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Tracy Hitchings

From ignorance to ecstasy

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1991 (re-release 1999)
Besonderheiten/Stil: Neoprog; Rock / Pop / Mainstream
Label: Verglas
Durchschnittswertung: 5.33/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Tracy Hitchings vocals
Dave Wagstaffe drums
Ian Salmon bass
Clive Nolan keyboards,backing vocals, orchestration
Karl Groom guitars

Tracklist

Disc 1
1. Beauty and the beast 5:58
2. From ignorance to ecstasy 4:11
3. Escape 5:16
4. Horizons in your eyes 7:33
5. Caamora 11:26
6. Everything I am 4:04
7. Hide and seek 6:24
8. Behind the scenes 6:01
Gesamtlaufzeit50:53


Rezensionen


Von: Henning Mangold @ (Rezension 1 von 3)


Das soll ’n Soloalbum von der guten Tracy sein? Ganz sicher? Steht doch im Booklet "Words and music by Clive Nolan" – na, da weiß man doch in etwa, wie es sein wird. Ist auch so.

Wäre Tracy wirklich ein Star, dann würde ich so etwas ein "Star-Vehikel" nennen. So aber ist es ein weiteres Dokument aus der endlos erscheinenden Nolan-Schmiede. Der große Clive hat es sogar zweimal rausgebracht: ursprünglich 1991 aufgenommen und auf den Markt gekommen erschien das Teil bei Verglas (wo sonst?) noch mal acht Jahre später (da steht dann ganz ungeniert 1999 hinten drauf: das eigentliche Erscheinungsdatum wird nur innen im Booklet verraten), und dann erst kam es in meine Hände (unglaublich, wo ich doch so ein unermesslicher Tracy-Fan bin! :-)).

Muss es deshalb schlecht sein? Bewahre! Zwar waren nicht alle Besprechungen dieser Scheibe so übermäßig wohlwollend – was ich bei dem Umfang der Nolan-Veröffentlichungen auch irgendwie verstehen kann –, aber konzentrieren wir uns mal einen Moment lang auf die Vorzüge der Scheibe:

Der Titeltrack "From ignorance to ecstasy" bringt uns immerhin gute Erinnerungen an Nolan’s Formation "Shadowland”: zupft nicht Karl Groom seine Gitarre hier ganz ähnlich? Und werden bei dem Walzerrhythmus nicht auch Assoziationen zu frühen Landmarq-Alben wach? Und singt Tracy nicht immer noch interessanter als His Majesty Clive Himself auf Shadowland? Widerspricht etwa jemand?

So, nun endlich zu den etwas längeren Tracks (ja, echt, die gibt’s hier auch!): "Horizons in your eyes" (über 7 Minuten!) ist lyrischer Prog mit Erweiterungen (eine tolle Hookline zieht sich da durch), der voll ins Ohr geht, ob wir wollen oder nicht. So lang ist der zwar nicht wirklich, aber man kann’s ja noch toppen: "Caamora" (über 11 Minuten! Bin ich etwa der Einzige, der jetzt an merkwürdig klingende Longtrack-Titel bei Landmarq denkt?) bietet Neoprog der dramatischeren Sparte: "My house was a house of misconceptions", das ist Suspense pur, man kann gar nicht weghören, man schreit nach mehr: man kriegt auch noch mehr: "Cleanse my soul" schreit Tracy und wir zittern mit ihr, wenn der Text die Lebenslügen entlarvt.

Der Rest des Albums ist – Pop. Ehrlich, wer’s nicht glauben will, hat selbst schuld. Den Opener "Beauty and the beast", der sich nur zu Beginn in dem Gegrummel mit Glocken wichtig nimmt, gibt’s seit neuestem generalüberholt in Nolan’s Archivsammlung von Skeletten in Küchenschränken in einem Dance-mix (mir gefällt der Song in keiner Version, ich find’s nur lustig, dass man zum Schluss das Geklingel von Tracys Halskette hört – behauptet Nolan im Booklet zu den "Skeletten"!), "Escape" ist dagegen gelungener Pop, geradezu Prog-Pop, denn das Stück ist angenehm gegliedert und nicht zu berechenbar in der Melodieführung; die vorletzten zwei Songs sind sogar sehr gepflegter Pop, aber eben wieder ziemlich glatter Pop, und der Schlusstrack ("Behind the scenes"): was soll ich dazu sagen – ich hab schon überlegt (allein wegen des orchestralen Arrangements), ob ich mich zu diesem Song beerdigen lassen sollte, aber ich hatte mich ja längst für den "Modern day cavalier" von GLD entschieden. Bleibt auch dabei (keine Sorge, liebe Trauergäste, ich setze nicht täglich ein neues Testament auf!).

