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Gösta Berlings Saga

ET EX

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018 (12. Oktober)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Moderne Electronica; RetroProg; Spacerock
Label: InsideOut Music
Durchschnittswertung: 13/15 (1 Rezension)

Besetzung

Rasmus Booberg Gitarre, Synthesizer
David Lundberg Fender Rhodes, Mellotron, Synthesizer
Gabriel Tapper Bass, Basspedale
Alexander Skepp Schlagzeug, Percussion

Tracklist

Disc 1
1. Veras tema 3:37
2. The Shortcomings Of Efficiency 7:41
3. Square 5 7:02
4. Over And Out 4:36
5. Artefacts 5:56
6. Capercaillie Lammergeyer Cassowary & Repeat 6:58
7. Brus från stan 1:36
8. Fundament 9:59
Gesamtlaufzeit47:25


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Für Gösta Berlings Saga könnte die Geschichte just eine ganz neue, natürlich positive Wendung nehmen, denn für sein fünftes Album "ET EX" ist das Quartett aus Stockholm bei niemandem geringerem als InsideOut untergekommen. Vielleicht honoriert das die Tatsache, dass die Band von Anfang an einen vergleichsweise eigenen Weg eingeschlagen hat, der nur wenig mit dem zu tun hat, was bei anderen Truppen unter dem Etikett "Retroprog" verkauft wird, vielleicht scheinen sich im Hause GBS aber auch die Ambitionen Bann gebrochen zu haben, es noch mal professionell versuchen zu wollen - immerhin sind seit dem Vorgänger "Sersophane" gerade mal zwei Jahre ins Land gezogen und nicht etwa wie zuvor noch fünf, die auf "Glue Works" folgten.

An mangelnder Kreativität liegt es jedenfalls nicht, denn interessanterweise geben Gösta Berlings Saga ihr Debüt auf der etwas größeren Bühne keineswegs mit der logischen Fortführung von "Sersophane", sondern haben eine ganze Menge neuer Ideen im Gepäck. Die ersten Tracks sind davon freilich weniger betroffen: "Veras tema" ertönt noch recht Anekdoten-artig auf der Gitarre unter Begleitung von Rhodes-Akkorden, Mellotron-Flöten und -Streichern sowie massiven Taurus-Pedalen, und "The Shortcomings Of Efficiency" setzt auf eine klassisch spiralende Crimso-Melodie à la "One More Red Nightmare", "Fracture" & Co. Auch später gibt's noch solche lässigen, tendenziell auch leicht Western-artigen Melodien, beispielsweise in "Capercaillie Lammergeyer Cassowary & Repeat" und "Fundament". Bis man dort anlangt, wird man aber längst festgestellt haben, dass das Gros auf "ET EX" nunmehr aus ganz anderen Klängen besteht.

Denn schon in "The Shortcomings Of Efficiency" ertönt von Anfang an zu den eröffnenden schweren Klavier- und Gitarrenakkorden ein nervöses Synth-Ostinato, das später gemeinsam mit dem pumpenden Bass und dem marschierenden Schlagzeug deutlich in die Elektronik-Richtung weist. "Square 5" treibt diesen Stil dann mit massiven Bass-Synths, neckischer Sequenz und kühl gesampletem Rhythmus noch weiter. Dazu gibt's zwar immer noch das Rhodes, aber auch an Steeldrums erinnernde Klänge, und insgesamt erinnert die Musik hier viel mehr an Zombi, Zoltan und Voyag3r (oder meintwegen auch Röyksopp) als an den vergleichsweise rockigen Stil der Vorgänger. Auch "Over And Out" pflegt diese Linie mit einem harmonischen Mellotron-Chor über einem Synth-Ostinato und einem industriell anmutenden Schlagzeug, was entfernt an "Heart Machine" von Major Parkinson denken lässt.

Hingegen ist "Artefacts" weniger konkret ausgefallen, denn im wesentlichen gibt's hier düster-romantische Klavierakkorde, perkussive Schlagzeugeinsätze und nur sporadische Synth-Einsätze statt voller Sequenzen oder so. Aber vom "früheren" Stil ist auch das hier etwas entfernt. "Capercaillie Lammergeyer Cassowary & Repeat" wiederum wirft verschiedene Sequenzen durcheinander, samplet funkige Gitarren und entwickelt schließlich einen tänzelnden Charakter, und nach einer Ruhepause gibt's einen burlesken Schlusspart mit Bläser-artigen Sounds, die eine krummtaktige Melodie spielen, einem anschwellenden Schlagzeug und ganz allgemein dem Eindruck, eine wütende Fabelwesen würden ans Tor klopfen und Einlass fordern. "Fundament" schließlich bietet u.a. eine Art 80er-Sampling-Rhythmus im 4/4-Takt und teils fanfarenartige Motive, was abschnittsweise mit Fabio Frizzis "Zombi 2"-Thema zu assoziieren wäre.

Also, Elektronik, oder? Aber nun liegt der Clou darin, dass Gösta Berlings Saga trotzdem noch allerdhand in ihre Kompositionen stecken. Denn die Songs werden entgegen der Assoziation zu diesem Genre nicht einfach drauflosgespielt, sondern sind im Gegenteil dazu ziemlich beeindruckend angelegt und bieten einiges an Variation und Struktur. Das geschieht natürlich teilweise auch wieder durch Veränderungen im Arrangement, aber auch unabhängig davon gibt's einige echte Highlights wie beispielsweise den Gitarren-"Dialog" nach 4:00 in "The Shortcomings Of Efficiency", dessen Motivik nachfolgend weiter ausgebaut wird, die polyrhythmische Wiederaufnahme des Intros nach 4:40 in "Square 5" oder die mühelose Übernahme des 10/8-Rhythmus durch Schlagzeug und Sequenz in "Over And Out". Überhaupt sind krumme Takte auf "ET EX" ziemlich verbreitet, was dann andererseits eben wieder ein netter Wink an die Retroprog-Fans sein dürfte.

So sind die elektronischen Klänge demnach dann wiederum auch eigentlich kein regelrechter Stilwechsel, sondern eher sowas wie eine immerhin drastische Erweiterung der stilistischen Bandbreite von Gösta Berlings Saga und also solche bestens dazu geeignet, Offenheit und Innovation zu demonstrieren - keine allzu schlechten Eigenschaften in einem Genre, das dem Namen nach doch eben den Anspruch erhebt, fortschrittlich zu sein. In diesem Sinne trifft "ET EX" also gleich mehrfach ins Schwarze: Als markiges Statement von Gösta Berlings Saga, als Progalbum überhaupt - und natürlich auch als eben gelungenes Labeldebüt. Weiter so!

Anspieltipp(s): Over And Out, Square 5, Fundament
Vergleichbar mit: Einerseits: Crimso, Anekdoten, Landberk. Andererseits: Zombi, Ashra, Voyag3r, Frizzi
Veröffentlicht am: 12.10.2018
Letzte Änderung: 13.10.2018
Wertung: 13/15
Kurzweil und Anspruch zwischen Elektronik und symphonischem Retroprog - wobei letzteres nicht mehr überwiegt

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Gösta Berlings Saga

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2006 Tid är ljud 10.50 2
2009 Detta Har Hänt 11.00 1
2011 Glue Works 12.50 2
2016 Sersophane 12.00 1

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