sich darüber hinaus noch anderen Projekten, während "Pig Views" weiterhin in der Schwebe hing. Und dann, im Juli 2018, war es schließlich doch noch so weit. Die übliche Frage hierzu: Hat sich die lange Wartezeit denn gelohnt? Die Antwort dazu gibt es dann wie ebenso üblich am Ende, zunächst einmal sei aber noch erwähnt, dass Auszüge aus diesem Album bereits bekannt sind: Auf der "Dissecting The Worm"-EP fanden sich "Rose, Rubus, Smilax, Vulkan" und "Crystallisation", und "Jag Vet" wurde seinerzeit ebenfalls als Single veröffentlicht. Ein Kuriosum ist noch die - wann sonst? - 2013 erschienene EP "Sausages", die nach den dortigen Angaben Outtakes der Sessions zu "Pig Views" enthält.

Diese Fakten jedenfalls machen schon mal deutlich, dass man von "Pig Views" a priori eines eben nicht erwarten kann: Stilistische Neuerungen gegenüber "Use And Ornament" oder gar "Neither Use Nor Ornament", denn ganz offensichtlich war das Material auf "Pig Views" ja schon vor mehr als fünf Jahren in der Mache und stammt so betrachtet aus dem selben Topf. Vermutlich bestand die eigentliche Arbeit, die Gosling in der Zwischenzeit bewerkstelligen musste, dann auch eher darin, die offenbar zahlreich vorhandenen Ideen zu sortieren, in einen Zusammenhang zu stellen und schließlich aufzunehmen (die genannten Stücke wurden dann auch von Grund auf neu eingespielt). Tja, das ist dann schon mal so ein eigentümliches Dilemma: Die Platte, die jahrelang auf sich warten ließ, ist nicht brandneu, sondern im Kern dann tatsächlich auch so alt. Aber ist das ein Nachteil?

Denn umgekehrt liegt damit natürlich auf der Hand, dass Gosling und Gäste stilistisch durchaus gefestigt agieren. Das eröffnende "Rose, Rubus, Smilax, Vulkan" stellt dabei sowas wie den Regal-Worm-Stil im Miniaturformat dar: Neckische AKustikpassagen mit Folkeinflüssen wechseln sich ab mit wuchtigen Rhythmen zwischen Spacerock-Gestampfe und zeuhligen Klaviermotiven sowie gelegentlichen Retroprog-Einschüben in Gestalt schwelgerischer Passagen mit Mellotronbegleitung. Dazu gibt es mal melodischen Gesang in höheren Lagen knapp unterhalb des Falsetts, mal kantig vom Chor skandierte Phrasen. Die Musik lebt also von diesen Gegensätzen ebenso wie von den mal jazzigen, mal verträumten und mal bizarren Stimmungen, die sich durch die begleitende Harmonik und die eigentümlichen Melodien ergeben. Wiederholung, vor allem gesangliche, wäre ebenfalls noch ein Punkt, der sich nicht nur hier im Zitieren des Songtitels äußert, sondern auch später immer wieder, beispielsweise in "Revealed As A True Future Tyrant" und in "Huge Machine, You Are So Heavy", wo diese Wiederholung von Phrasen beinahe an Mantras erinnert.

Wirklich interessant wird die Musik abseits dieses Grundstücks natürlich durch die verschiedenen instrumentalen Einschübe und Spielereien. So gibt es in "Revealed As A True Future Tyrant" und "Rose Parkington, They Would Not Let You Leave" nette Krummtakt-Passagen und in letzterem übrigens einen interessant groovigen Bass, der dieses Stück vorantreibt wie es ehedem Chris Squire mit "Does It Really Happen?" getan hat. Auch kuriose Breaks sind an der Tagesordnung, wobei in solchen Momenten relativ oft auf das Mellotron zurückgegriffen wird. Viel her machen auch die Einsätze der Gast-Saxofonisten, die sowohl für erfrischend aggressive Soli als auch für die Verarbeitung von zuvor gespielten Keyboard-Melodien zu haben sind. Dieses Spielen mit Themen ist dann ein anderes kompositorisches Spezifikum, das auf "Pig Views" stärker ins Auge fällt als noch auf den beiden "Use/Ornament"-Platten, und gerade der Quasi-Abschluss "Huge Machine, You Are So Heavy" besteht nach seinem William-Drake-artigen Anfang (mit Akkordeon und monolitischem Chor-Refrain) aus einem bestens konstruierten Instrumentalpart, in dem - zwischen und über diesen wuchtigen Space-Zeuhl-Sounds - Keyboards und Blasinstrumente quasi kommunizieren.