So, genug jetzt der Blödelei: das Album ist eine grundsolide Arbeit zwischen Prog und Pop, die jeder Nolan-Fan und vor allem jeder Hitchings-Fan haben sollte; wer allerdings mit Shadowland oder Landmarq schon nicht viel anfangen kann und auch keinen Wert darauf legt, eine poppige Version dieses Stils kennen zu lernen, sollte lieber Abstand nehmen. Ich finde jedenfalls, dass es viel zu wenig Aufnahmen von Tracy gibt...:-)

Anspieltipp(s): Escape
Vergleichbar mit: dem Nolan-Kosmos
Veröffentlicht am: 27.8.2003
Letzte Änderung: 27.8.2003
Wertung: 8/15

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Von: Kristian Selm @ (Rezension 2 von 3)


Nach und nach hat es sich Verglas zur Aufgabe gemacht, alle CDs, bei denen Clive Nolan irgendwann mal mitgewirkt hat (und das sind ja bekanntermaßen nicht gerade wenige!) wieder zu veröffentlichen. Ist ja auch nicht weiter verwunderlich, schließlich ist Meister Nolan Teilinhaber des Labels.

Und so kommt nach Shadowland, Strangers On A Train und Casino, jetzt Tracy Hitchings erste Solo CD unter den Hammer. Zugegebenermaßen besitzt sie eine wirklich ausdrucksstarke und variationsreiche Stimme, sieht dazu noch gut aus (hiermit entschuldige ich mich offiziell bei der weiblichen Leserschaft für diesen Machospruch!), aber dennoch kommt sie in ihrer ehemaligen Band Quasar oder auch jetzt bei Landmarq wesentlich besser zur Geltung, da bei diesen Bands einfach das musikalische Umfeld schlüssiger wirkt.

Auf "From ignorance to ecstasy" wirken zwar neben dem Keyboard Headbanger Clive Nolan als weitere Mitmusiker Karl Groom (Threshold), Dave Wagstaffe (Landmarq) und Ian Salmon mit, aber trotz aller fröhlichen Melodien, sinfonischen Breitwandsounds und neo-progressiver Eleganz, wirken die Anstrengungen zu technisch und kalt. Zum einen klingt das Schlagzeug viel zu synthetisch, zum anderen geht es doch hier und da eindeutig in Pop Prog Gefilde ohne rechten Tiefgang und Orientierung.

Die Songs wirken zu konstruiert und durchschaubar, ganz nach dem Motto: lasst uns zusammenkommen und einfach ein paar passable Ideen zusammenschustern. Doch ganz so blöd sind die Käufer ja schließlich doch nicht. Nette Arrangements und schöne Melodien flott zusammengeklebt reichen eben noch lange nicht aus, um daraus etwas Reichhaltiges entstehen zu lassen.

08/15 Kost von der Stange, schade, denn die einzelnen Musiker haben wesentlich mehr drauf, was sie später alle noch nachhaltig beweisen durften. Bestenfalls für Komplettisten oder blindlings folgende Anhänger des Weichspülsounds à la Nolan empfehlenswert.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.7.2004
Letzte Änderung: 29.9.2004
Wertung: 3/15

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Von: Gün Schote @ (Rezension 3 von 3)


Auch mitblödeln will!

Eine geheimnisvolle Einleitung, mystische Klänge – sofort nimmt man das Booklet dieser CD in die Hand und starrt auf das (Original-) Cover. Links ist eine steinerne Kreatur vor einem Vollmond zu sehen, diabolischer Blick, mit Engelsflügeln ausgestattet. Steht sie auf einem Friedhof, vielleicht ist sie Teil eines Mausoleums? Die Skulptur wirkt, als könne sie jeden Augenblick zum Leben erwachen, um Rache nehmend durch die Nacht zu ziehen. Wird sie dem Betrachter entgegen springen oder steigt sie gen Himmel in die Luft? Meine Gedanken kehren zurück zu einem vor Jahren gesehenen Horrorfilm. Rechts sieht man eine blutrote Rose auf einem braunen Untergrund liegen. Getrennt von ihrer Wurzel wird sie verwelken, austrocknen, sterben und ihre Schönheit wird für alle Zeiten verloren sein. In der Mitte blickt dem Betrachter endliche eine blonde Dame entgegen. Dank eines bestimmten Bereiches meines Gehirns identifiziere ich diesen Teil des Bildes als Portrait Tracy Hitchings. Tracy, Tracy, wässere die Rose, kämpfe für die Liebe, die den Tod überdauert! Währenddessen erklingt in meinen Gehörgängen noch immer mystisches Sausen. Doch halt! Musik stellt sich ein. Bass, eine Bassdrum, jawohl, da passiert etwas. “Worlds apart, we are worlds apart…“ singt Tracy in einer wundervollen Melodie, die mich zunächst zu fesseln weiß. Dann der Refrain: etwas aufdringlich, etwas gewöhnlich. Doch noch will ich nicht verzagen, denn Tracy, will heißen das Lied, lässt Vers #2 folgen. Keine Überraschung ist es, dass sich diesem zweiten Vers der Refrain erneut anschließt - Popmusik ist berechenbar, auch ohne Studium und Diplom. Aufmerksames Zuhören und ein durchschnittliches Erinnerungsvermögen reichen völlig aus. Doch plötzlich „Rumms“! – das Stück ist aus…nein, zu früh gemutmaßt, wieder wird die bedrohliche Atmosphäre des Intros aufgegriffen. Scheint sich um ein Outro zu handeln, immerhin strebt der Song seinem Ende entgegen. Eine Glocke ertönt und Tracy stöhnt, ohhh, ohhh, mhhhm, Tracy, Tracy alles in Ordnung mit dir? Fasse meine Hand, ich komme dir zur Hilfe.

„Beauty & the Beast“ ist der Opener von Tracy Hitchings Solodebüt, dem nach immerhin neunzehn Jahren bisher kein zweites Album folgen wollte. Gar nicht so schlecht, das erste Stück. Auch „Escape“ ist gar nicht so schlecht. Das Titelstück ist nicht so schlecht und selbst „Horizons in your Eyes“ ist gar nicht schlecht. Ok, gut sind sie auch nicht. Leider ist die Produktion und das Arrangement durch Clive Nolan einfach nolig. Es klingt so langweilig wie alles andere von Clive produzierte davor und danach. Das Fatale an seinem Sound ist, dass er langweilig ist. Keine Ecken, keine Kanten. Spandau Ballet klingen im Vergleich dazu unberechenbar und wild. Soviel Augenzwinkern versteckt sich hinter dieser Aussage gar nicht.

„Caamora“ – was hat Clive nur geritten, der armen Tracy diesen Longtrack auf’s Auge zu drücken? So etwas stigmatisiert doch. Tracy auf den Leib geschrieben ist das Ding ganz sicher nicht. Das Stück kann nur aus Nolans Schublade für fehlgeschlagene Werke stammen. Da hat sich der Schlawiner gedacht, egal, klingt eh alles gleich, merkt schon keiner. Ätsch, Clive, hab’s doch gemerkt!

Aber zurück zu Produktion und Arrangement: es trieft und tropft an allen Ecken und Ende (und dies, wo ich doch oben noch behaupte, es gäbe keine Ecken und Kanten). Man kann die Musik des Albums nicht als Progressive Rock bezeichnen und fortschrittlichen Schlager gibt’s ja gar nicht. Clive Nolan befand sich in einer kreativen Phase und da ihm gerade nichts Besseres einfiel und sonst auch niemand greifbar war, rief er Tracy an und sagte: „Tracy, du bist die Miss Universe der Prog-Szene, deshalb schreibe ich dir ein Album!“ Äh, fertig, aus, das war’s!

Anspieltipp(s): Beauty & The Beast
Vergleichbar mit: Clive Nolan (außer The Cast, die waren zwar auch poppig, aber dabei gut!)
Veröffentlicht am: 6.2.2010
Letzte Änderung: 6.2.2010
Wertung: 5/15

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