Eine gesonderte Erwähnung verdient noch "The Dreaded Lurg", das mit den beiden sich hier dann lediglich als Zwischenstücke entpuppenden "Jag Vet" und "Crystallisation" den Hauptteil eines Epos' namens "Under den svenska vintern (During The Swedish Winter)" darstellt. Denn auch dieser Longtrack baut sich langsam und eng verzahnt auf, delegiert dabei Melodien und Motive immer wieder an verschiedene Instrumente und fällt mit starker Klavierbegleitung nach einigen Minuten vergleichsweise jazzig aus, so in Richtung Dave Brubeck. Von hier aus steigert man sich dann und gibt insbesondere über die Orgel einiges an Schub, nimmt sich dazwischen aber immer wieder Ruhepausen, um mit dem Mellotron die "Klara Till Slutet"-Melodie von "Use And Ornament" zu zitieren. Es folgt eine kurze, leicht marschierende Passage, die in einer Art Wartestellung verharrt, was angesichts echoender Tom-Einwürfe etwas an "A Day In The Life" erinnert. Im Schlussteil gibt's dagegen dann wieder vertrackten Jazzrock mit Sax-Riffing, das aber nicht ohne burleske Einwürfe mit Polka-Rhythmik. Auch hier also ein abwechslungsreicher und schlüssiger Longtrack.

Nicht ganz gelungen ist hingegen der geradlinige "Pre-Columbian Worry Song", der zwar mehrstimmig in dieser eigenartigen Melodik gesungen wird, bis auf einen Offbeat-Part in der Mitte aber eher merkwürdigerweise die sonst gebotene Abwechslung völlig vermissen lässt und außerdem vergleichsweise kühl und spröde klingt. Ansonsten fällt eigentlich nichts wirklich negativ auf, lediglich "Revealed As A True Future Tyrant" ist seltsam zweigeteilt und erreicht mit der auf ein paar Einkaufszentrum-Soundeffekte folgenden Wiederaufnahme des akustischen Intros und der folgenden Retroprog-Passage leider nicht den Schwung der ersten Hälfte. Außerdem outen sich wie erwähnt eben "Jag Vet" und "Crystallisation" als bloße Zwischenstücke, die für die übrigen Songs nicht mehr als eine flankierende Rolle einnehmen - ähnliches gilt auch für das Outro "Butterfly", das aus nichts als Swing in Grammophon-Qualität und darüber einer Rezitation besteht.

In der Summe ist "Pig Views" somit ein weiteres mehr als gutklassiges Regal-Worm-Album, das einige echte Pfunde bietet - den Status hätte sich Gosling damit also gesichert. Trotzdem bleibt bei mir persönlich noch ein gewisser Hauch der Enttäuschung, dass die angesichts der langen Vorlaufzeit erhoffte Revolution ausgeblieben ist. Die ich aber eben andererseits wie eingangs geschildert eigentlich gar nicht hätte erwarten dürfen. Und das Niveau von "Use And Ornament" - so ein gelungener Einstand ist ja immer auch eine Bürde - und "Neither Use Nor Ornament" hält "Pig Views" (mit Ausnahme von "Pre-Columbian Worry Song") ja fraglos.

Anspieltipp(s): Rose Parkington, They Would Not Let You Leave; The Dreaded Lurg
Vergleichbar mit: Caravan, VdGG, Cardiacs/The Sea Nymphs/William D. Drake, Focus
Veröffentlicht am: 21.9.2018
Letzte Änderung: 21.9.2018
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Regal Worm

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2013 Use And Ornament 13.00 1
2013 Dissecting The Worm (A Taste) 12.00 1
2014 Neither Use Nor Ornament (A Small Collection Of Big Suites) 12.00 1

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